Regierung kürzlich zu Theil geworden. Unwillkürlich gedenkt man bei dieser Gelegenheit der mit gerechtem Unwillen viel besprochenen Denunziation, die gegen ihn gerichtet, derselben Stelle unterbreitet worden ist. Wenngleich die Verhandlungen und Untersuchungen, welche diese Denunziation veranlaßten, ihren definitiven Abschluß noch nicht gefunden haben, so dürfte der Denunziant im Kleide der christlichen Liebe, durch die Anerkennuz, die dem Lehrer in klingender Münze aus- gedrückt wurde, schon jetzt zur Erkenntniß gelangt sein, daß das Urtheil in dieser Sache bereits gefüllt ist. Ob sich nicht der alte Spruch schließlich bewahrheit: „und auf den Schützen springt der Pfeil zurück?"
— Die Königl Regierung, Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen in Cassel erneuert eine ältere Bestimmung, wonach in den Elementarschulen des Bezirks in jedem Frühjahre den Schulkindern eine Belehrung über den Nachtheil der Verminderung der von Jnsecten sich nährenden Vögel und eine Verwarnung vor dem Fangen derselben und dem Zerstören oder der Plünderung ihrer Nester ertheilt werden soll, und erweitert diesen Erlaß u. A. noch dahin, daß die Schuljugend der Mittel- und
der Oberstufe zu Anfang des Sommerhalbjahres einen eingehenden Unterricht über die in Betracht kommenden
Bedeutung im
hiesigen Kleinvögel, insbesondere ihre Haushalte der Natur durch Vertilgung steten, neben der Erinnerung an die Macht ihres Gesanges, hält.
schädlicher Jn- Herzersreurnde
Nachbar nicht
— Ist ein G r e n z z e i ch e n vom ausdrücklich anerkannt, sondern nur seit laugen Jahren
geduldet worden, so macht sich nach Urtheil des Reichsgerichts der Nachbar durch die willkürliche Beseitigung
des Grenzzeichens, weil es seiner Meinung nach richtige Grenze nicht bezeichnet, strafbar.
□ Ulmbach, 19. April. Im hiesigen Dorfe heute ein seltener Fall von Verhrirathung vor.
die
kam
Die
schlössen zwei Geschwister den Bund der Treue. sonderbare Geschichte sei hiermit erklärt: Ein hiesiger
Küfermeister heirathete vor ungefähr 18 Jahren eine ledige Person, die eine uneheliche Tochter mit in die Ehe brächte. Die Ehe blieb kinderlos. Vür mehreren Jahren starb die Ehefrau des Küfers und dieser heirathete eine andere Person, die einen unehelichen Sohn mit in die Ehe brächte. Auch diese zweite Ehe blieb kinderlos. Der Mann hat nun fein Besitzthum abgetreten an den Sdhu seiner Frau und dieser führte die Tochter der ersten Frau des Vaters zum Altare. Wir haben also eine Ehe, wie sie sonderbarer selten vorkommt. Wer
sind nun eigentlich die Schwiegereltern?
FMa. Die diesjährigen Hauptkonferenzen des Kreis-
schuliuspektious-Bczirks Futda finde« am 30. April und j Gutsbesitzer weit und breit. Du wirst heute Abend mit am 14. Mai statt. Die erste derselben, an welcher die zu dem Balle im Officierkasino gehen und dort Gelegen- Lehrn' und Lehrerinnen der Stadt und des Kreises heit finden, Dich angenehm zu machen."
Futda theilnehmen, wird in Fulda im Saale der „Har- monie" abgehaltea. Sie beginnt, nachdem vorher, um 9 Uhr, für die Konferenztheilnehmer in der Stadtpfarr- kirche durch den Königl. Lokalschulinspektor, Herrn Stadt- pfarrer Rhiel, ein feierliches Hochamt celebrirt worden ist, um 11 Uhr. Nach Beendigung der Verhandlungen wird, wie seither, ein gemeinsames Mahl eingenommen. Die zweite Konferenz findet im Rathhaussaale zu Sal- mit-nfter statt. An der selben nimmt die gesammte Lehrerschaft der Inspektion aus den Kreisen Schlüchtern, Gelnhausen und Hauau Theil.
