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Ersterer räumte ein, daß zwischen ihnen eine Verabredung stattgefunden habe und daß er wider seinen Willen dabei den Angreifer habe spielen müssen.

Freiburg. Süddeutsche Blätter berichteten, daß auf dem Bahnhof von Freiburg ein französischer Reisender von Studenten in gröblichster Weise insultirt worden ist. Leider ist die bedauernswerthe Nachricht wahr. Der beleidigte Passagier, dem u. A. der Hut vom Kopfe ge­schlagen wurde, war kein Franzose, sondern Italiener. Bier Mitglieder des betreffenden studentischen Corps sind mit einer Carcerstrafe von 8 Tagen bis zu 3 Wochen bestraft worden. Ferner ist die Suspension des Korps für das Sommersemester beantragt.

von Kaiser Wilhelm an den Präsidenten Carnot gerichtete Telegramm abgeschwächt, welches am Mittwoch im Ministerrath in Paris zur Verlesung gelangt ist. Kaiser- Wilhelm dankt in warmen Worten für die beim Tode seines hochseligen Vaters bezeugte Theilnahme und schließt sich dem Wunsche an, daß die guten Beziehungen zwischen den beiden Staaten erhalten bleiben möchten.

Eine schwere Blutthat wird aus dem Nord-Viertel vom gestrigen Abend gemeldet. In dem Hause Kastanien- Allee 88 ist dem Maurer Kaiser die Hausverwaltung übergeben, und hat sich derselbe den Miethern gegenüber recht unbeliebt gemacht. Als gestern Abend gegen 9"/a Uhr die 14jährige Tochter des in dem Hause wohnenden Kanalisations-Arbeiters Hände den Hausflur betrat, kam ihr Kaiser entgegen, überhäufte sie eines geringen Grundes wegen mit Schimpfworten und schlug schließlich auf die H. ein. Auf das Geschrei des Mädchens eilte der 60 jährige Vater derselben herbei, um sein Kind vor den Mißhandlungen zu schützen, und es gelang ihm auch mit Hilfe einiger Nachbaren den tobenden K. zu ent- fernen, welch letzterer sich darauf aber nach seiner im Parterre belegenen Wohnung begab, um alsbald mit einem Dolchmesser bewaffnet, zurückzukehren. Ohne Weiteres stürzte er sich auf den im Hausflur stehenden H. und stieß demselben das Messer bis an das Heft in die Brust oberhalb des Herzens. Als der Unglückliche krampfhaft mit der Hand nach der getroffenen Brust fuhr, stieß der Unmensch noch einmal zu und zerschnitt dem H. zwei Finger. H., dessen Brust ein dicker Blutstrahl entquoll, wurde von Nachbarn zu einem gegenüber wohnenden Heilgehülfen gebracht, der den ersten Noth­verband anlegte; der Thäter, welcher sich gegen seine Verhaftung verzweifelt wehrte, wurde gefesselt nach der Revierwache geschafft. Die Verwundungen des H. sind so bedenklich, daß derselbe, soweit bis jetzt zu urtheilen, kaum davonkommen wird.

Eine gar hübsche und erfolgreich e Reklame hat ein im Nordosten unserer Stadt sein Geschäft be­treibender Schlächtermeister für sich gemacht: eine Re­klame, welche das Hübsche hatte, daß seine Kunden Gutes und Er das Beste davon hatte! Der wackere Meister hatte während des Umbaues seines Ladens einen gegenüberliegenden, kleineren Laden bezogen und dort interimistisch den Verkauf seiner Fleischwaaren eingerichtet. Vor mehreren Tagen erschien nun im Schaufenster eine große Anzeige mit der Mittheilung, daß der Geschäfts­inhaber eineGralis-Lotterie von Fleisch- und Wurst­waaren" veranstalten und jeder am Sonnabend, den 16. Juni er., bei ihm Kaufende zu dieser Lotterie ein Loos erhalten würde. Daneben waren die Gewinne verzeichnet mit der Meldung, daß die Ziehung am Montag, 18. d. M., in dem neu eröffneten Geschäfts­lokal vor sich gehen würde. Der findige Geschäftsinhaber hatte sich nicht verrechnet; während des Sonnabends haben Tausende sein Geschäft besucht, um einzukaufen und den Gewinn verheißenden Schein in Empfang zu nehmen. Gestern, Montag Vormittag, fand die Gewinn- ziehung statt, und manchen vom Glück begünstigten Käufer sah man eine Wurst oder sogar einen Schinken gleich einer Siegesbeute fröhlich davontragen. Die Freude war groß, eine größere aber bei dem Meister, der ein vortreffliches Geschäft gemacht und überdies die Kundschaft weithin im Nu für sich erobert hat!

