die Wittwe, nichts Schlimmes ahmmd, aus der Stube gegangen, um Wein zu holen — da packten sie die Häscher! Wie sie merkte, was man mit ihr vorhabe, benahm sie sich höchst ungeberbig und mußte gefesselt werden.
Im verschlossenen Wagen sitzend, den er, Sekretarius, in der Nähe des Hofes bereit hielt, habe sie Verwünschungen wider den gnädigen Herrn Pfleger ausgestoßen und gedroht, wenn man ihr nur ein Haar krümme, wolle sie dem Pfleger so gewaltig schaden, daß er gewiß an sie denke! Er, Posselt, habe sich nicht um das Geschwätz gekümmert und habe, unterstützt von dem handfestesten Schergen, der mit im Wagen saß, die Aufgeregte glücklich nach Schongau und in den Feulethurm gebracht, wo sie nun einsam in einer Keuche des ersten Stockes sitze. Auch gegen ihn, Sekretarius, habe sie Drohungen ausgestoße», ihn zu verderben, sie wisse schon tote. Aber was könne sie denn dem Pfleger und ihm auhaben ? Klar sei's, sie sei eben auch eine Hexe und man müsse mit ihr keine Umstände machen. Von dem, was Hörwarth und er, Pastell, „geludert," wisse sie ja doch nichts.
Hörwarth hörte kühl die Erzählung Posselt's an. Wohl war der Pfleger in seinem Gewissen von quälenden Vorwürsen schlechter Thaten nicht frei — aber nimmer, so glaubte er, war die schöne Müllerin im Besitze von irgend welchen Beweisen, die ihm, dem Pfleger, »ach- theilig sein konnten. Auch den abgefeimten Posselt hatte er im Leben schon oft zu mancher Schurkerei benutzt — aber tiefgeheim war ihr Treiben gewesen und unmöglich konnte die Müllerin von Schwabfoyen klagend wieder Beide amtieren ! Ihr, der schönen Buhlin, insbesondere hatte Hörwarth nie ein Leid angethan, im Gegentheil ihr oft mit Hintansetzung der Rechte Dritter geholten in Rechtsangelegenheiten wie und wo er konnte. Der Wittwe Drohungen konnten nicht viel bedeuten, da sie ja unmöglich etwas von Hörwarths im Amte verübten Schlechtigkeiten ober von Pvsscls Beihülfe dazu wußte. Und so schloß er mit Bestimmtheit, daß die durch ihre Gefangensetzung erboste Frau irgend weiche Anklagen wieder ihn eben ersinnen werde, welchen er sich getraute, auf alle Fälle die Spitze zu bieten.
Donnsperger griff nun, ohne daß Hörwarth es hindern konnte, plötzlich energisch in den ganzen Prozeß ein. Es ist ein eigenthümliches Mißgeschick der Bösen, daß sie oft, wie von Blindheit geschlagen, die Leitung ihrer Handlungen einem Dritten überlassen, den sie all- zueilfcrtig selbstjherbcigerufen. „Die ich rief, die Geister, werd' ich nun nicht los." Dieser alte Spruch trifft so recht bei Hörwarth zu. Der herzogliche Rath hatte nach dem damaligen Standpunkte her Justiz volles Recht, sich der Leitung des Prozesses zu bemächtigen und sah in seiner Zurückberufung nur den Ausdruck der selbstverständlichen" Obedieuz des Pflegers zu Schongau.
Unmittelbar nach dem peinlichen Verhöre, welches mit der armen Ottilie abgehalten ward, ließ sich Donnsperger auf das schärfste Studium der bisher erwachsenen Akten ein. Wir brauchen nicht zu erwähnen, daß es nach dem damaligen Glauben der Richter an die Möglichkeit eines Bundes mit dem Teufel, ferner nach den aktenmäßigen Ereignissen dem Herzoglichen Rathe nicht im Mindesten zweifelhaft war, er habe es mit wenigstens ein paar Dutzend wirklichen Hexen zu thun. Aber Donnsperger wollte strengstens objektiv zu Werke gehen. Er ordnete nun in den folgenden Tagen neue, meistens peinliche Befragungen an. Da kamen nicht nur die in unsere Erzählung eng eingreifenden Weiber, die Kerblin und die Dennhauscrin, wieder an die Reihe, sondern noch eine Menge anderer „Unholdinnen". Jetzt erst häuften sich die Protokolle, jetzt erst besam der Henker zu thun, jetzt hallten die düsteren Mauern des Feulethurmes noch lauter wider vom Jammern und Schreien der Gemarterten. Da gab's „Geständnisse," auf der Folter erpreßt, dann „Widerrufe," wenn die Pein der Folter ausgesetzt ward. Zuletzt verzweiflungsvolle erneute „Geständnisse" und der Hexen zuckende Gehirn-Nerven schufen Bilder der wüstesten Gräuel, wie sie niemals stattgefunden hatten, aber nun doch von ben zum Wahnsinne getriebenen Unglücklichen als wirklich geschehen „eingeftanbeit" wurden.
