Einzelbild herunterladen
 

gegenüber befand sich das Musik- und Sängerpodium, von welchem die Fahnen der einzelnen Vereine herab- wehten. Die auf beiden Seiten des Podiums hergestellten geräumigen Tanzplätze übten auf alt und jung ihre unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Das Orchester war gut besetzt. Nicht vergessen dürfen wir, dem lei­tenden Festausschuß, der durch seine Vorarbeiten und sonstigen Anordnungen wesentlich zum Gelingen des Festes beigetragen hat, in jeder Hinsicht das höchste Lob zu spenden. Daß es auch den Sängern in der gast­lichen Stadt behagte, geht daraus hervor, daß die meisten erst in später Stunde den Heimweg antraten. Es war ein frisches, fröhliches Leben, keinerlei Ausschreitungen kamen vor. Deshalb mußte sich jedem Unbefangenen das Urtheil und der Wunsch aufdrängen: Es war ein schönes Fest; möchten sich ihm noch viele ähnliche an reihen!

Fulda, 9. Juli. DieKr.-Z." schreibt: Im August wann, ist näher noch gar nicht bestimmt ist eine Bischofsversammlung zu Fulda in Aussicht genommen.

Die Tagesordnung ist noch nicht festgesetzt; es finden u. A. gegenwärtig Verhandlungen zwischen den bischöf­lichen Ordinarien statt, ob es angemessen sei, bei dieser Gelegenheit Sr. Maj. dem Kaiser eine Adresse zu senden.

Frankfurt, 10. Juli. Ein neuer Silberdiebstahl ist in der Nacht zum vergangenen Sonntag in früher Morgenstunde in dem Hause des Chemikers Dr. Rumpf, Lersnerstraße 12, verübt worden. Das Dienstmädchen hörte des Morgens um 5 Uhr beim Erwachen ein Klirren im Parterre, schlief aber weiter. Als das Mädchen nach 6 Uhr herunterkam, bemerkte es im Garten einen Pelzmantel; in demselben fanden sich 2 silberne Becher vor, Sachen, welche die Diebe durch das wahrgenommene Erwachen des Dienstmädchens auf ihrer Flucht im Stiche ließen. Nun erst entdeckte man den Einbruch in zwei Parterrezimmer. Schränke, Kommoden rc. waren geplündert. Es fehlen: eine goldene Uhr, goldene Garnituhren, silbernes Besteck rc., sowie 250 Mark baares Geld und Briefmarken. Der Verlust be­ziffert sich auf nahezu 1000 Mark. Von dem Einbrecher fehlt jede Spur.

Wabern. Vom gestorbenen Kaiser Friedrich berichtet ein Augenzeuge eine hübsche Szene: Gelegentlich der Kaisermanöver im Jahre 1878 wurden die Bürgermeister der Kreise Fritzlar, Homberg, Melsungen und Ziegenhain auf dem Bahnhof Wabern den hohen Herrschaften vor­gestellt. Während Kaiser Wilhelm sich huldvollst mit den Vertretern der Gemeinden unterhielt, beschäftigte

sich Kronprinz Friedrich Wilhelm namentlich mit den Schwälmern, welche in ihrer Nationaltracht erschienen waren. Einem derselben nahm er die goldgestickte Pelzmütze vom Kopfe und setzte dieselbe sich auf's Haupt, während er dein Bürgermeister seinen Helm aussetzte und dabei die sein freundliches Herz kenn­zeichnenden Worte sprach:Nicht wahr, ich würde auch einen schönen Schwälmer Bürgermeister vorstellen?"

Des Kreiherrn von Mimchhausen eigene Erzählung.

(Fortsetzung.)

Einst (eS war kurz nach meiner Verheirathung) bezeigte meine Frau Lust, auf die Jagd zu gehen. Ich ritt voran, um etwas aufzusuchen, und es dauerte nicht lange, so stand mein Hund vor einer Kette von einigen hundert Hühnern. Ich wartete immer und immer auf meine Frau, die mit meinem Lientnant und einem Reitknechte gleich nach mir weggeritten war; niemand aber war zu sehen und zu hören.

Endlich werde ich unruhig, kehre um, und ungefähr auf der Hälfte des Weges höre ich ein äußerst klägliches Winseln. Es schien mir ziemlich nahe zu sein, und doch war weit und breit keine lebendige Seele zu erblicken.

