Frankfurt. Der Kaisersaal im Frankfurter „Römer" übt seit einigen Tagen eine ganz besonders starke Anziehungskraft aus, denn zu den Kaisern des heiligen römischen Reiches deutscher Nation, die im Bilde von den Wänden niederschauen, hat sich ein Standbild des ersten Hohenzollernkaisers gesellt. Schon vor Jahresfrist hatte die Stadtverwaltung dem Bildhauer Professor Gustav Kaupert (bekanntlich ein Kasselaner) den Auftrag gegeben, ein lebensgroßes Standbild des.Kaisers Wilhelm anzusertigen, welches die Reihe der Kaiserbilder des' neuen deutschen Kaisers eröffnen sollte. Bis zur Ausführung in Marmor schmückt das nun vollendete Gypsmodell den Römersaal. Kaupert hat den Kaiser barhäuptig und stehend dargestellt, auf das linke Bein gestützt, das rechte leicht abgebogen, die hohe Gestalt Dom Krönnngsmantel umflossen. Im Uebrigeu trägt der Kaiser Wassenrock mit Degen und Schärpe, über dem Waffenrock Band und Kette des schwarzen Adlerordens nebst verschiedenen Ordenssternen und Denkmünzen. Die linke Hand, welche die Handschuhe hält, ist leicht in die Hüfte eingestemmt, die rechte ruht ausgcstreckt auf der lorbeerumschlungenen Kaiserkrone. Ein. Kissen trägt die Krone und dieses liegt wiederum anf einem schlichten viereckigen Sockel, dessen Vorderseite einen über einer Trophäe schwebenden Engel zeigt, welcher ein Spruchband mit der Jahreszahl 1871 hält. Dieser Jahreszahl entspricht auch ungefähr das Lebensalter, in welchem Kaupert den Kaiser dargestellt hat; es ist Barbablanca Triumphator, kraftvoll und jugendfrisch trotz des greisen Hauptes, während der voll Milde auf dem Beschauer ruhende Blick zugleich die herzgewinnenden Eigenschaftendes entschlafenen Herrschers verkörpert. Der Beisall, welchen Kauperts Schöpfung findet, ist ein wohlverdienter.
— 25. April. Ein hiesiger junger Kaufmann, welcher eine Wittwe geheirathet hatte, ist nach zweitägiger Ehe seiner Frau unter Mitnahme von deren Eingebrachtem durchgegangen. Die Frau tröstet sich damit, daß der Ungetreue ihr doch wenigstens ihre beiden Kinder gelassen hat.
Eschwege, 21. April. Von der unteren Werra wird dem „C. I." geschrieben: In dem Dorfe Lindeneru des Kreises Heiligenstadt erkrankte im Laufe der vorigen Woche das dreijährige Söhnchen des Gemeindevorstehers W. an der Diphtheritis. Leider ergriff die tückische Krankheit alsbald den Kehlkopf, so daß der behandelnde Arzt eine Verbringung desselben behufs Operation nach Göttingen für nöthig hielt. Die Operation gelang glücklich, das Kind starb hinterher trotz alledem. Die betrübten Eltern ließen es einsargen, fuhren es nach Hause und bestimmten den Nachmittag des 14. April zur Beerdigung. Wer beschreibt aber ihr Erstaunen, als sie zwei Stunden vor der Beerdigung ein Telegramm aus Göttingen empfingen, demzufolge eine Verwechslung der Leiche stattgefunden habe. Bei näherer Betrachtung stellte sich die Richtigkeit der Thatsache heraus. Die Leiche (welche Eltern in der Nähe von Cassel gehören soll) ward deshalb wieder nach Göttingen gefahren und gegen die richtige umgetauscht. Die endgiltige Beerdigung fand nunmehr am 15. April statt.
