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Schlüchterner Zeitung.

Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kreises Schlüchtern.

Erscheint Mittwochs und Samstags. Preis vieueljählttch 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zelle oder deren Raum 10 Pfennig.

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^ 50. Samstag, den 23. Juni. 1888.

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Bestellungen auf das 3. Quartal 1888 (Juli, August, September) der

Schlüchterner Zeitung"

bitten wir durch die Post (auch Landbriefträger) oder Boten gefälligst machen zu wollen und zwar möglichst bald, da Nachlieferung bereits erschienener Nummern nicht immer möglich ist. Neu zutretende Abonnenten erhalten das Blatt vom Tage der Bestellung an bis zu Ende d. Mts. gratis.

Schlüchtern, im Juni 1888. Der Herausgeber.

Amtlicher Theil.

Bekanntmachung.

Der Mühlenbesitzer Jean Hader wann zu Schlüchtern beabsichtigt auf seinem hinter seiner Mühle in der Gemarkung Herolz gelegenen Grundstück Karte C 1 Nr. 305^203 eine Dampfkessel-Anlage herzustellen.

Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in 2 Exemplaren oder zu Protocoll anzubringen und mit der Verwarnung, daß nach Ablauf dieser Frist Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden können.

Zeichnung und Beschreibung der Anlage können während der Geschäftsstunden im Büreau des Bürger­meisteramts eingesehen werden.

Gleichzeitig wird zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen Termin aus

Mittwoch, den 11. Juli d. I.,

Vormittags 10 Uhr, in das Bureau des Bürgermeisteramts mit der Er­öffnung anberaumt, daß im Falle des Ausbleibens des

Deutsches Reich.

Berlin. Der Kaiser wird dem Vernehmen nach den Reichstag, der sich zur Eröffnung im Weißen Saale des königlichen Schlosses versammelt, persönlich mit einer Thronrede begrüßen. Drei Tage später, am 28. Juni, wird der Kaiser vor den zu gemeinsamer Sitzung ver­sammelten Häusern des Landtages den Verfassungseid leisten.

Kaiserin Viktoria telegraphirte den Tod ihres Gemahls, des Kaisers Friedrich, an die Kaiserin-Wittwe Angusta in folgenden Worten:Um Deinen einzigen Sohn weint Diejenige, die so stolz und glücklich war, seine Frau zu sein, mit Dir, arme Mutter! Keine Mutter besaß einen solchen Sohn! Sei stark und stolz in Deinem Kummer! Er ließ Dich noch heute früh grüßen." Ob die Kaiserin-Wittwe Viktoria zunächst nach der Schweiz reist, ob sie später ihren Wittwensitz in Hannover oder auf Schloß Wilhelmshöhe bei Kassel nimmt, alle drei Angaben liest man in Berliner Blättern, ist noch ganz unsicher.

In dem Augenblick, als der Sarg des Kaisers am Portal der Freitreppe von Friedrichskron erschien, erschallte das Kommando für die den Schloßhof in weitem Umkreis und die Trauerstraße zu Fuß und zu Pferde umgebende» Abtheilungen der Garde. Die Truppen präsentirten, die Fahnen senkten sich und sämmtliche Musikchöre nah und fern fielen mit:Jesus, meine Zuversicht" ein. Alle Tamboure schlugen an, jene dumpfen kurz abgerissenen Wirbel, deren Töne wie kaum eine andere Musik geradezu ergreifend wirken; die Elite seiner Armee begrüßte den Sarg des entschlafenen Feldherrn. Es dauerte geraume Zeit, ehe der Sarg, aus dem die Jnsignien der Ritterwürde ruhten, auf dem Leichenwagen befestigt und mit den kostbarsten aus der Masse der Blumenspenden umgeben war. Prinz Heinrich griff dabei helfend und anordnend ein. Der alte Moltke schritt tiefernst und gebückt ganz allein vor den Generalen im Zuge einher; auch die Aerzte, die den Kaiser behandelt hatten, waren im Zuge; die Berliner Aerzte in ihrer akademischen Tracht, Mackenzie in englischer Hofuniform, bleich und leidend aussehend. Als die ganze Versamm- laug die Friedenskirche unter dem Spiel der Orgel Erlassen hatte, blieben der Kaiser und der König von Sachsen zurück, knieten am Sarge nieder, nahmen Abschied von der L.iche, und der Sohn, auf dessen Antlitz bis dahin sichtbar der Kampf mit dem verhaltenen Schmerz sich abgespielt hatte, zollte dem Weh seines Herzens

Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.