Ich stieg ab, legte mein Ohr auf den Boden, und nun hörte ich nicht nur, daß dies Jammern unter der Erde war, sondern erkannte auch ganz deutlich die Stimme meiner Frau, meines Lieutnants und meines Reitknechts. Zugleich sah ich auch, daß nicht weit von mir die Oeffnung einer Steinkohlengrube war, und es blieb mir nun leider kein Zweifel mehr, daß mein armes Weib und ihre Begleiter da hineingestürzt waren.

Ich eilte in voller Karriere nach dem nächsten Dorfe, um die Grubenleute zu holen, die endlich, nach langer, höchst mühseliger Arbeit die Verunglückten aus einem neunzehn Klafter liefen Schacht zu Tage förderten.

Erst brachten sie den Reitknecht, dann sein Pferd, dann den Lieutnant, dann sein Pferd, dann meine Frau, und zuletzt ihren türkischen Klepper.

Das Wunderbarste bei der ganzen Sache war, daß Menschen und Pferde bei dem ungeheuren Sturze, einige kleine Quetschungen abgerechnet, fast gar nicht beschädigt waren; desto mehr aber hatten sie durch unaussprechliche Angst gelitten.

An eine Jagd war nun, wie man sich leicht vorstellen kann, nicht mehr zu denken; und da der Leser,' wie ich fast vermuthe, meinen Hund während dieser Erzählung ver- {essen hat, wird er es mir nicht übel nehmen, daß auch h nicht mehr an ihn dachte,

Mein Dienst nöthigte mich, gleich den andernMorgen eine Reise anzutreten, von der ich erst nach vierzehn Tagen zurückkam.

Ich war kaum einige Stunden zu Hause, als ich meineDiana" vermißte.

Niemand hatte sich um sie bekümmert; meine Leute hatten sämmtlich geglaubt, sie wäre mit mir gelaufen, und nun war sie zu meinem großen Leidwesen nirgends zu finden.

Endlich kam mir der Gedanke: Sollte der Hund wohl gar noch bei den Hühnern sein?

Hoffnung und Furcht jagten mich sofort nach der Gegend hin, und siehe da! zu meiner unsäglichen Freude stand mein Hund noch auf derselben Stelle, wo ich ihn vor vierzehn Tagen verlassen hatte.

Avance!" rief ich, und sogleich sprang er ein, und ich bekam auf einen Schuß fünfundzwanzig Hühner

Kaum aber konnte das arme Thier zu mir an- kriechen, so ausgehungert und abgemattet war es. Um ihn mit mir nach Hause bringen zu können, mußte ich ihn auf mein Pferd nehmen, und man kann sich leicht denken, daß ich mich mit der größten Freude dieser Unbequemlichkeit unterzog.

Nach einer guten Pflege von wenigen Tagen war er wieder so frisch und munter als zuvor, und einige Wochen darauf machte er es mir möglich, ein Räthsel aufzulösen, was mir ohne ihn wahrscheinlich ewig ungelöst

hätte bleiben müssen.

Ich jagte nämlich zwei ganze Tage hinter einem Hasen her. Mein Hund brächte ihn immer wieder herum, aber nie konnte ich zum Schusse kommen.

An Hexerei zu glauben ist meine Sache nie ge­wesen, dazu habe ich zu außerordentliche Dinge erlebt; allein hier war ich doch mit meinen fünf Sinnen am Ende.

Endlich kam mir aber doch der Hase so nahe, daß ich ihn mit meinem Gewehr erreichen konnte. Er stürzte nieder, und wer malt mein Erstaunen, als ich ihn näher besah!

Vier Läufe hatte mein Hase unter dem Leibe und viere auf dem Rücken. Waren die zwei unteren Paar müde, so warf er sich wie ein geschickter Schwimmer, der auf Bauch und Rücken schwimmen kann, herum, und nun ging es mit den beiden neuen mit verstärkter Geschwindigkeit fort.

Nie habe ich nachher einen Hasen von der Art gefunden, und auch diesen würde ich nicht bekommen haben, wenn mein Hund nicht so ungemeine Vollkommen­heiten gehabt hätte. Dieser aber übertraf sein ganzes Geschlecht so sehr, daß ich kein Bedenken tragen würde, ihm den Beinamendes Einzigen" beizulegen, wenn nicht ein Windspiel, daß ich hatte, ihm diese Ehre streitig machte.