Windelten, 15. April. Eine verfehlte Spekulation. Durch eigenartige Manipulationen wußte ein Mädchen von hier — bereits im vorgerückten Alter stehend — eine« Wittwer aus Offenbach zu bewegen, mit ihr die Ehr rinzugehen. Dieselbe gab vor, auf hiesiger Sparkasse ein Guthaben von 5600 Mk. zu besitzen und erreichte damit, daß sich ihr früherer Dienstherr am 11. d. M. standesamtlich mit ihr trauen ließ. Als letzterer jedoch gestern hier ankam, das Geld zu erheben, konnte ihn der Sparkasfenreiiöant nur davon überzeugen, daß er sich ein Märchen habe aufbinden lassen, indem er ihm mittheilte, daß das erwähnte Guihaben ganz und ^ar in das Reich der Erfindung gehöre. Im Höchsten Grade verstimmt, zog der enttäuschte Ehegatte roiebei ab; das Glück der jungen Ehe dürfte durch diese Enttäuschung des Ehemannes ein sehr zweifelhaftes geworden sein.
Frankfurt, 15. April. Gestern Vormittag wurde auf dem Bockenheimer Bahnhöfe der Eiseubahnassistem Flicke von einem Zuge überfahren. Der Unglückliche, dem beide Beine abgeqnetscht wurden, war sofort todt. Er hinterläßt eine Frau mit 4 noch unerzogenen Kindern. Wie man hört, ist das Unglück dadurch geschehen, daß der sonst sehr vorfiditige Beamte noch vor dem Hcran- kvmmrndrn Zuge weg das Getcis überspringen wollte.
— 16. April. (Heiteres aus dem Gerichtssaal.) „He da, Gerichtsdiencr!" ruft der etwas kurzsichtige Präsident und deutet auf einen sehr kleinen Herrn im
Zuhörerraum,
der sich mit beiden Armen auf die
Da ist ja ein Bübchen im
Barnüre auslümmelt.
Gerichtssaal." Alles dreht sich um und auch das kleine Männchen. „Wo, Herr Präsident?" giebt der Gcrichls- diener zurück. Der Präsident zeigt deutlich auf den Stiemen und dieser, merkend, daß es ihm gilt, fragt: „Marie Se mich?" — Ja, Kleiner. Wie alt bist Du
denn?"
-- „Zwaunserzig Johr, Herr Präsident," ant
^„,.;' — „Zwarmferzig Johr, Herr Präsident," ant- Die schwarze» Haare wallten üppig über den blendend« artete »er, und r« erhebt sich eine so stürmische Heller- i weißen Nacken bis in die schlanke Taille, dir von einem
feit, daß die Sitzung auf einige Augenblicke unterbrochen
werden muß. •
(G.-A.)
Flörsbach, 14. April. Ein Kind von noch nicht 4 Jahren aus Flörsbach verirrte sich, wie das „G. K." berichtet, in der vorigen Woche vom Felde aus, verlief sich nach dem Walde nach Lettgenbrunn zu und konnte trotz Aufbietung aller Einwohner von Flörsbach an demselben Tage nicht mehr gefunden werden. Auch am nächsten Tage war das Suchen sämmtlicher Einwohner aus Flörsbach, Kempsenbrunn und Lohrhaupten vergeblich. Erst am dritten Tage glückte es den Einwohnern Lohrhauptens das Kind in dem Lettgeubrunner Walde, fröstelnd, aber — lebend und gesund, ein Ei in der Hand haltend, aufzufinden. Große Freude bereitete es den glücklichen Findern, als das Kind an ihm alsbald dargercichtem Brot und Wurst seinen Hunger stillte und damit deu besten Beweis lieferte, daß selbst ein kleines Kind 3 Tage und 2 Nächte lang Frost und Schnee trotzen kann, wenn es Gottes Wille ist. Allerliebst klingt die Erzählung des Kindes von grossen und kleinen Pferdchen, welche demselben in Gestatt von Hirschen, Rehen und Hasen Besuche abgestattet haben.
Hünfeld, 13. April. Heute wird hier erzählt, daß, auf einer gestern in Schtotzan abgehaltenen Hochzeitsfeier einer der Gäste, ein Schäfer Schneider, plötzlich vorn Schlage gerührt worden todt hingefallen ist. Jedenfalls ein bei einer solchen Feier unangenehmer Zwischenfall! — In Rotheilkirchen ist auch ein Nuglücksfall vorge- tommen : Müller Giesch daselbst gerieth unter die Räder eines Wagens unb zog sich so schwere Verletzungen zu, daß an seinem Aufkommen gezweifelt wird. — Besser kam ein junger Mensch in Roßbach weg; er erhielt bei einem ähnlichen Unfall eine Kopfverletzung; das rechte Ohr ist abgefahren.
