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sammenhang mit allem, was in Bulgarien geschieht, bleiben werde. Nach der Veröffentlichung dieser Er­klärung werde dann seine Verlobung mit der Prinzessin Viktoria in Berlin stattfinden, gegen die Fürst Bismarck unter dem Vorbehalt des Öffentlichen Verzichtes des Prinzen keine Einwendungen mehr erheben werde. Ob diese Nachricht richtig ist, muß sich ja bald zeigen.

Berlin. Das ergreifende Bild einer Kindesrettung durch einen Hund boten am Mittwoch Nachmittag den Spaziergängern die ehemalichen Petrikirchwiesen im Stadt­park bei Treptow. Ein großer Hund, einem sich eben­falls dort ergehenden Herrn gehörig, sprang, wie die V. Z." berichtet, plötzlich anscheinend ohne Veranlassung ins Wasser und schwamm auf einen Kahn los, der un­weit des Ufers vor Anker lag. Hier tauchte das Thier unter und kam erst nach geraumer Zeit wieder zum Vorschein, einen dunkeln Gegenstand im Maule haltend. Jetzt kamen, auf das Geschrei der Leute am Ufer, die Schiffer des Kahns an Deck und bemerkten, daß der Hund ihr Kind, ein 4jähriges Mädchen, das unbeauf- sichtet auf dem Kahne spielte, gerettet hatte. Das Kind war ins Wasser gefallen, was nur allein von dem Hunde bemerkt worden war, der sich sofort an das Rettungswerk gemacht und dasselbe glücklich vollbracht hatte.

Aus Oberschlesien, 20. April. Da sich bei einer amtlichen Feststellung der Zahl der aus oberschlesischen Kreisen nach Sachsen, Anhalt, Braunschweig und Han­nover a u s g e w a n d e r t en ländlichen Arbeiter und Arbeiterinnen herausgestellt hat, daß diese Auswanderung fortwährend zunimmt (aus dem kleinen Kreise Rosenberg allein sind 1700 Arbeitskräfte sortge- zogen), so hat die Oppelner Regierung an alle Gemeinde­vorstände die Anweisung ergehen lassen,^ihr Gutachten darüber abzugeben, wie diesem Mißstande abzuhelfen ist.

Elberfeld, 20. April. Die vor Kurzem in Folge der Resultate von Haussuchungen verhafteten Sozial- demokraten werden, wie dieV.Z." hört, gefesselt dem Untersuchungsrichter vorgeführt.

Naumburg a. S. In der letzten Sitzung der Straf­kammer hier wurde der Bankier Kurt Thienemann wegen einfachen Bankerotts und Untreue in 19 Fällen zu 5 Jahren Gefängniß und 5 Jahren Ehrverlust ver- urtheilt. Die Summe der Börsenpapiere, die der An­geklagteumgesetzt" hat, übersteigt 33 Millionen.

infolge des Erwachens des Besitzers verscheucht worden, aber in den Laden Nr. 26a gelangten die Einbrecher in das daneben befindliche Zimmer und stahlen daraus etwa 170 M. baares Geld und eine Anzahl seltener gesammelter Münzen, sowie ein Metaillon mit goldener Kette. Ob durch die Untersuchung man den Thätern auf die Spur kommen wird, läßt sich noch nicht sagen.

Frankfurt. Die herzliche Teilnahme an der schweren Er­krankung des Kaisers Friedrich zeigt sich in vielen Städten und Orden, so auch bei uns in Frankfurt a. M. durch das allgemeine Fernhalten von rauschenden, öffentlichen Vergnügungen. Auch der österreichisch-ungarische Verein Austria" hat eine Festlichkeit, welche .nächstens bei Frankfurt stattfinden sollte, vertagt. Sorgenschwere Bangigkeit lastet auf dem gesamten deutschen Volk, kaum sechs Wochen nach dem Hinscheiden des unvergeßlichen Kaisers Wilhelm fürchtet man den Verlust seines all- verehrten Nachfolgers. Gott beschütze den Kaiser.

Mainz, 21 April. Nach einer heute Abend bei der hiesigen Hafenverwaltung eingelaufenen amtlichen An­zeige wurde heute mit dem Ausrichten der Wehre im Main begonnen, so daß bis Montag die Mainschiffahrt wieder in ungestörtem Betriebe sein wird.

In dem nahen Kastel fand man gestern auf dem freien Felde, in Lumpen eingewickelt, ein neugeborenes Kind, das munter in die Welt hineinschrie. Kurz darauf wurde in einem jämmerlichen Zustand die unnatürliche Mutter ein 17jähriges Mädchen aus anständiger Familie ermittelt und Mutter und Kind in die Krankenabtheitung des Gefängnisses gebracht. Wenige Stunden später wurde der Bruder des Mädchens aus der Werkstätte hinweg verhaftet und zwar aus Aussage seiner Schwester hin. Die Anschuldigung gegen den Bruder lautet auf § 175 des Strafgesetzbuches.

