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d. h. bei ber Musterung zu reklamirc«, weil später einlaufende Reklamationen zurückgcwicscn werden;

4) soweit es die Verhältnisse nöthig erscheinen lassen, ist die Reklamation zu erneuern, da eine einmalige Berücksichtigung derselben keineswegs auch für die folgenden Jahre Gültigkeit hat.

Die Herren Ortsvorstände wollen die betreffenden Reklamanten auf vorstehende Bestimmungen wiederholt aufmerksam machen und denselben die erforderliche Be- lehrung und Hülfe zu Theil werden lassen.

Die Mannschaften der Reserve, Landwehr, Seewehr und der Ersatz-Reserve!. Classe, welche in dem unter 4 an­gesetzten Klassificationstermin Reklamation erheben wollen, mache ich auf die Verfügung der Kgl. Ersatz Commission nom 23. Januar d. J.* Kreisblatt Nr. 9 noch besonders aufmerksam.

Die Herren Bürgermeister rc. werden veranlaßt, die Musternngstermine wiederholt bekannt machen zu lassen und den sie angehenden Terminen persönlich beizuwohnen.

Die Militairstammrvllen erhalten Sie nächstens zu­rück, mit dem Auftrage, die in denselben eingetragenen und nicht gestrichenen Mannschaften, welche ihren diru- etHbe« Aufenthalt i« der Gemeinde haben, auf die oben benannten Tage präcis Morgens 7M Uhr in das erwähnte Local speziell vorzuladen und nach er» fpkgter Vorladung die Stammrollen nebst beson­derer Laduvgsbescheinignng unfehlbar bis zum 10. April er. bei 8 Mark Strafe anher zu- rückzureichen.

Die Herren Bürgermeister wollen ferner dafür Sorge tragen, daß die Militairpflichtigen mit reinem Körper, in reinst Leibwäsche und nicht in betrunkenem Zustande zur Musterung erscheinen.

Schlüchtern, den 16. März 1888.

Der Königliche Landrath: R o t H.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Kronprinzessin Victoria von Preußen erhielt vom englischen Parlament bei ihrer Berheirathung ein jährliches Nadelgeld von; 50,000 Psd. Sterling bewilligt. Jetzt liest man, daß dieses Nadel­geld, seit sie Königin und Kaiserin geworden ist, aushört.

Berlin, 29. März. Gerüchtweise verlautet, daß sich der Prinz Alexander von Battenberg, Fürst von Bul- garieu (geboren am ä. April 1857), mit der Prinzessin Viktoria, Zweitältesten Tochter unseres KaiserpaareS (ge­boren am 12. April 1866), verlobt (?) hat.

Abtheilungen des Garde-Husaren-Negiments werden mit Lanzen (ohne Fähnlein) ausgebildet. Einzelne Husaren tragen dabei ein neues Kreuzlederzeug, an welchem der Karabiner, der senkrecht auf dem Rücken getragen wird, und der Säbel befestigt sind.

Die neuen Patronentaschen sind bereits hei den Mannschaften der hiesigen Garde-Regimenter zu sehen. Dieselben zeichnen sich durch ihre Kleinheit und Flachheit aus, so daß sie bei der Handhabung des Ge­wehrs nicht im geringsten hindern.

Verbot des Bcsteigens von Eisenbahn- Coupees durch Nich t-Mi treis e nde.Abschied- nehmende" auf den Bahnhöfen, d. h. nämlich die be­kannten guten Freunde und Verwandten, welche Abreisende auf den Bahnhof geleiten, huldigen vielfach der mehr bequemen als zu rechtfertigenden Manier, mit in die Coupees zu steigen, um bis zur letzten Minute in be­haglicher Nähe bei demAbreiscuden verweilen zu können. Es liegt auf der Hand, daß diese Manier, die wir nur aus Artigkeit nicht direct als Un - Manier bezeichnen wollen, für die Mitreisenden, welche Platz suchen, für die schnelle Abfertigung der Züge, für die Beamten, welche die Reifenden zu plaziren haben rc. mancherlei Unzuträglichkeiten mit sich führt. Es ist deshalb neuer­dings insbesondere für die naturgemäß äußerst frequen- tirten Frrnstationcn der Stadibahn dieses unbefugte Besteigen von Coupees durch eine Bekanntmachung der kgl. Eisenbahndirccrion verboten und auch die Strafen, welche im Ucbcrtrctungsfatte verwirkt werden, hingewiesen worden. Die Bekanntmachung ist als Plakat in den Wartesäleu und Vestibülen der Fernstationen ausgehängt.