Dem gestrengen Herrn Rathe zu gefallen, um Ehre einzulegen beim Hofe, wirkten Hörwarth und Posselt nun zusammen unter den Augen Donnspergers, des Hexenfeindes. Ottilie ließ man mehrere Tage Ruhe. Dagegen kam die schöne Müllerin nun auch an die Reihe, Da steht sie nun, sie, einst die Geliebte des Pflegrichters, das stolze, blühende Weib — nun blaß vor Grimm und Kutschen in dem schrecklichen Raume, den wir schon bereits kennen. Zur Seite steht ihr der Henker — noch hat er keine Tortur an ihr verübt, aber seine unheimlichen Gerathe hängen rings an den Wänden. Umgeben die Müllerin unb erwecken das Granen des wollüstig- weichlichen Weibes. Und sie sieht den Rath Donnsperger, welchem „den höchsten Respekt" zu erweisen sie von Meister Görg bei ihrer Vorführung soeben gemahnt worden war. Und ihr gegenüber, auf den erhöhten Sitzen des umgitterten Gerichtsraumes, da sieht sie, ,zur Seite dem hohen Herzoglichen Rathe, ihren ehemaligen Freund sitzen, den unheimlichen, kalten Blick auf sie gerichtet, in deren Armen er sonst gelegen. Aber Trotz und Verachtung fesselt noch die bleichen Lippen der Un- glücklichem Donusperger, hj ben Wen blätternd, richtet
— Bon einem erfahrenen Landwirth geht der „O. Z." folgendes zu: „Märzenschuec thut Feld und Bäumen weh," sagt zwar ein Sprüchwort, doch ist dem nicht immer so, denn es durfte für die Bäume kein besseres Jnsektenvertilgungsmittel geben, als gerade der gegenwärtige Schnee, nur muß der Baumbesitzer, sobald der Schnee weggeht, sofort bei der Hand sein und alle dürren Aeste vom Baum entfernen, wegtragen und am besten auf einem Platze, wo sich keine Obstbäume befinden, sofort verbrennen. Die Asche kann als Dung- mittel verwandt werden, wo sie bessere Dienste leistet, als das dürre Holz im Ofen und Heerd, denn wird dasselbe auf dem Hofe zerhauen und nach und nach verbraucht, kriechen die Insekten aus demselben heraus und machen sich wieder über die Obstbäume her. Auch die dürre und lose Rinde muß von den Bäumen gleich nach Weggang des Schnees abgekratzt und weggeschafft werden. Für die Felder kann der gegenwärtige Schnee auch noch von Nutzen sein, wenn er nicht mit zu starkem Regen weggeht; durch denselben wird das Ungeziefer vernichtet. Die Hauptsache ist aber, daß er der Erde die nothwendige Feuchtigkeit geben wird, denn seither war dieselbe fußtief gefroren und der dagewescue Regen und Schnee konnte nicht eindringen, was jetzt nach den voransgegangcnen milderen Tagen wohl möglich sein wird. — Immerhin ist aber für den Landmann der lang anhaltende Sinter eine harte Plage und gewährt gerade keinen frohen Blick in die Zukunft.
— In Jägerkreisen wird ein von der Strafkammer zu Dortmund gegen ein Jagdschutz-Aufseher des Frhrv. v. Weichs zu Bladenhorst, Franz Thiele, gestilltes Erkenntniß Interesse finden. Thiele hatte zwei Jagdhunde des GutSpächterS Neustem/ die das seiner Aufsicht unterstellte Revier durchstreiften, kurzer Hand erschossen und war deshalb vom Schöffengerichte zu 20 Mk. Geldbuße verurtheilt worden. Er legte Berufung ein, die indeß von der Strafkammer zurückgewicscn worden ist. Der Gerichtshof führte begründend aus, daß der Jagd- inhaber zwar die in seinem Bezirk betroffenen Hunde gewöhnlicher Rayc todten, Jagdhunde aber nur einfangen lind bis zur Erstattung der Futterkasten u. s. w. ihrem Eigenthümer vorenthalten dürfe.