Gcra. Herr Sanitätsrath Dr. Grimm in Gera ist am Montag an Speiseröhrenkrebs gestorben.

Breglan, 21. Juni. Ein Mann aus der Gegend

-. von Ratibor hatte sich kürzlich, als ihm der siebente Sohn geboren wurde, mit der Bitte um Uebernahme der Pathenschaft an Kaiser Friedrich gewendet. Dieser . Tage erhielt der Mann nun den Bescheid, daß Kaiser Wilhelm II. anstatt seines Heimgegangenen Vaters die Pathenschaft übernehmen wolle.

Altona, 22. Juni. Als am Sonntag der Gottesdienst im hiesigen Gerichtsgefängniß stattfand, harrten in einer Zelle daselbst zwölf Sträflinge, darunter drei schwere Verbrecher, die von der Strafkammer des Landgerichts zu längeren Zuchthausstrafen verurtheilt worden waren, ihrer Abführung in die Strafanstalt zu Rendsburg. Schon während des Gottesdienstes hatte der sie über­wachende Gefangenaufseher beobachtet, daß die Gefangenen mit einander flüsterten, was er ihnen wiederholt untersagte. Der Gefangenwärter ahnte nichts Böses, als er nach beendetem Gottesdienste die Zellenthür öffnete und die Sträflinge einzeln an sich vorbei passiren ließ. Bei dem Heraustreten des Letzten in Begriff, die Zellenthür zu schließen, wurde der Gefangenwärter von dem zuletzt passirten Sträfling überfallen, mit der rechten Hand so an der Gurgel gepackt, daß ihm das Blut ins Gesicht quoll und mit der linken Faust auf den Kopf gcschlagen- Die übrigen Gefangenen waren theilweise schon im Begriff zu entfliehen, theilweise dem Attentäter beizustehen. Der Wärter war in einer verzweifelten Lage, nichtsdestoweniger behielt er seine Ruhe und Besonnenheit, und mit dem großen Zellenschlüssel versetzte er dem Angreifer einen so wuchtigen Schlag gegen die Stirn, daß dieser in die Knie sank und den Wärter losließ, so daß er um Hilfe rufen konnte. Sofort kam das gesammte Personal herbei, welches vorher nichts von dem Ueberfall bemerkt hatte, (weil er in einem engen, entlegenen Gange stattgefunden hatte. Der Gefangenwärter wurde befreit und der Attentäter, sowie dessen Genossen in Sicherheit gebracht.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern. Im Laufe der vergangenen Woche wurde unter Leitung der Herren Provinzial-Schulrath Kannegießer und Regierungs-Schulrath Hasse am hiesigen Seminar die zweite (practische) Prüfung abgehalten, zu der sich 47 Examinanden eingefunden hatten. In der schriftlichen Prüfung sind folgende Themata bearbeitet worden: 1. Methodik des Bibellesens. 2.Alles muß in einander greifen, eins durch's andere blühn und reifen," angewandt auf den Unterricht. 3. Nach welchen Gesichtspunkten ist der Stoff aus der Geometrie aus- zuwählen und welcher Lehrstoff ist unbedingt nothwendig ? Die mündliche Prüfung erstreckte sich' auf Pädagogik, auf specielle Methodik der einzelnen Lehrfächer ber Volksschule und auf eine Lehrprobe, welche vor Schülern aus der Stadtschule abgehalten wurde. Drei der Examinanden bestanden die Prüfung nicht, 5 derselben (unter ihnen auch Herr Lehrer I o st an der hiesigen Stadtschule) erhielten das Zeugniß der Befähigung zum Unterricht an Mittelschulen und höhern Bürgerschulen.

(Verwechselung.) In einer Stadt Hessens hatte ein Barbier an Stelle des Firmenschildes zwei Messingbecken an einer Stange vor seiner Hausthür aufgehängt. Ein biederer Bewohner eines nahe gelegenen Waldortes sah diese neumodische Einrichtung, und da es gerade Mittagszeit war und ihm vom vielen Laufen der Magen knurrte, ging er hinein und forderte einen Teller Suppe. Als man ihm bedeutete, hier gäbe es keine Suppe, antwortete er ganz entrüstet:Ei, was habt Ihr dann die Teller ausgehängt, wenn Ihr keine Suppe geben wollt" und ging tief gekränkt von bannen. Das kommt davon, wenn man neue Moden einführt, sprach der, der es uns erzählt hat.

(Preußische Klassen-Lotterie). Die Ziehung der vierten Klasse der 178. königl. Preußischen Klassen-Lotterie findet statt vom 24. Juli bis 11. August er. Am letzen Tage ist nur Vormittags Ziehung.

