derjenigen Unteroffizierschule, welche den Annahmeschein ausgestellt hat, durch Vermittelung des betreffenden Bezirks-Commandeurs.
Eine Lösung der Eintritts-Verpflichtung kann nur mit Genehmigung der Jnspection der Jnfantericschulen erfolgen. Kosten dürfen der Militair-Verwaltung hierdurch nicht entstehen. Wird die Lösung der Verpflichtung nach dem Eintreffen auf einer Unteroffizierschule erbeten, so hat der betreffende Freiwillige, wenn die Genehmigung ausnahmsweise ertheilt wird, die Kosten der Rückreise zu tragen.
Die Wünsche der Freiwilligen um Zutheilung an eine bestimmte Unteroffizierschule sollen, soweit angängig, berücksichtigt werden.
12) Die Einstellung von Freiwilligen in die Unteroffizierschulen findet alljährlich zweimal statt, und zwar bei den Unteroffizierschulen Potsdam, Biebrich und Marienwerder im Monat October, bei der Unteroffizierschule Ettlingen im Monat April.
Wer zu diesen Z-itpunklen nicht einberufen werden kann, darf in freiwerdende Stellen der Unteroffizierschulen zu Potsdam, Biebrich und Marienwerder bis Ende December, der Unterofsizierschnle zu Ettlingen bis Ende Juni eingestellt werden, vorausgesetzt, daß dann noch allen Aufnahmebedingungen genügt wird.
13) Füsiliere der Unteroffizierschulen, die sich durch mangelhafte Führung oder durch zu geringe Leistungen als nicht geeignet für den Unteroffizierberuf erweisen,
werden aus den Unteroffizierschulen entlassen. Solchen entlassenen Freiwilligen wird die in den Unteroffizierschulen zugebrachte Dienstzeit bei der Erfüllung ihrer Dienstpflicht im aktiven Heere nicht in Anrechnung $ gebracht. (
14) Während ihrer Dienstzeit in der Unteroffizier- $ schule erhalten bei guter Führung diejenigen Füsiliere, I welche in die Heimath beurlaubt werden, eine einmalige ( Reise-Entschädigung. Während dieser Beurlaubung wird I den Füsilieren die Löhnung bis zu 4 Wochen belassen. ;
Berlin am 8. April 1888.
Kriegs-Ministerium. Bronsart v. Schellendorff. (Schluß folgt.)
Tages-Ereignisse.
Schlüchtern. Daß unsere Gegend auch Freunde von außerhalb findet, zeigt folgende Bemerkung der in Hildburghausen erscheinenden Dorfzeitung. Sie lautet dort: „Wenn man mit der Bahn von Elm nach Gemünden fährt, so sieht man links über der Station Vollmerz, auf einem hohen, kegelförmigen Berg die Ruine einer Burg liegen. Das ist die Burg S t e ck e l b e r g, in welcher der ritterliche Ulrich von Hütten das Licht der Welt erblickt hat. Zu den vielen Besitzungen derer von Hütten zählten u. A. Burgjoß zwischen Jossa und Orb, Altengronau an der Sinn, Stolzenberg bei Sal- münster und eine Burg in Vollmerz. Die Stammburg der Familie lag in Hütten, 2 Stunden nördlich von Steckelberg. Auf Stolzenberg bei seinem Freund Frowin v. Hütten übernachtete Luther, als er vom Reichstag in Worms zurückkehrte. Prächtig ist die Aussicht von Steckelberg. Zu Füßen des Beschauers liegt ein großer Theil des schon von Lotichius II. besungenen Kinzig- thales, links geht der Blick auf die wellenförmigen Höhen des Spessarts und rechts trägt der Blick über den Vogelsberg bis zum Taunus. Man kann diese Partie von 3 Stunden über Züntersbach, Schwarzenfels, Weichersbach und Sterbfritz machen."
— Durch Böswilligkeit eines Schulbuben ist einem andern Kinde auf dem Wege von der Schule ein Auge schwer verletzt worden. Es sollte dies eine Mahnung an alle verständigen Eltern sein, ihre Kinder vom Werfen mit Steinen und ähnlichem Unfuge streng zurück- zuhalten.
— Zu Geschworenen für die diesjährige Schwurgerichtsperiode in Hanau, welche am 18. Juni beginnt, wurden aus dem Kreise Schlüchtern folgende Herren ausgeloost: Rentier Troßdorf von hier, Kaufmann Heimann in Steinau und Kaufmann Stolberg in Soden.
