die Kollegialität zu pflegen und durch gegenseitigen Gedankenaustausch die Berufsdegcisterung zu fördern. Diese löblichen Bestrebungen scheinen jedoch nicht allerwärts den erwarteten Anktang gefunden zu haben, denn die bis jetzt ausschließlich zu Kahl in Unterfranken abge- haltenen Versammlungen erfreuten sich nicht besonders zahlreicher Betheiligung. Der Eintritt geeigneterer Witterung dürfte indessen auch dieses Unternehmen etwas begünstigen, was im Interesse der guten Sache gewiß wünschenswerth erschiene.
Zeitz. Eine merkwürdige Seltenheit besitzt in Zeitz ein Herr Wagner, nämlich einen zahmen Fischotter. Er hat das Thier vor Jahr und Tag gefangen und aufgezogen. Seit vorigem Sommer ist es sein beständiger Begleiter; es ist mit ihm auf die Jagd und ins Bad gegangen, es hat ihn aber nicht verlassen, ja, wenn es sich von ungewohnter Umgebung beobachtet sieht und seinen Herrn vermißt, läßt es Ktagclaute cr- tönen. Die Ja^hunde kommen mit dem Otter nicht in Konflikt.
Tages-Ereignisse.
Soden, 12. April 1888. Am gestrigen Tage fand hier die Herstellung des hochw. Herrn P. Schulz, des ersten Pfarrers der neu errichteten Pfarrei Soden am Stolzenberg statt. Wenn schon die Künde von der Erhebung der Filialgemeinde Soden zu einer selbständigen Pfarrei bei allen Einwohnern der Stadt den frohsten Widerhall gesunden, so kam die Freude bei der gestrigen Feier zum vollendetsten Ausdruck. Schon am Tage zuvor prangte die Stadt im festlichsten Schmuck. Da war sein Haus, das nicht mit Kränzen geziert war, kein Dach, von dem nicht die Fahnen wehten. Vor der Kirche und an mehreren anderen Stellen erhoben sich majestätische Ehrenpforten und die Straßen der Stadt waren in eine Fichtenallee verwandelt. Und wie hier schon die allgemeine Theilnahme der Bevölkerung ihren symbolischen Ausdruck fand, so bekundete noch viel mehr die ausnahmslose Betheilung alter an den Festlichkeiten des Lorabends und des gestrigen Tages, daß ein Jeder die hohe Bedeutung der Feier voll und ganz zu würdigen wußte. Am Abend des Dienstags fand ein pompöser Fackelzug statt; mehr beun äOÜ Fackeln und Lampions bewegten sich durch die Straßen nach der Wolchung des neuen Pfarrers. Dort hielt Herr Bürgermeister Berta eine Ansprache an den Herrn Pfarrer, in welcher er betonte, daß diese Feier zwar zunächst der freudigen Errungenschaft für Soden, der neu gegründeten Pfarrei, gelte, däß dieselbe aber gerade deshalb mit so allseitiger, sichtlicher Begeisterung begangen werde, weil die Sodener als ersten Hirten „den Pfarrer ihrer Wahl", der ihnen schon lange lieb und theuer geworden, einziehen gesehen. Herr Pfarrer Schulz dankte in gerührten Worten für die Ovation und gab dem Wunsch Ausdruck, daß das gute Einvernehmen zwischen ihm u«b seiner Gemeinde, wie bisher, fortbestehen möge. Nachdem sodann mehrere Lieder, die zu diesem Anlaß eigens gedichtet und eom- ponirt waren, von den Schulkindern und dem hiesigen Gesangverein trefflich und wirkungsvoll eingetragen waren, verließ der Zug unter den Klängen eines Musikchors von S a l in ü n st e r, das in der danke n s- werthe st e n Weise seine Dienste in u n e i g e n n ü tz ig e r Weise zur Verfügung gestellt hatte, und bem Donner der Geschütze die in bengalischem Lichte erstrahlende Pfarrwohnung. In der Frühe des 11. April weckte Musik und KanonenschaU die Erinnerung an die Bedeutung des Tages. Zu der um 9 Uhr beginnenden kirchlichen Feier geleiteten die Pfarrkinder und die aus allen Theilen der Diözese herbeigeeilten geistlichen Herren, 22 an der Zahl, den Herrn Pfarrer Schulz, umgeben von 26 weißgekleideten Jungfrauen mit einem großen Kranze, in festlicher