Schlüchtern, den 20. Juni 1888.

Der Bürgermeister: von Sturinfedcr.

Auf allerhöchsten Befehl soll zum Ausdruck der tiefen Trauer über das Hinscheiden des verewigten Kaisers Friedrich Sonntag, den 24. d. M., ein Trauergottes­dienst in allen Gotteshäusern stattfinden.

Nach Zuschrift des Herrn Rabbiner Dr. Koreff in Hanau ist hierauf bezügl. folgende Anordnung für die Synagogen-Gemeinden des hiesigen Kreises getroffen:

1) Psalm 16, 23, 49, 91,

2) Gebet für das Seelenheil des verewigten Kaisers, 3) P;alm 61,

4) das Kaisergebet.

Den Herren Synagogen-Aeltesten des hiesigen Kreises dieses zur Nachricht und umgehenden Ausführung.

Schlüchtern, den 22. Juni 1888.

Stern, Kreisvorsteher.

jetzt den Tribut. Der junge Monarch weinte laut und bitterlich in unverhülltem Schmerz, das Gesicht von Thränen überströmt. Sein Bruder und der Prinz von Wales knieten dann nieder, die anderen Prinzen folgten, die fürstlichen Damen schlössen sich ihnen an. Das war ein Akt, der nicht im Programm gestanden hatte, hier trat der Schmerz rein menschlich hervor; es war der ergreifende Abschluß der traurigen Feier. Später wurde der Sarg in der rechts vom Altar gelegenen kleinen Sacristei niedergesetzt, wo er bis zum Anbau eines Mausoleums Platz findet.

Von tie fergreifend er Wirkung soll in der Friedenskirche zu Sanssouci der Augenblick gewesen sein, als der Feldmarschall Graf Blumenthal, nachdem der letzte Ton des ChoralsJesus, er mein Heiland lebt", verklungen war, das mächtige Reichspanier auf den Sarg des todten Kaisers zum letzten Gruß nieder­senkte. Der Kaiser und die übrigen Mitglieder der kaiserlichen Familie sanken am Sarg nieder, Ober-Hof­prediger D. Kögel sprach den Segen, draußen knatterten die Salven und die Kanonen donnerten ihren Salut dazwischen. Dann küßte der Kaiser und nach ihm alle die Angehörigen der kaiserlichen Familie das Kopfende des Sarges und verließen in tiefem Ernst das Oottes- haus.

Es ehrt den Papst Leo XIII., wie es ein Beweis des allgewinnenden Herzensadels des verstorbenen Kaisers war, daß der Papst laut seiner eigenen Erklärung während der Krankheit des Kronprinzen und späteren Kaisers Friedrich sich nicht vom Lager erhob und nicht die Ruhe aufsuchte, ohne ein heißes Gebet für die Genesung desselben zum Himmel gesandt zu haben.

Der Reichskanzler Fürst Bismarck ist aus Ge­sundheitsrücksichten dem Leichenbegängnis fern geblieben. Wie ihn bei dem Begräbniß Kaiser Wilhelms I. der nunmehr verstorbene Kaiser Friedrich gebeten hatte, sich in seinem hohen Alter den Unbilden der Witter ung nicht auszusetzen, so ist dies jetzt auch von Kaiser Wilhelm II. geschehen. Feldmarschall Graf Moltke befand sich da­gegen im Leichenzug an der Spitze der Generalität. Als allgemein rührend wird der Augenblick geschildert, als vor dem Beginn der Feier in Schloß Friedrichskron die vier Söhne des Kaisers und die Prinzessin Feodora von Meiningen an den Katafalk geführt wurden, um Abschied von dem Großvater zu nehmen. Die kleinen Prinzen und die Prinzessin Feodora sahen den Zug von den Fenstern aus. In der Seitenloge der Friedenskirche

Nr. 3611. Die Herren Bürgermeister und Guts­vorsteher derjenigen Gemeinden des Kreises, deren Ge­markungsgrenzen die Hoheitsgrenze gegen das Königreich Bayern bilden resp, berühren, werden darauf aufmerksam gemacht, daß die Revision der Hoheitsgrenze gemein­schaftlich mit den betr. Königlichen Bayerischen Beamten im Monate Juni er. vorzunehmen und daß über das Resultat dieser Revision ungesäumt hierher Anzeige zu machen ist.