Cassel, 24. April. Mit der nahe bevorstehenden Vermählung des Prinzen Heinrich von Preußen und der Prinzessin Irene von Hessen wird bereits der zehnte Ehebund zwischen Angehörigen beider genannten Fürstenhäuser geschlossen. Zuerst vermählte sich Prinzessin Hedwig Sophie, Tochter des Kurfürsten Georg Wilhelm von Brandenburg, die Schwester des Großen Kurfürsten, mit Landgraf Wilhelm VI. von Hessen-Cassel, und die Tochter dieser Ehe, Prinzessin Elisabeth Charlotte von Hessen-Cassel, wurde dann die erste (kinderlose) Gattin ihres fürstlichen Vetters, des ersten Königs von Preußen. Prinz Heinrich von Preußen, Friedrichs des Großen Bruder, nahm zur Gemahlin die Prinzessin Wilhelmine von Hessen-Cassel, Tochter des Landgrafen Wilhelm VIII., welcher für seine Person ein Enkel jener obern genannten Hedwig Sophie von Brandenburg, ein Neffe der ersten Königin von Preußen war. Weiter ist auch die zweite Gattin König Friedrich Wilhelms II. von Preußen eine fürstliche Dame hessischen Geblüts gewesen, nämlich die Prinzessin Friederike Louise von Hessen- Darmstadt, während deren jüngere Tochter, Prinzessin Auguste von Preußen, die Ehe mit dem Erbprinzen, späteren Kurfürsten Wilhelm II. von Hessen-Cassel schloß. Prinz Wilhelm von Preußen, einer der vier Söhne König Friedrich Wilhelm II, vermählte sich mit Prinzessin Maria Anna, Tochter des Landgrafen Friedrich Ludwig von Hessen-Homburg — eine Ehe, welcher neben dem verstorbenen Prinz-Admiral Adalbert von Preußen und der Königin-Mutter Marie von Bayern auch Prinzeß Elisabeth entsproß, die in ihrer Verbindung mit Prinz Carl von Hessen die Mutter des gegenwärtig regierenden Großherzogs Ludwig IV. von Hessen-Darm- stadt, d. h. ,also die Großmutter der Prinzessin-Braut Irene geworden ist. Die zwei bisher jüngsten Ehebündnisse zwischen Preußen und Hessen waren diejenigen der beiden Töchter Prinz Carls von Preußen, ältesten Bruders des Kaisers Wilhelm, der Prinzessin Louise und Anna, mit Landgras Alexis Wilhelm von Hessen- PhtlippSthal-Barchseld (seit 1861 getrennt von der Ge
gegnete täglich beim Nachhausegehen einem kleinen schwarzen Hündchen, mir dem er nach und nach durch Streicheln gut bekannt wurde. Eines Tages sah der Veterinärarzt, daß das Hündchen hinkte. Bei näherer Untersuchung fand er einen regelrechten Beinbruch. Von Mitleid getrieben, nahm er das Hündchen auf dem Arme mit in seine Wohnung, richtete ihm das Beinchen ein und entließ seinen Verunglückten erst nach vollständiger Genesung. Dies mag etwa 11 Monate her sein. Bor einigen Wochen hörte nun der Thierarzt ein Kratzen an seiner Thüre und fand beim Oesfnen zwei Hündchen vor derselben- Das eine war unser schwarzer Bekannter, welcher ein anderes Hündchen geleitete. Der Arzt gehorchte der stummen Aufforderung seines Pfleglings und heilte auch den zweiten Hund.
Tages-Ereigniffe.
Schlächtern, 26. April. Wie wir aus zuverlässiger Quelle erfahren, findet im Herbste dieses Jahres eine Neuwahl zum Gemeinde-Ausschuß statt. Actives und passives Wahlrecht findet hierbei nur auf Solche Anwendung, die als Ortsbürger ausgenommen resp. in der sog. Bürgerliste verzeichnet sind. Die Bedingungen der Ausnahme sind auf Grund des § 31 der Gemeinde- Ordnung in Folge Beschlusses der städtischen Behörden neu geregelt und sind 3 Categorien festgestellt:
1. Es wird von den Gewerbetreibenden erhoben ein Bürgergeld von 6 Mk. und die Stellung eines Feuereimers aufgegeben;
2. Diejenigen, die ein Gewerbe nicht betreiben oder betreiben wollen, bezahlen lediglich 6 Mk.;
3. Diejenigen, die ein Gewerbe nicht betreiben dürfen (cfr. § 15 des Kurh. Staatsdienstgesetzes) find zur Zahlung eines Bürgergeldes nicht verbunden , und findet gebührenfreie Aufnahme als Ortsbürger statt.
Schlächtern. Der Herr Minister des Innern macht bekannt: Seitens der Vereinigung der Kunstfreunde für die amtlichen Publikationen der Königlichen National- Galerie in Berlin ist soeben ein Bildnis; Sr. Majestät des Hochseligen Kaisers und Königs Wilhelm in farbigem Lichtdruck nach dem Gemälde von Gustav Richter ver- vielfältigt worden. Dasselbe ist vorzüglich ausgeführt und würde, wenn auch nicht für die Sitzungssäle der Königlichen Regierungen, so doch für die Sitzungszimmer der Kreisausschüsse sowie für die Amtsräume der Landräthe, Standesbeamten und Amtsvorsteher einen durchaus würdigen und angemessenen Schmuck bilden. Das gedachte Bildniß, welches 1,05 Mtr. hoch und 0,85 Mtr. breit ist, ist zu dem außerordentlich billigen Preise - Don 11 Mk. 50 Pfg. einschließlich Glas und Rahmen von der Eingangs erwähnten Vereinigung (Geschäfts- leitung: Ad. O. Troitzsch, Potsdamerstraße 23) zu beziehen.
