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in guten Verhältnissen bin und eine Frau ernähren kann. Sie liebt mich, ich habe sie von Herzen gern, und da ich Sie als humanen Mann kenne, so werden Sie gewiß nicht anstehen, meinem Glücke Ihren väter­lichen Segen zu ertheilen.

Mit hochachtender Werthschätzung Max L.

Das ist zu toll" fluchte der Adressatman will mich nicht gewaltsam zum Vater einer Tochter, sondern sogar zu einem Schwiegervater machen." Wirf den unverschämten Menschen hinaus," jammerte Mama der nicht existirenden Tochter,in Deinem Hause brauchst Du Dir solche Ungezogenheiten nicht gefallen zn lassen." Mit begreiflicher Spannung sah man dem anderen Tag entgegen. Es ward zehn, elf Uhr, Nie­mand kam. Da, mit dem Glockenschlage zwölf, fuhr eine Droschke vor, ein elegant gekleideter junger Mann sprang heraus und eilte die Treppe empor. Der Schwieger­vater öffnete ihm eigenhändig die Thüre und führte ihn in's Empfangszimmer, wo die Schwiegermutter seiner harrte.Daß Sie uns durch Ihre Einladung verhöhnten" begann sie,mag Ihnen verziehen sein, daß Sie aber den Scherz so weit treiben und um unsere Tochter anhalten, beweist die kränkende Absicht--."Mein Gott" fiel der junge Mann der erregten Dame in's Wort,ich wollte Sie durch meine Einladungen ja nicht beleidigen, ich liebe Ihre Tochter viel zu sehr-- Lassen Sie unsere Tochter aus dem Spiele, oder ich fange an unangenehm zu werden" ließ sich jetzt dumpf grollend wie nahendes Unwetter der Schwieger­vater vernehmen. Der Freier war ganz perplex, seine Bestürzung war so wenig gekünstelt, daß die Schwieger­eltern einlenkten.Was haben Sie denn an mir aus- zusetzen?" jammerte der arme Mensch,ich meine es doch so ehrlich."Aber Du lieber Gott," platzte nun der Schwiegervater heraus,wir haben ja doch gar keine Tochter." Nun war die Reihe zu Erstaunen an dem befrackten Jüngling.Keine Tochter haben Sie?" entgegnete er in höchster Bestürzung,ich habe ja doch am verflossenen Sonntag mit ihrer Tochter auf dem Kränzchen getanzt."Mit unserer Tochter?" lachte der kinderlose Schwiegervater.Das kann nur unser Settchen gewesen sein," erklärte die Mama und rief:Settchen! Settchen! Komm einmal herein!" Das Mädchen erschien, that einen Schrei, als sie den Herrn erblickte, und flüchtete in die Küche zurück. Es nutzte dem bösen Ding aber nichts. Es mußte hervor und bekannte nun unter Thränen, daß es sich für daS Kind des Hauses ausgegeben hatte. Die Liebe des Freiers hielt aber selbst nach dieser Enthüllung Stand. Er bat die Herrschaft des schlimmen Setlchens um Ver­zeihung wegen der bereiteten Unannehmlichkeiten, frug es, ob es ihn als Gatten möge, und als die Antwort bejahend ausfiel, erklärte er sich mit dem Fräulein aus der Küche für verlobt. Volljährig ist es, Eltern hat es keine mehr, der Aufsicht des Vormundes ist es entwachsen, folglich steht der baldigen Verheirathung nicht mehr das Geringste im Wege. Unseren aufrichtigen Glückwunsch!

Auslünd.

