Einzelbild herunterladen
 

Während dem beruhigte Aennchen den Gensdarm:

Herr Wachtmeister, den Ueberzieher hat er gestern nicht gestohlen, mein Vater, ich und unser ganzes Ge­sinde können es bezeugen, daß er und sein Kamerad, der Tischler, von dem er sich getrennt zu haben scheint, seit Pfingstsonnabend unser Haus nicht verlassen haben!"

Der Wirth mußte dies bestätigen, wandte sich aber dann zu seiner Tochter und sagte:Was fällt Dir ein Mädel, für einen fremden Menschen so Partei zu nehmen und was hat er den in deiner Stube gemacht?"

Väterchen sei gut und ich sage, wenn er mich will, so nehme ich ihn und wenn Du's verbietest, so geh ich ins Wasser!"

Na na," lachte der Alte, gute Miene zum Spiel machend, denn er kannte den Papa Neumann und dessen Verhältnisse.Nur nicht zu tief, es hat keine Balken."

Aennchen aber warf sich dem überglücklichen Ede, der ihr mit ausgebreiteten Armen entgegenkam, an die Brust.

Aennchen," rief dieser,Du hast mich gerettet, Du hast den Bann gelöst, der auf mir lag seit langen Jahren, wie eine Märchenprinzessin hast Du mich be­freit'und mit dem Meister Dieb, von dem das Märchen erzählt, ist's nun aus, für immer überhaupt, wenn mans recht bei Licht betrachtet, hat's wohl nie einen ehrlicheren Kerl gegeben wie mich!"

Aennchen drohte schalkhaft mit dem Finger:

Na, im, Ede! Unter uns, Du scheinst wirklich ein Meister Dieb zu sein, denn wenn ein Herz je wohl verwahrt gewesen ist, so war es meins und doch hast Du Schelm es mir stibitzt!"

Mein Schatz, hier irrst Du doch, ich denke viel­mehr wir haben getauscht!"

Richtig, das kann sein, ich muß es gelten lassen aber mit dem Küßchen vorgestern auf der Treppe, wie stehts damit weißt Du noch Spitzbub!"

Wie, auch das machst Du mir zum Vorwurf, aber es ist wahr! Da ich beabsichtige nunmehr in kurzem ehrsamer Bürger und Gatte zu werden, so muß ich mich wohl bessern ! Und wenn Du meinst jener Kuß war unrecht Gut so trimm ihn hier mit Zinsen wieder!"

Rasch faßte er schön Aennchen beim Kops und zahlte herzhaft seine süße Schuld.

Ende.

Vermischtes,

Die Regiments- Gans. Im Jahre 1833 war die Regiments-Gans zu Eßlingen im Hause eines Bäckers geboren und wurde mit vielen Altersgenossinnen an den Neckar getrieben. Bald aber regte sich ihre Vorliebe für das Militair und so gesellte sie sich einer Schildwache bei, welche die in der Nähe des Bäckers­hauses belegene Reitercaserne bewachte, indem sie dem Posten auf Schritt und Tritt mit fröhlichem Geschnatter folgte. Vertreibungsversuche blieben erfolglos und als infolge baulicher Veränderungen der Wachtposten von Außen in das Innere des Casernenhofes verlegt wurde, flog die Gans über das geschlossene Hofthor und ge­sellte sich auch hier mit fröhlichem Geschnatter der Schildwache bei. Da kaufte denn ein Osficicr des Regiments das Thier und wies ihm einen Verschlag neben dem Schilderhaus an. Von nun an fühlte es sich vollständig als Militair, und Personen im Civilan- anzug durften sich ihr nicht nähern. Bei einem Gar­nisonswechsel von Eßlingen nach Ludwigsburg wurde auch die Regimentsgaus nicht vergessen und sie setzte ihnen Dienst an dem neuen Platz in der alten Weise fort. Als im Jahre 1846 das Regiment zu den gro­ßen Kriegsübungen ausrückte, mußte die Gans zurück- bleibeu und suchte sich zum Ersatz die Schildwachen am Arsenal und an der Post auf. Hunderte von Zeugen

sahen, wie das Thier gerade an der Post Schildwache stand, als sich die Musik des zurückkehrenden Regiments in den Straßen hören ließ und wie die Gans sofort in die freudigste Aufregung gerieth. Sie eilte dem Regiment mehrere Hunderte Schritte weit im Fluge entgegen und marschirte nun vor den Trompetern er­hobenen Hauptes und stolzen Schrittes einher bis in die Caserne. In ihrem sechszehnten Lebensjahre machte sie den zweiten Garnisonswechsel von Ludwigsburg nach Ulm mit. Endlich im Januar 1853 beschloß sie, nach­dem die Schwächen des Alters sie beschlichen hatten, ihre ruhmvolle Laufbahn, indem sie wie ein echter Sol­dat, auf ihrem Posten starb. Gegen alle andere Gänse, so berichtet der würtembergische Oberst von Lipp, welcher das merkwürdige Thier selbst gekannt, hatte die Regi- mentsgans sich stets abwehrend verhalten.