Schlüchtern, 1. Juni. Der Rhön-Club macht bekannt: Im Laufe dieses Winters sind zwei neue Sectionen in Thätigkeit getreten: Stadt Lengsfeld im Großherzogthum Sachsen-Weimar undSoisberg- L a n d e ck im Preußischen Kreise Hünfeld. Von der Thätigkeit der Sectionen während des Wintersemesters kann nicht viel berichtet werden. In den größeren Orten wurden Vorträge gehalten, dann wurden mehrfach Wintertouren, wenn auch nur von einzelnen Mitgliedern unternommen, bei welchem der alpine Charakter des Rhöngebirges recht in die Augen fällt. Die steilen Abhänge der Milseburg, der Wafferkuppe und des Dammersfeldes zeigen bedeutende Gletscherbildungen; der entlaubte Buchenwald zeigt im tiefen Schnee die sonderbarsten Formen; einzelne Waldparzellen gleichen einer vereisten Kirche, indem die Wipfel durch die Schneedecke nach oben abgeschlossen sind und die bereiften Stämme des Hochwaldes krystallnen Säulen gleichen, ein herrliches Bild, namentlich wenn die scheidende Sonne des Nachmittags ihre Strahlen in diesen Wintertempel sendet. Die größte Rhönklubsection Fulda hielt am 4. April cr. eine Generalversammlung ab, in welcher für das kommende Sommer-Halbjahr nachbemerkte Ausflüge in Aussicht genommen wurden: Den 21. Mai (Pfingstmontag) nach dem Ebersberg; den 17. Juni nach dem Dammersfeld; den 1. Juli — gemeinsam mit dem Vogelsberger Höhenclub und dem Frankfurter Taunusclub auf Einladung des ersteren — nach dem Hohen- Rodskopf im Vogelsgebirge; ferner nach dem Milseburg- Tunnel und nach dem Röhlingsberge zu noch zu bestimmender Zeit, sowie nach Gersfeld zum Zeitpunkte der Eröffnung der neuen Rhönbahn Fulda-Gesfeld. Die diesjährige General-Versammlung des Rhönclub findet in Eisenach, wo eine Rhönclubsection von 150 Mitgliedern besteht, statt; es dürfte dieselbe bei der großen Anziehungskraft, welche Eisenach und dessen naturschöne und historisch berühmte Umgebung auf alle Kreise aus- übt, jedenfalls zahlreich besucht werden. Als Arbeiten der Section Fulda wurden in Aussicht genommen: Die Herstellung eines Aussichtsthurmes oder Gerüstes auf dem Giebelrain und die Besteigbarmachung des sogen, dicken Thurmes, einer alten Warte, eine Stunde von Fulda entfernt. Die im Vorjahre begonnene Wege- markirung mit verschiedenen Tuben für die von den Stationen der im Baue begriffenen Rhönbahnen nach den verschiedenen schönen Punkten des Gebirges führenden Routen wird fortgesetzt und möglichst bald vollendet werden,
Deutsches Reich.
Berlin. Ein alter indischer Hindu hat aus den Sternen prophezeit, daß Kaiser Friedrich noch zehn Jahre leben und regieren werde. Die Prophezeiung ist der Königin Viktoria von England geschickt worden, um ihr eine Freude zu machen.
— 28. Mai. Im Königlichen Schauspielhaus, in welchem ein Umbau stattfindet, ist heute früh auf bis jetzt noch unaufgeklärte Weise ein von Bauarbeitern über dem Bühnenraum errichtetes Gerüst eingestürzt, wobei die unter demselben beschäftigt gewesenen Arbeiter verschüttet worden sind. Der Zusammenbruch soll, der Vermuthung nach, durch Herabstürzen des oberhalb des Gelüstes befindlichen Bindebalkens herbeigeführt worden sein. Bei 3 oder 4 von den 45 beim Bau beschäftigten Arbeitern ist es noch ungewiß, ob dieselben heute Morgen zur Arbeit gekommen sind, von den übrigen sind einer todt und 13 zum Theil schwer verletzt aus den Trümmern gezogen worden. Die Feuerwehr ist fortgesetzt mit Räumungsarbeiten beschäftigt.
