ohne den Betrag dafür abzuliefern. Bei Herrn Georg Nolde borgte sie sich 2 Schließkörbe und 18 Mark baar unter der Angabe, sie sei eine Frau Lenz von Sterbfritz und wolle ihre Sachen nach Hause befördern. Bei einer Frau Sinzenich logirte die Angeklagte 1 Tag und anstatt die Kosten ihrer Verpflegung zu bezahlen, ließ sie noch ein Kleid, ein Tuch, Schürzen, ein Kopftuch und eine neusilberne Cylinderuhr mitgehen. Ferner entwendete die Angeklagte einer Frau Reinhardt einen Unterrock. Mit Rücksicht auf die Vorstrafen wurde die Angeklagte zu 2 Jahren 6 Monateu Zuchthaus, 300 Mark Geldstrafe subs. für je 15 Mark 1 Tag Zuchthaus, zu 5 Jahren Ehrverlust und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht verurtheilt.
Frankfurt a. M. Der deutsche 7. Lehrertag wird dieses Jahr während der Pfingstwoche (21.—24. Mai) in unserer Stadt seine Versammlungen halten. Für dieselben sind folgende Vorträge angemeldct: „Die allgemeine Volksschule", Ref. Köhnke-Hamburg, „Die ärztliche Beaufsichtigung der Schulen," Ref. Siegert-Berlin, „Der Unterricht in Gesetzkunde und Volkswirthschaftslehre in der Schule", Ref. Pache-Leipzig, „Nothwendigkeit einer entschiedenen und allgemeingiltigen Vereinfachung unserer Rechtschreibung", Ref. Dr. Sulzbach-Frankfurt am Main, „Oeffentliche Schulprüfungen".
— Die Eröffnung des Gesammtbetriebes im neuen Centralbahnhof erfolgt, wie die „Franks. Ztg." aus bester Quelle erfährt, bestimmt am 3. Juli dieses Jahres.
Auslaud.
Paris. Die Versuche zur Vergleichung der Schnelligkeit von Kavalleristen, Velozipedisten und Brieftauben in der Ueberbrin gun g von Befehlen un/b Depeschen in Kriegszeiten sind dieser Tage in Tours (Frankreich) fortgesetzt worden und haben sehr interessante Resultate ergeben. Die zurückzulegende Distanz betrug 4300 Meter, das gewählte Terrain war die Strecke von Tours nach Montbazon. An dem sportlichen Versuchen nahmen Theil: 4 Dragoner vom 25. Regiment und ebensoviel Husaren vom 7. Husarenregiment, ferner Mitglieder des Veloce-Club in Tours, welche auf Bi- und Tricyclen sich präsentirten, ferner zwei von dem Lieutnant Jupin für Kriegszwecke abgerichtete Hunde, Briscfer und Turco, und endlich Brieftauben von dem Brieftaubenverein in Tours. Der Start erfolgte in Zwischenräumen von je einer halben Minute, erst die Hunde, dann die Reiter u. s.f. Trotz des heftigen Windes und obwohl einige Bergabhänge zu überwinden waren, befriedigten die erzielten Resultate un- gemein. Wie nichts anders zu erwarten war, trafen die Brieftauben zuerst am Bestimmungsorte ein; sie hatten den Weg in 5 Minuten 35 Sekunden zurückgelegt. Ihnen folgte ein Bicyklist, der ein kleines niedriges Velociped mit zwei gleichförmigen Rädern benutzte, in 7 Minuten 5 Sekunden, dann die Husaren in 7 Minuten 57 Sekunden, die Dragoner in 8 Minuten, dann erst kamen die Hunde in 8 Minuten 9 resp. 38 Sekunden und zum Schluß die übrigen Velocipedfahrer.
Vermischtes.