Paris, 23. März. (Engelmacherinnen.) Ganz Paris ist zur Zeit in Aufregung über eine schauerliche Entdeckung. Vor mehreren Jahren ließen sich zwei Frauen in der Pariser Vorstadt Baugirard nieder und eröffneten hier ein Heim für Waisen und andere Kinder. Bald hatten sie eine größere Anzahl von Zöglingen in ihrem Hause, die theilweise eine recht anständige Pension bezahlten. Doch nicht zufrieden damit, gingen die Damen von Haus zu Haus, um Gaben fürihre milde Stiftung" emzusammeln. Unb diese flossen ihnen auch überreichlich zu. Indessen tarn letzthin die Sache einem der Spender verdächtig vor und er veranlaßte die Polizei, eine Haussuchung bei den Damen vorzunehmen. Dieselbe fand in Gegenwart eines Untersuchungsrichters statt und förderte grauenerregende Dinge zu Tage. Die armen Kinder, deren ungefähr 46 sich in dem Pensionate be­fanden, wurden in einem schrecklichen Zustande aufgefunden. Unaufhörliche Arbeit hatte ihre Körper so verunstaltet, daß die meisten einen gebeugten Rücken hatten und sich kaum aufrecht zu erhalten vermochten. Die Nahrung, die ihnen geboten wurde, war eine ekelerregende und bei Weitem auch quantitativ unzureichende. IhreSchlaf­ställe" waren in vor Schmutz starrenden nassen Schuppen eingerichtet und ihre Lager bestanden einzig aus einem Bunde halbverfaulten Strohes. Aber damit waren die Entdeckungen der Behörden noch nicht abgeschlossen. Als die Beamten nämlich sich entfernen wollten, hörten sie plötzlich aus einem Verschlage dumpfe Klagelaute bringen. Sie befahlen, zu öffnen, aber die Vorsteher­innen, am ganzen Körper zitternd, behaupteten, sie hätten die Schlüssel zu diesem Verschlage verloren. Daraus ließ man die Thüre desselben sprengen; ein schrecklicher Anblick bot sich den Eintretenden. Ein armes altes Geschöpf lag in demselben, hilflos die Eindringlinge anblickend, Sein Leib war mit verfaulenden Lumpen bedeckt. Alles starrte vor Unrath und Schmutz in diesem Räume, in den kein Lichtstrahl zu dringen vermochte. Es wurde constatirt, daß die Unglückliche ein Fräulein des Sl. Andre sei, welche von den beiden Betrügerinnen in ihr Hans gelockt, ihres Geldes beraubt und in dem Uchttsseu Verschlage seit Monaten ringesperrt war. Da

sie in Folge eines Unfalles ihre beiden Beine verloren hatte, hatten die Mchtswürdigen ihr die beiden Holzbeine, die sie trug, abgeschraubt, um sie an jeder Bewegung zu hindern. Auch ihre Gesellschaftsdame wurde in einem ähnlichen Zustande in einem anderen Verschlage des Hauses gefunden. Ueberdies entdeckte man den Leichnam einer alten achtzigjährigen Dame, der bereits in Verwesung übergegangen war. Die Vorsteherinnen behaupten, daß diese ihrePensionärin" eines natür­lichen Todes gestorben sei und daß sie nur aus Schonung für die Familie dieselbe noch nicht von diesem Abscheiden in Kenntniß gesetzt hätten. Die beiden Elenden sind natürlich sofort verhaftet worden.

Mitbürger in Stadt und Fand!

Durch die Ueberschwemmnngen in den Stromgebieten der Elbe, Oder und Weichsel sind Tausende und aber Tausende unserer Brüder mit ihren Angehörigen in die bitterste Noth versetzt worden. Viele Dörfer und An­siedelungen sind ganz oder theilweise zerstört, fruchtbare Landstriche meilenweit voraussichtlich versandet; Hab und Gut, das Ergebniß langjähriger mühevoller Arbeit ging verloren und daneben ist die Gesundheit aller Heim­gesuchten arg bedroht.

Eine Schreckensnachricht drängt die andere.

Zusammengehörig in Freud wie in Leid, in guten wie in bösen Tagen tritt an jeden Deutschen die Ver­pflichtung heran, sein Theil zur Milderung des unver­schuldeten Nothstandes beizulrageu. So richten denn auch die Unterzeichneten an die Bewohner Cassels und des Hessenlandes die dringende Bitte, der Heimgesuchten zu gedenken und durch Spenden an Geld, Nahrungs­mitteln, Kleidungsstücken (auch für Kinder in jedem Lebensalter) ihre Theilnahme zu bekunden.

Ueber alle eingehenden Beträge wird in den öffent­lichen Blättern quittirt werden.

Cassel, den 2. April 1888.

Dasomite für Stadt gez. Bälhgc, Direktor, Bcrlit, I.

Büding, Banquier, Fr. CharÜer, v. Dörnberg, Landrath, Eckhardt, Brauereibes., Louis Eli, Funck, Generalmajor, Gosewisch, Redakteur, Haas, Pfarrer, Hupseld, Justizrath, Jünger, Schuhmacher, Klippert, Gebrüder, Klöffler, Bürgermeister, Knetsch, Julius, Köhler, Fr., K'ohlenhdl-, Dr. Lahmeyer, Mergard, Hotelier, Müller, Dechant,

und Rtgierungs-Bezirk Cassel.

gez. Nebelthau,

v. Passow, Generalleut.

