und schützt Nothwehr vor, welche aber vom Gericht nicht angenommen, vielmehr Berufung verworfen wurde.
— 25. Mai. Wie verschiedene Blätter mittheilen, wird uns unser Landrath Herr Gr af W ilh e lm B is- marck am 1. Oktober verlassen. Sollte sich diese Nachricht wirklich bestätigen, dann folgen dem Herrn Grafen die ganzen Sympathien der Bevölkerung Hanaus und des Kreises nach, denn er hat es in seltenem Maße verstanden, sich durch sein liebenswürdiges Entgegenkommen gegen Jedermann und seine thatsächliche Unterstützung aller Interessen der Stadt und des Kreises allgemeine Hochachtung und Liebe zu erwerben. (H.Z.)
Frankfurt a M., 24. Mai. Gutem Vernehmen nach wird der Leibkoch des Fürsten Bismarck Restaurationspächter des neuen Central-Bahnhofs werden.
„Laßt mir herein den Alten! Kein Held an Ruhm ihm gleich,
Er kommt mich abzulösen im unterird'schen Reich; Drum auf, ihr letzten Kräfte, erringt der Ehre Lohn, Ihn an der Hand zu führen zu seinem neuen Thron."
Und in den Armen liegen der Roth- und Weißbart sich,
Und jener bricht das Schweigen: „Lang' schon erwartet' ich Dich."
Der alte Kaiser lächelt: „Für mich gabs viel zu thun — Das Werk, das Du begonnen, es ist vollendet nun."
„Ich bring' Dir frohe Kunde: Die Raben sind nicht mehr;
Ein einig, freies Deutschland, geachtet, hoch und hehr." Da strahlt des Rothbarts Antlitz: „Die Botschaft mich erfreut,
Nun darf ich mich wohl legen zur ew'gen Ruh noch heut."
Er drückt dem Hohenzollern noch feierlich die Hand, Geht dann mit festen Schritten zur Thür dort an der
Wand.
Da öffnen sich die Flügel, dahinter Zauberpracht! Ein Dröhnen, Donnerkrachen — Wilhelm ist auf der
Wacht! —
Er sitzt nun da alleine auf unterird'schem Thron, Er denkt des deutschen Reiches, er denkt an seinen Sohn; Mag auch das Schicksal wettern, ein Gott ist's, der es lenkt;
Sein Wille muß geschehen, der fromme Kaiser denkt.
Manch Traumbild von der Zukunft, er sieht's, er hält es fest,
Er sieht die Feinde stehen, die dräu'n in Ost und West; Er giebt Befehl dem Knaben: „Wenn die Trompete ruft,
Dann bring mir schnell die Rüstung, nichts hält mich in der Gruft!"
Du deutsches Volk, erhalte die Krone Deiner Macht! Bleib' deutsch, und was nicht deutsch, entfliehe gleich der Nacht;
Dein Kaiser sei Dir Vorbild als Mann, als Christ, als Held,
Dann kann kein Feind Dir schaden, bleibst einzig in der Wett.
Binghampton, 12. März 1888.
C. F. Möller.
— Dem Freiherrn von Stumm, Chef des 1. Hess. Hus.-Regts. Nr. 13, wurde der Abschied mit Pension und der Negiments-Uniform bewilligt.
— Es wird augenblicklich im Kreise Schlüchtern eine Hauskollecte für die Anstalt Bethel bei Bielefeld abge- halten. Die Kolonie für Epileptische (Fallsüchtige), Bethel bei Bielefeld, beherbergt gegenwärtig an 900 Kranke; aus Hessen-Nassau sind bis jetzt ca. 250 Kranke, ohne Unterschied der Confession, ausgenommen worden, meist aus den ärmsten Verhältnissen, sodaß die Anstalt zu den Pflege-Kosten allein für die Hessen-Nassauischen Kranken jährlich 26,000 Mark zuschießen muß. Die Beiträge aus dieser Provinz bleiben hinter diesem Betrage um ein Bedeutendes zurück, und es wird deshalb herzlich gebeten, bei der diesjährigen Collecte der wohlthätigen Anstalt eine reichlichere Hilfe freundlichst zuzu- wenden.