Es ist zeitgemäß, dringend vor der Auswanderung nach Brasilien zu warnen. In Brasilien ist bekanntlich vor Kurzem die Sklaverei aufgehoben und die dortigen Pflanzer sind genöthigt, neue Arbeitskräfte zum Ersatz für die ihnen nunmehr entgehenden heranzuziehen. Schon sind von Brasilien her neue Verträge mit deutschen Aus­wanderungsagenten abgeschlossen worden, und es ist deshalb angebracht, daß diejenigen unserer Landsleute, deren Sinn nach der Fremde steht und die vielfach keinen klaren Begriff von ihrem Ziele haben, nachdrücklich gemahnt werden, sich genau über die neuen Verhältnisse zu unterrichten, in welche jene Vermittler, denen es nur auf das ihnen zugesagte Kopfgeld, nicht auf das künftige Schicksal der Auswandernden ankommt, sie ver­locken wollen. Die Warnung bezieht sich namentlich auf die nördlichen und mittleren Provinzen des großen Kaiserreiches.

Der Maurer Sturmius Müller zu Sannerz nnb der Spengler Heinrich Philipp Klöber von hier werden beschuldigt, als Ersatz Reservisten ohne Erlaub­niß ausgewandert zu sein, Uebertretung gegen § 360 Nr. 3 des Strafgesetzbuchs. Dieselben werden auf Anordnung des Königlichen Amtsgerichts hierselbst auf den 22. August 1888, Vormittags 9 Uhr, vor das Königliche Schöffengericht zu Schlüchtern zur Haupt­verhandlung geladen. Bei unentschuldigtem Ausbleiben werden dieselben auf Grund der nach §. 472 der Strafprozeßordnung von dem Königlichen Bezirkskom­mando zu Fulda ausgestellten Erklärung verurtheilt werden.

(Hütet Eure Zungen!) Das Denunziren geht schon wieder los. Das auf Erfindung beruhende Gerücht von einem Attentat auf Kaiser Wilhelm II. am Todestage seines Vaters, das übrigens auch hier verbreitet war, hat, wie aus Ruhrort berichtet wird, dort zu Verhaftungen geführt. Man schreibt darüber: Heute Vormittag wurde hier ein Werftarbeiter verhaftet, weil derselbe sich anläßlich des Gerüchtes von einem Attentat auf Kaiser Wilhelm II. beleidigende Aeußerungen erlaubt hatte. Nachmittags erfolgte die Verhaftung eines Schiffers aus Mühlheim a. d. Ruhr wegen einer im Wirthshause begangenen Majestätsbeleidigung."Das unschuldigste Wort" bemerkt dazu das Blatt, dem wir diese Mittheilung entnehmenkann von elenden Denunzianten entstellt werden und Einen, der nie an Majestäts-Beleidigung gedacht hat, in's Unglück stürzen."

Steinau. Am 8. und 9. Juli er. findet hier die 50jährige Stiftungsfeier des Gesangvereins statt, womit zugleich der Vogelsberger-Kinzigthaler Sängerbund sein 3. Sängerfest verbindet. Als Festplatz wird die zur

hiesigen Domäne gehörige sog. Mauerwiese benutzt, auf welcher im vorigen Jahre auch das landwirthschaftliche Fest abgehalten wurde. Die Vorbereitungen sind schon im vollen Gange. Zwei große, von der baukundigen Hand des Herrn Oberbauaufsehers Seipel errichtete, mit zahlreichen Tischen und Sitzplätzen versehene Hallen bieten Raum für Tausende von Festtheilnehmern und auch genügend Schutz gegen den Eintritt ungünstiger Witterung. Auch ist für Tanz- und Volksbelustigung dadurch gesorgt, daß 2 große Tanzböden gelegt und Caroussel-, Schieß- und Spielbudenbefitzer, Schnell- photograph rc. das Fest besuchen werden. Sicherem Vernehmen nach haben sich bis jetzt 26 Vereine ange­meldet, so daß man hofft, den Besuchern des Festes etwas Seltenes und Großartiges in Gesangesvorträgen bieten zu können. Möge sich dies Sängerfest zu einem Volksfest gestalten und auch in dem Publikum unseres Kreises das Interesse und die Liebe für die Pflege der edlen Gesangeskunst wecken und fördern helfen.

