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Frankfurt, 22. Juli. Ein am hiesigen Postamte III kürzlich aufgegebenes und an eine nicht existirende Adresse in Mainz befördertes Packet kam heute als unbestellbar zurück. Da der Absender ebenfalls unbekannt war und der Inhalt nach Verwesung roch, so wurde das Packet geöffnet und nachdem konstatirt wurde, daß sich darin die Leiche eines neugeborenen Kindes befand, der Polizei abgeliefert. (Franks. Ztg.)

Cassel, 20. Juli. Gestern trieb in hiesiger Stadt ein Schwindler der raffinirtesten Art sein Geschäft. Derselbe, ein noch junger Mann, bot in den hiesigen Geschäften Schreibmaterialien an, indem er gefälschte Papiere vorzeigte und sich für taubstumm ausgab. Nachdem ihm von einem Herrn ordentlich zugesetzt wurde, konnte er sehr gut sprechen. In ähnlichen Fällen sollten die Geschäftsinhaber jedesmal gleich einen Diener des Gesetzes kommen lassen, damit solche Patrone ihrer ge­rechten Strafe nicht entgehen.

(Ausübung der Jagd am Sonntage.) Eine wichtige, allgemein interessante maßgebende Ent­scheidung hat das Kammergericht als oberster Gerichts­hof in Bezug auf die Ausübung der Jagd am Sonntage gefällt. In der Provinz Hessen-Nassau, wie auch wohl in den übrigen Provinzen der Monarchie und den anderen Bundesstaaten, waren die Jäger und Jagdlieb­haber bisher in der Ansicht, daß am Sonntage nur besonders lärmende (Treib- und Klapper-) Jagden Vor­boten seien, daß dagegen Nachmittags nach der Kirche bezw. Abends der Anstand ausgeübt werden dürfte. Neben vielen Anderen war auch ein Oekonom in Hersfeld diesen Winter an einem Sonntag nach der Kirche auf den Anstand gegangen und hatte die Jagd ausgeübt. Zur Anzeige gebracht, war er dieserhalb wegen Ueber- tretung der Sabbathordnung bezw. wegen Uebertretung des § 366, Absatz 1 des Reichsstrafgesetzbuchcs vom Schöffengericht zu 3 Mk. Geldbuße verurtheilt worden. Hiergegen legte Angeklagter Berufung bei der Straf­kammer in Cassel ein, indem er durch seinen Rechts­beistand ausführen ließ, daß nach der Sabbathordnung nicht die Ausübung des Anstandes nach der Kirche, sondern nur das Abhalten von Treib- und Klapperjagden verboten sein könne. Die Strafkammer war jedoch der Ansicht des ersten Richters und verwarf die eingelegte Berufung. Der verurtheilte Jäger legte hierauf Revision gegen dies Urtheil ein, worauf die Sache vor dem Kammergericht in Berlin zur definitiven Entscheidung gelangte. Dieser oberste Gerichtshof für derartige Fälle verwarf nun aber vor einigen Tagen die eingelegte Revision unter Bestätigung des Urtheils der Strafkammer zu Lasset. In den Entscheidungsgründen wird ausgeführt, daß das Schießen und Jagen an Fest- und Feiertagen allgemein durch die Sabbathordnung verboten sei, es müsse deshalb eine Störung der Sonntagsfeier auch darin gefunden werden, wenn der Anstand außer der Zeit des Gottesdienstes bezw. nach Beendigung desselben ausgeübt werde.

T Ulmbach, 22. Juli. Ein schweres Gewitter mit woltenbruchartigem Regen zog gestern Abend in der Richtung von SW. nach O. über unsere Gegend. In Rabenstein schlug der Blitz (glücklicher Weise ohne zu zünden) in das Wohnhaus des Bauers Bruno Müller, zertrümmerte mehrere Dachsparren, Balken und Fenster, sowie einige Bilder und sonstige Mobiliarstücke im oberen und unteren Stockwerk und nahm, überall Spuren der furchtbaren Gewalt zurücklassend, seinen Ausgang durch den Keller. Die Familie Müller befand sich im Augenblick der Gefahr im Wohnzimmer und kam mit dem Schrecken davon. Der entstandene Schaden ist, trotz des sog. kalten Schlages, nicht unbeträchtlich.