— Also darum! Bessel, der berühmte Astronom und Professor an der Universität von Königsberg, war bis zu seinem zwanzigsten Jahre Gehilfe in einem Bremer Handlungshause, wo er alle seine freie Zeit dem Studium jener Wissenschaft widmete, der er später seinen Weltruhm verdankte. Nichts an dem Gelehrten erinnerte an den dereinstigen Kaufmann, nur eine gewisse Sach- kenntniß in Bezug auf Manusakturwaren und einen daraus folgernden Geschmack in der Wahl der eignen Garderobe hatte er sich aus jener Lebenswoche bewahrt. So geschah es, daß eines Tages, als er bei einem kurzen Aufenthalt in Leipzig zur Zeit der Messe zwischen den Verkaufsstellen umherging, ein ausgelegter Stoff seine Aufmerksamkeit erregte. Es war das Muster eines so eben in Bradford patentirten Tuchfabrikates und nur wenig
davon als Probe nach Leipzig geschickt worden, aber doch genug, daß Bessel, der von dem eigenartigen Stoff ganz entzückt war, einige Meter zu einem Rock davon kaufen konnte. Bei seiner Heimkehr schickte er zu einem Schneider, um ihm die Anfertigung zu übertragen, dieser aber, der ebenfalls das Zeug bewunderte, erklärte achselzuckend, daß es leider nicht reiche. Bessel, sehr verstimmt durch das Bewußtsein, daß in ganz Königsberg nichts Aehn- liches aufzutreiben sei, schickte gleichwohl zu einem andern Meister, und siehe da: dieser fand die Quantität völlig ausreichend und lieferte wirklich schon nach wenigen Tagen den Rock ab der znr vollen Zufriedenheit des Astronomen ausgefallen war. Kurze Zeit darauf begeg- uete dieser auf dem Wege zur Universität einem Knaben, der seine Schulbücher unter dem Arme trug und ein Jacket an hatte, dessen Stoff dem in Leipzig gekauften aufs Haar glich. Der Gelehrte hielt den Knaben an, fragte nach seinem Namen und war sehr verwundert, zu erfahren, daß es der Sohn des Schneiders war, der ihm dem Rock gefertigt. Dieser Mann hatte also den Stoff noch reichlich genug gefunden, um zu einer Jacke zu erübrigen! — Bessel nahm den Knaben mit nach seiner Wohnung und ließ den Schneider rufen, der sich geweigert, den Rock zu machen. „ Bitte, vergleichen Sie einmal," sagte er zu dem Meister, „ dieses Jacket mit meinem Rock und sagen Sie mir dann, ob beide von einem Stück gefertigt sind." „Ganz gewiß," sagte der Schneider nach kurzer Besichtigung. „Nun, so erklären Sie mir," fuhr der Professor in ernstem Tone fort, „wie Sie denselben Stoff für unzulänglich erklären konnten, von dem Ihr Kollege noch zu einem Jacket ersparen konnte? Sagen Sie mir offen: was war der Grund?" „Ein sehr einfacher, Euer Ehren," lautete die Antwort des Meisters; „mein Junge ist größer."
— Ein kleines Kulturbild! Im Gasthof des Dorfes S. bei Merane kehrten am vorigen Sonntag Nachmittag zwei kleine Burschen ein, die, jeder eine Cigarre im Munde, ungenirt an dem runden Tisch neben den übrigen Gästen Platz nahmen. „Mir eenen Psesfermünz!" wandte sich der eine an den sie anschauenden Wirth. „Mir ooch eenen!" sagte der andere. Der Gastwirth blickte die beiden Kerlchen von oben bis unten an und fragte dann: „Seit Ihr denn schon aus der Schule?" „Na natürlich", antwortete der eine. „Mir sein schon Ostern in die Lehre gekommen", ergänzte der andere. Wirth und Gäste lächelten. „Nun, dann wartet einen Augenblick", sagte der erstere und be- gab sich in die Küche. Bald kehrte er wieder und setzte jedem der beiden kleinen Gäste einen Teller vor, auf dem ein Glas mit Milch stand und eine Semmel lag. „So, das bekommt Euch besser als Schnaps", erklärte er hierbei; „Pfeffermünze und Cigarren taugen nicht für Tuch Narren!" Die großen Gäste lachten laut auf und einige riefen: „ Bravo!" Die beiden Kleinen aber wurden blutroth, sprangen auf und verließen eiligst die Gaststube.