Die Vermählung des Prinzen Heinrich von Preuße» mit der Prinzessin Irene ist endgültig auf den 2. Mai festgesetzt und findet aus Befehl des Kaisers Friedrich in Potsdam statt.

Die Hinterlassenschaft des Kaisers Wilhelm, über welche derselbe in seinem Testament Verfügung getroffen hat, wird auf über 55 Mill. Mark beziffert und soll zum erheblichen Theßl in Grundbesitz angelegt sein. Nach demBert. Cour." hat der Kaiser den größeren Theil seiner Tochter, der Großhcrzogin von Baden, einen wesentlich geringeren Theil dem jetzigen Kaiser überwiesen, einen nicht unerheblichen Theil direkt den Enkeln, dem jetzigen Kronprinzen und den Geschwistern desselben vermacht. Vorzugsweise bedacht ist dabei Prinz Heinrich. Kaiser Wilhelm hat, als er die lctzt- erwähnte Bestimmung traf, an seine eigenen Erfahrungen gedacht: auch er war der zweite Sohn eines Königs, der Bruder eines präsumtiven Thronfolgers, und er hat unter der kärglichen Apanagiruug lange Zeit em- pflndtich leiden müssen; er wollte seinem Enkel, dem Prinzen Heinrich, ähnliche Erfahrungen sparen.

Breslau, 29 März. Max Kalter, der ehemalige sozialistische Reichsmgsabgeordnctc, starb heute Nach­mittag im Allerheiligenhospital an Den Folgen der Herausnahme des Kehlkopfes. Die Aerzte ließen dem Patienten die ausgesuchteste Pflege zuwenden.

Tages-Greignisse.

Schlüchtern, den 1. April. Der neue Schneepflug, der die Erwartungen aller seit Beginn des Winters aufs höchste gespannt hat, ist nunmehr bis auf die letzte Schraube fertig. Derselbe hak die Gestalt eines kleinen Dampfschiffes. Die Schaufelräder zu beiden Seiten sollen den Schnee aus der Straße bis über die Dächer der Häuser schleudern und so nicht nur freie Bahn schaffen, sondern auch die Abfuhr unnöthig machen. AIs mechanische Triebkraft hat der Erfinder mit scharfem Blick die Sprungfedern eines alten Sophas mit einem von ihm eigens dazu bereiteten Kilt aneinander befestigt, so daß sie eine einzige Feder von ungeheurer Länge und unglaublicher Kraft bilden. Wie schade, daß dem talentvollen Manne, der sich schon anderweitig als Er­finder hervorgethan und auch in letzter Zeit als solchen bewährt hat, die letzte Schraube fehlt, welche die schwierige Spannung der Kraft mit Leichtigkeit besorgen soll. Von anderer Seite ist zwar vkrgeschlagen, zum Ersatz der Schraube die Carousselpferde der Frau Levy, die im Winter doch Ruhe haben, davor zu spannen, allein der Erfinder scheut die Kosten an Hafer und Heu. Als schließlich einige Glaubensgenossen der Frau Levy bereit waren, die Futterkasten vorzuschießen, und nun auch diese Schwierigkeit gehoben war, fehlte es zum Probieren des Schneepflugs am Nothwendigsten, nämlich am Schnee, was im allgemeinen Interesse sehr zu be­dauern ist.

Der heutigen Nummer liegt die Auflösung des der vorigen Nummer beigegebenen Arithmogriphs, sowie ein Verzeichniß von Dankschreiben über die berühmten R i ch. B r a n d tS Schweizerpillen bei, worauf wir hiermit aufmerksam machen.

Salmünster den 1. April. Da unser friedliches Städtchen durch demnächstige Verlegung der Bezirks- Compagnie zur Garnisonsstadt wird, geht man daran, es durch Niederreißen der alten Stadtmauern zur offenen Stadt zu machen. Sollte nämlich im Kriege der Feind diese Festungsmauern sehen und noch dazu hören, daß Salmünster Garnisonsstadt, so würde er es leicht mit Bomben bewerfen und stürmen. Diesem drohenden Schicksale sucht man buretj Einreißen der wehrhaften Stadtmauern zuvorzukommen. Vorsicht ist ja immer der bessere Theil der Tapferkeit gewesen.