Vermischtes.

DasAllgemeine Ehrenzeichen," welches in der Armee nur an Unterofficiere verliehen wird, schmückt auch die Brust mehrerer activen Officiere, wie dies die Rangliste nachweist. So trägt dasselbe bei­spielsweise Hauptmann Rönueberg vom Eisenbahn-Regi­ment. Er erhielt dies Ehrenzeichen am 14. Juni 1864 für Auszeichnung im Kriege als Unterofficier an der Feld-Telegraphie. Später wurde er Vice-Feldwebel und am 13. August 1866 Seconde-Lieutenant bei den Pio- niren des 1. Aufgebots 1. Bat. (Ruppin) 4. Brandend. Landw.-Regts. Nr. 24. Durch Cabinets-Ordre vom 19. December 1866 wurde er als außeretatsmäßiger Seconde-Lieutenant zum Ingenieur-Corps, 1879 in das Eisenbahn-Regiment als Hauptmann und Chef der 6. Compagnie versetzt. Ein Anderer Hauptmann Victor, ä la suite des 7. Brandenburgischen Jns.-Regt. Nr. 60 hat das Allg. Ehrenzeichen am 21. Januar 1872 als Unterofficier beim 3. Rhein. Jnf.-Regt. Nr. 29 erhalten. Mehrere aus dem Unterofficier-resp. Feldwebelstande zu Offizieren Beförderte sind bereits in die Majors­charge hinaufgerückt. Es sind dies die Majors Lieder- Wald vom 3. Ostpreußischen Grenadier-Regiment Nr. 4, Lademann, Bataillons-Commandeur im Schlesischen Fusilir-Regiment Nr. 38, und Fest ä la suite des 1. Pommerschen Ulanen-Regiments Nr. 4, Vorstand der Militär-Lehrschmiede zu Königsberg i. Pr. Die beiden ersten avancirten wegen ihres tapfern Verhaltens vor dem Feinde im dänischen Feldzuge 1864. Fest war damals Feldwebel beim 5. Westphäl. Infanterie Regt. Nr. 53 . und wurdeals Anerkennung wegen seiner ausgezeichneten Leistungen während des Feldzuges" am 9. Juni 1864 Officier; 1869 avancirte er zum Premier- Lieutenant, 1872 zum Hauptmann und am 14. April 1885 zum Major. Lademann stand 1864 als Unter- officier bei der 4. Compagnie des Pionier-Bat. Nr. 3, derjenigen Compagnie, welche sich unter Hauptmann Dann bei Erstürmung der Düppeler Schanze Nr. 2 auszcjchuete, welcher auch der Pionier Klinke angehörte. Während Klinke, um seinen Kameraden Eingang in die Schanze zu verschaffen, einen PulversäÜ an die Palli­saden hing und ihn anzündeke, was ihn! das Leben kostete, füllte Unterofficier LadeMann mitten im feind­lichen Feuer mit größter Seelenruhe sechs Pnlversücke. Er wurde am 4. Februar 1865wegen tapferen Ver­haltens vor dem Feinde" Lieutenant in dem Magde­burgischen Infanterie-Regiment Nr. 66, 1870 Premier- Lieutenant und im Januar 1884 Major. Alle drei be­sitzen das Militär-Ehrenzeichen 1. Klasse, Liederwaid das Eiserne Kreuz 1. Klaffe, Lademann das Eiserne Kreuz 2. Klasse, die österreichische silberne Tapferkeits- medaille 1. Klaffe, und die Kriegs-Dttoration zum Königl. sächsischen Ritterkreuz 1. Klasse des Albrechts- Ordens.

Ueber eine wunderbare Fügung des S chicksals berichtet Man aus Rußland Folgendes: An einem sehr frostigen Abend kehrte der katholische Propst des Fleckens Winna, Kreis Biala, Gouveryement Grodno, von einem Kranken zurück und bemerkte unterwegs einen im Graben am Wege schlafenden Menschen. Dieses war derUrjadnik" (Landgendarm) des Fleckens, welcher im Zustande völliger Trunkenheit besinnungslos hinge­fallen und eingeschlafen war. Von Mitleid erfaßt und wohl wissend, wie gefährlich der Schlaf während eines starken Frostes ist, hob der Priester unter Bei- Milrc seines Kutschers mit vieler Mühe den Besinnungs­

Tages-Ereignisse.