— (Ein Aushilfsmittel.) In einem Berliner Salon. Dame: „Es ist aber nicht nöthig, daß die Zofe unser Gespräch versteht... sprechen wir französisch!"—Lieutnant (der seinen „Plötz" schon seit längere Zeit vergessen hat, erschrocken): Wie? Die Sprache unseres Erbfeindes? Nimmermehr. Nehmen wir die Sprache einer befreundeten Macht, sprechen wir — österreichisch!"
— Immer Geschäftsmann. Nathan (in die Sprechstunde tretend): Herr Doktor, ich glaub' ich habe einen Katarrh, aber--über 5 Mark darf er nicht kosten.
Aon der ersten Biographie der neuen deutschen Kaisers, welche unter dem Titel „Friedrich", deutscher Kaiser und König von Preußen, ein Lebensbild von Ludwig Ziemssen, im Verlage von Franz Lipperheide, Berlin, erscheint, ist soeben die fünfte Lsieferung zur Ausgabe gelangt. Mit lebendiger Anschaulichkeit schildert der Verfasser in dem vorliegenden Heft zunächst die interessante Reise, welche der Kronprinz Friedrich Wilhelm aus Anlaß der Eröffnung des Suez-Kanals nach dem Orient unternommen hatte und giebt dann in großen Zügen eine Darstellung der gewaltigen, welthistorischen Ereignisse von 1870—71, aus die der
jetztge Kaiser als siegreicher Feldherr einen herhorragenbe» Einfluß geübt hat. In illustrativer Hinsicht sind neben den vielen kleinen, in den Text gedruckten Abbildungen zwei vortreffliche Vollbilder hervorzuheben: Das eine zeigt den greisen Kaiser Wilhelm, seinen ältesten Urenkel auf dem Schoß haltend und den Kronprinzen und dessen erlauchten Sohn zur Seite; das andere stellt die Begrüßung der Königlichen Damen zu Madrid seitens des Kronprinzen Fried- rich Wilhelm bei der großen Parade in der spanischen Hauptstadt dar. Das reich ausgestattete Buch wird etwa zehn Lieferungen umfassen, welche in Zwischenräumen von vierzehn Tagen erscheinen. Der Preis jedes Heftes beträgt 60 Pfennig.
Aus dem Katarrh der Lungenspitze
mit seinem hartnäckigen, kurzen, trockenen Husten — sagt Dr, Dyrenfurt — entwickelt sich nur zu oft der schleichende Dämon der Lungenschwindsucht. Zarte Kinder läßt man bei rauher Witte- rung am besten in der warmen Stube und alle Personen, welche zu Katarrhen hinneigen und sich keinen Husten auf oder vielmehr in den Hals schaffen wollen, sollten, wenn sie'- können, bei un- wirrschem Wetter zu Hause bleiben. Zur Vorbeugung oder wenn Katarrh und Husten schon auSgebrochen, nehme man Zuflucht zu bewährten Mitteln, die volle Garantie für Nützlichkeit und Unschädlichkeit bieten. Der rheinische Trauben-Brust-Honig von W. H- Zicken heim er in Mainz hat sich seit 21 Jahre» bei allen Leiden und Beschwerden der Athmnngsorgane, Husten, Heiserkeit, Verschleimung, Hals-, Brust- u. Lungenleiden, Keuchhusten, so außerordentlich bewährt, daß bei Vorkommen Jedermann mit vollem Vertrauen dieses nie versagende, köstliche, unter allen Umständen unschädliche Präparat in Anwendung bringen kann. Depöt befindet sich bei Herrn I. Fehl,
Marktberichte.
Frankfurt, 14. Mai. (Produktenbörse.) Weizen, hies. und Wetterauer 19,50 -20,— M., kurheff. 18,75—19,— norddeutsch. 19, ■—19,50 Mk., südrufs. 19 20,25M., ungarisch. Mk., Roggen, Hies. 13,75-14,25, Mk., Pfälzer 14,50-14,75 Mk., Ungar. —,----,—Mk., Gerste, hies. 15,75—16,50 Mk., frans. 17,50-18,- Mk., Pfälzer 17,--18, Mk., ungarisch. 17, - - 18,- Mk., Hafer, Hies. 14,--14,50 Mk, baperischer -,- —, Mk. - Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier.