Des Schicksals Hucke
Erzählung von O t t» L u d w i g.
1.
„Ich habe Dich rufen lassen, lieber Karl, um Dir einige Worte über Deine Zukunft zu sprechen.
mit Du der nur
bist jetzt dreißig Jahre alt nnd so ist es wohl an Zeit, sich nach einer passenden Partie — lasse mich ausreden, Deine Gründe gelten diesmal nichts. —Ja,
Karl, Du mußt jetzt heiraten nnd so habe ich einstweilen für Dich ein wenig Umschau gehalten. Wie wäre es mit Marie v. Nachfeld? Sie ist jnng, 20 Jahr, schön,
gebildet und weiß etwas vorzustellen. Dabei ist sie von altem Adel und ihr Pater gilt als einer der reichsten
Heit finden, Dich angenehm zu machen.
Mit diesen Worten empfing die reiche Baronin von
Cammpech, eine in den 50er Jahren stehende stolze, des Unglücks umherirrend, findet der Gläubiger seinen Dame, ihren einzigen Sohn, den flotten Husarenofficier, Schuldner; er legt ihm jenen Wechsel mit den Worte» Carl von Cammpech. vor: „Köllnen Sie zahlen?" „Sie sehen", antwortet *
Dieser, ein hochgewachsener, schöner Maun, der die der Tischler tief erschüttert, „wie es mir geht." Nach Freiheit des Soldatenlebens allem andere» vorzog, stand < ‘" "'* • <" *" " ' "
jetzt mit bitterem Lächeln vor der Mutter, den Kopf in den Nacken werfend, erwiderte er:
„Aber obere mama, wie kannst Du von mir verlangen, daß ich mich in das Joch der Ehe begeben soll? Was soll denn mein schönes Streitroß, der mutige Pollux, anfangen, wenn ich statt auszureiten Kinder wiegen muß, was soll es aus Nestor geben, wenn ihm kleine Rangen das schwarze Fell zerzausen oder gar feinen breiten Rücken für den eines zugerittenen Thrakehner Vollblut halten? ha ha!"
Doch, cb&re mama, die sonst über den geringsten Witz des geliebten Sohnes lachte, wollte heute ihre ernste Miene gar nicht verlieren.
„Laß Dein Scherzen, Karl, ich spreche heute im Ernst, es ist Zeit, daß Du Dich verheiratest und Du wirst meinen Wünschen Nachkommen. In einer Stunde fahren wir zum Balle."
Sie stand auf und verließ das Zimmer.
„Berd — sie scheint Ernst zu machen, flotte Carl, ich soll zu einem verknöcherten werden? Wie schön würde es mir stehen, Auserwählte zu mir sagt:
O ich, der Ehemann wenn die
„„Karl! rasch das Fläschchen, der Kleine schreit schon. So, nun gieb acht, daß ihm nichts zustößt und daß die Wärterin auch immer am Platze ist, ich fahre aus, bin bei Geheimrats eingeladen."" Oder Nachts, wenn man müde aus dem Klub gekommen und der Herr Sohn macht sich das Vergnügen eines halbstündigen Conzertes in noch nicht näher bekannten Tonarten. Huh, ich verzweifle schon fast bei dein bloßen Gedanken. Aber Mama befiehlt und, wie heißt doch das 4te Gebot?"
*
*
Hie rollte die prächtige Equipage derer v. Cammpech durch die Straßen der Stadt. Wenige Augenblicke und sie hielt vor dem Kasiuvgcbäude. Der Bediente öffnete den Schlag und mit leichtem Sprunge verließ der Baron den Wagen und reichte Mama den Arm.
Langsam stiegen sie die breiten Stufen hinauf.
Welch ein wunderbarer Zufall. Vor ihnen, am Arme des Vaters, ging Fräulein o. Bachfeld.
breiten bordeauxroten Bande eingegürtet wurde, während die ganze graziöse Gestalt von einem lichten weißen Spitzenkleidchen umhüllt war, welches einen kostbaren Atlas von gleicher Farbe mit dem Gürtel durchschimmern ließ. Ein Schmuck von feurigen Granaten zierte den schönen Hals und an den Handgelenken prangten über dem seidenen Handschuh Armbänder von denselben Steinen.
Seine Blicke betrachteten die stolze Erscheinung mit unverhohlener Bewunderung und unwillkürlich senkren sie sich zu Boden, als die Mutter ihn triumphierend au- sah, als wolle sie sagen:
„Sieh', ist es nicht ein Glück, solch herrliches Wesen sein eigen nennen zu könne» ?"
