Müllerin schon wider ihn ihren Mund aufgethan, ihr Geheimniß preisgegeben; ob Donnsperger ihr glaube; ob er, Hörwarth, nicht am Ende gar leichtlich obsiege wider die Anschuldigungen und sie auf Possell wälzen könne — frei war er noch, vielleicht nicht lange mehr und — vor dem Aeußersten kannte er ja ein Mittel, das trug er bei sich! Und vor dem unreinen Gemüthe des Lüstlings stieg wieder die blühende jungfräuliche Schönheit Ottiliens auf — Hörwarth wollte noch frevelnd genießen, mit Gewalt das Mädchen in seine Arme pressen. Ihn warf der wilde Dämon des Verlangens in jener Nacht auf dem Lager im Pflegerhanse hin und her und dann zeigte sich wieder dem von Gewissensbissen gefolterten Geiste die Gestalt der verrathenen Müllerin. Ob Margaretha schon Rache geübt —? „In den Feulethurm, in den Feulethurm," schrie es in Hörwarth. als der Morgen graute. „Ich will Gewißheit bei der Müllerin und Genuß, Genuß, und wenn's mein Leben und das ihre kosten sollte — bei der schönen Magd Ottilie I“
So führte denn der Pfleger seinen Willen aus. Ohne daß Hörwarth es wußte, war Donnsperger in dem Besitz des Dokuments gekommen, ohne daß Hörwarth es merkte, war der Rath wieder in Schongau. Er aber, der Pfleger, betrat gegen die sechste Morgenstunde den Feulethurm. Es trieb ihn zuerst znr Müllerin. Der Profoß wartete stumm und ingrimmig vor der Thür der Zelle.
Seit dem Fluchtversuche der Müllerin in vergangener Nacht, welchen Hörwarth durch seine, des Prosoßen Täuschung hatte ausführen wollen, war dieser Kerker- diener übel gesinnt gegen den Pfleger und nur der Umstand, daß die permanenten Wachen, welche den Auftrag gehabt hatten, wohl den Hörwarth, nicht aber die Müllerin aus dem Thurme gehen zu lassen, ihm, dem Profoßen, gesagt hatten, Donnsperger wollte es so und er wolle nun auch, daß der Pfleger ungehindert noch immer ein- und ausgehe und mit den Gefangenen — bis auf Weiteres — noch als förmlicher Richter verkehre, das allein hielt den Profoßen ab, bem Pfleger sofort den Gehorsam zu kündigen und ihn festzunehmen. Die schöne Müllerin ließ Hörwarth nicht lange im Unklaren. Als ihr derselbe wiederholt betheuert hatte, nicht Er trage die Schuld am Mißlingen der Flucht, entgegnete tonlos das Weib:
„Hörwarth, es ist zu spät. Dein böser Genius hal's gewollt. Donnsperger ist seit einigen Stunden im Besitze meines Geheimnisses. Mich überlaß meinem Schicksale, — Du, rette Dich, wie Du kannst."--
.„Triumphiren sollst Du nicht lange," entgegnete
dumpf Hörwarth. „Wenn mir nichts Anderes Freiheit schafft, thut's dieses," und er zeigte die Pistole, die er
in der Brusttasche verborgen trug.
Müllerin, auch Dich erwartet wenig Gutes! Ha, ha, ha! s oberhalb des Dörfchens gelegenen Stalle zu besorgen. Der junge Mann, welcher nächster Tage nach Amerika
wenn dieser schöne, weiße Nacken, den ich so oft geküßt, das Brandmal der Stäupung trügt; wenn dieses nun stolz rollende Auge — vom Pranger aus über die gaffende Menge irrt und diesen üppigen Leib — der Henker über die Landesgrenze jagt — — ha, ha, ha! — So ungefähr wird Dein Loos sein, schöne Liebste von ehedem! Glaub' mir's, Hörwarth kennt das Gesetz wohl ---- wär's da nicht besser, Du sehest Dich auch vor? — Mach' selbst ein Ende, hab' den Muth wie ich ihn haben werde, wenn ich müssen werde, Dank Deiner freundlichen Vorsorge! Fahr' wohl — mich siehst Du niemals wieder!" — Und Hörwarth wandte sich und ging, die Wittwe mit erneuter Qual vor ihrer Zukunft einsam lassend.
„Znr Tochter der Kerblin!" befahl Hörwarth nun dem Thurmprosoßen. Dieser gehorchte noch einmal.