Das Thierchen war minder wegen seiner Gestalt, als wegen seiner außerordentlichen Schnelligkeit merk­würdig. Wer es sah, mußte es bewundern, und konnte wohl begreifen, daß ich es so lieb hatte und so oft mit ihm jagte. Es lief so schnell, so oft und so lange in meinem Dienste, daß es sich die Beine ganz bis dicht unterm Leibe weglief, und ich es in seiner letzten Lebens­zeit nur noch als Dachssucher gebrauchen konnte, in welcher Qualität es mir denn ebenfalls noch manches Jahr diente.

Solange es noch als Windspiel diente beiläufig zu melden, es war eine Hündin setzte sie einst hinter einem Hasen her. Nur in sehr weiter Entfernung konnte ich zu Pferde nachfolgen. Auf einmal hörte ich ein Gekläffe, wie von einer ganzen Koppel Hunde, allein so schwach und zart, daß ich nicht wußte, was ich daraus machen sollte. Wie ich näher kam, sah ich mein himmel­blaues Wunder.

Die Häsin hatte im Laufen gesetzt und meine Hündin geworfen, und zwar jene gerade ebensoviele junge Hasen, als diese junge Hunde. Jnstinktmäßig hatten jene die Flucht genommen, diese aber nicht nur gejagt, sondern auch gefangen. Dadurch gelangte ich am Ende der Jagd auf einmal zu sechs Hasen und Hunden, da ich doch nur mit einem einzigen angefangen hatte.

Ich gedenke dieser wunderbaren Hündin mit eben- dem Vergnügen, als eines vortrefflichen litauischen Pferdes, welches nicht mit Geld zu bezahlen war. Dieses bekam ich durch ein Ungefähr, welches mir Ge­legenheit gab, meine Reitkunst zu meinem nicht geringen Ruhme zu zeigen.

Ich war nämlich einst auf dem prächtigen Landsitze des Grafen Przbofsky in Litauen und blieb im Staats- zimmer bei den Damen zum Thee, indessen die Herren hinunter in den Hof gingen, um ein junges Pferd von Geblüte zu besehen, welches soeben angelangt war. Plötzlich hörten wir einen Nothschrei.

Ich eilte die Treppe hinab und fand das Pferd so wild und unbändig, daß Niemand sich getraute, sich ihm zu nähern oder es zu besteigen. Bestürzt und ver­wirrt standen die entschlossensten Reiter da; Angst und Besorgniß schwebte auf allen Gesichtern, als ich mit einem einzigen Sprunge auf seinem Rücken saß und das Pferd durch diese Ueberraschung nicht nur in Schrecken setzte, sondern es auch durch Anwendung meiner besten Reitkünste gänzlich zu Ruhe und Gehorsam brächte,

Um dies de» Dame« noch besser zu zeige« und

ihnen alle unnöthige Besorgniß zu ersparen, zwang ich den Gaul, durch eines der offenen Fenster des Thee­zimmers mit mir hineinzusetzen. Hier ritt ich nun ver­schiedene Mal, bald Schritt, bald Trab, bald Galopp herum, setzte endlich sogar auf den Theetisch und machte da im kleinen überaus artig die ganze Schule durch, worüber sich denn die Damen ganz ausnehmend ergötzten. Mein Rößchen machte Alles so bewundernswürdig ge­schickt, daß es weder Kannen noch Tassen zerbrach.

Dies setzte mich bei den Damen und dem Herrn Grafen so hoch in Gunst, daß er mit seiner gewöhnlichen Heiterkeit mich bat, das junge Pferd zum Geschenke von ihm anzunehmen und auf selbigem in dem Feldzuge gegen die Türken, welcher in Kurzem unter der Anfüh­rung des Grasen Münich eröffnet werden sollte, auf Sieg und Eroberung auszureiten.

