Einzelbild herunterladen
 
  

Kaiser Friedrich f

O Tod, Du hast Dein Schauerwerk vollbracht!

Du durftest wieder Deine Sichel schwingen, Bliebst wieder Sieger in dem heißen Ringen! O, finstrer Ritter, groß ist Deine Macht!

Fiel denn kein Gott Dir zürnend in den Arm? Wollt' er nicht hören unser heißes Flehen? Wollt' er nicht uns're blut'gen Thränen sehen? Fühlt' er nicht mit der hohen Gattin Harm?--

O Herr der Welt! Du zürnst dem deutschen Land! Wie in der Wüste einst Du Deinem Volke, Zeigst Du Dich uns in droh'nder Wetterwolke! O Du mein Volk! erkenne Gottes Hand!

Denn höre! Zeichen sind's der letzten Zeit: Wohin das Auge blickt, in Nord und Süden, In Kirche, Staat, was sieht es? edlen Frieden? Nein! - Herrschsucht, Haß und der Parteien Streit!

Mein Herr und Gott! sich gnädig auf uns her! Wann enden denn des Sängers Klagelieder? Wann tönen seine Jubelhymnen wieder Von Deiner Gnade, Deutschlands Ruhm und Ehr?

Amtlicher Theil.

Die Landestrauer.

Allerhöchster Erlaß vom 15. Juni 1888, betreffen d die Landestrauer um des Hoch­seligen Kaisers und Königs Friedrich Majestät.

Ich bestimme hierdurch, daß die Landestrauer um des Hochseligen Kaisers und Königs Friedrich Majestät auf sechs Wochen eintritt. Oeffentliche Musiken, Lustbarkeiten und Schauspielvorstellungen sind bis zum zweiten Tage nach der Beisetzungsfeier ver­boten. Die Landestrauer beginnt mit dem heutigen Tage. Das Staats-Ministerium hat hiernach das Weitere zu veranlassen.

Potsdam, den 15. Juni 1888.

Wilhelm.

von Bismarck.

An daS StaatS-Ministerium.

In Verfolg Meiner Ordre vom heutigen Tage über die Landestrauer um des Hochseligen Kaisers und Königs Friedrich Majestät bestimme Ich hierdurch Fol­gendes: Während der ersten vier Wochen tragen die höheren Civilbeamten zur Uniform beflorte Epauletten, Agraffen und Cordons, beflortes Portepee, Flor um den linken Oberarm, die zur Uniform gehörigen dunklen Beinkleider und schwarze Handschuhe, dagegen in den letzten zwei Wochen Flor um den linken Oberarm, dunkle Beinkleider und weiße Handschuhe. Bei ofsiciellen Ver­anlassungen, bei welchen die vorgenannten Beamten in Civitkleidung erscheinen, tragen dieselben während der ersten vier Wochen schwarze Beinkleider, schwarze wollene Westen, schwarze Handschuhe und Flor um den linken Oberarm, in den letzten zwei Wochen hingegen schwarze Beinkleider, schwarzseidene Westen und weiße Handschuhe. Alle übrigen Civilbeamten trauern mit einem Flor nm den linken Oberarm.

Potsdam, den 15. Juni 1888.

Wilhelm.

von Bismarck.

Vorstehende Erlasse bringe ich hierdurch zur öffent­lichen Kenntniß.

Schlüchtern, den 19. Juni 1888.

Der Königliche Landrath:

Roth.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juni. Die Kaiserliche Verordnung be­treffend die Einberufung des Reichstages lautet:

Wir Wilhelm, von Gottes Gnaden Deutscher Kaiser, König von Preußen rc., verordnen auf Grund des Artikels 12 der Verfassung, im Namen des Reichs, was folgt:

Der Reichstag wird berufen, am 25. Juni d. I. in Berlin zusammenzutreten, und beauftragen Wir den Reichskanzler mit den zu diesem Zwecke nöthigen Vor­bereitungen.