— Wie über Hamburg gemeldet wird, stehen auch in der deutschen Marine Uniform-Aenderungen bevor. Namentlich soll der Frack verschwinden und ein neuer vierknöpfiger Waffenrock nach englischem Schnitt ein- geführt werden.
— Eine Anzahl junger Türken wird nächstens auf Staatskosten zur Erziehung auf höhere deutsche Schulen gesandt werden. Die jungen Leute, etwa zwanzig, sollen zuerst in Lehrerfamilien die Landessprache erlernen, um dann auf verschiedenen Schulen vertheilt zu werden.
Berlin. Wegen Betrugs der Ortskrankenkasse angeklagt, stand der Schneider Schröder vor Gericht. Dieser hatte geständlich zweimal Krankheit geheuchelt, sich vom Arzte ein Attest über seine Arbeitsunfähigkeit ausstcllen lassen und auf Grund desselben von der Krankenkasse laufende Unterstützungen erhoben. Während seines angeblichen Krankseins arbeitete er aber fleißig und soll er sogar mehrmals die Nächte zu Hilfe genommen haben, Er hat die Krankenkasse einmal um 48 M. und einmal um 27 M. geschädigt. Der Gerichtshof erkannte auf sechs Monate Gefängniß.
Königsberg i. Pr., 27. Mai. Der Typhus greift leider mit jedem Tage mehr um sich. Zur Zeit liegen etwa 300 Personen krank. Sterbcfälle in Folge der Krankheit kommen jetzt ebenfalls häufiger vor. An ein Nachlassen dieser Epidemie ist wohl erst dann zu denken, wenn die Witterung eine normale und beständige wird.
Deggendorf, 23. Mai. Eine Anzahl Kegelspieler wurden zu Geldstrafen verurtheilt, weil sie einem Bauern durch falsches Spiel 440 M. abgewannen. Der Kegeljunge hatte den ersten Kegel angebunden und so oft einer von dem Komplott in die Nähe schob, siel derselbe.
AnS dem Waldeckischen, 25.Mai. AnsThalitter berichtet die „W. Z." über ein Unwetter am vorigen Sonnabend Nachmittag: In Strömen gingen Regen und Hagel bis zur Stärke eines Taubeneies auf unsere im schönsten Grün prangende Gegend nieder, zerstörten den größten Theil der Winterernte und schlugen Blätter und Blüthen von den Bäumen. Weit mehr als das Hagelwetter richteten aber die sich überall bildenden Wasserfluthen an. Mit unwiderstehlicher Gewalt brachen unerwartet schnell von den Höhen die Gewässer durch die Felder, Wälder und Gärten, Alles mit sich fortreißend und zu Thale führend: Steine von gewaltigem Umfange, Sand- und Erbmassen, Klötze, Bohlen, Ackergeräthe. Nur mit Mühe gelang es, das Vieh aus den tiefer gelegenen Stallungen zu retten. Meterhoch stand das schmutzige Wasser in den Wohnstuben verschiedener Häuser. Am ärgsten ist die Verwüstung am steilen Ausgange des Dorfes nach Jmmighausen zu. Dort lagern oberhalb deS Weges auf einer Wiese 80—100 Fuder angeschwemmten Schuttes. Die unteren Räume der dortigen Häuser sind hoch mit Schlamm angefüllt und der Rest manches schönen Wintervorrathes an Kartoffeln und dergleichen vernichtet. Mit welcher Gewalt das Wasser hier geströmt, kann man auch daraus entnehmen, daß eine etwa meterhohe feste Böschungsmauer vollständig zertrümmert und ins Thal fortgeführt wurde. Mannstiefe Gräben rissen die Fluchen in einzelnen Aeckern. Die Hauptdorfwege waren unmittelbar nach der Katastrophe unpassirbar. Gerölle fast 1 Meter hoch, Bretter, Bäume, Wagen, Leitern, Klötze u. s. w. bedeckten die Straße. Manche Gärten sind gänzlich verwüstet. Die begründete Aussicht auf eine gute Heuernte ist vernichtet.
