Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwoch- und Samstag». Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.
Samstag, den 4. August.
1888,
Amtlicher Theil.
Verzeichnitz
der Preise und des Gewichtes der Backwaaren für den Monat August 1888.
Namen der Bäcker bejw. Backmaaren- händler.
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1. Stadt Schlüchtern
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1.
Adam Freund, Bäcker
40
3
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23
—
2.
Ferdinand Rüffer, Bäcker
50
3
—
—
22
—
8.
Ph. Weitzel, Bäcker
40
3
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—
—
—
4.
H. Bolendsr, „
30
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—
5.
Georg Weitzel ,
50
3
—
—
22
6.
Leonh. Baist, „
50
3
—
—
22
22
7.
JohS. Weitzel, „
50
3
—
—
—
23
8.
Johannes Denhard
40
3
—
—
—
23
9.
W. Urbach, ,
5)
3
—
—
22
—
10.
Ludw. Bolender, Bäcker
50
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22
22
11.
Benedict Strauß ,
50
3
—
36
22
12.
Jgh». Gerlacb ,
30
3
—
—
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13.
s. 6
Philipp Rüffer „
Stadt Steinau.
50
3
22
1.
W.Enler, am Bellingerth.
40
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3
24
2.
W. Euler, Georgs Sohn
40
3
—
—
25
3.
Friedr Euler
40
3
—
-
—
25
4.
Johs. Weitzel, Johs. Sohn
40
3
3
—
—
25
5
Johs. Weitzel, W. Sohn
45
—
—
—
6
Friedrich Buß
45
3
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—
—
—
7.
Konrad Euler
40
3
—
—
—
25
8.
Konrad Buß
40
3
45
3
24
—
S 10.
Peter Fink
Dietrich Müller 1
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36
3
3
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11.
Ad. Fuchs Ww.! Händler
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12.
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Sophia Fink' )
Stadt Salmünster
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1.
Simon Wolf
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2.
Chr. Hinkelbein
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5.
6
—
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3.
Th. Weber, Bäcker
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6
22
4.
Joh. Georg Noä
90
6
50
6
—
22
5.
4. 4
H. Harnischfeger
Stadt Soden.
—
—
—
—
22
1.
Eduard Betz, Bäcker
40
3
50
3
—
22
2
Urban Beg, ,
10
3
50
3
—
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3 4;
Johannes Hild, „ Martin Kirchners DominikusHild sondier
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5.
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24
1.
Karl Fink
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2.
Benedikt Roll Wwe.
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3.
Karl Roll, Händler
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4. | Herm. Misbecker, Händl. Schlüchtern, den 30. Ju
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38.
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—
Der Königliche Landrath: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin, 26. Juli. Einen Selbstmordversuch unter erschütternd dramatischen, größtes Aufsehen erregenden Umständen beging am Mittwoch eine junge Dame aus den bessern Ständen, indem sie sich von einem, in voller Fahrt befindlichen Vergnügungsdampfer aus in die Havel stürzte. Der Bruder der Dame, ein junger Reserveoffizier, ebenfalls auf dem Dampfer, hatte die That der Unglücklichen bemerkt und warf sich, ohne einen Augenblick zu zögern, der Schwester nach in die Fluchen, um sie zu retten. Ein lautes Entsetzensgeschrei der übrigen Passagiere erhob sich, man sah die Geschwister in der Strömung des Dampfers mit den Fluchen sümpfen, eine unbeschreibliche Verwirrung unter den Anwesenden griff Platz, zum Glück aber verloren Mannschaft und Commandirender des Schiffes keinen Augenblick die Geistesgegenwart. Der Dampfer stoppte, RettungSgeräth wurde ausgeworfen, ein Boot bemannt, vorüberfahrende Ruderer von dem Vorfall verständigt und zur Hülfe herbeigerufen. Inzwischen war es dem Bruder gelungen, die bereits Versinkende wieder an die Oberfläche zu bringen und den Kopf der Ohnmächtig- gewordenen über Wasser zn erhalten, bis ihm Hülfe kam. Beide Geschwister wurden wieder an Bord des Dampfers geschafft, das junge Mädchen besinnungslos. Ein aus dem Schiffe anwesender Arzt stellte Wicder- bclcbUngsncrsuche an, die auch allmühlig Erfolg hatten. Der untröstliche Bruder erzählte, daß dies schon der zweite Selbstmordversuch der Schwester sei, die bereits mehrfach in einer Heilanstalt für Gemüthskranke gewesen und kürzlich als genesen wieder entlassen worden sei. Unglückliche Liebe liege dem Gemüihsleide» zu Grunde.
Berlin, 31. Juli. Der Kaiser hat befohlen, daß das Regiment Garde du Korps und alle Kürassir- Regimenter vom 1. Oktober d. I. ab m i t L a n z e n z u bewaffnen und auszubilden sind.
