Einzelbild herunterladen
 

um Hülfe anging, festgehalten. DerHerr" erklärte zwar, er habe nur einen kleinen Scherz machen wollen, da aber unsere Polizeibehörde derartige Scherze gar nicht liebt, wurde er einstweilen nach Nummer Sicher gebracht. Der Junge hatte aber seine Stiefeletten wieder. K. A. Z.

Ausland.

Pest, 14. Juli. (DasGeheimnißdesTodten- gräbers). In der Tolnauer Ortschaft Ozora erregte, wie dasN. P. I." mittheilt, der folgende schauder­hafte Vorfall peinliches Aufsehen: Im Laufe des vorigen Monats starb das zweijährige Kind einer armen Tag- löhnerin. Die Mutter, welche krank darniederlag, bat ihre Verwandten, das Kind neben seinem Vater zu be­graben. Einige Tage später suchte sie das Grab ihres Kindes auf und gewahrte, daß das Kind nicht neben seinem Vater ruhe. Sie wandte sich an den Ortspfarrer, welcher ihrer Bitte, daß der Sarg transferirt werde, willfahrte. Der Todtengräber erklärte jedoch, daß die Leiche dort bleiben müsse, wo sie begraben wurde. Die Mutter ließ nun den Sarg durch Taglöhner ausgraben, fand jedoch zu ihrem Entsetzen, daß aus dem Sarge die Leiche ihres Kindes fehle. Sie erstattete bei dem Pfarrer sofort die Anzeige, dieser ließ noch mehrere Särge ausgraben und aus sämmtlichen Särgen fehlten die Leichen. Der Todtengräber wurde verhaftet und dem Tamarier Stuhlrichteramte überliefert, wo er bereits eingestanden hat, daß er die Leichen nach der Bestattung ausgegraben und als Schweinefutter verwendet habe. Der Unmensch hat diese fürchterliche Arbeit 15 Jahre lang fortgesetzt und die auf solche Weise gemästeten Schweine theils verkauft, theils selbst verzehrt.

Chicago, 18. Jnli. Bei einer gestern vorgenommenen Haussuchung wurden 12 Dinamitbomben, ein Re­volver und ein Dolch aufgefunden ; drei Personen wurden verhaftet. Polizeikommissar Bonfield giebt an, daß seit längerer Zeit eine Verschwörung bestanden habe, die gestern zum Ausbruch kommen sollte. Zwanzig Theil- nehmer hätten gestern beabsichtigt, die Wohnhäuser der Richter Gari, Grinnel und anderer an dem jüngsten Arnachistenprozesse betheiligten Personen zu zerstören. Nach Nachrichten soll die Zerstörung des Gerichtsaales, anderer öffentlicherGebäude und der Redaktionslokale beab­sichtigt gewesen sein. Unter den Verhafteten befindet sich ein bekannter Arnachistenführer. Man darf gespannt sein, welche Enthüllungen die kommenden Gerichtsver­handlungen über das heimliche Treiben der Mörder dringen werden, jedenfalls kann auch in dem vielgeprie­senen Lande der Freiheit gegen diese Todfeinde der Ge­sellschaft und der persönlichenSicherheit nicht unnachsichtig genug vorgegangen werden.

Des Freiherr« von Münchhausen eigene KrzMung.

Nicht lange hierauf machten die Russen mit den Türken Frieden, und ich wurde nebst andern Kriegs­gefangenen wieder nach St. Petersburg ausgeliefert. Ich nahm aber nun meinen Abschied und verließ Rußland.

Es herrschte damals über ganz Europa ein so außerordentlich strenger Winter, daß die Sonne eine Art von Frostschaden erlitten haben muß. woran sie seit der ganzen Zeit her bis aus den heutigen Tag gesiecht hat. Ich empfand daher auf der Rückreise in mein Vaterland ein weit größeres Ungemach, als ich auf meiner Hinreise nach Rußland erfahren hatte.

Ich mußte, weil mein Litauer in der Türkei ge­blieben war, mit der Post reifen.