Hanan. (Strafkammersitzung vom 24. Mai.) Das Schöffengericht in Salmünster hatte einen Müllergesellen von der BaierSmühle bei Kerbersdorf von der Anschuldigung, am 22. Dezember v. I. in Kerbersdorfer Gemarkung die Jagd ausgeübt zu haben, kostenlos freigesprochen. Gegen dieses Urtheil legte die Amtsanwaltschaft Berufung ein und protestirt dieselbe namentlich gegen die in erster Instanz stattgchabte Vereidigung des Dienstherr« deS Angeklagten, weil derselbe ein sehr großes Interesse am Ausgang der Sache habe, da das benutzte Gewehr Eigenthum des Zeugen sei. Der Angeklagte führt aus, er sei an sraglichemTag von seinem Dienstherrn beauftragt worden, am Abend auf Holz-,Wild und Krauldiebe aufzupafseu und deßhalb mit dem Gewehr seines Herrn hinausgegangen. Durch die Aussage des vernommenen Försters, welcher, wie man zu sagen pflegt, den Vogel auf dem Neste fangen wollte uud den Angeklagten auf 15 Schritt Entfernung unbemerkt beobachtete, ist aber erwiesen, daß der Angeklagte mit gespanntem Gewehr richtig auf dem Anstand gestanden hat, nach */* Stunden heftigen Husten betont und daraufhin wieder nach Hause gehen wollte. Sobald der Angeklagte des Försters ansichtig wurde, ergriff er die Flucht und warf das Gewehr weg. Nach diesen Feststellungen hob das Berufungsgericht das erste Urtheil auf und vcr- urtheilte den Angeklagten zu 1 Woche Gefängniß und in die Kosten. Gleichzeitig wurde die Einziehung des Gewehres angeordnet. — Das Schöffengericht in Schwarzenfels verurtheilte einen dortigen Sattlermeister zu 2 Mon. Gefängniß, weil er am 25. Dezember v.J. nach vorhergxgangener Schimpferei in der Ullrich- schen Wirthschaft an der Gartenthür der v. Beut'schen Besitzung in Schwarzenfels einem Zimmermann einen Messerstich an die linke Schläfe, einen anderen an das linke Schulterblatt mit seinem Taschenmesser beibrachte. Der Au-ellsstr legte $#*$ gegen das Urtheil ein
(Fortsetzung.)
„Sparen Sie Ihre Worte," sagte er vollkommen ruhig, „hier ist nicht der Ort zu weiterem Gespräch. Mein Name ist Dr. jur. Braun, in meiner Wohnung, Marien- straße 20, stehe ich morgen zu Diensten."
„Gut, werde nicht ermangeln," war die wuthbebende Erwiderung.
„Kommen Sie, mein Fräulein, wohin soll ich Sie führen?" wandte sich Felix an das junge Mädchen, ohne sich weiter nach den Studenten umzusehen, die jetzt ihren Weg fortsetzten.
Die Angeklagte hatte unschlüssig und angstvoll dem Vorfall mitzugesehen; sie war zweifelhaft gewesen, ob sie forteilen oder auf ihren Retter warten sollte, zu dem sie sich durch großen Dank hingezogen fühlte — so hatte sie sich dann für das Letztere entschlossen.
Sie legte vertrauensvoll ihre kleine Hand in den Arm des jungen Mannes, nachdem sie ihm die Straße ihrer Wohnung mitgetheilt. Erglühend flüsterte sie mit lieblicher, sanfter Stimme ihre Dankesworte und unsern Felix durchzuckte es eigenthümlich, als er die schlanke, weiche Gestalt neben sich verspürte, und er ihr so nah in das reizende Antlitz blicken konnte. Glänzendes schwarzes Haar quoll ihr unter dem Hute hervor, die reine Stirne fast halb verdeckend. Die schönen Züge waren von einer idealen Feinheit, noch etwas blaß von dem ausgestandenen Schreck, aber die Rosen auf den Wangen kamen allmählig wieder zum Durchschein, und der junge Mann erkannte bewundernd das edle, vornehme Aeußere, wie man es meistens nur in gesellschaftlich höher gestellten Kreisen findet. Noch nie war ihm ein junges Mädchen so zauberhaft vorgekommen wie dieses. Er stellte sich in scherzenden Worten ihr vor, und sie nannte ihm ihren Namen: „Ella Körner." — Wie reizend ihm der Name dünkte, ferner erzählte ie, daß sie eine Waise sei und sich noch nicht lange in liefet Stadt aufhalte. Sie hatte wirklich den schwierigen und umsichtigen Posten einer Directrice in dem großen Geschäft von Bauer und Klein inne, und Felix fühlte ieine Achtung für sie steigen, wenn er bedachte, wie ein o junges, schutzloses Wesen schon auf eigenen, festen Füßen zu stehen verstand.