— Einen schneidigen Ritt hat am Donnerstag Vormittag ein Soldat der Potsdamer Garde-Ulanen ausgeführt. Seit einiger Zeit halten die Ulanen am Pichels- dorfer Gemünde mit ihren Pferden Schwimmübungen ab. Auch gestern wurden die Pferde bei Pichelswerder in die Havel getrieben, bei welchen Exerzitien die Soldaten im Badekostüm erscheinen. Vier Pferde müssen nun offenbar scheu geworden sein, denn kaum hatten sie das andere Ufer erreicht, als sie in wildem Lauf hinweg jagten und ihren Weg über Pichelsdorf, Boxfelde und Gatow nach Kladow nahmen. Ein Ulan, welcher mit einfacher Badehose zu Roß gefolgt war, setzte den Thieren nach und nach längerer Zeit gelang es dem kühnen Reiter, die Pferde in Kladow zn ergreifen. Hier lieh ihm ein Bauer einen Kittel und ein Beinkleid und in diesem neuen Kostüm trat der Ulan mit den eingefangenen Thieren den Rücktritt an. Bei seiner Ankunft sollen die Offiziere und Mannschaften des Regiments Thränen gelacht haben. Wie der „A. f. d. H." erfährt, wird der Ulan eine besondere Belohnung von seinen Vorgesetzten erhalten.
München. WildgewordeneElephanten haben am Dienstag hier eine Panik hervorgerufen, durch welche zahlreiche Verletzungen vorgekommen sind. Auch sind, wie die bis jetzt noch ziemlich ungenauen und sich widersprechenden Nachrichten besagen, Menschenleben zu beklagen. Der Hergang des Vorfalls ist kurz folgender: Der gegenwärtig in München weilende Circus Hagen- beck hatte zur Verschönerung des Festzugs anläßlich der Centenarfeier mehrere Elephanten geliefert, die durch einen gleichfalls im Zuge befindlichen feuer- und dampf- speienden Drachen scheu wurden, die Zugordnung durchbrachen und in die dichtgedrängten Reihen der Zuschauer hineinrannten, welche in wilder Flucht übereinander- stürzten. Nur mit großer Mühe gelang es, die scheu gewordenen Thierkolosse wieder einzufangen und es darf bei dem riesigen Verkehr von Menschenmassen, der zur Stunde der Panik in den Straßen Jsar-Athens wogte, als eine gütige Fügung des Schicksals angesehen werden, daß die Katastrophe nicht ungleich größere Dimensionen annahm. Dem unbefangenen Beurtheiln- muß es geradezu unverständlich erscheinen, daß sich die Münchener Polizeibehörde bereit finden ließ, ihre Erlaubniß zum Mitführen von Elephanten im Festzuge zu ertheilen. Der buntbewegte Zug, das lärmvolle Treiben zu beiden Seiten der Straßen, welche der Zug passirte, mußten die Gefahr des Scheuwerdens der Elephanten unseres Erachtens gewiß nahelegen.
Tages-Ereignisse.
Schlüchtern. Von Herrn Philipp Freund aus New- York ist uns eine Nummer der Festzeitung zugegangen, welche bei der Feier des großen Hessi,chen Volksfestes am 22. und 23. vorigen Monats in New-York ausgegeben ist- Wie daraus hervorgeht, traten im Festzuge Schlüchterner als Vertreter des Schlüchterner Seminars und Fuldaer in blauen Kitteln mit Dreschflegeln, großen Schüsseln und Löffeln auf. In einem der lebenden Bilder waren Ulrich v. Hütten und Franz V. Sickingen vertreten. Ueber den Schlüchterner Freundschafts-Bund in New-York enthält die Festzeitung folgende Angaben:
Schlüchterner Freundschafts-Bund.
Bersammlungs-Lokal: Henry Klöber's Halle, 289 Broome Str. Der Gründungstag dieses VereinS ist der 12. December 1878. Er zählt 85 Mitglieder und besitzt ein Kapital von Sterl. 2,800. Die regelmäßigen Versammlungen finden jeden 1. Sonntag im Monat statt.
Beamte: Jacob Freund, Präsident;
John Bauer, Vice-Präsident;
Philipp Freund, Protokoll-Secretär;
Chr. Böller, Finanz-Secretär;
Kaspar May, Schatzmeister.
Ex-Präsidenten sind: Nie. Freund, John Bauer, Jacob Freund, Ferd. Dehnhard, Frank I. Fuchs, Geo. Schauberger.
Daß unsern überseeischen Landsleuten der Witz und die gute Laune nicht vertrocknet ist, zeigt folgende gereimte Geschäftsanzeige eines aus Salmünster stammende» Metzgers Namens Harnischfeger r
Nennt immerhin die Hessen blind,
Die Hessen wissen, was sie sind,
Besonders, wenn sie etwas kaufe»,
Sei es zum Essen oder — trinken,
Da ist ihr Blick vortrefflich helle
Und unterscheiden auf der Stelle,
Was gut und brauchbar ist und fein
Und was untauglich scheint zu sein.