Ein angenehmeres Geschenk hätte mir nun wohl nicht leicht gemacht werden können, besonders da es mir so viel Gutes von einem Feldzuge weissagte, in welchem ich mein erstes Probestück als Soldat ablegen wollte. Ein Pferd, so gefügig, so muthvoll und feurig Lamm und Buccphalus zugleich mußte mich allezeit an die Pflichten eines braven Soldaten und an die erstaunlichen Thaten erinnern, welche der junge Alexander im Felde verrichtet hat.

Wir zogen, wie es scheint, unter Anderem auch in der Absicht zu Felde, um die Ehre der russischen Waffen, welche in dem Feldzuge unter Zar Peter am Pruth ein wenig gelitten hatte, wieder herzustellen. Dies ge­lang uns auch vollkommen durch verschiedene, zwar mühselige, aber doch rühmliche Feldzüge, unter Anführung des großen Feldherrn, dessen ich eben erwähnte.

Die Bescheidenheit verbietet es Subalternen, sich große Thaten und Siege zuzuschreiben, wovon der Ruhm gemeiniglich den Anführern in Rechnung gebracht wird.

Ich mache also keinen besonderen Anspruch an die Ehre von unseren größeren Affairen mit dem Feinde. Wir thaten insgesammt unsere Schuldigkeit, welches in der Sprache des Patrioten, des Soldaten, und kurz dxS braven Mannes ein sehr viel umfassender Ausdruck, ein Ausdruck von sehr wichtigem Inhalt und Belang ist. Da ich indessen ein Corps Husaren unter meinem Com- mando hatte, so ging ich auf verschiedene Expeditionen aus, wo das Verhalten meiner eignen Klugheit und Tapferkeit überlassen war. Den Erfolg hiervon, denke ich denn doch, kann ich mit gutem Fug auf meine eigne und die Rechnung derjenigen braven Gefährten schreiben, die ich zu Sieg und Eroberung führte.

Einst, als wir die Türken in Oczakow hineintrieben, gings bei der Avantgarde sehr heiß her. Mein feuriger Litauer hätte mich beinahe in des Teufels Küche gebracht.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

Eine Hexengeschichte beschäftigte in diesen Tagen das Landgericht zu Kempten. Ein gewisser Xaver Endres in Wank turirt das Vieh undentbext" es auch. So hat er neulich bei dem Bauern Ostheimer in Halslach den verhexten Viehstall von den bösen Geister» gereinigt, wobei er folgendermaßen verfuhr: Er machte Feuer im Kuhstall, nahm zwei Eisenstangen, erglühte dieselben und goß Milch darüber, bedeutete dann dem Ostheimer, indem er dazu betete, daß die auf dem Eisen zurückgebliebene Milchhaut die Haut der Hexe sei und daß diese selbst bis auf jenes Ueberbleibsel nun glücklich verbrannt wäre. Der Spaß kostet den Bauer 17 Mark und dem biederen Hexenbezwinger drei Wochen Haft wegen groben Unfugs.

Ueb ertrumpft. Zwei junge Kaufleute streiten miteinander. Jeder behauptet, das Geschäft seines Prinzipals sei das bedeutendere.Unsere Reisenden", meint der Eine,haben so viel zu thun, daß sie fast das ganze Jahr auf der Tour sind.Bah", ent- gegucte der Anderedas ist noch gar nichts. Wir haben Reisende, die gar nicht mehr wiederkommen."

Eingesandt.

Es kann Niemandem verwehrt werden, leere oder ausgebaute Bienenwohnungen ohne Völker auf seinem Eigenthum aufzustellen, vorausgesetzt, daß dieselben nicht den Bau an der Faulbrut gestorbener Völker enthalten. Zieht ein fremder Schwärm in eine unbesetzte Wohnung ein, so muß derselbe seinem Eigenthümer zurückgegeben oder letzterer entschädigt werden. 8

200 todte Russen und Schwaben fand ich beim einmaligen Einstäuben mit Ihrem Strubelin, nichts hat sich seitdem wieder gezeigt. Auch gegen sonstiges Ungeziefer erwies sich ihr Insektenpulver als das Beste.

O. Pisani,

München.

Allein ächt bei: Ferd. Fenner.

Kirchlicher Anzeiger für Schlächtern.

Sonntag, den 15. Juli 1888:

Morgengottesdienst: Herr Superintendent He»-

Nachmittagsgottesdienst: derselbe.

Wochendienst in der Stadt; Herr Pfarrer Härmst