Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die Veröffeutlichangm ves Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vicricljäbriich 1 Mark. - Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig. _____ - __________ ——
Die Herren Orts- und Gutsvorsteher werden cr- gebenst ersucht, das Nachstehende in ortsüblicher Weise bekannt zu machen:
Die Aufnahme-Bedingungen für diejenigen jungen Leute, welche in eine Unteroffizier-Schule oder Unteroffizier-Vorschule einzutreten wünschen, können bei dem Bezirks-Feldwebel in Schlüchtern zu jeder Zeit eingesehen werden.
Fulda, den 13. Mai 1888.
Königliches Bezirks-Commaudo.
Bekanntmachung.
Für die Zeit vom 15. Mai bis Ende September wird in Bad Wildungen wieder eine Postanstalt mit Telegraphenbetrieb als Zweigstelle des Kaiserlichen Postamts in Wildlingen Stadt unterhalten werden.
Cassel, den 9. Mai 1888.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor, zur Linde.
Bedingungen für die Aufnahme von Fohlen auf der Biebersteiner Fohlenweide im Kreise Fulda.
1. Die Zahl der aufzunehmenden Fohlen soll 55 betragen, keinenfalls 60 übersteigen.
2. Ausgenommen werden 1, 2 und 3jührige Stuten und Wallachfohlen, sowie
3. nichtcastrirbare einjährige Hengstfohlen.
Ausgeschlossen von der Aufnahme werden solche Fohlen, welche an Mängeln oder Krankheiten leiden, die eine fortwährende ärztliche Behandlung und Aussicht erforderlich machen oder durch ihren Aufenthalt aus der Weide das Leben oder die Gesundheit der anderen Fohlen in Gefahr bringen.
Zu entrichten ist für jedes Fohlen 15 Mk. Weidegeld und 200 Psd. — 100 Kilo — gesunder, guter Hafer, für welchen indeß auch der Anschaffungspreis erlegt werden kann.
Der Weidegang beginnt in der Regel in der zweiten Hälfte des Monats Mai und endet in der zweiten Hälfte des Monats September.
Deutsches Reich.
Berlin.Die„Nordd.Aügem.Ztg." schreibt: DasBefinden des Kaisers macht gegenwärtig erfreuliche Fortschritte. Infolge des Fieberabfalles und Der reichlichen Nahrungsaufnahme nehmen die Kräfte zu und ist das Aussehen des hohen Patienten frischer und gesunder. Am gestrigen Tage machte Se. Majestät wieder einen kleinen Gang durch das Zimmer, was ohne jede Anstrengung und ohne Pulsbeschleunignng gelang. Trotz der noch immer reichlichen Absonderung ist der Schlas meistens tief und erquickend, sodaß Se. Majestät schon in früher Morgenstunde sich ausgeruht und zum Verlassen des Bettes genügend gekräftigt fühlen; doch geschieht letzteres erst nach dem Besuch der Aerzte in der zehnten oder elften Stunde.
Berlin, 11. Mai. Die „Correspondenz de l'Est" meldet die beabsichtigte Erhebung des deutschen Reichskanzlers in den russischen Fürstenstand. Dieser Gedanke beschäftige die Petersburger politischen und diplomatischen Kreise und sei von hoher Bedeutung. Schon die Mög- lichkeit, daß eine solche hohe Auszeichnung ins Auge gefaßt worden, sei charakteristisch, denn sie zeige, welch hoher Gunst sich Fürst Bismarck beim Zaren erfreue, und beweise, daß man in Rußland entschlossen sei, mit Deutschland gute Freundschaft zu halten. Der gegenwärtige Meinungsaustausch zwischen Berlin und Petersburg habe nichts geringeres zum Zweck, als die Wiederherstellung des alten freundlichen Verhältnisses der beiden Reiche auf Grund der Verpflichtung Rußlands zur Neutralität für den Fall einen Angriffs Frankreichs auf Deutschland. Die Verständigung mit Deutschland werde auch die Erzielung eines guten Einvernehmens mit Oesterreich zur nahen und sicheren Folge haben. Die Verleihung des russischen Fürstentitels an den Fürsten Bismarck sei auch nicht ohne Präzedenz. Der österreichische Marschall Radetzky sei auch russischer Fürst und russischer Feldmarschall ad honores gewesen. — Der Petersburger „Herold" hält diese Nachrichten für ausfällig und überläßt die Verantwortlichkeit für dieselbe» der „Korr. de l'Est."
„M. Ztg."
— Der Geburtstag der Königin Viktoria von England wird voraussichtlich am 24. Mai durch die Hochzeit
Amtlicher Theil.
Die erforderlich werdende thierärztliche Hilfeleistung wird durch den Kreisthierarzt kostenlos während der Weidezeit besorgt, ebenso werden die Medicamente aus der Fohlenweide-Casse beschafft.