— Die gegen die Wehrpflichtigen: Michael Konrad Kleinhens von Weichersbach, Nicolaus Koch von Hinter- steinau, Andreas Stetiger von Soden, Carl Nix von Romsthal, Heinrich Hack von Marborn, Johannes Hofmann (früher Uffelmann) von Elm, Johann Heinrich Carl Wagner von Schlüchtern, Carl Damasius Noll von Wahlert, Jgnaz Grauet von Soden, Heinrich Christoph Wagner von Oberzell, Augustin Dieter von Salmünster, Nicolaus Heinrich Hufnagel von Breunings, Casimir Wald von Herolz, Nicolaus Kreß von Hinter- ! steinau, Johannes Glock von Oberkalbach, Christoph Lamb von Seidenroth, Konrad Lamp, Glaser von Oberzell, Adam Weitzel von Kressenbach, Alexander Hartmann ; von Sarrod, Johann Carl Koch von Hintersteinau, Johann Adam Christ von Oberzell, Philipp Traudt von Steinau, Johann Wilhelm Münch von Wahlert, : Johann Heinrich Rüffer von Wallroth, Theodor Heid 1 von Ullrichsberg, Johannes Stoll von Wallroth, am 16. Januar 1883 erlassene und am 5. Januar 1888 zuletzt erneuerte, Nicolaus Jost von Huttey, Wilhelm Klüber von Romsthal, Johann Georg Schiefer von Weichersbach, Joseph Beller von Kerbersdorf, AloiS Krack von Romsthal, Carl Theodor Krieger von Ulmbach, Bernard Link von da, Heinrich Müller von da, Moses Ochs von da, Johann Wilhelm Münch von Wahlert, Johann Emil Stein von Züntersbach, Georg Freienstein von Ulmbach, Markus Seipel von da, Johannes Heil- mann von Bellings, Joseph Dernbach von Salmünster, Johannes Lotz von Wallroth, Daniel Rüffer von da, am 20. April 1885 erlassene und am 20. April 1887 zuletzt erneuerte Steckbriefe werden als durch Allerhöchsten Gnadenerlaß vom 31. März 1888 erledigt zurückgezogen.
Vermischtes.
— Zur Beherzigung. Jetzt zur Maien« und Junizeit, wo die Natur ihren bunten Teppich über das Erdreich ausgebreitet hat, wo alle bie. gefiederten Sänger wieder bei uns eingezogen sind und allüberall in Wiese, Feld, Wald und Garten ihren vielstimmigen Gesang ertönen lassen, mögen die folgenden Worte Jean Paul's zur Beherzigung mitgetheilt sein:
„Auch sag' ich Euch, 's ist Alles heilig jetzt; Und wer im Blühen einen Baum verletzt, Der schneidet ein wie in ein Mutterherz;
Und wer sich eine Blume pflückt zum Scherz Und sie dann von sich schleudert sorgenlos, Der reißt ein Kind von seiner Mutter Schooß; Und wer dem Vogel jetzt die Freiheit raubt, Der sündiget an eines Sängers Haupt;
Und wer im Frühling bitter ist und hart, Vergeht sich wider Gott, der sichtbar ward.
— Eine eigenthümliche Szene spielte sich dieser Tage während einer Hochzeit von einer Pariser Mairie ab. „Elender, bevor Du Dich verheiratest, nimm wenigstens das Kind, das Du schmählich verlassen I" So rief eine verzweifelte Frau, die ein Kind in den Armen hielt, und stellte sich einem Hochzeitszug entgegen, der gerade in die Mairie von St.-Sulpice eintreten wollte. Die Braut weinte, die Schwiegermutter drohte und der Bräutigam schrie: „DaS ist eine Lüge, ein Bubenstreich, ich kenne diese Frau gar nicht!" — „Du kennst mich nicht, Elender? Wage es doch, mir das ins Gesicht zu sagen!" schrie die Frau und stellte sich gerade vor den zitternden Bräutigam hin. Aber im selben Augenblicke wurde sie feuerrot^ und stammelte: „Verzeihung, es ist wahr, ich habe mich geirrt. Das ist gar der Herr!"-" Man entfernte die Mutter und das Kind so rasch «W möglich und der Hochzeitszug konnte sich, so weit es dir Aufregung erlaubte, ruhig in den HochzeitSsaal begebew
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen Muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird so ziemlich dieselbe bleiben; der Himmel wird behelft sein; es werden Süd- bis Westwinde mit ziemlich startet Bewegung vorherrschen; Regen ist entweder gar «i^ oder nur in geringen Mengen zu erwarten.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchtern.
Sonntag, den 3. Juni 1888: Morgengottesdienst: Herr Superintendent H e» Nachmittagsgottesdienst: derselbe.
Wochendienft in der Stadt: Herr Pfarrer HartM«^