Als sich's nun fügte, daß wir an einen engen hohlen Weg zwischen hohen Dornhecken kamen, so er­innerte ich den Postillon mit seinem Horn ein Zeichen zu geben, damit wir uns in diesem engen Passe nicht etwa gegen ein andres entgegenkommendes Fuhrwerk festfahren möchten. Mein Kerl setzte an und blies aus Leibeskräften in das Horn, aber alle seine Bemühungen waren umsonst. Nicht ein einziger Ton kam heraus, was uns ganz unerklärlich, ja in der That für ein rechtes Unglück zu achten war, indem bald eine andre uns entgegenkommende Kutsche auf uns stieß, vor welcher nun schlechterdings nicht vorbeizukommen war. Nichts­destoweniger sprang ich aus meinem Wagen und spannte zuvörderst die Pferde aus. Hierauf nahm ich den Wagen nebst den vier Rädern uud allen Päckereien auf meine Schultern und sprang damit über die Hecke, ungefähr neun Fuß hoch, was in Rücksicht auf die Schwere der Kutsche eben keine Kleinigkeit war, auf das Feld hinüber. Durch einen andern Rücksprnng gelangte ich wieder in den Weg. Darauf eilte ich zurück zu unsern Pferden, nahm unter jeden Arm eins und holte sie auf die vorige Art, nämlich durch einen zweimaligen Sprung hinüber und herüber, gleichfalls herbei, lief wieder anspannen und gelangte glücklich am Ende der Station zur Herberge

Noch hätte ich anführen sollen, daß eins von den Pferden, welches sehr muthig und nicht über vier Jahre alt war, ziemlich Unfug machen wollte. Denn als ich meinen zweiten Sprung über die Hecke that, m verrieth es durch sein Schnauben und Trampeln ein großes Mißbehagen an dieser heftigen Bewegung. Dies ver­wehrte ich ihm aber gar bald, indem ich seine Hinter­beine in meine Rocktasche steckte.

In der Herberge erholten wir uns wieder von unsrem Abenteuer. Der Postillion hängte sein Horn an einen Nagel beim Küchenfeuer und ich setzte mich ihm gegenüber.

Nun aber, was geschah!

Auf einmal ging's: Tereng! Tereng! teng! teng! Wir machten große Augen und fanden nun auf einmal die Ursache aus, warum der Postillon sein Horn nicht hatte blasen können. Die Töne waren in demselben festgefroren und kamen nun, so wie sie nach und nach auftauten, hell und klar, zu nicht geringer Ehre des Postillons, nachträglich heraus. Denn die ehrliche Haut unterhielt uns nun eine ziemliche Zeit lang mit der herrlichsten Modulation, ohne den Mund an das Horn zu bringen. Da hörten wir den preußischen Marsch Ach, du lieber Augustin Steh ich in finsterer Mitternacht nebst noch vielen andern Stückchen, auch sogar das schöne Abendlied: Nun ruhen alle Wälder. Mit diesem endigte sich denn dieser Tauspaß, sowie ich hiermit meine russische Reisegeschichte.

* *

*

Manche Reisende sind bisweilen im Stande, mehr zu behaupten, als genau genommen wahr sein mag. Daher ist es denn kein Wunder, wenn Leser oder Zu­hörer ein wenig zum Unglauben geneigt werden. Sollten indessen einige von den Lesern an meiner Wahr­haftigkeit zweifeln, so muß ich sie wegen ihrer Un- gläubigkeit herzlich bemitleiden und sie bitten, lieber die Zeitung wegzulegen, ehe ich meine Schiffsabenteuer beginne, die zwar fast wunderbarer, aber doch ebenso wahrheitsgetreu niedergeschrieben sind.

Erstes See-Abenteuer.

Gleich die erste Reise, die ich in meinem Leben machte, geraume Zeit vor der russischen, von der ich eben einige Merkwürdigkeiten erzählt habe, war eine Reise zur See.

Ich stand, wie mein Onkel, der schwarzbärtigste Husaren-Oberst, den ich je gesehen habe, mir oft zu- zuschnurren pflegte,noch mit den Gänsen im Prozesse", und man hielt noch für unentschieden, ob der Weiße Flaum an meinem Kinne Keim von Dunen oder von einem Barte wäre, als schon Reisen das einzige Dichten und Trachten meines Herzens war.

Da mein Vater theils selbst ein ehrliches Theil seiner früherenJahre mit Reisen zugebracht hatte, theils manchen Winterabend durch die aufrichtige und ungeschminkte Erzählung seiner Abenteuer verkürzte, so kann maü jene Neigung bei mir wohl mit ebenso gutem Grunde für angeboren als für eingeflößt halten.