Urkundlich unter Unserer Höchsteigenhündigen Unter­schrift und beigedrucktem Kaiserlichen Jnsiegel.

Gegeben Marmorpalais, den 16. Juni 1888.

(L. S.) gez. Wilhelm.

ggez. Fürst von Bismarck.

DieN. Pr. Ztg.," schreibt: Der Reichstag dürfte, wie wir hören, am 25. d. Mts. zusammenberufen werden zur Entgegennahme einer kaiserlichen Botschaft. Einige Tage später voraussichtlich wird dann Se. Majestät vor dem versammelten Landtage der preußischen Monarchie das feierliche Gelöbniß auf die Verfassung oblegen. Der Allerhöchsten Proklamation an das preußische Volk,

Du Harfe! noch vom Trauerflor umspannt,

Du Saite, die beim letzten Lied zersprungen, Noch ist Dein Schmerzensschrei nicht ausgeklungen, Und der Dich schlug, noch zittert seine Hand!

Der Ton versagt, die bleiche Lippe schweigt, Der Geist will nicht wie sonst die Flügel schwingen, Wie sonst, kein Engel Himmelsbalsam bringen, Kein Leitstern ist's, der in der Nacht sich zeigt.

O Kriegesheld, Du Deines Heeres Lust, So solltest Du Dein theures Leben enden? Die feige Krankheit mußte es vollenden! Die Feindeskugel scheute Deine Brust!

Nicht lange ziertest Du den Kaiserthron!

Was Du geplant für Deutschlands Wohlergehen: Dein treues Auge sollt' es nicht mehr sehen. Als Testament! vermachst Du's Deinem Sohn.

Du kamst und gingst, gleich wie am Firmament Ein Meteor die Sterne rings verdunkelt, Ein freudig Blitzen, sieh es glüht, es funkelt, Dann ---führt die Nacht ihr altes Regiment.

der einzigen, welche der Kaiser, dem Vernehmen nach, erlassen wird, sieht man den allernächsten Tagen entgegen.

Der Kaiser Wilhelm ist oft lange in der Gesell­schaft seiner hohen Mutter und giebt derselben ebenso wie seinen Prinzessinnen-Schwestern unablässig Zeichen hingebendster Liebe.

(Ein Jahr ohne Kaisers Geburtstag.) Ein merkwürdiges Zusammentreffen, das charakteristisch für die traurige Signatur dieses Jahres ist, fügt es, daß eben dieses Jahr, obwohl in demselben drei Kaiser regierten, keine Kaisergeburtstagsfeier zu ver­zeichnen hat. Kaiser Wilhelm I. starb vor seinem diesjährigen Geburtstage, ebenso Kaiser Friedrich, und Kaiser Wilhelm II. hat seinen Geburtstag 27. Januar noch alsPrinz Wilhelm" gefeiert.

Potsdam, 15. Juni. Die Prinzessin Sophie, zweite Tochter des Kaisers, die gestern ihren 18. Ge­burtstag beging, trat am Vormittag an das Krankenlager ihres kaiserlichen Vaters, um dessen Glückwünsche ent- gegenzunehmen. Unter Schluchzen küßte die Prinzessin dem Kaiser die Hand, dann ließ Se. Mastetät sich Papier und Bleistift reichen, und schrieb auf einen Zettel, den er ihr überreichte, folgende Worte:

Bleibe fromm und gut, wie Du es bisher gewesen. Dies ist der letzte Wunsch Deines sterbenden Vaters."