I- E. Pfaff,

Carl Pfeiffer, Banquier, Pilger, Blechschmiedmstr.

Dr.Rocholl,Rechtsanw., Rothe, Reg.-Präsident, Schmidt, Postdirektor, Schmidt, Glasermeister, Seyfarth, Bauuntern., Schiebeler, Metzgermstr. Thies, Hofschauspieler, Trost, Heinrich,

Traube, Stadtrath, Vogt, Otto,

Weise, Oberbürgermstr. Weißenborn, Bäckermstr. Weyrauch, Consist.-Präs. Wittich, Direktor.

Beiträge nehmen entgegen:

Geldbeiträge: Die vorstehend Unterzeichneten, so­wie die Expeditionen sämmtlicher Blätter.

Geldbeiträge und Nahrungsmittel, Kleidungsstücke:

Bröckelmann sen. u. Grund, Berlit u. Chartier,

H. C. Lorentz, Altmarkt,

Louis Ely, Friedrich Herzog, Schloßplatz, Krippendorf, Hohenzollernstraße, Fr. Möller, Grüner Weg, Bechtel u. Comp., Holländische Straße.

Vorstehenden Ausruf bringe ich hiermit zur öffentlichen Kenntniß und ersuche die Herren Bürgermeister des Kreises in ihren Gemeinden in der ihnen angemessen erscheinenden Weise schleunigst Sammlungen zu veran- stalten. Der Größe des nationalen Unglücks, über welches die Nachrichten täglich betrübender lauten, sollte dieAllgemeinhcit der nationalcnOpferwilligkeit entsprechen.

Die gesammelten Beträge bitte ich von 8 zu 8 Tagen an mich behufs Weiterbeförderung einzusenden. Ueber dieselben werde ich in der Schlüchterner Zeitung öffentlich Quittung leisten.

Schluchten?, den 6. April 1888.

Der Königliche Landrath: R o t H.

Ottilie, das Heeenkind

ober:

Das Geheimniß der schönen Müllerin.

Zeügenikilte aus dem Ende dks 16. Jahrhunderts von Gustav Kien äst.

(Fortsetzung).

7. Ende mit Schrecken und Ende mit Wonne.

Der gestrenge herzogliche Rath Donnsperger, welchem, wie wir bereits gesehen, Pfleger Hörwarth keineswegs zu seinem eigenen Vortheile die Oberleitung des Pro- 'zrsses ringeräumt, veranstattete, von Magier getrieben

und mit juristischer Spürlust von Natur aus ohnehin ' reich gesegnet, Tags nach den eben geschilderten- Vor­gängen für sich selbst, ohne Hörwarth und Posselt, nur y im Beisein des Pfarrers und Henkers Görg, ein Spezial- verhör mit der Kerblin und der Dennhauserin.

Wie der Rath gegenüber dem Pfleger sich ausdrückte, um seineInformationen zu ergänzen"; denn bei den ersten Verhören war Donnsperger gar nicht zugegen gewesen. In Wahrheit hoffte Donnsperger aus den beidenUnholdinnen" Näheres über des Pflegers Be­ziehungen zur schönen Müllerin zu erfahren. Und er täuschte sich nicht in seiner Vermuthung. Ehe noch der Meister Görg die Daumschranben anznsetzen brauchte, hörte Donnsperger bis in's kleinste Detail aus dem Munde erst der Kerblin, dann der Dennhauserin, daß Hörwarth der Buhle des schönen Weibes war, und s erfuhr er die Abneigung, welche Beide nun gegeneinander g empfanden. Und als Donnsperger mit einer gewissen W Bonhomie es für gut fand, dieUnholdinnen" in Kennt- V niß zu setzen, daß nun auch die reiche stolze Wittwe in ' den Banden des Hexengerichtes liege und derpeinlichen Frage" nicht entgehen solle, da leuchlete der alten Kerblin halberloschenes Auge in boshafter Freude auf und mir die guthmüthigere Dennhauserin brach in lautes Weinen des Mitleides aus. Rasch ging nun Donnsperger an ein weiteres Verhör: Die schöne Wittwe wurde herein- i gebracht!