Und der Pfleger befand sich jetzt dem unschuldigen Mädchen gegenüber, welches, obgleich die himmlische Ruhe des guten Gewissens ihm auch in seiner entsetzlichen Lage Trost gewährte, nun, beim Anblicke des Richters, dessen Augen von einem unheimlichen Feuer glühten und welcher vor innerer Aufregung bebte, sich einer jähen Angst nicht erwehren konnte. Hörwarth ließ sich zudringlich neben der Gefangen nieder und versuchte sie zu umfangen. „Ottilie," flüsterte er, „seit ich Pich gesehen, versengt eine unnennbare Gluth mein Herz! — Du weißt, ich habe Dein Schicksal in meiner Hand; Du kannst frei werden, ich wende den Prozeß ganz zu Deinen Gunsten, wie denn auch schon viel für Dich durch mich geschah! Aber gönne mir das Glück, das ich erstrebe! Sei mein--—
Der heiße Athem des Va-banguc-Spieters — wir müssen Hörwarth so nennen — streifte die glühende Wange der lauteren Jungfrau. In entsetzlicher Angst riß sich Ottilie aus Hörwarth's sie eng umstrickenden Armen los. Aber Hörwarth schien nun nicht mehr ge= gewillt, seine Beute fahren zu lassen. Eine Hölle von Sündenlust loderte in ihm auf. „Ha!" rief er, „wisse, daß ich Dich besitzen muß, und wenn sie mich von hier aus geradewegs zum Blutgerüste schleppen würden! Nein, Du sollst mir nicht mehr entgehen, süße Taube, die mich mit ihrem Widerstreben fast wahnsinnig macht. Fürchte nichts, Niemand stört uns--vom Paradiese will ich dann gerne zur Hülle----"
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
— (103 Stunden unter einer Lawine.) In Giornico (Tessin) ist am 26. Februar ein Mann von einer Lawine verschüttet und nach 103 Stunden
ic viputc, uic «• gerettet worden. Ein kranker Mann bat einen Jüng- Fahr wohl, schöne * ling von 22 Jahren, seine drei Stück Vieh in einem
auswandern wollte und schon die Reise bezahlt hatte, machte sich auf den allerdings beschwerlichen Marsch nach dem am Berge gelehnten Stall, und wie er Morgens um 7 Uhr die 3 Kühe nach dem Brunnen trieb, wurde er von einer gewaltigen Lawine zugedeckt. Bald ahnten feine Angehörigen, daß ihm ein Unglück zugestoßen sei und machten sich auf den Platz, wo derselbe tief begraben im Schnee lag. Mit einem Stück Holz, das dem Verschütteten zufällig in die Hand kam, machte er einen 6 Meter hohen Gang, und es fehlte noch ein Meter, so hätte er sich selbst retten können. Dies ging jedoch über seine Kräfte. Am Mittwoch Abend hörte er über sich seinen Vater und seine Brüder weinen und ihn, den sie schon todt glaubten, bitterlich beklagen. Dies machte auf ihn einen tiefen Eindruck. Er rief aus allen Leibeskräften; allein man hörte ihn nicht. Jener Augenblick sei für ihn unvergeßlich, sagte der Gerettete. Da habe auch er bittere Thränen geweint, namentlich als er hörte, daß sein Vater und seine Geschwister aufbrechen und nach Hause gehen wollten. Eine Stimme hörte er, welche sagte: „Was nutzt es uns, hier noch länger zu arbeiten? Wir kommen nächste Woche noch früh genug dazu, den Leichnam aus- zugraben." Sein Schicksal sollte also besiegelt sein. Doch, nachdem auch die vierte lange Nacht verstrichen, hörte er die Seinigen wieder unmittelbar über sich arbeiten, und glücklicher Weise vernahmen sie seine Stimme. Donnerstag Nachmittag um 2 Uhr, also nach hundert Stunden, wurde der erschöpfte, halb erstarrte Mann seinem eisigen Kerker enthoben und nach Hause gebracht. In den ersten Stunden sprach er stets von Amerika und kam erst nach einigen Stunden zum Bewustsein. Es wurde sofort ärztliche Hülfe gerufen, denn abgesehen davon, daß der arme Mann sich die Hände und Füße wund gearbeitet hatte, war derselbe seit der mehr als viertägigen Hungereur so schwach, daß man mit der Ernährung desselben sehr vorsichtig vorgehen muß. Wie dem „Luz. Vaterland" geschrieben wird, befindet sich der Patient jetzt bedeutend besser und er fängt wieder an zu essen und zu trinken. ' Für die Füße, welche beinahe abgefroren sind, ist der Arzt sehr besorgt, und befürchtet, daß dieselben amputirt werden müssen. .
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgendenGang nehmen: In derTemperatur wird keine wesentliche Veränderung eintreten; der Himmel wird meist bedeckt sein; es werden Westwinde mit schwacher Luftbewegung vorherrschen; Anzeigen für Nieder- schlage sind zwar vorhanden, aber jedenfalls werden diese nicht sehr bedeutend sein.
es
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