Nun kommen sie in hellen Schaaren
Und kaufen Wurst- und Fleisches-Waaren
In Yorkvilles erster Selcherei,
Beweis, daß Alles fein dort sei.
Ein Hesse ist's, ein wahrer Künstler,
Geboren in der Stadt Salmünster;
D'rum sollten alle guten Hessen Dort „Worscht" zu holen, nicht vergessen,
Und wählen sich zum Leib-Verpfleger
In Wurst und Fleisch den Harnischfeger.
— Bei dem diesjährigen Strohmangel machen wir unsere Landwirthe auf das seit ca. 10 Jahren mit großem Erfolge angewandte Streumaterial „Torfstreu" aufmerksam. Man schreibt über dieselbe: Rhöntorf- streu aus überwintertem, trockenem, reinstem, erd- und sandfreiem Sphagnummoose hergestellt, absorbirt pro Kilo 11—12 Kilo Feuchtigkeit und ist deshalb das beste und billigste Einstreu-Material in Viehställe jeder Art. Ein reinliches und weiches Lager für die Thiere saugt sie alle Jauche auf, bindet alle sonst flüchtigen Ammoniakgase der Excremente und erzielt eine vollständige Reinhaltung der Stallluft, was auf die Gesundheit der Thiere vortheilhaft wirkt und eine Verringerung der die Thiere belästigenden Fliegenschaar zur Folge hat. Desgleichen ist eine bessere Conservirung der Hufe, sowie eine weniger rasche Erhitzung der Haut, namentlich bei den Thieren constatirt, welche irgend ein Unfall längere Zeit hindurch zum Liegen nöthigt. — Rhöntorfmull:
1 Kilo vermag 14—15 Kilo Flüssigkeit aufzusaugen und übertrifft demnach die bekannten Torffabrikate Nord-, Mittel- und Süddeutschlands. Durch Einstreu in Aborte das vorzüglichste Mittel zur Bindung, Geruchlosmachung und anstandslosen Beseitigung menschlicher Excremente (besonders für Schulen, Lazarthe, Kasernen, Fabriken) und Abfälle in Schlachthäusern; nutzbringendeVerwendung des äußerst werthvollen Torffäcaldüngers, namentlich in Weinbergen, Gärtnereien, Obstbaumschulen rc. Ferner ist Mull geeignet als Verpackungs- und Conservirungs- material für Eier, Obst, Gemüse, Fleischwaaren u. s. W.; als schlechter Wärmeleiter, treffliche Füllungsmasse für Jsolirschichten in Eiskellern, sowie Schutzmaterial für Pflanzen gegen Nachtfröste u. dergl.
□ Romsthal, 27. Juli. Der Oberregierungsrath und Chef der Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen, Herr Opitz aus Cassel weilte heute in Begleitung des Herrn Stadtpfarrers Schulz aus Soden in hiesigem Orte. Der hohe Herr unterhielt sich längere Zeit mit mehreren ihm von Herrn Schulz vorgestellten Beamten und fuhr dann in der Richtung nach Salmünster weiter.
Soden. Herr Pfarrer Schulz hierselbst ist von Kgl. Regierung zum Lokalschulinspector über die Schule zu Alsfeld bestellt worden.
Fulda, 30. Juli. Am Freitag Nachmittag hat in nächster Nähe unserer Stadt eine Zigeuner-Hochzeit, an der ca. 100 Kinder des Südens und der eigens berufene sogenannte Zigcuuerkönig theilnahmen, auf freiem Felde unter Sang und Klang und Entfaltung glänzenden Prunkes stattgefunden. Die Polizei konnte gegen ihre Ansammlung mit 12 Wagen nicht einschreiten, da die „Familienhäupter" mit Gewerbescheinen oder Pferdehandelspatenten versehen waren.
— Bezüglich des jüngst gemeldeten unheimlichen Fundes von vier menschlichen Skeletten in Danzwiesen werden verschiedene Vermuthungen laut, deren wahrscheinlichste wohl die ist, daß die vier Leichen s. Z. in Folge einer Schlägerei — der Schädel eines der Skelette zeigt ein großes Loch — bei Seite geschafft, und die betreffenden Personen dann als verzogen oder ausgewandert betrachtet bezw. ausgegeben worden sind, wobei es immerhin noch auffällig bleibt, daß das Geheimniß, welches doch ohne Zweifel mehrere Mitwisser hatte, so lange bewahrt blieb. Möglich ist es auch, daß diese Skelette noch aus der sogenannten Franzofenzeit herrühren, welche dem Rhöngebiet zahlreiche Durchmärsche und mit ihnen so unerhörte Gewaltthaten, Bedrückungen und Erpressungen gebracht hat, daß es nicht zu verwundern ist, daß die Volksjustiz mit einzelnen Angehörige» der „großen Armee", welche ihr verirrt