— 14. Mai. Der heutige Viehmarkt war mit 417 Ochsen, 25 Bullen, 497 Kühen, Rindern » Stieren, 442 Kälbern, 61 Hämmeln, 165 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich; Ochsen 1. Qual. 61 Mk., 2. Qual. 54 M., Bullen 1. Qual. 41 Mk., 2. Qual. 40 Mk., Kühe, Rinder ».Stiere 1. Qual. 54 M., 2. Qual. 48 M. Alles per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Kälber 1. Qual. 60 Pf., 2 Quai. 50 Pf., Hämmel 1 Qual. 58 Pf„ 2. Qual. 50 Pf., Schweine 1. Qual. 46 Pf., 2 Qual. 45 Ps, Alles per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Lasset, 14. Mai. Waizen 16,92-17,60 Mk., Roggen 12,50 13,-Mk., Gerste, -,----, - Mk., Hafer 13,--13,80
Mk. Alles per 100 Kilogramm.
Eingesandt aus Sterbfritz.
Zur Berichtigung des von hier unter dem 11. d. M, eingesandten Artikels diene, daß fraglicher Chinese nicht aus Frankfurt, sondern aus Marburg war, um aus Ersuchen der dortigen medic. Facultät den Thon in Weiperz zur Herstellung von Röhren zwecks Zuführung von Intelligenz einzelner Individuen am hiesigen Platze zu untersuchen und besonders, ob sich die Masse für die eignet, die, um sich in der Schriftstellerei zu versuchen, ihre Gehirngespinnste der Oeffentlichkeit preisgebeu.
Eingesandt aus Herolz.
Die Collecte für die Ueberschwemmten fiel in hiesiger Gemeinde gut aus, obschon verschiedene Wohlhabende ganz wenig, einige auch gar nichts gaben. In einem Hause hieß es: „Aeich ho Staier un Einlage genungt zu bezahle, atch geb nix."
Witteruugsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird sich nicht wesentlich verändern; der Himmel wird meist heiter sein; es werden Westwinde mit mäßiger Bewegung vorherschen; Gewitter sind sehr wahrscheinlich.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchlern.
I. P fin g st f ei er t ag.
Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hartma nu-Elm.
II. P fingstfeiertag.
Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Kaiser. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Heck. Wochendienst in der Stadt: Herr Pfarrer H artmann.
Königl. Preuss. 178. Klassen-Lotterie.
Die Ziehung III. Classe beginnt am 18. Juni; hierzu empfehle Antheile: '/. 165M., '/- 82*5M., ’/* 41,25M., 5, 21 M., (io IBM., ’/is 11,25M., ’/jo 9 M., Vsz 6 M., 1/40 4,80 M., ’/ss 3,30 M. Amtl. Listen für alle 4 Klassen 1 M. Bei Vorauszahlung für alle 4 Klassen kosten Antheile: '/, 220 M., ’5 HO M., () 55 M., ’/s 27«/, M., '/>« 24 M., 15 M., > 12 M., */,2 7,50 M., ‘/so 6 M., >4 4 M.
Bei der letzten Ziehung wurde der Hauptgewinn von 100 000 M., sowie 1 & 30000 M., 2 5 5000 M. etc. bei mir gezogen.
Marienburger Loose, 5 3 Mark, 10 Loose für 29 Mark, Halbe 1,50 M., 10 Halbe 14,50 M. Kreuz - Loose ä 1 M., 11 Loose 10 M.
Bühnen-Loose ü 1 M., 11 Loose 10 M. Porto u. Liste 30 Pf.
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Provision mit ", o pCt. Disconto- u. Cheque-Verkehr. Wechseldomicilirung.
Aug. Fuhse, Geschäft, Berlin Wim Faberhause.
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Gelegenheits- n. Hochzeitsgesclieiikeii,
Jacob Wolf,
Schlächtern,
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