Genug, ich ergriff jede Gelegenheit, die sich darbot oder nicht darbot, meiner unüberwindlichen Begierde, die Welt zu sehen, Befriedigung zu erbetteln oder zu ertrotzen, Mein vergebens. Gelang es mir auch einmal.

(Fortsetzung.)

Was war nun zu thun? Ich flocht mir einen Strick von dem Häckerling, so lang ich ihn nur immer machen konnte. Diesen befestigte ich an eines von des Mondes Hörnern und ließ mich daran herunter. Mit der rechten Hand hielt ich mich fest und in der linken führte ich meine Axt. Sowie ich nun eine Strecke hinuntergeglitten war, so hieb ich immer das überflüssige Stück über mir ab und knüpfte dasselbe rasch unten wieder an, wodurch ich denn ziemlich weit heruntergelangte. Dieses wiederholte Abhauen und Anknüpfen machte nun freilich den Strick ebensowenig besser, als ich mich völlig herab auf des Sultans Landgut brächte. Ich mochte wohl noch ein paar Meilen weit droben in den Wolken sein, als mein Strick auf einmal zerriß und ich mit solcher Heftigkeit auf die Erde herabfiel, daß ich ganz betäubt wurde. Durch die Schwere meines von einer solchen Höhe herabfallenden Körpers fiel ich ein Loch, wenigstens neun Klafter tief, in die Erde hinein.

Ich erholte mich zwar endlich wieder, wußte aber nun nicht, wie ich wieder herauskommen sollte. Allein was thut nicht die Noth? Ich grub mir mit meinen Nägeln eine Art von Treppe und förderte mich dadurch glücklich zu Tage.

Durch diese mühselige Erfahrung klüger gemacht, fing ich's nachher besser an, die Bären, die so gern nach meinen Bienen und den Honigstöcken stiegen, loS zu werden. Ich bestrich die Deichsel eines Ackerwagens mit Honig und legte mich nicht weit davon des NachtS in einen Hinterhalt.

Was ich vermuthete, das geschah. Ein ungeheurer Bär, herbeigelockt durch den süßen Duft des Honigs, kam an und sing vorn an der Spitze der Stange so begierig an zu lecken, daß er sich die ganze Stange durch Schlund, Magen und Bauch, bis hinten wieder hinausleckte. Als er sich nun so artig auf die Stange hinaufgeleckt hatte, lief ich hinzu, steckte vorn durch das Loch der Deichsel einen langen Pflock, verwehrte dadurch dem Rascher den Rückzug und ließ ihn sitzen bis zum andern Morgen.

Ueber dieses Stückchen wollte sich der Großsultan, her von ungefähr vorbeispazierte, fast tvdtlachen.

bei meinem Vater eine kleine Bresche zu machen, so leisteten Mama und Tante desto heftigeren Widerstand, und in wenigen Augenblicken war alles, was ich durch die überlegtesten Angriffe gewonnen hatte, wieder verloren.

Endlich fügte sich's, daß einer meiner mütterlichen Verwandten uns besuchte. Ich wurde bald sein Liebling; er sagte mir oft, ich wäre ein hübscher, munterer Junge, und er wolle alles Mögliche thun, mir zur Erfüllung meines sehnlichsten Wunsches behilflich zu sein.

Seine Beredsamkeit war wirksamer als die meinige, und nach vielen Vorstellungen und Gegenvorstellungen, Einwendungen und Widerlegungen wurde endlich zu meiner unaussprechlichen Freude beschlossen, daß ich ihn auf seiner Reise nach Ceylon, wo sein Onkel viele Jahre Gouverneur gewesen war, begleiten sollte.

Wir segelten mit wichtigen Aufträgen des holländischen Staates von Amsterdam ab.

Unsre Reise hatte, wenn ich einen außerordentlichen Sturm abrechne, nichts Besonderes. Dieses Sturmes aber muß ich, feiner1 wunderbaren Folgen wegen, mit einigen Worten gedenken.

Er hub an, gerade als wir bei einer Insel vor Anker lagen, um uns mit Holz und Wasser zu versorgen, und tobte mit solcher Heftigkeit, daß er eine große Menge Bäume von ungeheurer Dicke und Höhe mit der Wurzel aus der Erde riß und durch die Luft schleuderte.