Procession zur Kirche. Dortselbst überreichte zunächst der hochwürdige Herr Dechant EndreS von Neuhos, der im bischöflichen Auftrage den Herrn Pfarrer seiner Gemeinde vorstellte, demselben die Symbole seines Pfarramtes mit entsprechenden Worten; dann bestieg derselbe die Kanzel zur Festpredigt, in welcher er die Pflichten des Pfarrers gegenüber seiner Gemeinde und dieser gegen jenen in ebenso ausführlicher wie trefflicher Darstellung schilderte. Darauf folgte ein vorn neuen Herrn Pfarrer celebrirteS Levitenamt, an welches sich das „Te Deum" anschloß. Nach dem Gottesdienste fand die Ueberreichung der Geschenke an den Herrn Pfarrer statt. Herr Bürgermeister Berta überreichte ihm Namens der Gemeinde eine Monstranz, eine weißgekleidete Jungfrau trug ein passendes Gedicht vor und widmete Namens der Jungfrauen einen gepolsterten Sessel zum Geschenke, nachdem zuvor ein anderes Mädchen unter einem sinnigen Spruche ein BlumenbougUet überreicht hatte. Die Jünglinge widmeten eine prächtige Ziehhängelampe. Die Schulkinder verehrten ihrem Pfarrer eine silberne Schnupftadacksdose. Ein Mädchen überreichte noch ein Kreuz. Für all die Gratulationen und Geschenke, die unter schönen Gedichten geschahen, dankte Herr Pfarrer Schulz in der herzlichsten Weise. Um 1 Uhr begann in dem festlich geschmückten Saale des Kurhauses das Festmahl, zu welchem mehr denn 50 Herren erschienen waren. Herr Pfarrer Schutz brächte zuerst einen Toast auf Papst und Kaiser aus, welcher mit begeistertem Hochruf schloß. Herr Dechant WdreB gedachte sodann derer, die sich besondere Ver
dienste um die Errichtung der Pfarrei erworben, des neuen Herrn Pfarrers und des Herrn Bürgermeisters Berta und widmete ihnen ein Hoch. Hierauf schilderte Herr Bürgermeister Berta nach einem interessanten Ueberblick über die Geschichte der Pfarrei Salmünster und Filiale Soden die Bortheile der künftigen Selbständigkeit Sodens und sprach dem Herrn Fürstbischof Dr. Kopp, der die Pfarrei Soden errichtet, und dem jetzigen hochw. Herrn Bischof von Fulda, der Soden seinen geliebten Seelsorger als Pfarrer geschickt, den Dank der Stadt in einem Hoch aus. Noch eine große Anzahl Reden, ernsten und vor allem launigen Inhalts, folgten noch und trugen zur Erheiterung der Festgenossen bei. Die Stimmung war durchweg eine äußerst fröhliche und hielt die Gäste zusammen, bis am Abende die Illumination der Stadt die letzten Lichtstrahlen auf dieses einzig dastehende Fest warf.
Soden Stolzenberg. Am 21. b. M. wird auch hier, wie in allen Gegenden Deutschlands der 400-jährige Gedenktag der Geburt Ullrich's v. Hütten gefeiert und zwar findet die Feier auf Veranlassung der Badever- waltung statt, welche Abends die Ruine des alten Hntten'schen Stammsitzes „Stolzenberg" bengalisch beleuchten wird. Außerdem findet in den W'rthschafts- räumen des Bades, welche hierdurch für diesen Sommer dem öffentlichen Verkehr übergeben werden sollen, eine zwanglose Zusammenkunft aller derjenigen statt, welche das Andenken des großen Mannes, zu dessen Ehren das Fest begangen wird, hoch halten.
Salmünster. Bei dem hiesigen Postamt ist bis zum 30. April eine Sammelliste von Gaben für die Ueber- schwemmten in den deutschen Stromgebieten aufgelegt worden.
Fnlda, 10. April. Eine meist aus Fabrikherren bestehende Gesellschaft beabsichtigt eine größere Zahl kleiner Häuser (20), sog. A r b e i t e r w o h n u n g e n neu zu bauen, jedem derselben ein Stück Land zuzuweisen und das spätere Erwerbsrecht den Arbeitern zuzustehen.
Niederanla, 12. April. In Kerspenhausen ist vorgestern ein Kind ohne Hände und ohne Füße geboren. Wie schmerzlich wird das für die Eltern sein.