Große Freude machte es ihm, als sie ihm ganz unschuldig gestand, daß er ihr auch nicht fremd sei, und ie ihm sogar die Lage seiner Wohnung beschrieb.
Felix sah ein, daß er es mit einem reinen, noch unverdorbenen Kindergemüthe zu thun hatte, das sich noch nicht von den Erfahrungen der Welt beschwert fühlte, noch nicht von dem giftigen Hauch des Lebens angeweht war, und er nahm sich vor, diese zarte Mädchenblume zu schützen, ihr selbst nicht mit dem geringsten, leichten Wort zu nahe zu treten, denn zum Spielen, das fühlte er, dünkte sie ihm zu gut, im Gegentheil, über ihr zu wachen, sie von allen schädlichen Einflüssen fern zu halten — das wollte er, wenn er auch sich selbst noch nicht im Klaren darüber war, wie er sich in diesem Falle ihr gegenüber benehmen sollte.
Vor einem ziemlich großen, schlichten aber freundlich aussehenden Hause, das die Solidität seiner Bewohner bekundete, hielt das junge Mädchen an. Mit Herzlichkeit reichte sie Felix die Hand, um sich zu verabschieden, während sie auf seine Frage erklärte, daß sie hier bei freundlichen, gesitteten Leuten ein Heim gefunden. Felix ergriff die kleine Hand, die er in einem plötzlichen Impulse leicht drückte, über welche Kühnheit er dann selbst erschrack, und nachdem sie ihm nochmals ihren Dank, aber auch ihre Besorgniß für ihren Retter, bezüglich des Streites mit dem Studenten geäußert, die er aber mit scherzenden Worten zerstreute, trennten sie sich.
III.
Felix dachte andern Tages kaum an den Dorfall, wenigstens soweit er die unangenehmen Seiten betraf; desto mehr war sein Geist bei seinem schönen Schützlinge. Er gedachte ihres weichen, hingebenden Wesens, und dabei zogen die wonnigsten Zukunftsträume plötzlich vor ihm aus, die er aber gleich darauf wieder lächelnd verwarf. Er fühlte allerdings sein Herz dem jungen Mädchen gegenüber aus dem Gleichgewicht gebracht, aber wußte er denn, daß sie jemals ein wärmeres Interesse für ihn fühlen würde, um zu ihm in ein inniges, offenes Ver- hAtniS treten zu könne« <
Die Directrice.
Novelle von Karl Schaper.
Dazu war er Assessor und sie eine Modistin — welch' ein Ab stand der gesellschaftlichen Stellungen! — Thorheit. Er versuchte sich auf andere Gedanken zu bringen. Auch hatte das Rencontre mit den Studenten noch nicht seinen Abschluß gefunden.
Ein Herr erschien, der sich ihm als Stud. phil. Roth vorstellte, in welchem er den zweiten der losen Vögel von gestern Abend erkannte, und der sich jetzt dem Anschein nach als ein gewandter, distinguirter junger Mann entpuppte.
Er erklärte, daß er als Secundant in der Ehrensache seines Freundes und Commilitonen, des Stud. med. Werner käme, er nähme an, daß der Herr Doctor auch schon für erforderliche Verhaltungsmaßregeln gesorgt habe, damit die Sache sobald wie möglich zum Austrag gebracht werde.
Felix war nicht wenig überrascht, er hatte den Worten des Berauschten kein Gewicht beigelegt und an einen solchen Ausgang der Affaire nicht gedacht. Gerechte Erbitterung erfaßte ihn jedoch, wenn er sich das gestrige brutale Benehmen der Beiden vorstellte. Nun sah sich der eine in seinem dünkelhaften Studentenstolze noch als Beleidigter an, er, der am wenigsten Ursache dazu hatte — das war zu arg. Felix war als früherer Student mit den Sitten und Gebräuchen derselben genau betraut, hatte weit und breit als flotter Schläger und sicherer Pistolenschütze gegolten, und er wußte, wie er sich zu verhalten hatte.