Die Eröffnung der Fohlenweide ist auf den 24. Mai d. I. festgesetzt worden.
Das diesjährige AushebungSgeschäft für den KreiS Schlüchtern findet
Freitag, den I. und Sonnabend, den L.Jnni er.
Morgens 8 Uhr
im Saale der Bierhalle hierselbst statt.
Die Herren Bürgermeister haben bei Strafvermeidung die militairpflichtigen Letite ihrer Gemeinde schon um 7 Uhr Morgens zwecks Rangierung im vorgenannten Lokale vorzuführen und beim Verlesen, sowie bei der Vorstellung derselben persönlich zur Stelle zu sein, um erforderlichen Falls die Persönlichkeit feststellen zu können.
Die Militairpflichtigen haben sauber gewaschen, reinlich gekleidet und nicht in betrunkenem Zustande zu erscheinen.
Diejenigen, welche ohne genügende Entschuldigung fehlen, haben eine Geldstrafe bis zu 30 Mk. oder Haft bis zu 3 Tagen und außerdem die im § 24, 7 resp. § 65, 3 der Ersatz-Ordnung angedrohten Nachtheile zu gewärtigen.
Die zur Vorstellung kommenden Mannschaften haben die in ihren Händen befindlichen Loosungs-Scheine mit» zubringen und abzugeben.
Diejenigen Militärpflichtigen, welche in anderen Aus- hebungsbezirken sich gestellt haben und nach Beendigung des diesjährigen Musterungsgeschäfts zugezogen sind, sind auszufordern, sich sofort bei dem Unterzeichneten unter Vorlage der Loosungs-Scheine zu melden.
Bezüglich der Reklamationen, sowie der über Krankheiten, Fehler rc. seitens der Militärpflichtigen beizu- bringenden Atteste rc. verweise ich aus meine deshalbige Bekanntmachung vom 16. März er. — Kreisblatt Nr. 25 — und erwarte deren genaue Beachtung. Hierbei wollen die Herren Bürgermeister solchen Militärpflichtigen, welche Ohrenleiden angeben, auffordern, für ge
ihrer beiden Enkelkinder, des Prinzen Heinrich von Preußen und der Prinzessin Irene von Hessen, wie man in der „Norddeutschen Allgemeinen Zeitung" liest, begangen werden. Die Vermählung findet in der Schloßkapelle von Charlottenburg statt, und wenn die Besserung im Befinden des Kaisers, wie sie sich in den letzten Tagen so erfreulich gezeigt hat, auhält, so ist die Hoffnung nicht ausgeschlossen, daß der Kaiser bei der Trauung zugegen sein kann. Die Braut wird in Begleitung des Großherzogs von Hessen und ihrer bisherigen Umgebung in einem königlichen Extrazug von Darmstadt abgeholt, an der Grenze des Königreichs feierlich empfangen und unter den der Braut eines preußischen Prinzen gebührenden Ehren, durch die Monarchie bis Charlottenburg geleitet, wo für sie die Zimmer in Bereitschaft gesetzt werden, welche die Königin von Großbritannien jüngst bewohnt hat. Von fremden Fürstlichkeiten werden, wie man hört, der König von Sachsen als Haupt des sächsischen Hauses, und der Prinz von Wales als Vertreter der britischen Königin anwesend sein. Wird die Hochzeit unter den obwaltenden Verhältnissen auch nur als eine stille zu betrachten sein, so wird das Brautpaar doch von einem Kreis von Hochzeitszeugen umgeben sein, wie sie die hohe Stellung des Bräutigams erfordert. Es wird auf etwa 300 Personen gerechnet. Der Trauung folgt ein Hochzeitsmahl. Abends reisen die Neuvermählten nach Schloß Erdmannsdorf ab. Von sonstigen Feierlichkeiten wird in Anbetracht der Verhältnisse des Ortes der Trauung abgesehen. Residenz nimmt das junge Paar in dem früheren herzoglichen Schloß zu Kiel, das durch die Freigebigkeit des hochseligen Kaisers zu einem Fürstensitz umgewaudelt ist.
— Professor Virchow hat am Freitag nach seiner Rückkehr aus Egypten seine Vorlesungen an der Berliner Universität wieder ausgenommen. Die Studenten begrüßten den bekannten Gelehrten mit lebhaften Ovationen, wofür Virchow in kurzer Ansprache dankte.
— Wieder eine Kehlkopf-Exstirpation.