Sondhctm, 13. April. Einen nicht zu unter schätzenden Ertrag für die Landwirthschaft warf bisher die Schafzucht ab. Nach geschehener Ablösung der Huten wird auch diese Erwerbsquelle unmöglich gemacht, da die Forstbehörde das Betreiben der Huten mit Schafen, selbst eigenthümlichen Areals, strengstens untersagt hat. Deshalb haben im Laufe dieser Woche die hiesigen Land- wirthe ihre sämmtlichen Schafe verkauft. Der Nachtheil wird namentlich bei der Düngung der Grundstücke schwer empfunden werden,
Frankfurt, 15. April. Der Silber-dieb hat „g earbeitet"! Berwichene Nacht wurde ein verwegener Silber- und Golddiebstahl ausgeführt. Der Dieb stieg nämlich mit Hülfe eines am Hause Nr. 5 in der Schweizerstraße befindlichen Gerüstes bis zur First des Hauses empor, kletterte auf diejenige des Nachbarhauses, hob daselbst das Lichtfenster empor und kroch durch dasselbe auf den Boden; von da gelangte er mit Leichtigkeit znm zweiten Stock, wo sonst die 16jährige Schwägerin des Hausherrn, welche augenblicklich verreist ist, zu schlafen pflegt, diesmal aber bei ihrer Schwester im unteren Stock schlief, schloß den Vorplatz, damit er nicht gestört werden könne, ab und fing nun an zu räumen. Vor Allem nahm er sämmtliches Silber und alle Schmuck- fadren in Gold, welche der Frau gehörten, an sich, dann betrat er das Rauchzimmer des Herrn, probirte die Zigarren und es scheint ihm eine besondere für Freunde und Kunden bestimmte Sorte ganz auffällig geschmeckt zu haben, denn von diesen steckte er sich eine an, zog des Herrn besten Anzug sammt Jägerhemd an, bekleidete auch seine Füße mit den besten Stiefeln des Herrn und verschwand wieder auf dem Wege, auf welchem er gekommen war. In derselben Nacht wurde auf der Schäfergasse bei H. Simon eingebrochen. Der Spitzbube hob die Nolleaur empor, schlug, wie die Blutspuren zeigen, das Fenster der Ladenthür mit der Faust entzwei und gelangte auf diese Weise in das Innere. Dort fand er zwar ein reiches Waarenlager, doch die erträumte Kasse, welche vorsichtiger Weise jeden Abend mitgenommen wird, nicht. Die ganze Beine bestand in 10 Mark. Zwei Kommis, welche den Spitzbuben mit blutender and entsteigen sahen, hatten nicht den Muth, den auner festzuhalten. Den Nachtwächtern konnten sie jedoch ein Langes und Breites über ihre Beobachtungen erzählen.
Frankfurt, 13. April. Der deutsche Lehrertag wird in der Psingstwoche hier seine Versammlungen abhalten. ES find folgende Verträge in Aussicht genommen: 1) Allgemeine Volksschule, Referent Kohnke-Hamburg. 2) Schularzt, Referent Siegcrt Berlin. 3) Nothwendigkeit einer durchgreifenden Orthographie-Reform, Referent Dr. Sulzbach hier. 4) Ocffenlliche Schnlpiüfungen, Referent noch unbestimmt. 5) Einführung der Volkswirthschaftslehre und der Gesetzeskunde, Referent Puche- Leipzig. Die Vorarbeiten festen stellen, hat sich dieser Tage hier ein Ausschuß gebildet, zu dessen, Vorsitzenden Herr Harnischfeger und zu dessen Schriftführern die Herren Bangert und Schroth gewählt worden sind.
Oeismar, 9. Aprit. Vergangene Nacht wurde hier «ine grauenhaft« That verübt. Der Einwohner
M. Groß gerieth, wie berichtet wird, im Wirthshaus« mit seinen beiden Schwägern in Streit. Letztere sollen ihm mit Bierseideln den Kopf zerschlagen haben. In dem Thorwege wurde er bann kurz darauf gefunden mit noch einem Stiche in der Brust. Als der Geistliche, der sofort herbeigeholt wurde, kam, verschied der Unglückliche.
Ausland.
Paris. (O diese Weiber!) Pariser Blätter erzählen von folgendem eigenartigen Unfall, der eine schöne, der diplomatischen Welt zugehörige Dame auf einem der vornehmen Bälle der letzten Zeit betroffen, einem Unfall, der ihren guten Freundinnen außerordentliche Freude bereitet hat Die betreffende Dame erregte das Entzücken der Ballbesucher in höherem Graiw noch als durch ihre künstlerisch geschmackvolle Toilette durch ihre blendenden weißen Schultern. Plötzlich lößt sich die Brosche, eine prachtvolle Kamee fällt zur Erde und zerbricht. Die Besitzerin bückt sich tu ihrer Bestürzung über den Verlust dieser kostbaren Brosche, um die Stücke aufzuheben. Bei dieser schnellen Bewegung fällt aber noch etwas Kostbareres zur Erde, nämlich — ein Stück der so bewunderten weißen Schultern der Schönen, ein großes Stück aus einer porzellanartigen Masse, mit Blau und zartem Rosa fein retouchirt. Die Verehrer starren entsetzt die beschädigte Schönheit an, die Damen kichern in ihr Taschentuch und der Gatte der Unglücklichen holt einen Shawt herbei, um den Schaden zu verhüllen.