„Mein Herr", entgegnete er scharf, „nach all meinen Erfahrungen schien eher Ihr Freund bestrebt, zu beleidigen, als irgend ein Anderer, und für ihn wäre es vortheil- hafter gewesen, die eclatante Sache todtzuschweigen. Ich meinerseits erachte das Ansinnen desselben als ein loses, leichtsinniges Spiel mit ernsten Gegenständen, einen Mißbrauch an den ritterlichen Gesetzen der Ehre, und nur widerwillig stelle ich mich auf den Kampfplatz; doch Ihr Freund wünscht es, und um ihm keine falschen Begriffe über meine Ehrenhaftigkeit zu geben, werde ich auf die Komödie eingehen, denn eine solche wird es doch wohl nur werden."
„Wer weiß!" meinte der Andere achselzuckend. — „Sie als Geforderter haben die Wahl der Waffen." i
Felix lächelte ironisch. „Gut, so werden wir Pistolen nehmen. Ich sende Ihnen im Laufe des Tages meinen Secundanten, der alles Nähere mit ihnen besprechen wird."
Der Student entfernte sich mit höflichem Gruß.
Unser Freund konnte kaum ein lautes Lachen unterdrücken, als er sich allein befand. Die Umstände waren komisch zu nennen gewesen, wenn die Sache selbst nicht zu ernst war. Ein Duell! Felix hatte schon unzählige Male auf der Mensur gestanden, mit dem blanken Schläger Quarten und Terzen schlagend, daß öfters das Blut geströmt hatte, aber einen förmlichen Zweikampf — und noch dazu um eine junge reizende Dame! Der Fall däuchte ihm fast romantisch. An eine Gefahr dachte er nicht, er konnte nicht glauben, daß der Student darauf bestand, Wunden zu sehen; ein Paar Schüsse in's Blaue, und damit war den Gesetzen der Ehre Genüge geleistet.
* *
*
Noch war der kalte, rauhe Oktobertag nicht angebrochen, noch lagerten die Schatten der Dämmerung auf der Landschaft, und die grauen Herbstnebel wogten durcheinander, die aber allmälig vor dem Heller schimmernden Himmel wichen, als es auch schon in der von Tannenschonungen und Steinbrüchen eingefaßten und verdeckten Schlucht lebendig ward.
Felix Braun und der Studiosus Werner standen sich gegenüber; jeder die blitzende Schußwaffe in der Rechten, jeder seinen Secundanten zur Seite. Neben dem Assessor befand sich ein junger Arzt, ein Bekannter von ihm, der ihm diesen Freundschaftsdienst erwies.
In dem Gesichte seines Gegenübers war Aerger und Erbitterung zu lesen, wozu die völlige Ruhe Brauns seltsam contrastirte. Doch war bei ersterem auch eine eigenthümlich scheue Verbissenheit nicht zu verkennen, vielleicht fühlte er, daß er zu weit gegangen, daß sein Benehmen in Wirklichkeit doch wohl nicht so ehrenvoll war, wie er sich einbildete. ' ■
Jeder hatte zwei Schüsse, und Werner zuerst zu feuern.
„Bitte, Herr Studiosus, lassen Sie uns den Scherz so schnell wie möglich beendender Morgen ist unangenehm kalt," rief ihm Felix noch im leichten Tone zu, um ihm gleichsam seine Meinung von der Sache anzudeuten.
Die Worte verfehlten jedoch ganz ihren beabsichtigte» Zweck, das Gesicht des Studenten wurde dunkelroth vor Zorn, — die Worte erschienen ihm als Spott, und hastig erhob er die Waffe, doch hätte ein aufmerksamer Beobachter sehen können, wie seine Hand leise zitterte.
Zwei Schüsse krachten schnell hintereinander, em Echo in der Schlucht hervorrufend, und als sich der Pulverdampf verzogen hatte, stand Felix scheinbar unversehrt da. Seine Züge waren jedoch blaß, seine Lippe" wie im Schmerze aufeinander gepreßt, und sein linker Arm hing ihm schlaff zur Seite, was die übrigen Be- theiligten jedoch nicht wahrzunehmen schienen.
„Du hast es auf mich abgesehen, so nimm den" Deinen Denkzettel, Du wolltest es so haben", Felix leise zwischen den Zähne« hervor, indem ihm Blurwelle M Zornes fo das AMH Me-.