Wie das „Siegn Tagebl." hört, ist Herr Oberstabsarzt Pfrenger, der vor einigen Jahren von Liegnitz nach Wiesbaden zog, Donnerstag in Berlin gestorben, und
hörige Reinigung ihrer Gehörgänge zu sorgen. Wird dies unterlassen und kann in Folge dessen seitens des Militärarztes der Fehler nicht constatirt werden, so haben die Betreffenden trotz ihres angeblichen Leidens Einstellung in den Militärdienst zu gewärtigen.
Die Vorladungen, welche den Herren Bürgermeistern noch zugehen werden, sind den Militärpflichtigen gegen Empfangsbescheinigung auszuhändigen; welch' letztere binnen 3 Tagen nach Empfang anher einzureichen ist.
Schlüchtern, den 12. Mai 1888.
Der Königliche Landrath.
i V.: G o e r z.
Nr. 3041. Zur Untersuchung der Schafheerden des Kreises auf Räude durch den Königl. Kreisthierarzt Lambert, sind für die nachstehenden Ortschaften folgende Termine angesetzt werden:
1. Schlüchtern, Brciteubach, Wallroth, Hintersteinau, Reinhards und Klosterhöfe am 22. d. Mts.,
2. Elm, Gundhelm, Hütten, Oberkalbach, Weiperz, Sannerz, Vollmerz mit Ramholz und Hinkelhof und Herolz am 23. d. Mts.,
3. Ahlersbach, Hohenzell, Lindenberg, Vellings und Niederzell am 24. d. Mts.,
4. Kressenbach, Steinau, Hundsrück, Harborn, Seidenroth und Marjoß am 25. d. Mts.,
5. Salmünster, Ahl, Kerbersdorf, Eckardroth, Romsthal, Wahlert und Soden am 26. d. Mts.,
6. Klesberg, Neustall, Uerzell, Ulmbach, Sarrod mit Rabenstein und Rebsdorf am 28. d. Mts.,
7. Schwarzenfels, Altengronau, Breunings, Jossa, Mottgers und Neuengronau am 29. d. Mts.,
8. Heubach, Oberzell, Uttrichshausen, Züntersbach, Weichersbach und Sterbfritz am 30. d. Mts.
Die Herren Bürgermeister haben dafür Sorge zu tragen, daß die Heerden au den festgesetzten Tagen i n der Nähe der Ortschaften entweder im Pferch oder im Stalle gehalten werden.
Schlüchtern, den 15, Mai 1888.
Der Königliche Landrath:
91 o t h.
zwar an einem Kehlkopfleiden, welches Herr Prof. v. Bergmann ihm um 23 April operirt hatte.
München. Aus den Weinkellern des verstorbenen Königs Ludwig von Bayern bringt die bekannte Restan- rationsfirma Spicrs und Pond in London demnächst einige der seltensten Weinsorten zur Versteigerung. Zum Verkauf kommt u. a. Steinwein vom Jahr 1540 und 1731, Leistenwein von 1631, Johannisberger von 1811 und Rüdesheimer und Hochheimer von 1822.
Tages-Erciguisse.
Schlüchtern. Auch die Schlesische Feuerversicherungs- Gesellschaft hat an die Ueberschwemmten gedacht und dem Oberprüsidenten v. Seydewitz 15,000 Mark zur Verfügung gestellt. HerrRudolsHerzog inBerlin aber, Der bereits 100,000 Mark zur Vertheilung unter Die Ueber schwemmten dem Kronprinzen Wilhelm zur Verfügung gestellt hatte, hat neuerdings dem Reichskanzler die Summe von 3000 Mark übergeben, damit diese unter jenen Soldaten vertheilt werde, die sich bei den Rettungs- arbeiten in den Ucberschwemmungsgebicten besonders hervorgethan haben.
— Der heutigen Nummer liegt der neue Fahrplan für die Strecken des Königl. Eisenbahn-DireMonsbezirks Frankfurt a. M. bei. Derselbe tritt am 1. Juni 1888 in Kraft.
— Von Berlin aus werden ernste Warnungen vorder Auswanderung nach Nord- und Südamerika veröffentlicht, nachdem Berichte aus Südamerika das Schicksal der europäischen Auswanderer als sehr traurig darstellen.
— Es werden gegenwärtig vielfach mit Lehrern seitens der Regierungsbehörden Verhandlungen gepflogen, welche die Uebersiedelung der Lehrer in polnische Gebiete in Ausführung der Germanisirungsbestrebungen zum Zweck haben. Die Lehrer, welche einem Anträge zu folgen geneigt sind, erhalten zunächst 300 Mk. höheres Einkommen, freie Wohnung und Reise-Entschädigung und werden als Staatsbeamte angcstcllt.
— Musterhafte Bestrafung eines Baum- sr e v l e r s. Nach einer Mittheilung der „Pomologischen Monatshefte" stand am 29. Januar vor dem Landgericht Stuttgart ein fünfzigjähriger Landmann unter der