Romsthal, 19. Juli. Die Angelegenheit bezügl. der Erhebung unserer Kaplanei zu einer Pfarrstelle scheint einen guten Schritt vorwärts gerückt zu sein. Gestern befand sich ein Bischöflicher Lommissar, $err Prälat Dr. Komp aus Fulda hier und soll es sich, wie verlautet, um Erwerbung eines Grundstücks zur Er­richtung eines Pfarrhauses gehandelt haben. Mit Ver­wirklichung der Sache wird nunmehr die große Pfarrei Salmünster zu einer der kleinsten der Diöcese zusammen- schrumpsen.

4*! Salmünster. Ein großer Theil der von Herrn Oberbauaufseher S c i p e l erbauten herrlichen Festhalle in Steinau ist von hiesigerStadt käuflich erworben worden. Dieselbe soll bei der bevorstehenden Fahnenweihe des Ge­sangvereinsCäcilia" als Festraum dienen und dann für ähnliche Fälle erhalten werden.

Die neue evangelische Kirche, eine Zierde unserer Stadt, ist baulich bereits fertig gestellt, so daß die Be­nutzung dieses schönen Gotteshauses hoffentlich recht bald wird geschehen können.

(!!) Aus dem Kreise. Die Einführung eines Heerd- buchs in unserm Kreise wird von den Landwirthen freudigst begrüßt und es gebührt dem Vorstand des Landwirthschaftl. Kreisvereins für die unablässigen Be­mühungen, unseren Viehstand, die fast noch einzige wesentliche Erwerbsquelle des Bauern, zu heben, der wärmste Dank. Was einer allseitigen Betheiligung an dem sehr empfchlenswerthen Unternehmen noch hindernd im Wege steht, ist der Umstand, daß es an Original­bullen fehlt. Die Zuchtstation Schlüchtern ist von manchen Gemeinden so weit entfernt, daß die Herbei­führung der Thiere mit Schwierigkeiten verknüpft ist. Würden in den Gemeinden Sterbfritz, Salmünster und Ulmbach noch Zuchtstationen errichtet werden, so dürften diese Schwierigkeiten wohl ziemlich außer Acht kommen.

C Birstein, 20. Juli. Man geht mit dem Plane um, hier demnächst eine katholische Schule zu gründen. Die nöthigen Mittel sollen, insoweit dieselben nicht schon von den interessirten Familien beschafft, aus der Kasse des Bonifaziusvereins aufgebracht werden.

* Fulda. Der Centralverein der Bienenzüchter an der Rhön hält am Sonntag, den 29. cr., seine dies­jährige Hauptversammlung in den Räumen der Harmonia zu Fulda. Mit derselben ist eine Ausstellung, Verloosung, Prämiirung und Gartenconcert der städtischen Kapelle verknüpft. Hervorragende Leistungen auf dem Gebiete der Bienenzucht sollen in diesem Jahre ganz besonders prämiirt werden. Wir empfehlen den Imkern, die Ausstellung, welche schön zu werden versprecht, zu be­suchen und zu beschicken.

Ausland.

St. Petersburg 21. Juli. Se. Maj. der Kaiser Wilhelm und Prinz Heinrich trafen nebst Gefolge gestern um 11 Uhr Vormittags auf dem hiesigen Lan­dungsplatz ein, wo sie von den Spitzen der Behörden empfangen und vom Publikum enthusiastisch begrüßt wurden. In 4 Dampfbarkaffen fuhren die Herrschaften dann zur Peter-Pauls-Festung, wo sie am Grab Kaiser- Alexander II. Kränze niederlegten. Dann besuchten sie das Häuschen Peter des Großen, nahmen die Begrüßung des Commandanten und der Garnison entgegen und fuhren um 2 Uhr Nachmittags auf einem Dampfer nach Oranienbaum, wo sie bei der Großfürstin Katharina und den Großfürsten Michael und Nikolaus den älteren Besuche abstatteten. Im Lager von Krasnoje-Selo traf Kaiser Wilhelm mit dem Czarenpaar und dem Prinzen Heinrich um 7 Uhr Abends ein. Am Bahnhof wurden die Herrschaften von den Mitgliedern des Kaiserhauses, der Generalität und einer Ehrenkompagnie des Wiborger Regiments empfangen. Beide Kaiser, sowie Prinz Heinrich bestiegen darauf die bereitstehenden Pferde und begaben sich, gefolgt von einer glänzenden Suite, nach dem Militärlager, wo sie überall enthusiastisch empfangen wurden. Die Kaiserin folgte mit der Großfürstin Xenia im Wagen nach. Kaiser Wilhelm beabsichtigt morgen noch den Namenstag der Königin von Griechenland mit- zufeiern und am Dienstag dann nach Stockholm weiter- zureisen.

