Studiosus Roth", rief er dann laut, „achten Sie, bitte, auf den einzelnen Baum dort hinter Ihnen, dieser Schuß gilt dem Ast dort unter jenem abgebrochenen Zweige." — Es krachte. — „Bitte, überzeugen Sie sich, mein Herr! Und dieser Schuß gilt Ihnen, Herr Studiosus Werner, möge er Ihnen eine kleine Strafe für Ihr leichtsinniges Spiel sein!" Wieder durchschnitt ein kurzer, scharfer Knall die Luft, dann aber warf Felix die Waffe von sich, seine Züge wurden wieder bleich, und der Arzt fing den Wankenden auf.
„Um Gotteswillen, Sie sind verwundet, Braun, was seh' ich!" rief dieser bestürzt aus. „Ihr linker Arm blutet, lassen Sie mich ihn untersuchen!"
Der Arzt konstatirte glücklicherweise eine etwas schmerzhafte, aber ungefährliche Fleischwunde, die Kugel hatte den Oberarm gestreift. Aber auch der Andere lehnte mit blassem, entstellten Gesicht an dem Baum, in welchem seines Gegners erster Schuß saß, der zweite hatte ihn getroffen. Die Wunde unterschied sich in Nichts von der des Assessors, ein Streifschuß unterhalb der rechten Schulter, ein recht empfindlicher Denkzettel, wie Felix gesagt hatte.
(Fortsetzung folgt.)
- Vermischtes.
— Auch eine Auszeichnung. Folgendes glänzende Ehren-Diplom wurde vor mehreren Tagen in Wien Gegenstand einer Beleidigungsklage. Es lautet: „Ernennung. Der nnterzeichnete Borstand sieht sich veranlaßt, Sie für Ihre vorzüglichen Leistungen auf allen Gebieten der höheren Klatscherei durch einstimmigen Beschluß zum Ehrenmitgliede des hiesigen „Klatschver- eins"zu ernennen. Ihre rühmliche Thätigkeit auf dem Gebiete der üblen Nachrede, Ihre Fertigkeit im Ehr- Abschneiden, die Tüchtigkeit, sich in Angelegenheiten Anderer zu mischen, Ehemännern nachzuspüren, Ehefrauen bei ihren Gatten zu verdächtigen, junge Damen in den Augen ihrer Liebhaber herabzusetzen, wie überhaupt die Fähigkeit, an Niemanden ein gutes Haar zu lassen, verbunden mit einer ungewöhnlichen Beharrlichkeit in dem Schreiben von anonymen Briefen, macht Sie der Ihnen zu Theil gewordenen Ehre vollkommen würdig. Da unser Verein in die Sektionen des Kaffeeklatsch,
Marktklatsch, Betstundenklatsch, Frauenvereinsklatsch zerfällt, so bleibt es Ihnen überlassen, diejenige Section, der Sie anzugehören wünschen, selbst zu bestimmen, obgleich Ihre Anlagen Sie zur Oberklatschin in sämmtlichen Abtheilungen befähigen. — Hoffend, daß Sie in der neuen Würde unserem Verein alle Ehre machen und es Ihnen gelingen wird, per Jahr zahlreiche häusliche Scenen sowie einige Ehescheidungen herbeizuführen, zeichnen wir mit dem Ausdruck größtmöglichster Hochverachtnng. Der Vorstand der anonymen Gesellschaft „Klatschverein" und N. ^antippe Ursula Knochenfraß, fünffach geschiedene Ehefrau, geborene v. Schlagzung."
— Frau Schulz: „Ich sag' Ihnen, Frau Weber, wenn bei mir eine Magd einsteht, so hab' ich's immer gleich heraus, ob sie einen Schatz hat oder nicht!" Frau Weber: „So! Wie machen Sie denn das?" Frau Schulz: „Ich nehm' einfach eine Wichsbürste und fahr' ihr damit, wenn sie schläft, über den Mund! .... Stößt sie die Bürste weg, dann ist sie nicht verliebt; spitzt sie aber den Mund, dann ist sie verliebt, denn sie hält die Borsten für den Schnurrbart ihres Gesiebten^_____________________________________________
Eingesandt.