Bon der oberen Salzn wird uns geschrieben^ Seitdem auf der Herchenhainer Höhe ein Aussichtsthunn> steht und der Vogelsberger Höhen-Club in dankens- werther Weise dem schönen Bergrücken seine Aufmerk­samkeit zuwendet, erfreut sich derselbe eines fortwährend regeren Touristenverkehrs. In diesem Jahre ist die Frequenz eine besonders lebhafte. Jedem Besucher des Vogelsbergs ist die Besteigung des Berges, der zu den schönsten Höhepunkten des mächtigen Basaltgebirges zählt, sehr zu empfehlen. Die Fernsicht vom Aussichsthurme aus ist eine überraschend schöne. Schon der Aufsteig von der oberen Salza aus oder vom Brachtthale her bietet dem Auge des Naturfreundes Bilder von roman­tischer Schönheit. Ueppige Buchenwälder, grüne Wiesen- matten, herrliche, von Laubholz bewachsene Felsenpartien wechseln malerisch mit einander ab und gewähren einen reizenden Genuß. Die heimische Flora ist hier in der mannichfaltigsten Art, zum Theil in den seltensten Exemplaren vertreten. Auch die Gastfreundschaft in den Gebirgsorten Lichenroth, Bermuthshain, Hartmannshain, Herchenhain und anderen läßt, wie Einsender persönlich wahrzunehmen Gelegenheit hatte, nichts zu wünschen übrig.

C Birstein, 21. Juni. Der Hochw. Herr Bischof von Fulda spendete heute in der kath. Kapelle dahier das Sakrament der Firmung. Der hohe Herr begab sich, nachdem er bei Sr. Durchlaucht dem Fürsten Carl Gast gewesen, mit dem Abendzug nach Fulda zurück.

f*j Bon der Kinzig. Ein Polizeibeamter in S., der sich wegen seines taktvollen Benehmens und seiner Pflicht- getreuen Dienstführung des besten Rufes und der größten Achtung erfreut, wurde in einem anonymen Briefe bei seinem Vorgesetzten angeklagt. Der anonyme Held scheint jedoch sein Handwerk noch nicht genügend zu verstehen, denn eine Schriftenvergleichung führte sofort auf die richtige Spur, sodaß eS nicht schwer fallen dürfte, dem Herrn Anonymus die Maske zu lüften.

):( Aus dem Hutten'schen Grunde. Die Heuernte ist im vollen Gange. Leider entspricht der Ausfall der Ernte nicht überall den gehegten Erwartungen. Aehnliche Nachrichten kommen aus der unteren Kinziggegend.

Hanau, 22. Juni. (Strafkammersitzung vom 21. Juni.) Der Sohn eines Wirthes von Uttrichshauscii war vom Schöffengericht in Schwarzenfels zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilt worden, weil er am 5. Dezember v. I. Abends gegen 6 Uhr den Müller von der Erlings- mühle bei Uttrichshausen auf dem Wiesenweg, der nach der Mühle führt, überfallen und mit einem dicken Knüppel in einer das Leben gefährdenden Weise durch Schläge auf den Kopf mißhandelt hatte. Der Müller hatte sich bei Eintritt der Dunkelheit auf den Weg ge­macht, um mit dem Bruder des Angeklagten, mit dem er einen Prozeß hatte, einen Vergleich abzuschließen. Etwa 100 Schritte von der Mühle entfernt, hörte er auf einmal rasche Schritte hinter sich, er hob die Laterne in die Höhe und erkannte sofort den Angeklagten, der mit dem dicken Prügel unbarmherzig losschlug wohin er nur kam. Der Müller flüchtete, wurde aber vor der Mühle wieder eingeholt und hier zu Boden geschlagen. Der Angeklagte fegte Berufung ein und behauptet, nicht der Thäter gewesen zu sein, der Müller hatte viele Feinde und könne auch ein anderer die That begangen haben. Der mit der gesummten Familie angetretene Alibibeweis mißlang insofern, als diese nur über die Anwesenheit 2 Stunden vor der That bekunden konnte. Das Berufungsgericht sieht aber doch die Mißhandlung etwas milder an, lehnt namentlich die Verurtheilung aus den ErschwerungSgründen des hinterlistigen Ueber* falles und einer das Leben gefährdenden Behandlung ab und verurtheilte den Angeklagten, unter Aufhebung bei ersten Urtheils, nur wegen Körperverletzung mittelst ge­fährlichen Werkzeuges zu einer Gefängnißstrafe von 5 Monaten.

Aus Kurhessen, 21. Juni. Wie gefährlich es ist/ sich bei einem Gewitter unter einen Baum zu stellen, hat ein junger Mann aus Frankfurt a. O. erfahren. Derselbe befand sich in dem Dorfe Gombeth bei Borken, wurde von einem Gewitter überrascht, stellte sich unter einen Baum und wurde vom Blitz erschlagen. Die Kleidung des Getödteten war total versengt. Frankenberg wurde ebenfalls ein junges Mädchen, welches mit Pflanzen im Felde beschäftigt war, vom Blitz 8^ troffen. Bewußtlos aufgefunden, wurde sie nach Haus