Eine seltsame Traueranzeige wird dem NürnbergerAnzeiger" aus einem oberbayrischen Gebirgs- städtchen mitgeteilt. Dieselbe lautet in der Original­schrift, wie folgt:

Heute Morgen 7 Uhr Schstd ins Land der Geister an der Schwindsucht Unheilbaren Weh' Mein gelübter Mann der Schneidermeister Georg Reisinger, im dritten Jahre Unsrer Eh. Alle, die den Seligen kannten, wissen, was ich an Ihm Verlohr, um stille Theilnahm' bitt ich die Verwandten, Meiu Geschäft betreib ich wie zuvor.

Hochachtungsvoll und ergebenst in tiefster Trauer Anna R. im Namen sämmtlicher Verwandten.

Botschafter an den großen Höfen Europas sind eine theuere, aber nothwendige Sache- Die deutsche Botschaft in Rom erfordert einen jährlichen Aufwand von 143,000 Mark, in St. Petersburg und London je 150, 000 Mark, in Wien, Paris und Konstantinopel je 120,000 Mark, in Madrid 100 000 Mark. Früher nahm man, da die Gehalte nicht reichten, oft sehr reiche Leute zu Gesandten und Botschaftern, in neueren Zeiten aber entscheidet man nach anderen Vorzügen. Als einmal der preußische Vertreter bei dem Reichstag des h. römischen Reiches in Regensburg Friedrich den Großen bestürmte, er müsse Zulage haben, er könne mit den andern Gesandten nicht Schritt halten und nichts Wichtiges durchsetzen, antwortete ihm der König: Sag' Er nur, Ich stände hinter Ihm, da wird's schon gehen! Und er malte an den Rand seinen Krückstock.

Einen seltenen Triumph hat der Nord deutsche Lloyd neuerdings mit einem seiner Reichs-Post- dampfer errungen. Der englische Gouverneur von Honkong, Sir Wm. des Voeux, reiste mit seiner Familie und Begleitung auf einem Dampfer einer großen eng­lischen Dampfergesellschaft von England nach Ostasien. Er war jedoch mit der Verpflegung und Einrichtung des Schiffes so unzufrieden, daß er sein Passagegeld im Stiche ließ, in Singapore mit Familie und Begleitung ausstieg und den ReichspostdampferPreußen" des Norddeutschen Lloyd abwartete, um mit ihm die Reise nach Honkong fortzusetzen.

Ein Bäckermeister in Sondershausen fertigt nicht nur Semmeln und Kuchen, sondern, wie er mit besonderem Nachdruck angekündigt hat, auch Selters- und Sodawasser, Brauselimonade, französische Limonade und kühlenden Maitrank an. Seine Konkurenten hatten ihn deshalb unter Anerkennung seiner Vielseitigkeit auch zur Anfertigung von Strohüten veranlassen wollen, doch hat er gegen diese Zumutung folgende geharnischte Erklärung gerichtet:

Bemerke noch denjenigen Kollegen, welche sich vor kurzem über mein Inserat lustig machten und mir vor- schlugen, noch Strohhüte anzuschaffen, daß ich es thun will: wenn dieselben mir das Stroh, was sie in ihren Köpfen haben, zusenden, will ich Hüte davon unfertigen lassen." |

Z weifelhafte Werthobjecte. Jeder Prozeß muß der Kosten oder vielmehr deren Berechnung halber ein Werthobject darstellen. Wird dasselbe nicht von den klagenden Parteien fixirt, so setzt es der Gerichtshof fest. Den Werth in einem Ehescheidungsprozeß festzustellen, ist ziemlich schwierig, denn jeder Theil hält sich in der Regel für werthvoller, als er in der That ist. Die Preise für durchgegangene Frauen variiren zwischen Mk. 350600, für durchgegangene Ehemänner oder sonstige Flüchtlinge zwischen Mk. 600 1200. Dieser Tage wurde jedoch ein ganz besonderer Fall verhandelt. Ein nach Amerika geflohener Ehegatte, der das Vermögen seiner Frau in der Höhe von etwa Mk. 100,000 mit­genommen hatte, wurde als Streitobject auf Mk. 30,000 gewerthet. Der Flüchtling wird wohl selbst nie geglaubt haben, daß er ein so werthvoller Mensch sei.