Potsdam, 16. Juni. Die Obduktion der Leiche des- Kaisers Friedrich fand in den späten Nachmittagsstunden statt. Außer den behandelnden Aerzten waren zugegen die Professoren Virchow und Waldeyer. Das Ergebniß war Krebs. Der Hausminister Graf Stolberg war ebenfalls zugegen. Im Laufe des Nachmittags waren unter den Persönlichkeiten, welche den sterblichen Ueber- resten des Kaisers ihre Erfurcht bezeigten, die Vertreter der Berliner Universität, der Akademie und der Tech­nischen Hochschule. Zur Theilnahme an der beginnenden Trauerfeier sind im Jaspissaal versammelt: das Kaiser­paar, die Kaiserin-Wittwe, Prinz Heinrich und Gemahlin, die gestimmte allerhöchste Familie, der Erbgroßherzog von Sachseu-Meiningen und der engere Hofstaat.

Potsdam, 17. Juni. Der Weg von Friedrichskron bis zur Friedenskirche wird in eine Trauerstraße um- gewandelt. An der Friedenskirche wird ein Anbau für das Mausoleum errichtet, worin weiland Kaiser Fried­rich seine letzte Ruhestätte findet. Einstweilen werden die sterblichen Ueberreste in der Friedenskirche beigesetzt. Die Trauerfeier im Schlosse war um 8 '/* Uhr beendet. Bei derselben waren die gesammte kaiserliche Familie und auch die bereits hier weilenden auswärtigen Fürst­lichkeiten zugegen. Die Trauerrede hielt Hofprediger Persius. Die Gesänge wurden vom Domchor aus­geführt.

Sir Morell Mackenzi e und Dr. Hovell reisen am Mittwoch Abend im Gefolge des Prinzen von Wales zurück. Ersterer erwartet in Vlissingen seine Familie, mit der er auf einige Wochen nach Nor­wegen geht. Der Kaiser und der Reichskanzler Fürst Bismark sprachen gestern mit Mackenzie. Derselbe wird einen medizinischen Bericht über die Krankheit des Kaisers erstatten.

Sir Morell Mackenzie hat heute Vormittag auf ausdrücklichen Befehl Kaiser Wilhelm's einen Bericht über die Krankheit Kaiser Friedrichs erstattet. In diesem Schriftstück erklärt Mackenzie etwa Folgendes:

Es kann keinem Zweifel unterliegen, daß die Krankheit Kaiser Friedrichs Krebs des Kehlkopfs ge­wesen ist. Die Diagnose war aber in hohem Grade dadurch erschwert worden, daß von Anfang an die Knorpel des Kehlkopfs von der Krankheit ergriffen ««e», daß derKrankheitsprozeß sich vorzugsweise in

Heil Kaiser Wilhelm! was der Held gethan, Was er gewollt auf seinem Schmerzensbette, Dem Du jetzt folgst zu letzten Ruhestätte, Als heiligstes Vermächtniß sieh es an!

Dann steige muthig auf Dein edles Roß! Die Hand am Schwert, das Auge fest nach oben! Ob dann aus Ost und West die Feinde toben, Dich schützet Gott, Du edler Zollerusproß.

Halt fest das Steuerruder in der Hand,

So wird Dein Schiff trotz der Orkane Sausen, Trotz Wogendrang und wilder Brandung Brausen Stets fest verankert sein am sichern Strand.

Bleib' Deiner hohen Stellung Dir bewußt! Reih' würdig an Dich Deinen edlen Ahnen! Für Licht und Recht nur führe Deine Fahnen! Halt' K a i s e r s i n n in edler K a i s e r b r u st!

O, Herr des Himmels! segne unsern Thron, Schütz' unsern Kaiser! sei ihm Stern und Leiter! O Gott! mach' Deinen Himmel wieder heiter Für's Deutsche Reich trotz aller Feinde Hohn.

Fritz Becker in Thalhof.

den tieferen Schichten des Knorpelgewerbes abspielte, was zu einer Verdunkelung des Krankheitsbildes : führte" rc.