Schlächtern. Wir bekommen Heuer einen schönen Sommer und ein fruchtbares Jahr! Alte wettererfahrene Leute be­haupten das ganz bestimmt (?) und zwar deshalb, weil wir einen langen und harten Winter hatten. Das Jahr 1840 z. B- erfreute sich überall des Ehrentitels Segensjahr," denn Alles, vom geringsten Futterkraut bis zum Gewächs des Weinstockes, gedieh in überreicher Fülle. Der Winter aber war ungemein schneereich und lang gewesen.

Soden - Stolzenberg, 22. April. Die in voriger Nummer erwähnte Feier des 400-jährigen Gedenktages der Geburt Ullrichs von Hütten fand heute hier- selbst statt. Die Badeverwaltung hatte mit dem ihr eigenen Geschicke und der größten Sorgfalt die Räume ausgeschmückt. Vom Dache des Kurhauses wallten fest­liche Fahnen, während vor demselben und im Inneren reicher Blumenschmuck prangte. Die Festrede hielt Herr Gustav Kastropp, welchem Herr Oberförster Teschauer von Romsthal als Vertreter der Herren v. Hütten im Namen dieser dankte. Der Name des Festredners, welcher als Schriftsteller ja weit und breit bekannt und berühmt ist, sagt schon allein, daß die Rede eine durch­aus gediegene war und wollen wir uns daher daraus beschränken, nur zu erwähnen, daß er besonders die politische Bedeutung Ulrichs von Hütten hervorhob, in­dem er darauf hinwies, daß das Bestreben Huttens, ein einiges Deutschland zu gründen, jetzt zur Wirklichkeit geworden ist. Das Wetter gestattete leider nicht das Feuerwerk, wie geplant, am Stolzenberge abzubrennen und geschah dies daher, als sich das Wetter änderte, vor dem Kurhause selbst.

Hauau, 19 April. Heute Morgen bei Eröffnung des Geschäfts verunglückte in der Diamantschleiferei Gebr. Houi hier der 14jährige Sohn des Zigarrenmach^rs Resch auf schreckliche Weise. Derselbe wolle an seinem Schleifstuhl den Riemen auflegen, um die Scheibe in Bewegung zu setzen, wurde vom Riemen erfaßt und in die Transmission gezogen. Die Transmission befindet sich hinter dem Schleifstuhle ungefähr 50 Zentimeter über der Erde, so daß der Verunglückte bei jeder Um­drehung mit furchtbarer Gewalt mit dem Kopfe an die Erde geschlagen wurde, so daß der Tod schon bei der ersten Umdrehung erfolgen mußte. Bis die Maschine stand, hatte der Aermste mindestens dreißig Umdrehungen gemacht. Das ganze Personal der Schleiferei war von dem schrecklichen Anblick so ergriffen, daß keiner im Stande war, weiter zu arbeiten, so daß das Geschäft jedenfalls.heute geschlossen bleibt.

Bockruheim, 21. April. In vergangener Nacht haben dahjer Einbrecher an zwei Stellen der großen Sand- gasse ihr Glück probirt. An der einen Stelle, einem Metzarriadeu, an der Ecke des Martiplatzes find sie

losen auf, placirte ihn in seinem Schlitten und b jte ihn nach seiner Pfarre, wo der noch immer TrÄnken- Leblose in einem an das Schlafzimmer des Predigers angrenzenden Zimmer untergebracht wurde. Es war schon stark nach Mitternacht, als der zum Theil nüchtern gewordene Urjadnik von einem aus dem Nebenzimmer kommenden eigenthümlichen Geräusch verbunden mit ge­dämpften Hilferufen erwachte. Er sprang schnell vom Bette auf zum Glück halte er vollständig angekleidet geschlafen, stürzte auf den Hof hinaus, und da er im Schlafzimmer des Propstes Licht erblickte, schaute er durch's Fenster hinein. Es bot sich ihm nun ein schreckliches Bild dar. Der Priester hing an einem Haken an der Oberlage und im Zimmer waren drei maskirte Gestalten damit beschäftigt, die Kommoden rc. aufzubrechen. Diese Scene entnüchterte den Urjadnik vollständig. Schnell entschlossen zieht er aus seiner Seitentasche den Revolver nnd feuert durch's Fenster auf einen der Bösewichte. Der Getroffene stürzt zu Boden, während seine beiden Complicen durch das andere Fenster in den Garten entwichen. Da die Thür zum Zimmer des Priesters verschlossen war, klettert der Ur­jadnik durch das Fenster in das Schlafgemach; ein Säbelhieb genügt, den Strick zu durchhauen, an welchem Derjenige aufgehängt war, welcher vor einigen Stunden ihn vor dem Erfrierungstode gerettet hatte. Zum Glück war es nicht zu spät, denn nach kurzer Zeit kam der Priester wieder zur Besinnung. Am folgenden Tage wurden die Bösewichte gefangen genommen und der Gerechtigkeit überliefert.