Bon der preußisch-baherischen Grenze. Dem Vernehmen nach besteht die Absicht, die Fahrpostverbindung Sterbfritz—Schwarzenfels—Züntersbach bis Brückenan anszudehnen und diese Postfahrten dem Herrn Posthalter Reinwald in Brückcuau zu übertragen. Eine derartige Einrichtung wäre im Interesse des reisenden Publikums sehr erwünscht; auch ist dabei zu hoffen, daß die die Strecke jetzt coursirenden Postwagen, deren Anblick an das 15. Jahrhundert erinnert und welche zur Erzeugung von Schnupfen rc. sehr geeignet, endlich einmal in den wohlverdienten Ruhestand versetzt werden.
Sterdfritz. Wie man aus sicherer Quelle erfährt, soll die in den hiesigen Schulen erforderliche Tinte in Zukunft von der Gemeinde beschafft werden. Hierdurch würden die kleinen Tintenkassen der Schüler, welche schon so viel Aergerniß erregt, in Wegfall kommen und der Lehrer auch nicht mehr in die peinliche Lage versetzt werden, von ihm zur Bertheilung an etliche Schüler anvertrautem Gelde die Hälfte zu sog. Tintenkreuzern verwenden zu müssen.
Casstl. Nr. 7 des Amt!. Anzeigers für den Stadt- und Landkreis Lasset enthält folgende Bekanntmachung: „Der Herr Regicrungs-Präsidem hat meine Empfehlung des Heilmittels gegen Diphtheritis mißbilligt und mich angewiesen, die betreffende Bekanntmachung mit dem Hinzufügen zurückzunehmen, daß das empfohlene Mittel nur auf schriftliche ärztliche Verordnung in den Apotheken abgegeben werden dürfe und daß bei dem Auftreten der ersten Zeichen von Krankheit, welche den Ausbruch von Diphtheritis befürchten lasse, die möglichst schleunige Einholung ärztlicher Hülfe zu empfehlen sei. Ich leiste dieser Anweisung hiermit Folge, indem ich gleichzeitig aus Anordnung des Herrn Präsidenten die Herren Orts- vorslände anweise, sich der Abgabe des empfohlenen Mittels, falls sie es vorrüthig haben, an dritte Personen zu enthalten. Cassel, den 7. Februar 1888. Der Königliche Landrath: Frhr v. Dörnbcrg.
Ottilie, das Herenkind ober: Das Geheimniß der schaue« Müllerin.
Zeilgrmälde aus dem End« des 16. Jahrhunderts »»n Kustav Kien äst.
. (Fortsetzung).
Und als nun in der Nacht die schöne Wittwe gefangen und gefesselt im Feulcrhurme eingebracht war, empfand Hörwarth bei der Nachricht hiervon, welche ihm von Passest in das Pflegerhaus gebracht wurde, ebne satanische Freude. Posse st berichtete, man habe mit Sorgfalt den ganzen Tag über den Hof der schönen Müllerin bewacht, und erst bei völlig eingebrochener Dunkelheit habe er, Sekretarius, das Wohnhaus durch Schergen umstellen lassen und sei mit der freundlichsten Miene zu der Müllerin in die Stube getreten, Müdigkeit vorgebend und um Erfrischung bittend, da er ein Commi fonum gehabt habe auf einem benachbarten Banerudorfc und nun nach Schongau zurückkehren wolle, Und als
nach einer Weile folgende Fragen an die schöne Ge» fangene.
„Gesteht Ihr ein, wessen Euch zwei Zeugen, die Kerblin und bis Dennhauserin, beschuldigen, daß Ihr nämlich große Begier seit langem getragen, die Künste der Unholdinnen kennen zu lernen, und gesteht Ihr, von der Kerblin einen Trank getauft zu haben, womit Ihr den Lenzenbauernsohn Burkhard in Liebe zu Euch zu entzünden gedachter? Gesteht Ihr ferner, daß Ihr die junge Magd Ottilie in ungerechten Verdacht bringen wolltet, indem Ihr das von Euch bei der Kerblin getaufte Fläschlein als von Ottilie verloren angabet? Wisset, bringend sind die Jnzichten wider Euch! Ihr solltet lieber gleich gestehen, als die peinliche Frage ad- warlen!"
Bkil einem wüthenden Blick auf Hürwarth enO gegnete die Verhaftete, mit bleichen Lippen brächte sie hervor: „All' diese bösen Anklagen sind eitel erfunden und von den Weibern vorgebracht, mich iu's Unglück zu bringen. Hab' auch einen Feind wider mich, bort, den Pfleger! Gestrenger Herr Rath! Wenn Hörwarth von Hvhcnbnrg wider mich zu Gericht sitzen will, so bedeut' er wohl, daß die schöne Müllerin von Schwab- soyen wider ihn aufsteht! Denn Er, Er war — mein Buhle und nur Ingrimm, daß ich ihn seit Langem verschmähe, daß mein Geldsack für ihn jetzt zugebimden ist, hat ihn verleitet, auch mich in dies abscheuliche Hexenlager zu verwickeln. Aber, Hörwarth, Hörwarth, hüte Dich —!"