Diese, in der Hoffnung auf ihre Befreiung, durch ! Hörwarth benahm sich ziemlich mulhig. Als aber ; Donnsperger mit der eisigen Kälte des Criminalisten seine immer enger sie umschnürenden Fragen stellte, da brach die künstliche Gefaßtheit des unseligen Weibes bald wieder zusammen und dem Rathe, welcher mit eigener Hand sein kurzesDormerk-Protokoll führte, r gelang es, das Netz immer fester zu ziehen. Indessen i hatten Donnspcrgers Fragen eigentlich dieHexerei" ganz umgangen und der schönen Müllerin Beziehungen . zum Pfleger betroffen. In dieser Sache ging Marga- V retha, Freiheit durch Hörwarth hoffend und eigentlich j den Rath als ihren Verhaftet betrachtend, schonungSvoll 5$ für ihren früheren Buhlen mit ihren Antworten heraus. Nun aber gedachte Pounsperger der Beziehungen der I Müllerin zu Burkhard, zu Ottilie.

Hier begann das theilweise Zugesteheu, theilweise , und gänzliche Ablängnen der Wittwe. Sie wollte keinerlei Zaubern ank getauft, Ottilien nicht fälschlich bezichtigt, Z keineInklination zur Hexerei", weder früh noch jetzt, ! verspürt haben. Nun aber waren Rath Donnsperger . und Meister Görg plötzlich in ihrem Elimenle! Die ' peinliche Frage" begann. Ach ! weiter, viel weite, als bis zu den Daumschrauben mußte diemitleidsvolle" ' Justitia gehen. Die anderen Weiberbesagten,, meist . alle ( nur einige mußte manausrecken," ihnen ' glühendes Werk auf den Brüsten verbrennen tc.) f schon auf die schreckliche Daumschrauben-Tortour hin, v die Wahrheit." Aber die Müllerin bekannte erst,

und bei ihr kann man richtig sagen:bekannte," ti als mansiedendes Pech" auf ihrewallende Brüste" ,i tröpfelte: daß sie mit Hülfe eines Hexenkrautes, welchen ' sie durch Zuthun der Dennhauserin bei der Kerblin be­kommen, die Liebe Burkhard's hatte gewinnen wollen. Und weiteres, durchAusrecken der Gliedmassen" ge­peinigt, bekannte sie endlichbeim dritten Befragen", daß sie Ottilien, die Geliebte Burkhard's, durch Vor- zeigen des Fläschleins in's Verderben bringen wollte ' und ihr, der Müllerin,nichts Nachtheiligcs wider der Kerblin Tochter bekannt sei."

Nun, nachdem Donnsperger soviel.heraus-iiiqnirirt" hatte,frug" er noch über diehöllischen Inklinationen der Müllerin." Allein hier blieb Margaretha fest. Selbst die peinliche Frage entlorfte ihr kein Zugcstündmß mehr. In der Hoffnung, daß Hörwarth sie heute Nacht befreien würde, schwieg das gemarterte Weib, welche nur ihrer blühenden Gesundheit unb Körperstärke es ver­dankte, wenn sie das peinliche Verhör so überstand, daß sie mit Besinnung und mühsam zu grhen vermögend in ihren Kerker zurückkehrte von ihrer Wissenschaft um Lidls Anklage gegen Hörwarth. Selbst als Donns- , perger absichtlich zu betonen schien, daß sich Hörwarth i durch ihre, der Müllerin Verhaftung, ein Verdienst um die Justita erworben, schwieg noch die Wittwe unb mied es, gegen Hörwarth auszutreten. Wenn sie jetzt Alles enthüllte, konnte ja der Pfleger außer Stande kommen, sie zu befreien, und ihr selbst war nicht viel mehr durch Hörwarth'S Sturz genützt. Ja, so seltsam ist des Weibes Sinn und Gemüth, sie mochte jetzt viel lieber glauben: Dounsperger wälzte den Umstand ihrer Ver­haftung aus Böswilligkeit aus den Pfleger, anstatt sie auf die eigene Schulter zu nehmen. Gleich als wollte der Rath das Weib durch diese Mittheilung von des ehemaligen Buhlen Verrqth nur kränken. Sie wünschte, daß Donnsperger ihr Verhafter war, und vermied jede weitere Aufklärung, welche zum Nachtheile des Pflegers hätte sein können.

Und die Nacht kam, in welcher dieser die ehemalige Geliebte befreien sollte. Aber Hörwarth und die Müllerin hatten sich verrechnet. Donnsperger hatte, feit er von dem früheren Verhältnisse des Pflegers zu der Müllerin j vernommen, ( wir erinnern uns, der Rath hörte hier­von schon im ersten Verhöre, welches er gemeinsam mit Hörwarth und der Müllen» abgehaften hatte und nn»