Der Bericht ist in englischer Sprache geschrieben und umfaßt im Ganzen 1 '/r Quartseiten englischen ' Briefformats.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern, 18. Juni. Unsere Stadt bot heute, am Bestattungstage unseres allzufrüh dahingeschiedenen Kaisers, einen tiefernsten Anblick. Sämmtliche Läden waren geschlossen, Trauerfahnen wehten, und tiefer Ernst war auf allen Gesichtern zu lesen. Um 11 Uhr fand in der hiesigen Kirche der Trauergottesdienst statt. Herr Superintendent Heck hielt nach dem feierlichen liturgischen Theile des Gottesdienstes, der durch ernst ergreifende Weisen des Seminarchores unterbrochen wurde, eine kurze, aber tiefergreifende Ansprache an die versammelte Gemeinde. Die Kirche war voll gedrängt, der Kriegerverein mit der Fahne und andere Körper­schaften waren geschlossen dahin gezogen. Möge ein so herber Trauerfall, der die zwei Kaiser, welche das ' deutsche Reich so fest begründet haben, binnen kurzer Frist zum Grabe rief, nie wiederkehren!

Schlüchtern, 19. Juui. Ein Landmann aus dem Kreise schreibt uns: Ich habe einige Kernobstbäumchen, an denen ich immer die zartesten Blätter in der Spitze und an den Zweigen zernagt fand. Bei Tage war weder Raupe, noch Jnsect zu sehen. Als ich aber die Bäumchen einmal in der Abenddämmerung besichtigte, fand ich auf jedem eine Raupe, die ihre Mahlzeit ein- ; nahm, die ich aber nun herunternahm und zertrat.

Schlüchtern. In Folge des Ablebens unseres heiß­geliebten Kaisers wird die Abhaltung eines Verbands- festes des Hessischen Kriegerverbandes in diesem Jahre nicht stattfinden. Der Ab geordneten tag des Ver­bandes wird am 1. Juli d. J. in Hünfeld abgehalten. Beginn der Sitzung: Vormittags 10 Uhr. Die Vereine haben auf je, fünfzig Mitglieder einen Abgeordneten zu entsenden (ß 7 der Verband-Satzungen.) Die Abgeordneten sind mit vorschriftsmäßigen Vollmachten zu versehen. Der Verein Hünfeld wird die nöthigen Vorbereitungen zur Abhaltung des Abgeordnetentages treffen. Nach der Versammlung findet gemeinschaftliches Mittagessen, » Kouvert eine Mark, statt. Anträge für den Abgcordneten- tag sind Seitens der Vereine bis spätestens zum 27. Juni d. I. schriftlich bei dem geschäftsführenden Vor­stände zu Fulda zu stellen. Da bis jetzt schon einige sehr wichtige Punkte auf der Tagesordnung stehen, so wird dringend gebeten, daß die Herren Abgeordneten vollzählig und pünktlich erscheinen. Die Tagesordnung für den Abgeordnetentag wird in den ersten Tagen den Vereinen zugesandt.

(Landwirthschaftlicher Kreis-Verein Schlüchtern. General-Versammlung vom 17. Juni.) Vor Eintritt in die Tagesordnung gedachte der Herr Vorsitzende in warmen, tief ergreifenden Worten des Dahinscheidcus Sr. Majestät des Kaisers Friedrich, und danach huldigte die Versammlung Kaiser Wilhelm II. durch ein drei­maliges Hoch. In Erledigung der Tagesordnung kam sodann Folgendes zur Verhandlung. Ermittelung der Ernteergebnisse pro 1888. Es wurde als wünschens- werth erachtet, daß die Angaben dieserhalb möglichst genau und sicher gemacht würden, da die Ermittelung und Zusammenstellung der Ernteergebnisse in Bezug auf die Zoll- und Wirthschaftspolitik von großer Wichtig' feit sei, die Versammlung beschloß deshalb, den Vorstand mit den Ermittelungen zu beauftragen und die Resultate in der nächsten Versammlung bekannt zu geben. Das entworfene Statut für die neu zu errichtende Zucht' genossenschast Schlüchtern kam zur Vorlesung und D>s'