Leichtfüßig schritt sie aufwärts und wie sie das Kleid leicht schürzte, zeigten die zierlichen Schuhchen ein kleines, schörigeformtes Füßchen. Aber siehe, wie häßlich wurde die Harmonie dieses schönen Anblickes jetzt gestört. Die leichtfüßige Gazelle war mit Herrn von Bochseid schneller hinauf gestiegen, als Karl mit seiner Mutter folgen konnte, und so kam es, daß seine scharfen Augen die kleinen Schäden bemerken formten, welche die dünnen Sohlen der leichten Tanzschuhe hatten. Eine kleine Unorbnimg, aber wie schwer mußte ihre Entdeckung wiegen bei einem Manne wie Karl, der wohl wußte, wie eng äußere Sorgfalt mit bem inneren Menschen zusammenhängk.
Vorsichtig machte Karl seine Mittler auf diesen kleinen Verräter aufmerksam und flüsterte ihr zu:
„Wie kann ein Weib in meinem Hause repräsentiern, das nur oberflächlich strahlende Schönheit zu entfalten weiß und dabei jeglicher Sorgfalt entbehrt. Denn wie mag es in einem Hause eines Weibes anssehen, das nicht einmal an sich selbst Ordnung zu halten gewohnt ist."
Schweigend stiegen sie anfwärts und betraten den Saal. Das bunteste, lebhafteste Bild bot sich dem Ein- tretenden, denn rings in dem von mehreren Kronleuchtern hell erleuchteten Saale saßen schon am kleinen Tischchen . die tanzlustigen Feeen, oder harmonierten mit einigen galanten Rittern im Saale. Alles lachte und scherzte, lauter liebliche Gesichter, die in der Erwartung des beginnenden Tanzes glühten. Es wäre schwer gewesen, hier den Apfel des Paris zu verschenken. sForts.folgt.j
Vermischtes.
Eine edle That. Während mehrere der durch die Ueberschwemmungen an der Elbe Verunglückten von hartherzigen Gläubigern gedrängt werden, hat sich ein Mann jüdischen Glaubens gegen einen dieser durch die Wassersnoth fast zu Grunde gerichteten Handwerker wahrhaft edel gezeigt, wie aus Briefen von der Unglücks- stütte glaubhaft berichtet wird. Gerade in den Unglücks
tagen hatte der letztere einen Wechsel über 220 Mk. zu zahlen. Trostlos über sein Schicksal auf der Stätte
einem Augenblick des Nachsinnens nimmt der Gläubiger .
den Wechsel, reißt ihn in Stücke und sagt: „Sie haben - immer ehrlich bezahlt, so auch heute. Hier sind noch
50 Mk., lindern Sie Ihre Not für den Augenblick, und wir werden noch manches Geschäft mit einander machen."
Für die Ueberschwemmten gingen ferner ein:
Nachträgl. Sammlung in der Stadt: 9 Mk. 80 Pfg. Durch Herrn L. Knöll ges. in der Schule zu Eim: 8 Mk. 50 Pfg.
An sonstigen Sachen: Schneider Beck: ein Rock; Frau Seminarlehrer Noack: Kleidungsstücke, Strümpfe; Frau Justizrath Carl: zwei Paar Strümpfe; Bauer Ph. Oes von Wanhof, Gem. Uerzell: ein Sack Saatkartoffeln ; Frau Sanitätsrath Spangenberg: ein Paar Strümpfe.
Von den eingegangenen Geldern sind aus 13. April 450 Mark an die Hauptsammelstelle nach Berlin »d- gegangen.
Schlächtern, 20. April 1888.
Der Vorstand des Vaterland. Frauen-BereinS.
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen mnth- maßlich folgenden Gang nehmen: In der Temperatur wird keine wesentliche Veränderung eintreten; wahrscheinlich ist eine kleine Erhöhung; die Bewölkung wird wechseln, doch wird der Himmel vorwiegend bedeckt fein; ein bestimmter Schluß auf die Windrichtung läßt sich . nicht ziehen, es werden wahrscheinlich aber Süd- bis Westwinde mit mäßiger Lnftbewegung vorherrschen und damit sind Niederschläge zu erwarten, dieselben werden jedoch unerheblich sein
Kirchlicher Anzeiger für Schtüchtern.
Sonntag, den 22. April 1888:
Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck- Nachmittagsgottesdienst:
Wochendrenst in der Stadt
derselbe, derselbe.