Steinarr, den 1. April. Man ist mit unverkenn­barem Erfolge bemüht, Steinau bei der bevorstehenden Verlegung zum Stammsitz der Bezirkscompagnie zu machen. Man will eine hier gefertigte Karte an Moltke einsenden, auf der zu sehen, wie Steinau der gemein­same Mittelpunkt der beiden Kreise Schlüchtern nnd Gelnhausen ist. Es ist darauf als Hauptpunkt ein­gezeichnet, von dem alle übrigen Ortschaften ringsum mehr oder weniger weit entfernt liegen. Zudem ist darauf aufmerksam zu machen, daß das Schloß, dessen Zugbrücke leicht wieder herzustellen und dessen Festnngs- graben noch vorhanden, im Kriegsfalle als fester Punkt mit dem Landsturm besetzt werden dürfte.

Podm, den 1. April. Bei dem Graben der Grundmauern zum neuen Kurhause ist man »«vermuthet auf das Steinsalzlager gestoßen, das unsere Soolquellen speißt. Man hat vor, eS in großen Blöcken zu brechen und diese auf der Sägemühle zerschneiden zu lassen. So zerkleinert wird das Salz dann an die Bahn ge­liefert und in eigens dazu gebauten Wagen verfrachtet.

Fnlda, 31. März. Die 1. reitende Batterie des Hessischen Fcld-Artillcrie-Regimeuts Nr. 11 wird mit dem 80. September d. J. von Fulda nach Cassel verlegt.

Cassel, 28. März. In der vom 19. bis einschließlich 24. b, M. stattgehabten Sitzung des Landes-AuSschusses gelangten nachstehende Angelegenheiten von allgemeinem Interesse zur Verhandlung bezw. Beschlußfassung: Der Dr. Scherer von hier ward vom 1. k. M. an znm Assistenten bei der hiesigen Landesbibliothek bestellt und der Aufseher Neckert bei der Corrections-Austalt zu Brenenan vom 1. Juli b. I. an pensionirt. Das Programm für die am 1. Mai d. J. stattfindende Feier des öOjäfjrigen Bestehens der Taubstummen-Anstalt zu Homberg ward genehmigt und zu diesem Zwecke dem Herrn Landcs-Director entsprechende Beträge zur Ver­fügung gestellt. Zur Erweiterung der Reuungsanstalt zu Kleinbremen ward ein angemessener Betrag bewilligt, dagegen wurde von einem Ankäufe des Bades Wolfs- anger, welcher zwecks Unterbringung der bis jetzt noch in den LcuidcshoSpitäler« befindlichen geistig gesunden, körperlich aber hülflosen Pfleglinge, bezw. zur Anlage einer Blindenanstalt bereits im Januar d. J. ins Auge gefaßt war, abermals abgesehen, da eine Einigung über den Preis, welchen die jetzigen Besitzer ihrem Angebote zu Grunde gelegt hatten, nicht eintrat. Der Ankauf zweier innerhalb der Hamaer Hvspitalswaldungcn ge­legenen Wiesen, sowie der Verkauf eines von oem Hos­pital sgitte Mcixhausen entlegenen Gartens und zweier abkömmlichen, an Landstraßen gelegenen kleinen Parzellen wurde zu angemessenen Preisen genehmigt. Das auf