Ungeachtet einige dieser Bäume mehrere hundert Centner schwer waren, so sahen sie doch wegen der unermeßlichen Höhe denn sie waren wenigstens fünf Meilen über der Erde nicht größer aus, als kleine Vogelfederchen, die bisweilen in der Luft ;umherfliegen. Indeß, sowie der Orkan sich legte, fiel jeder Baum senkrecht in seine Stelle und schlug sogleich wieder Wurzel, so daß kaum eine Spur der Verwüstung zu sehen war.

Nur der größte machte hiervon eine Ausnahme. Als er durch die plötzliche Gewalt des Sturmes aus der Erde ausgerissen wurde, saß gerade ein Mann mit seinem Weibe auf den Besten desselben und pflückte Gurken; benn, in diesem Theile der Welt wächst diese herrliche Frucht auf Bäumen. Das eheliche Paar machte geduldig die Luftreise mit, veranlaßte aber durch seine Schwere, daß der Baum sowohl von seiner Richtung gegen seinen vorigen Platz abwich, als auch in einer horizontalen Lage herunterkam. Nun hattte, wie die meisten Einwohner dieser Insel, so auch ihr aller» gnädigster Beherrscher während des Sturmes seine Wohnung verlassen, aus Furcht, unter den Trümmern desselben begraben zu werden, und wollte gerade wieder durch seinen Garten zurückgchen, als dieser Baum her- niedersauste und ihn glücklicherweise auf der Stelle todtschlug.

Glücklicherweise?"

Ja, ja, glücklicherweise. Denn dieser Landesvater war, mit Erlaubniß zu melden, der abscheulichste Tyrann, und die Einwohner der Insel, selbst seine Günstlinge nicht ausgenommen, die elendesten Geschöpfe unter dem Monde. In seinenVorrathshäusern verfaulten die Lebens­mittel, während seine Unterthanen, denen sie abgepreßt waren, vor Hunger verschmachteten. Seine Insel hatte keine auswärtigen Feinde zu fürchten, dessenungeachtet nahm er jeden jungen Kerl weg, prügelte ihn höchst eigenhändig zum Helden und verkaufte von Zeit zu Zeit sein ganzes Militär dem Meistbietenden benachbarten Fürsten, um zu den Millioneu Muscheln, die er von seinem Vater geerbt hatte, neue Millionen zu legen.

Zur Dankbarkeit für den großen Dienst, den das gurkenpflückende Paar, obgleich nur zufälliger Weise, seinen Mitbürgern erwiesen hatte, wurde es von diesen auf den erledigten Thron gesetzt.

Zwar waren diese guten Leutchen auf ihrer Luftfahrt dem großen Lichte der Welt so nahe gekommen, daß sie das Licht ihrer Augen und noch überdies eine kleine Portion ihres inneren Lichtes dabei zugesetzt hatten; allein nichtsdestoweniger regierten sie so löblich, daß, wie ich in der Folge erfuhr, Niemand Gurken, ohne zu sprechen: Gott erhalte unsern Landesvater!

Nachdem wir unser Schiff, das von diesem Sturme j nicht wenig beschädigt war, wieder ausgebessert und ; uns von dem neuen Monarchen und seiner Gemahlin beurlaubt hatten, segelten wir mit ziemlichem Winde ab und kamen nach sechs Wochen glücklich zu Ceylon an.

Es mochten ungefähr vierzehn Tage seit unsrer Ankunft verstrichen sein, als mir der älteste Sohn unsres Gouverneurs den Vorschlag machte, mit ih'N auf die Jagd zu gehen, was ich auch herzlich gern annahm.

Mein Freund war ein großer, starker Mann und an die Hitze jenes Klimas gewöhnt; ich aber wurde in kurzer Zeit und bei ganz mäßiger Bewegung so mall, daß ich, als wir in den Wald gekommen waren, weil hinter ihm zurückblieb.

Ich wollte mich eben an dem Ufer eines reißenden Stromes niedersetzen, um mich etwas auszuruheu, als ich auf einmal auf dem Wege, den ich gekommen war, ein Geräusch hörte.

Ich sah zurück und wurde fast versteinert, als ich einen ungeheuren Tiger erblickte, der gerade auf mich ' zukam und mich nicht undeutlich merken ließ, daß er gnädigst geruhe, meinen armen Leichnam zu Mn>