Eine auch für deutsche Verhältnisse beherzigens­wert H e Ermahnung enthält der zu Medford in Wis­consin erscheinendeWaldbote".Lasset auch die K n a- ben in der Haushaltung helfen! Wie oft sieht man eine arme, ermüdete Mutter sich im Hause herum- schleppen und mit dem Aufwande von Kraft ihre Arbeit thun, während ein starker kräftiger Junge behaglich in einer Sophaecke oder im Lehnsessel ruht. Warum sollte er, dem gesunden Menschenverstand nach zu urtheilen, ihr nicht behilflich sein? Und warum sollte man ihn nicht dazu anhalten, anzufassen, damit er seiner Mutter die Arbeit erleichtern könnte, sei es durch Besorgung von Aufträgen, kleinen Handreichungen, oder dadurch, daß er ihr sonstige Gänge erspart? Wenn sie ihn rechtzeitig dazu angehalten hätte, würde er als großer Junge ge- wußt haben, daß es männlich sei, der ermüdeten Mutter zu helfen, und er würde bereitwillig und aus liebendem Herzen Acht geben, um zu erspähen, wie viel Dienste er ihr während seiner Freistunden leisten könnte. Zudem würde dies für den Knaben einen dreifachen Nutzen haben; es würde ihn davor behüten, müßig zu sein oder dumme Streiche zu begehen, würde ihn geschickt und sorgsam machen, ihm eine innige Theilnahme für seine Mutter und für seine zukünftige Frau einflößen und ihn so zu einem weit rücksichtsvolleren Sohn und Gatten heran­bilden."

H aus Tunich tgut frag t: Ob die alte jüdische Bundeslade wohl ebenso nüchtern und geschmacklos aussah, wie das Berliner Auswärtige Amt? Es ist ein langes mäusegraues Gebäude, niedrig ohne jeden äußeren Schmuck, zwei alte Laternen ausgenommen, die auf halbverrosteten Eisenstäben ruhen und die schmale Eingangs­thür bewachen, zu welcher einige Stufen empor führen. Vor dieser Thür wurde einmal dem Fürsten Bismarck der Hut eingetrieben und das kam so. Er war Abends zu Fuß ausgegangen und kehrte gerade zurück, als eine Anzahl Menschen vor seinem Haus ihm eine Huldigung darbrachte. Den Schlapphut ins Gesicht gedrückt, ver­suchte er unbekannt durchzuschlüpfen. Doch zu seinem Verderben. Er wurde im Zivilanzug nicht erkannt und unter dem Ruf:Halt, hier will ein Kerl nicht Hurrah schreien!" wurde er angehalten, bekam einige Püffe und mußte wohl oder übel auf sich selbst ein Hoch ausbringen. Auch heute noch soll die Straßenbeleuchtung in der Wilhelmsstraße, weil dort die Schuhläden mit ihren hellen Scheiben vollständig fehlen, so spärlich sein, daß die Geschichte ganz gut noch einmal passieren könnte

Böse Wendung. Schwiegermutter: Wie, lieber Egon, Sie sprachen mir doch immer von Ihrer wunderbaren Praxis, und so oft ich nun auch kommen mag, steht das Sprechzimmer leer. Arzt: Ach ja, liebe Mama! Vor meiner Hochzeit glaubte eben jede junge Dame, ich wäre für sie der richtige Doktor.

Ein Rechenexempel. Lehrer:Stellt Euch einmal vor, acht von Euch hätten 48 Acpfel, 32 Bir­nen, 56 Feigen und 16 Meloneu unter einander zu »ertheilen. Was bekäme da jeder Einzelne?" Der kleine Karl:Bauchweh, Herr Lehrer."

Im ganzen Deutschen Weiche werden tüchtige Personen jeder Berufs­klasse zum Wiederverkäufe eines leicht absetzbaren Artikels gesucht.

Hohe Provision bei flottem Verkauf.

Offerten mit Angabe gegenwärtiger Beschäftigung subMerkurius" Hauptpostlagernd, Hamburg.

Unentgeltlich nach 13jähriger A - approbirterHeilmethode zur sofortigen radikalen Beseitigung der Trunk- Vf sucht, mit, auch ohne Vorwissen, zu vollziehen, unter Garantie. Keine Berufsstörung. Adresse: Privatan- stalt für Trunksuchtleidende in Stein- Säckingen (Baden). Briefen sind 20 Pfg. Rückporto beizufügcn. ____

la. neue ^ettfeöern

empfiehlt L. M. Walter.

RECHNUNGEN X Otas

QUITTUNGEN Wechsel

Avisbriefe

etc.

Geburts-, VERLOBUNGS-, J-IOCHZEITS- und

Todes-Anzeige-Briefe etc.

x

CIRCULARE Briefbogen MEMORANDUMS Preislisten Couverts etc.

Mnclte üusfüürflng.

Buclidriickerei

1

Sngemclfeue greife.

Placate

DIPLOME

®lVetn- & S-pewe^atten PROGRAMMS

etc.

Visiten-,

Geschäfts-, Empfehlungs-,

TANZ-,

Einlade-, Eintritts- etc.

J^ARTEN.

Druck von Werken, Brochüren Statuten und Formularen jeder Art.

Tricot-Taillen

Arbcits- und

billigst bei

Grstn-eDienstvÄcher

Abi. Giebel, sind in der Druckerei d. Bl. Zu haben.

Tapeten u. Borden

in schöner Auswahl,

Oelfarben u. Lacke

in allen Sorten.

Leinöl, Siccatif, Terpentinöl, Firniß,

Pinsel

für Anstreicher, Maler, Maurer Und Lackirer, in vielen Sorten, billigst bei

Ferd. Fenner.

M Sonnenschirms

in großer Suswaßt

neu eingetroffen.

J. H, Walter,