Vermischtes.
—■ Eine seltsame Entführung. Ueber die Bemühungen der kommandirenden Offiziere zu den Zeiten, in denen die Soldaten noch geworben, ober nach Befinden mit Gewalt entführt und in die Regimenter gesteckt wurden, stattliche Rekruten zu erlangen, wird ein interessantes Stückchen aus dem Jahr 1804 erzählt, welches in Kleinzschocher bei Leipzig passirt ist. Damals garnisonirte in Leipzig der Stab und das erste Bataillon des Infanterieregiments von Bünau, während das zweite Bataillon in Eilenburg und die beiden Grenadirkompagnien in Delitzsch stauben. Der Werbedistrikt des Regiments umfaßte die Aemter Leipzig, Delitzsch, ausgenommen Rötgen, Eilenburg, Bitterfeld, Düben, ohne die Stadt Düben, Barbi, Sommern u. Gräfenhainchen, Kommandeur des Regiments war der Oberst Friedrich Gottlieb Donat. Nun hattenWerber diesesRegiments inErfahrung gebracht, daß auf dem Rittergut zu Kleinzschocher ein stattlicher Schafknecht diente, und es wurden alle möglichen Versuche gemacht, durch Geld und Versprechungen den Mann für das Regiment zu gewinnen; aber alles war vergeblich. Er zeigte keine Lust zum Soldatenstand, und die Bestürmungen der Werber hatten nur die Folgt, daß er vorsichtig wurde, um sich vor gewaltsamer Entführung zu sichern. Und in der That war diese Vorsicht am Piatz, denn der Schafknecht erlangte Kenntniß, daß er in einer Nacht, in der die Schafe in Hürden auf dem Feld blieben, in seiner Wachihütte, die auf einem Karren mit zwei Rädern stand, überfallen und davongeführt werden sollte. Die Werber hatten es aber mit einem schlauen Burschcn zu thun. Am Abend, an dem der UebetfaÜ geschehen sollte, hatte er unter irgend einem Vorgeben einen kleinen, buckligen Schuhflicker im Dorf gebeten, die Nacht bet den Schafen zu bleiben. Und richtig, in später Nacht- stunde erschienen Soldaten, verriegelten die Thür der Schafhütte, in welcher derSchuhflicker in süßemSchlummer lag, und nun ging es über Hals und Kopf mit bem Karren auf und davon nach Leipzig. An der Hauptwache angenommen, klärte sich die Sache auf. Aus dem Karren suhr schimpfend und polternd der kleine Flickschuster heraus, und die von ihren Anstrengungen schweißtriefenden Soldaten prügelten ihn, den sie für den An- steller der ganzen Geschichte hielten; auch noch tüchtig durch. Beschwerden gegen Werbcunsilg halfen damals wenig, und so behielten der Schuster feine Prügel, der Schafknecht seine Freiheit und die angeführten Werber das Nachsehen.
— Die Macht des Csardas. In Bölön, einem offenbar lebenslustigen ungarischen Oertchen, ging es bei einer Hochzeit hoch her. Nach dem Hochzeitsschmanse tanzte die Jugend Csardas und stampfte dabei so gewaltig, daß der Fußboden eindrach und sammt Tanzenden und Musikanten in den Keller plumpste. Beim Sturz in die Unterwelt war ein Hochzeitsgast inS offene Krautfaß gefallen; ein Musikant verrenkte sich den Arm, dem anderen war die Baßgeige zerbrochen ; daS WcibS- voik krabbelte aus dem Keller und lief nach Hause ; die müthigeren Männer blieben im Keller und — zechten wacker weiter, um sich vom erlittenen Schrecken zu erholen. |
Etwas anderes. Dorfschullehrer: „Pfui, schäm' Dich Jörg, Dein Schnupftuch zu vergessen -— setze Dich einen 'runter.“
Jörg: „Ich hab' in mein Schnupftuch eine Wurst für Sie eingewickelt, Herr Lehrer."
Lehrer: „Das ist etwas anderes — setze Dich zwei 'rüder."
— Kurz ausgedrückt. Gast: Ich möchte ein Zimmer mit Bett für eine Woche. — Portier: Kellner, ein Wochenbett für einen Herrn! ;