— (Achtet auf den Coloradokäfer!) Der Herr Minister für Landwirthschaft hat den Königlichen Regierungen eine Anzahl von Plakaten mit der Ueber schrift: „Achtet aus deu Kartoffelkäfer!" zur Verfügung - gestellt, welche nach einer den Landräthen zugegangenen Anordnung im Schulzimmer ausgehängt werden sollen. Beigefügt ist eine naturgetreue kolorirte Abbildung des KäferS in den'verschiedenen Entwickelungsstadien, nebst einer genauen Beschreibung desselben. Aus diese Weise kann schon durch die Jugend, die bei der rechten Belehrung oft ein sehr aufmerksames Auge hat, die Auffindung erleichtert, eventl. der Verbreitung des Kartoffel- felderverwüsters Einhalt gethan werden. Unsere Lehrer werden sich gewiß gerne der Mühe unterziehen und den Schülern die nöthigen Belehrungen geben.
— Wie Obstzüchter versichern, steht dieses Jahr, wenn nicht noch besondere Störungen durch Witterung oder Ungeziefer eintreten, eine vorzügliche Obsternte in Ansficht. Die Zweige der Fruchtbäume strotzen förmlich von Blüthenansätzen. Die warmen Sonnenstrahlen, welche in den letzten Tagen als Frühlingsgruß erschienen, haben auf den Fortschritt der Vegetation kräftig eingewirkt.
Häna«. Den Besitzer der bekannten Tuchfabrik Jean D' Orville in Michelstädt im Odenwald ereilte gestern Abend im hiesigen Bahnhöfe ein trauriges Ende. Derselbe stand im Begriffe, von einer Reise aus Friedberg nach seiner Heimath zurückzukehren, als ein Schlaganfall eintrat, der den sofortigen Tod zur Folge hatte. Der Unglückliche war in .seinen Kreisen überall eine beliebte Persönlichkeit. Im letzten Wahlgang für den Reichstag war er als Kandidat für den Wahlkreis Erbach-Heppenheim aufgestellt. Der Unglücksfall ist für die Angehörigen um so schmerzlicher, als vor ungefähr einem Jahr ein jüngerer Bruder Wilhelm auf dieselbe Weise plötzlich aus dem Leben schied.
Babenhausen, 23. April. Ein hiesiger Handelsmann verkaufte unlängst einem Landwirth eine Kuh, welcher, wie später konstatirt wurde, der Schwanz an der Wurzel vollständig abgestorben und künstlich angeheftet war. Da der Handelsmann die Zurücknahme dieser verstümmelten Kuh verweigerte, wurde das Seligenstädter Amtsgericht zur Entscheidung angerufen. Vor der Beweisaufnahme kam jedoch ein Vergleich zu Stande, nach welchem sich der Käufer zum Behalten der ungeschwänzten Kuh bereit erklärt, der Verkäufer dagegen den Schwanz- «<msrt Mt 22 Mark HttfchM-W- »M.
mahlin lebend), bezw. mit Prinz Friedrich von Hessen- Cassel ält. L., dem späteren Landgrafen von Hefserl, dessen Wittwe sie seit einigen Jahren ist.
— 25. April. An dem diesjährigen „Obstbaum-Kursus" werden sich folgende Lehr er unseres Regierungsbezirks betheiligen: Ackermann in Nausis (Kr. Melsungen), Baumfalk-Carlshafen, Dithmar-Äs- mushausen (Kr. Rotenburg), Georgens-Cölbc (Kr. Marburg), Hempel-Jhrigshausen (Landkr. Kassel),' Jckler- Oberjossa (Kr. Ziegenhaiu), Krüger-Weißenbach (Kreis Witzenhausen), Möbus-Niedermittlau (Kr. Gelnhansen), Schröder-Bergen (Kr. Hanan) und Siebert-Wahaufen (Landkr. Kassel.)
Ausland.
Wien. Der Kaiser von Oesterreich hat dem deutschen Botschafter Prinz Reuß vertraut, daß die Kanzlerkrisis in Berlin ihm „schlaflose Nächte" gemacht habe. Er halte unerschütterlich fest an dem deutschen Bündnis und sei außerordentlich befriedigt, daß Bismark Kanzler bleibe; denn sein Verbleiben scheine ihm die Ruhe Europas zu verbürgen.