Des

Freiherr» von Münchhausen eigene Grzaylung.

(gortseßung.)

Gerade noch zur rechten Zeit sprang ich auf, zog meinen Hirschfänger, und mit einem Streiche hieb ich den Kopf des Tigers ab, so daß der Rumpf zu meinen Füßen zuckle. Darauf rammte ich mit dem untern Ende meiner Flinte den Kopf noch tiefer in den Rachen des Krokodils, das nun jämmerlich ersticken mußte.

Bald nachdem ich diesen vollkommenen Sieg über zwei fürchterliche Feinde erfochten hatte, kam mein Freund, um zu sehen, was die Ursache meines Zurück­bleibens war.

Nach gegenseitigen Glückwünschen maßen wir das Krokodil und fanden es genau 40 Pariser Fuß und 7 Zoll lang.

Sobald wir dem Gouverneur dieses außerordentliche Abenteuer erzählt hatten, schickte er einen Wagen mit einigen Leuten aus und ließ die beiden Thiere nach 'einem Hause holen.

Aus dem Felle des Tigers mußte mir ein dortiger Kürschner Tabaksbeutel verfertigen, von denen ich einige meinen Bekannten zu Ceylon verehrte. Mit den übrigen machte ich bei unsrer Rückkunft nach Holland Geschenke an die Bürgermeister, die mir dagegen ein Geschenk von tausend Dukaten machen wollten, das ich nur mit vieler Mühe ablehnen konnte.

Die Haut des Krokodils wurde auf die gewöhnliche Art ausgestopft und macht nun eine der größten Merk­würdigkeiten in dem Museum zu Amsterdam aus, wo der Vorzeiger die ganze Geschichte jedem, den er herum- führt, erzählt. Dabei macht er denn freilich immer einige Zusätze, welche mit der Wahrheit und Wahrscheinlichkeit im Widerspruch stehen. So pflegt er zum Exempel zu sagen, daß der Tiger durch das Krokodil hindurchgesprungen fei und eben habe entwischen wollen, als Monsieur, der weltberühmte Baron, wie er mich zu nennen beliebt, den Kopf, sowie er heiauskam, und mit dem Kopfe drei Fuß von dem Schwänze des Krokodils abgehauen hätte. Das Krokodil," fährt der Kerl bisweilen fort,blieb bei dem Verluste seines Schwanzes nicht gleich­gültig, drehte sich um, riß Monsieur den Hirschfänger aus der Hand und verschlang ihn mit solcher Hitze, daß er mitten durch das Herz des Ungethüms fuhr und es auf der Stelle sein Leben verlor."

Man wird sich wohl denken können, wie unangenehm mir die Unverschämtheit dieses Schurken sein muß. Leute, die mich nicht kennen, werden durch dergleichen handgreifliche Lügen in unsrem zweifelsüchtigen Zeitalter leicht veranlaßt, selbst in die Wahrheit meiner wirklichen

Thaten ein Mißtrauen zu setzen, was einen Kavalier von Ehre im höchsten Grade kränkt und beleidigt.

Zweites See-Abenteuer.

Im Jahre 1776 schiffte ich mich zu Portsmouth auf einem englischen Kriegsschiffe erster Ordnung, mit hundert Kanonen und vierzehnhundert Mann, nach Nord- Amerika ein. Ich könnte hier zwar erst noch allerlei, was mir in England begegnet ist, erzählen; ich verspare es auf ein anderes Mal.

Auf unsrer Seereise begegnete uns nichts Merk­würdiges, bis wir ungefähr noch dreihundert Meilen von dem St. Lorenz-Flusse entfernt waren.

Hier stieß das Schiff mit erstaunlicher Gewalt gegen etwas an, das uns wie ein Fels vorkam. Gleichwohl konnten wir, als wir das Senkblei auswarfen, mit fünfhundert Klaftern noch keinen Grund finden. Was diesen Vorfall noch wunderbarer und beinahe unbegreiflich machte, war, daß wir unsre Steuerruder verloren, das Bugspriet mitten entzweibrach und alle unsre Masten von oben bis unten gänzlich zersplitterten, wovon auch zwei Matrosen über Bord stoben.