Bad Soden-Stolzenberg. Das jung aufstrebende Bad Soden-Stolzenberg im Kinzigthale scheint sich der Gunst des Publikums immer mehr zu erfreuen. Vom Tage der Eröffnung an entwickelte sich ein reges Badeleben, das sich in den Pfingsttagen zur größten Blüthe entfaltete. Von der Badeverwaltung war am zweiten Festtage ein Volksfest auf dem Stolzenberge arrangirt und Abends vereinigte eine Reunion mit Ball die Badegesellschaft in den Räumen des Kurhauses. Zum Schlüsse erfreute ein Brillantfeuerwerk die zahlreichen von nah und fern eingetroffenen Gäste. Beim Anblick der überaus zahlreichen Gesellschaft, der eleganten Toiletten und der heranrollenden Equipagen glaubte man sich in einem großen Bade während der Laute-Saison zu befinden, und ist bei dem stetigen Fortschritte, den dieses Unternehmen durch fortwährende Anstrengungen macht in Bezug auf Verbesserung und Verschönerung seiner ge- sammten Anlagen, wohl die Zeit nicht mehr fern, daß in Wirklichkeit Soden in die Reihe der größeren Bäder einrangirt sein wird.
Fremden-Liste
des Bades Soden-Stolzenberg.
1. Frau Marie Reck, Rentiere aus Hannover. 2. Herr Fr. Eich, Studiosus aus Hildesheim. 3. FrLul. Aug. Weigand aus Remscheid. 4. Herr Jos. Heim, Fabrikant aus Offenbach. 5. Herr A. Thiemann, Fabrikant aus Kronthal. 6. Herr Herfeld, Kaufmann aus London. 7. Herr Schulz, Kaufmann aus London. 8. Herr W. Fredenhagen, Ingenieur aus Offenbach. 9. Herr Chr. Eichhorn, Kaufmann aus Offenbach. 10. Herr Ferd. Pfaltz, Fabrikant aus Offenbach. 11. Herr C. Hinkel, Fabrikant aus Offenbach. 13. Herr Goll, Kaufmann aus Offenbach. 14. Herr E. Rönnecke, Kaufmann aus Offenbach. 15. Frl. Joh. Siebert aus Fulda. 16. Fräul. Jda Kläuser aus Remscheid. 17. Frl. Emilie Höhmann aus Remscheid.. 18. Herr Carl Weigand aus Remscheid. 19. Herr A. Höhmann aus Remscheid. 20. Herr C. Kläuser aus Remscheid. 21. Frl. Hela Weiß aus Fulda. 22. Herr M. Reck aus Hannover. 23. Frl. E. Witting aus Osnabrück. 24. Frl. Aug. Morgenstern aus Hannover. 28. Herr Jakob Wagner, Oekonom aus Unterliederhoch. 29. Herr Ferd. Alex Jung, Kaufmann aus Frankfurt a. M. 30. Herr W. Fredenhagen mit Familie aus Offenbach. 37. Herr E. Rönnecke mit Familie aus Offenbach. 42. Herr Jos. Heini mit Familie aus Offenbach. 48. Herr Ferd. Pfaltz und Frau, Fabrikant aus Offenbach. 50. Herr W. Zöller, Opernsänger aus Frankfurt a. M. 51. Frau Hörner, Rentiere aus Offenbach. 52. Frl. Conradi aus Offenbach. 53. Frl. Debary aus Offenbach. 54. Herr Max Dengler aus Frankfurt a. M. 55. Herr P. Luft, Fabrikant aus Offenbach. 56. Frau Huppe mit 2 Töchtern aus Offenbach. 59. Herr C. Hinket, Fabrikant aus Offenbach.
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird sich etwas erniedrigen; der Himmel wird bedeckt sein; es werden Süd- bis Westwinde mit ziemlich starker Bewegung vorherrschen; es sind Niederschläge zu erwarten, auch Gewitter sind möglich.
Acisbrnnnen!
Sonntag, den 3. Juni d. J.: M Tanz-Musik
auf beiden Plätzen. Für gute Speisen und Getränke wird bestens gesorgt.
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(Unter dieser Rubrik sind die Anzeigen unent- geltlich für die Mitglieder des Landwirthschaftlichen Krei-vereinS Schlächtern.)
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