„Still mit Cuerer Drohung!" rief Donnsperger. „Pfleger Hörwarth mag Euer Buhle gewesen sein —" und der Rath, welchen, schon hie und ba Gerüchte zu Ohren gekommen waren, die ihm von des Pflegers früheren Liebesverhältnisse gezischelt hatte, richtete einen fragenden, beinahe drohenden Blick auf den Besitzer — „hier ist nach Recht und Gesetz der Richter über etwaige Frevel, welche in seinem Gerichtsbanne begangen wurden. Uebrigens bin ich selbst auch da und nehme hiermit kraft meiner in Handen habenden herzoglichen Vollmacht die Leitung Eures Prozesses, Margarethe Müller, ganz insbesonders in Achtung. Ihr, Meister Görg, führt jetzt dieses Weib wieder vorläufig in ihr Gefängniß zurück. Merkt Euch, Müllerin! Diese», jetzigen Verhöre, in welchem Ihr nichts einznstehen für gut fandet, folgt in Kurzem die peinliche Frage! Geht in Euch, und erspart Euch die Schmerzen der Tortnra. Ich werd« Euch den hochwürdigen Pfarrer schicken, daß er Euch zum Gewissen rede!"
„Hörwarth, Hörwarth! Du hast mich zum Verderben beschlossen! Du kannst mich aber auch frei machen, Hörwarth! Thn' es, thu' es bald! Sonst wirst Du spüren, daß ich mich rächen sann!" rief nun sie schön« Wittwe, indem sie, vom Henker rauh an beiden Armen gepackt, dennoch gegen Hörwarth sich vordrängte, wobei nur ihr schönes, aber durch den Zorn und die Verachtung furchtbar entstelltes Antlitz, wie es sich so aufwärts reckte gegen den hinter'm Eisengitter des Richter- raumes geborgenen Pfleger, anzuschauen war wie das Antlitz einer Verdammten.
„Geh', ich verachte Deinen Zorn — — Hexe!" entgegnete Hörwarth. „Versuche, mir zu schaden! Mein einziges Verbrechen war — Dich geliebt zu haben! Nun mach' ich mich rein davon!—" Und mit Devotion gegen den herzoglichen Rath sich wendend, näselte Hörwarth süßlich: „Euer Hochmögend Händen überlasse ich processumsingularumin traue sceleratam feminum ganz gerne! Sie ist ein tief abgründlich böses Weib! Schuldig ohne allen Zweifel —"
„Doch nicht so schuldig wie Du, Hörwarth, Du — Du elender —" die Müllerin konnte ihren -Fluch, ben sie sprechen wollte, nicht vollenden. Meister Görg schlug sie auf ben Mund und steckte hurtig einen Knebel in denselben. Dann riß er die Wuthschäumende mit gewaltigen Armen fort und schleppte sie in ihr Gefängniß zurück.--- —
(Fortsetzung folgt.)
Vermischtes.
— Kreuznach. (Eine Zahnoperation.) Ein drolliges Vorkommniß wird aus einem benachbarten Dorfe berichtet. Dort klagte ein Mann lange Zeit schon über heftige Schmerzen in einem der übrig gebliebenen Backenzähne. Der kluge Bauer kannte sehr wohl die hohe Taxe der Herren Zahnärzte, er wandte sich deshalb an den Grobschmied des Dorfe«, der auch' etwas von der Zahiikechnik los hat. Der Preis für die Operation war ein Schoppen „Neuer". Die Operation ging nun m folgender Weise nur sich: Der Meister Schwarz umband den Zahn mit einem starken Faden, dessen Ende ziemlich kurz in ben Schraubstock gespannt wurde, so daß dir Stellung des armen Bäuerleins der eines gefesselten Stieres ähnlich sah. Der Meister ging darauf zUill Feuer und kam bald mit einem glühenden Eisen zurück, welches er dem Bauern plötzlich so nahe unter die Nase hielt, daß derselbe entsetzt zurückfuhr. Das Verfahren hatte geholfen: ein riesiger Backenzahn hing in der Schlinge. Als Ursache des Schmerzes entberfte man i in der Höhlung des Zahnes einen —- Zwetschcnkern. , „Meiner Scel", sagte der Hufschmied, „Carl, wenn das ; en Quetschebäumche geb' hätt, kein Mensch in der Welt hätt' Dir helfen können."