(Telephon-Leiden.) Ueber die Marterung der Ohren und Nerven durch das Telephon, das immer mehr zur Landplage wird, finden wir in derN. Z. Z." folgende scherzhafte, aber charakteristische Einsendung:

Es ist sehr erfreulich, daß dieKaufmännsche Ge­sellschaft Zürich" sich endlich unserer Telephonverbindung mit Basel erbarmt. Sie glauben nicht, wie übel dieselbe ist. Stellen Sie sich vor: Vormittags 9 Uhr. Ich rufe an: Basel. Antwort: Schon besetzt. Halb zehn Uhr: Basel! Donnerwetter.) Antwort: Wir werden bei Ihnen anläuten, wenn Basel frei ist, jetzt spricht Basel. Zehn Uhr: Verbindung mit Basel Antwort: Vor fünf Minuten war Basel frei, Sie hätten etwas früher kommen sollen! Ich: Sie sagten ja, Sie würden mir schellen, wenn Basel frei ist. Antwort:--bleibt aus.--Es surrt nur. Sei geduldig mein Kind, in den Telephondrähten säuselt der Wind. Gottlob, es giebt noch einen Telegraphen in Helvetien. Ich telegraphire nach Basel, es ist in der That hohe Zeit. Nachmittags zwei Uhr. Ich verlange Basel. O freudiger Schreck! Die Verbindung ! wird hergestellt, der Draht ist frei. Ich lauschte: derädertäg tag täg däderä däderäläx. Der Telegraph ist fleißig, das hämmert wieder ununterbrochen. Die Teufelskerle haben.eben aus Sparsamkeit den Telephon- draht an den Telegraphenstangen aufgehängt. Trotzdem scheint es mir zu gelingen, mit N. N. an der Freien Straße in Basel in Verbindung gesetzt zu werden. Ich rufe ihn an; richtig, da ist auch Jemand am Telephon. --Soll das ein Jauchzer sein oder hat eine Loco- motive den Draht angepfiffen ? Ich höre so etwas wie: Hurioho--düg, däg, däderätäg, tügerätäg, !üx. Verfluchter Telephon. Nein, es ist eher ein Kikeriki. Sitzt vielleicht bei Hornussen oder Esten ein Gockel auf dem Telephondraht und erlaubt sich den Scherz, mit mir zu sprechen!? Täg, tügerädüdädidäditägerügägägg. Offenbar wieder eine lange Depesche in Arbeit. Nun werde ich wild und brülle förmlich ins Telephon. Aha, der Frickthalerhahn ist weg. Antwort: Ein Stöhnen und Glucksen. Sollte mein Geschäftsfreund in Folge der heutigen Mittagscourse einen Ohnmachtsanfall be­kommen haben? Jst's ihm am Telephon übel geworden? Ich kann leider nicht durch's Telephon sehen, es war nämlich ursprünglich nicht zum Sehen, sondern zum Hören und Sprechen eingerichtet. Däg, düg, bäbiri oder ist's ein Mittagsgluckser? ? Däg, düg, bäberämg. Nun konimt's: Man, mau, miau, mau! Wahrscheinlich hat der Katzennarr seine Katze auf dem Bureau, er ist am Ende gar noch nicht dort und seine Busi tel^ phonirt?! Däg, däg, daderätägifitagegerüggügg. Ich habe es satt. Ich muß wieder telegraphiren, das Telephoniern nach Basel kostet freilich nur fünfzig Rappen, das Telegraphiren ist theuerer, aber eben: Ttätüg, tägerididitäggerägaggagg täg!" Wer hier mit dem Telephon zu fungiren hat und nach langem vergeblichen Bemühen endlich die gesuchte Verbindung findet, der wird dem Einsender den Grimm nachfühlen, von dem man erfaßt wird, wenn man mitten im Gespräche ab- geschnitten wird, bet zahllosen anderen Leiden der Er­findung gar nicht zu denken, die schon gar mancher Nervöse und Ohrenleidende zu allen Teufeln gewünscht har-

- Ein interessantes Schristchen:Reisende, Gastwirthe und Trinkgelder" berechnet, daß es in Deutsch­land mindestens 40 000 deutsche Geschäftsreisende giebt, die fremden nicht gerechnet, davon seien mindestens 25 000 stets auf dem Weg. Nehme man an, daß jeder täglich nur 12 Mk. ausgebe, so macht das täglich bei 40 000 Reisenden 480 000 Mk., also rund eine halbe Million und für das ganze Jahr kommen 175 Millionen Mk. heraus.