Ncw-Aork, 13. April. (Tollkühner S Prunjg.) Dem „M. N. N." wird geschrieben: Der Luftschiffer Edward D. Hogau verpflichtete sich, in einer Höhe von zehntausend Fuß aus seinem Ballon zu springen, ohne den Fallschirm zu öffnen, sondern das Oesfnen desselben bei dem rapiden Niedersturz der gegenströmenden Luft zu überlassen. Der Aufstieg geschah in Jackson im Staate Michigan, wo der Luftschiffer wohnt. Hogan stieg in die Lüfte empor und erhob sich bis zu einer Höhe von völlig 10,000 Fuß. Dann schweifte er langsam etwa 300 Fuß nordwärts und hing nun wie ein kleiner, dunkler Ball im blendenden Aether. Die Versammelten beobachteten den Ballon mit angehaltenem Athem; die mit machtvollen Gläsern Bewaffneten bemerkten deutlich Hogan's Vorbereitungen zum Sprunge. „Er schreckt zurück!" riefen Einige. „Nein!" schrien Andere, „er steht schon am Rande der Gondel !" So war es. Hogan war auf den Rand der Gondel getreten, befestigte kaltblütig das Ende des Fallschirmes an seinen Gürtel, da er dessen Oesfnen nicht vor einem Niedergang von 3—400 Fuß erwartete und bei der dann folgenden plötzlichen Erschütterung losgerissen zu werden befürchtete, und dann hob er die Arme hoch empor — fertig zum Sprunge. Viele der Beobachtenden wandten sich bleich und zitternd ab, ein Schrei des Entsetzens erscholl im nächsten Augenblicke: Hogan hatte die Gondel verlassen. Gleich einer Kanonenkugel schoß der Körper durch die Lüste herab — ein — zwei dreihundert Fuß und noch war der Schirm geschlossen. Dann stieg ein anderer Schrei empor, der Schirm begann die Luft zu erfassen, er öffnete sich, wie die Flügel eines Ungeheuers der Lüfte und der Fall kam fast plötzlich zu einem momentanen Stillstand, um nun, leise schwankend in ein gemächliches Sinken von mittlerer Geschwindigkeit überzugehen. Drei Minuten nach dem Herausspringen landete der tollkühne Mann wohlbehalten auf offenem Felde. Hogan sagte, er habe den Athem nur für wenige Sekunden verloren und denselben nach Füllung des Schirmes leicht wiedergefunden. Der Schirm ist aus dickem Tuch und hat einen Durchmesser von 20 Fuß.__-__________________■
Vermischtes.
— Bauer: Herr Apotheker! Heut Ihr net so e bisle e Brechpulver! Wisset, i bin bei der Hochz ich drübe im Storche, und des Mahl ischt erscht halber vorüber, und i kann nix mehr esse. Des Mahl loscht e Kronedaler, und i han erscht um e Gulde dreißig Kreuzer rausg'fresse._________________________
Marktberichte.
Frankfurt, 23. April. (Produktenbörse.) Wehen, Hits, und Wetterauer 18,Tb--19,— M., kurheff. 18 —18,50 net»' deutsch. 18-18,50,-75 Mk., ruff. 19 20,25M., ungarisch. Mk., Roggen, Hits. 13,75-14,52, Mk., Pfäher 14,50--,75 jW«., ungar. -,----,—Mk., Gerste, hies. 15,75-16,50 Mk., fräs«.
17 ,50-18,- Mk., Pfäher 17,--18, - Mk., ungarisch. 17, - —18, - Mk., Hafer, hies.-->---Mk., bayerischer —, - -—,— Mk. - Alles per 100 Kilo netto effektiv leco hier.
— 23. April. Der heutige Diehmarkt war mit 486 Ochsen, 17 Bullen, 438 Kühen, Rindern u.Stieren, 272 Kälber«, 116 Hämmeln, 202 Schweinen befahren. Die Preise stelltest M1 Ochsen 1. Qual. 58 Mk., 2. Qual. 50 M , Bullen 1. Qual. 40 Mk., 2. Qual. 37 Mk, Kühe, Rinder ».Stiere 1. Qual. 52 M -, 2. Qual. 46 M. Alles per 100 Pfd. Schlachtgewicht. Kälber 1. Qual. 55 Ps., 2 Qual. 50 Pf., Hämmel 1 Qual. 56 Pf., 2. Qual. 46 Pf., Schweine 1. Qual. 49 Ps., 2 Quäl. 47 9f< Alles per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Lasset, 25. April. Waffen 16,80 -17,25 Mk., RoW? 12,50-13,-Mk., Gerste,-,-----, Mk., Hafer 13,--13,75 Mk. Alles per 100 Kilogramm. _
Witteruugsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2'—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird sich etwas erhöhen; die Bewölkung wird abwechseln; es werden Nord- bis Ostwinde vorherrschen; Nieder- schläge sind nicht,in Aussicht. , '
Kirchlicher Anzeiger für Sch-lichter».
Sonntag, den 29. Apr i! 1888,:
Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Mehrn s ch e i ist Nachmittagsgottesdienst: derselbe.
Wochendienst m der Stadt: Herr Superinttudeut $C&