Schlüchtern, den 11. Juni 1888.

Der Königliche Landrath.

i. V.: Goerz.

Nr. 3604. Das Königliche Proviantamt zu Bocken- heim wird mit den diesjährigen Heu- und Roggenstroh­ankäufen gleich nach Beginn der Heu- resp. Roggenernte beginnen, was hiermit mit dem Bemerken zur Kenntniß der Kreiseingesessenen gebracht wird, daß das Proviant­amt zu jeder schriftlichen und mündlichen Anskunft über Preis- und Quantitätsverhältnisse gern bereit ist.

Schlüchtern, den 13. Juni 1888.

Der Königliche Landrath,

i. V.: Goerz.

befanden sich nur die regierende Kaiserin, die Prinzessin von Wales, sowie die Töchter des verstorbenen Kaisers. In dem Augenblick, als der Segen gesprochen wurde, brach die inzwischen durch Wolken verhüllte Sonne durch und beleuchtete hell den Kaiser und den König von Sachsen, was von überwältigendem Eindruck gewesen sein soll. Geregnet hat es während des Zuges nicht, aber der Himmel hing voll dunkler Wolken.

19. Juni. Der Kaiser machte heute früh einen längeren Spazierritt, empfing dann den Generallieutenant Hahnke, nahm Vorträge und Meldungen entgegen, arbeitete mitAlbcdyll und empfing dann fürstlichePersonen.

KaiserWilhelm II. ist der erste Hohenzollern- kaiser, welcher auf deutschem Boden und im väterlichen Schloß die Regierung angetreten hat. Die beiden ersten Kaiser des Reiches, welche im Lauf eines Jahres inner­halb von 4 Monaten vom Tode dahingerafft worden sind, haben die Kaiserwürde im Ausland empfangen. Wilhelm I. wurde auf französischem Boden an der Spitze seines siegreichen Heeres zu Versailles als Kaiser aus­gerufen und auf Kaiser Friedrich III. ist die Kaiserwürde zu San Remo auf italienischem Boden übergegangen.

Die neue deutsche Kaiserin Augusta ist mütterlicherseits von bürgerlicher und dänischer Ab- tinift. Der Stammvater war Küster an einer Kirche Kopenhagens. Wir geben diesen Stammbaum, wie ihn seinerzeit das in Berlin erscheinendeDeutsche Familien- blatt" veröffentlichte, hier wieder: Sören Matthisen, Rechnungsführer, Pagenmeister und Küster an der Trini- tatiskirchc zu Kopenhagen, geb. 1653, gest. 1740, war vermählt mit Maren Nielsdatter Banner, geb. 1670, gest. 1719. Die Tochter Mette Matthisen, geb. 1694, gest. 1770, vermählte sich mit Ulrik von Kaas, Admiral und Slistsamtmann zu Bergen in Norwegen, geb. 1677, gest. 1746. Dessen Sohn Frederik Christian von Kaas, geb. 1727, gest. 1803, war vermählt mit Edel Sofie von Kaas. Tochter: Johanne Henriette Valentine von Kaas, geb. 1778, vermählt mit Christian Konrad Sophus, Graf von Danneskjold-Samsö, geb. 1774, gest. 1823. Die Tochter dieses Ehepaares Louise Sofie, Gräfin von Danneskjold-Samsö, heirathete Christian Karl Friedrich August, Herzog zu Schleswig-Holstein-Sonderburg Au- gustenburg, geb. 1798, gest. 1869. Der Sohn dieses Letzteren, Friedrich Christian August, Prinz von Schleswig- Holstein-Sonderburg-Augustenburg, geb. 1829, vermählt mit Adelheid, Prinzessin von Hohenlohe-Langenburg, war der Vater der jetzigen Kaiserin.