Grund der vorläufigen Abschlüsse mitgetheilte Ergebniß der Verwaltung der Anstalten nnd Verwaltungszweige des Bezirksverbandes während des Jahres 1887, wurde, trotzdem bei verschiedenen Etatslitel« Ueberschreitungen nothwendig geworden waren, als ein recht günstiges anerkannt und fand nach eingehender Prüfung Genehmi­gung der ftattgefunbenen Ueberschreitungen fast aus­nahmslos statt. Die weitere Ausführung der in Betreff eines neuen Reglements über die Zwangserziehung ver­wahrloster Kinder und der Reorganisation der Verwaltung der Landescreditkasse von dem 15. Communal-Landtage gefaßten Beschlüsse, ist, nachdem die hierzu erforderliche Genebmigung Der höheren Staatsbehörden erfolgt war, dem Herrn Landes-Director übertragen, welchem auch der hinsichtlich der anberroeiten Normirung der zu dem Landwegebauren aus Fonds deS Bezirksverbandes zu verwilligenden Unterstützungen gefaßte Beschluß vom 10. December v. J. welcher eine Erleichterung und gleichmäßigere Bertheilung der bis jetzt den einzelnen Gemeinden und Gutsbezirken Obliegenheit Landwegedau- lasten durch Uebernahme der bezüglichen Verpflichtungen aus die Kreise, bezw. durch Herabsetzung der Jahres- leistnng eines Pflichtigen auf höchstens 6 Tage Spa-m- und 8 Tage Handdienste anstrebt zur Veranlassung des weiter Erforderlichen überwiesen wurde. Die bei der Brandversicherungs - Anstalt wahrgenommenen Mißstände, daß bei einer unverhültnißmäßig großen Zahl von Bränden die Entstehungsursache derselben nicht zu ermitteln gewesen ist und daß bei den Löschungen nicht überall mit der gebotenen Umsicht verfahren fei rc., gab Veranlassung, zu deren Abstellung geeignete Maß- - nahmen zu beschließen. Die gestellten Anträge auf Bewilligung der zu außerordentlichen Bauausführnngen an Landstraßen, wie namentlich Nenpflasterung der Holländischen Straße vom Thore bis zum Friedhofe basier und Verlegung der Landstraße in der sog. zweiten Hölle bei Helmarshausen, sowie der zur Unterftügqpg einiger mit Landwegebaulasten überbürdeten Gemeinden erforderlichen Beträge wurden genehmigt, ebenso ein wegen nichtordnungsmäßiger Ausführung rc. auf Zurück­ziehung einer bereits früher einer Gemeinde bewilligten Unterstützung gestellter Antrag des Landesdirectors. Zu der in Anregung gebrachten Erbauung einer massiven Landwegebrücke über die Weser bei Carlshafen, stellte Der Landesausschuß, unter der ^oraudfe^ung, daß die diesseits zu stellenden Vorbedingungen erfüllt würden, nicht nur einen sehr erheblichen Beitrag aus Landwtge- baufonds, sondern auch die Uebernahme der Bauaus­führung des Projekts durch die diesseitige Bauverwaltung in Aussicht. Der Gemeinde ©albern wurde die Ge­währung eines Darlehens bis zu 3000 Mark aus MclioralionSfonds unter günstigen Bedingungen zur Anlage einer größeren Obstbaumpflanzung und der Geincinde Kirchditmold eine Unterstützung von 1000 Mk. zur Anlage von Feuerlöschvorrichtungen an der beab­sichtigten Wasserleitung zugesagt, falls die betreffenden Anlagen nach dem Gutachten diesseitiger Beamten ord­nungsmäßig und in zweckentsprechender Weise ausgeführt werden. Schließlich fand noch Abhörung bezw. Prüfung der Rechnungen von elf ständischen Anstalten statt und theilte der Herr Landes-Director das Ergebniß des bei Kündigung der 4proc. kündbaren Schuldverschreibungen der Landcscreditcaffe im Betrage von ca. 7,500,000 Mk. erfolgten Angebots eines Umtausches in 3 heproc. unkünd­bare Schuldverschreibungen der genannten Anstalt dahin mit, daß für ca. 5,000,000 Mark ein Umtausch bereits stattgefundeii hätte, so daß nur ein Betrag von etwa 2,500,000 Mk. demnächst baar zurückgezahlt zu werden brauche.

Ottilie, das Heeenkind

oder:

Das Geheimniß der schöne« Müllerin.

3«tgtmätbt aus drin Ende des 16. Iahkhundirw »»U Gustav Ä i e u a ft.

(Fortsetzung).

Nach dem Verhöre der schönen Müllerin beschäftigten sich Rath Donnsperger und Hörwarth noch ein paar Stunden mit demgütigen oder je nach Umständen peinlichen Befragen" verschiedener anderer der Hexerei angeschuldigten Gefangenen. Posselt Gänsekiel hatte vollauf zu thun, die täppischen, verrückten Aussagen der alten Weiber und anderseits die'verzwickten, vertrösten, verschnörkelten gerichtlichen Fragen und Schlußfolgerungen, die kleinen, schiefen, verschobenen, verrückten, verdrückten, geschlossenen, bekannten, getäugneten Anzeigen und Um­stände," wie Göthe im Egmont" den Schreiber Bansen derlei verfängliche Kunstwerke der alten Justiz nennen läßt, zu Papier zu bringen. Es war immer der gleiche Kniff: die Jnquisiten wurden befragt, wie eben das Gericht es für zweckmäßig hielt; läugneten sie, so , wurden sie gefoltert und nach längerer oder kürzerer Dauer der Foltergestanden" die Weiber genau, was . sie ohne Folter abgeläugnetcu hatte«. Widerruf, in der Stunde der Freiheit von Tortour gethan, wurde nicht beachtet. So verwickelten sich nach und nach immer mehr Weiber in das entsetzliche Gewebe ihrer eigenen ^Aussagen, in ein Gewebe, aus dem es nur einen Aus­weg gab: zum Schaffst oder zum Scheiterhaufen. ' '