Ein ai mer Teufel, welcher gerade oben das Haupt­segel beilegte, flog wenigstens drei Meilen weit vom Schiffe weg, ehe er ins Wasser fiel. Allein er rettete doch dadurch das Leben, daß er, während er in der Luft flog, den Schwanz eines großen Seevogels ergriff, was nicht nur seinen Sturz ins Wasser milderte, sondern ihm auch Gelegenheit gab, auf dessen Rücken, oder viel­mehr zwischen Hals und Fittigen, so lange nachzu- schwimmen, bis er endlich an Bord genommen werden konnte.

Ein andrer Beweis von der Gewalt des Stoßes war der, daß alles Volk zwischen den Verdecken empor gegen die Kopfdecke geschnellt ward. Mein Kopf war dadurch ganz in den Magen hinabgepufft, und es dauerte wohl einige Monate, ehe er seine natürliche Stellung wieder bekam.

Noch befanden wir uns insgesammt in einem Zu­stande des Erstaunens und einer allgemeinen unbeschreib­lichen Verwirrung, als sich auf einmal alles durch die Erscheinung eines großen Walfisches aufklärte, welcher, an der Oberfläche des Wassers sich sonnend, einge­schlafen war.

Dieses Ungeheuer war so übel damit zufrieden, daß wir es mit unsrem Schiffe gestört hatten, daß es nicht nur mit seinem Schwänze die Galerie und einen Theil des Verdecks einschlug, sondern auch zu gleicher Zeit den Hauptanker, welcher wie gewöhnlich am Steuer aufgewunden )war, zwischen seine Zähne packle und wenigstens sechzig Meilen weit, sechs Meilen auf eine Stunde gerechnet, mit unsrem Schiffe davoneilte.

Gott weiß, wohin wir gezogen worden sein würden, wenn nicht glücklicherweise das Ankertau zerrissen wäre, wodurch der Walfisch nnser Schiff, wir aber auch zugleich unsren Anker verloren.

Als wir aber sechs Monate später wieder nach Europa zurücksegelten, fanden wir ebendenselben Walfisch, in einer Entfernung weniger Meilen von eben der Stelle, tot auf dem Wasser schwimmen, und er maß ungelogen der Länge nach wenigstens eine halbe Meile.

Da wir nun von einem so ungeheuren Thiere nur wenig an Bord nehmen konnten, so setzten wir unsre Boote aus, schnitten ihm mit großer Mühe den Kopf ab, und fanden zu .unsrer großen Freude nicht nur unsren Anker, sondern auch über vierzig Klafter Tau, welches auf der linken Seite seines Rachens in einem hohlen Zahne steckte.

Dies war der einzige besondere Umstand, der sich auf dieser Reise zutrug.

Doch halt! Eine Fatalität hätte ich beinahe ver­gessen. Als nämlich das erste Mal der Walfisch mit dem Schiffe davonschwamm, so bekam das Schiff einen Leck, und das Wasser drang so heftig herein, daß alle unsre Pumpen uns keine halbe Stunde vor dem Sinken hätten bewahren können. Zum guten Glücke entdeckte ich das Unheil zuerst. Es war ein großes Loch, um gefähr einen Fuß im Durchmesser. Auf allerlei Weise versuchte ich es, das Loch zu verstopfen, allein umsonst. Endlich rettete ich das schöne Schiff und alle seine zahl­reiche Mannschaft durch den glücklichsten Einfall von der Welt. Ob das Loch gleich so groß war, so füllte ich es dennoch aus, indem ich mich rückwärts in dasselbe Hineinsetzte. Meine Situation war zwar ein wenig kühl, indessen ward ich doch bald durch die Kunst des Zimmermanns erlöst.

Drittes See-Abente«er.

Einst war ich in großer Gefahr, im mittelländischen Meere umzukommen.

Ich badete mich nämlich an einem Sommer­nachmittage, unweit Marseille, in der angenehmen See, als ich einen großen Fisch mit weit aufgesperrtem Rachen in der größten Geschwindigkeit auf mich daherschießen sah. Zeit war hier schlechterdings nicht zu verlieren, auch war es unmöglich, ihm zu entkommen. Unverzüglich drückte ich mich so klein zusammen, als möglich, indem ich meine Füße heraufzog und die Arme dicht an den Leib schloß. In dieser Stellung schlüpfte ich gerade zwischen seinen Kiefern hindurch bis in den Magen hinab.