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Aeitage zu Wr. 25 her Schtüchterner Zeitung.

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Ottilie, das Herenkind oder: Das Geheimniß der schönen Müllerin.

Zeitgemälde aus dem Ende des 16. Jahrhunderts von Gustav «ieuast.

(Fortsetzung).

Ottilie fühlte, daß der rohe Mensch leider nur allzu wahr sprach. Aus Hörwarths Blicken hatte sie genug gelesen. Aber ihr jungfräulicher Entschluß wankte nicht. In ihrer grauenvollen Lage steigerte sich, auf Gottes Hilfe und Beistand gestützt, ihr Muth, auch ihre körper­liche Kraft fühlte sie wie zu Riesenstärke anwachsen und sie hoffte, jeder unziemlichen Annäherung siegreich zu- brgegnen. Doch hielt sie es für ein Gebot der Klug­heit, wenigstens zu versuchen, was Wort und Flehen vermöchten, um ihr Schicksal zu erleichtern.

Denkt an Gottes Gerechtigkeit, Herr Pfleger, der Ihr auf Eurem Todtenbette dereinst gewißiglich nicht als einem Schreckensgerichte gegenüber stehen wollet!" begann sie,verfahret gnädig mit uns armen Gefangenen, nicht nach der Willkür Eures Zornes, und schonet Ehr' und Sitte! Ich bin schuldlos, Herr Pfleger, und wenn Ihr mich martert, könnt Ihr nichts erpressen, was un­wahr ist! Und wenn meine arme Mutter wirklich ein armes, irregegangenes Menschenkind ist, o, so richtet sie nicht nach Eurem Blutrechte! Herr Pfleger, laßt Euch erbarmen! Lenket den Prozeß menschlich !"

Und im Uebermaße ihres Leides fiel das arme Mädchen auf die Knie nieder und rang die Hände zum Herrn ihres Schicksals empor, der mit verschränkten Armen auf die Unglückliche nieder blickte, mit grauenvoller Luft sich weidend an dem Gedanken, daß dieses Mädchen im Dränge der Verzweiflung, in der Angst vor Marter und Tod noch leichtlich ihm zum Opfer fallen werde, sich und vielleicht auch die Mutter zu retten! Hörwarth winkte dem Henker, ihn mit dem Mädchen allein zu lassen. Einen frechen Blick auf den Gerichtsherrn schleudernd, aber doch dem Befehle des Pflegers gehorchend, entfernte sich der Henker. Draußen faßte er hinter einem Mauer- vorsprunge Posto.

Wenn sie ihm nur die Lust gründlich vertreiben thüt'," sprach er leise für sich hin.Das Mädl sieht wir nicht darnach aus, als ob sie ihm zu Gefallen sein wollt'. Ich vergönnt dem leckermäuligen Herrn von Hörwarth eine tüchtige Lektion."

Ottilie!---Dein und Deiner Mutter Schicksale sind in meiner Hand! Marter litt Deine Mutter schon; sie hat gestanden, daß sie eine Hexe ist. Sie, die Alte, kann nichts mehr retten, wenn Du nicht willst! Auch Dich, obwohl im Ganzen Deine Sache noch gut steht, kann ich verderben! Die Aussage der schönen Müllerswittwe kann ich zu Deinem Ver­derben brauchen, kann Dich foltern lassen, bis Du ge­stehst ! Wenn Du aber" und Hörwarths Blicke wurden immer glühender, sein Athem streifte die Wange Ottiliens, er hatte sich dem Mädchen genähert und ver­suchte trotz heftigen Sträubend des Mädchens Leib zu umfassenwenn Du auch nur einmal mir ein Glück gewähren willst, nach welchem ich brenne, feit ich Dich zum ersten Maie so recht gesehen, dann will ich Dich frei machen, Du sollst unangefochten bleiben Dom Gerichte und ich will Dir einen guten Platz verschaffen, will Dir selbst zu Deinem Burkhard verhelfen und Deine Mutter, obwohl sie bereits sich um das Leben geschwätzt und alle Anzeichen wider sie sind, ich versprech' es Dir, sie soll frei werden, will ihr zur Flucht verhelfen nur sei wein! schönes, süßes Kind, mein! nur auf wenig selige Augenblicke--*

Zurück!" rief Ottilie, als nun Hörwarth, sie heftig

umschlingend, immer kühner ward und mit einem Stoße wider die Brust des Lüstlings machte sie sich frei und vernichtend traf der Strahl ihres reinen Auges den Elenden.Willst Du nicht erwürgt sein von diesen meinen Händen, so heb' Dich eilends hinweg, Versucher! Eher will ich die härtesten Martern leiden, als an meiner Seele Schaden nehmen. Geh' und ruf' Deinen Amts­schergen und führ mich zur Folter, Hörwarth! Gottes Gericht wird Dich treffen! Ehe Du vielleicht denkst kommt's über Dich!"

So werd' ich Dich und Deine Mutter verderben. Auf Schaffst und Holzstoß kannst Du Dich gefaßt machen, thörichte Dirne! Für heute geh'ich. Vielleicht besinnst Du Dich noch eines Anderen, schöne Ottilie!"

Und höhnisch lachend, aber den empfindlichen Schmerz mühsam verbeißend, welchen ihm des kräftigen Mädchens Stoß auf seine Brust verursacht, wankte der Pfleger aus der Zelle, die er, ingrimmig nach Meister Görg rufend, hastig verschloß. Und als der Henker an seiner Seite stand, rief der Richter der Hexen von Schwabsoyen so laut, daß die Gefangene es hören mußte:

Morgen um neun Uhr führ' die junge Kerblin zum Verhör und richte die Daumschrauben nur gleich zu! Wir haben's mit einer Verstockten zu thun!

Scheint mir auch," entgegnete ironisch Meister Görg und half seinem kaum sich aufrecht zu haltenden Gebieter aus dem Feulethurme.

In ihrem Gefängnisse aber lag Ottilie auf ihren Knien im Gebete bis der erste Morgenstrahl durch das kleine vergitterte Fenster ihrer Keuche auf sie Hernieder- fiel. Dann erhob sie sich, getröstet durch Gottes Gnade, und ruhig sah sie ihrem entsetzlichen Schicksale entgegen. Nur der Kummer um ihre Mutter und der Gedanke an ihren Burkhard behielten inmitten ihres sonst ge­sammelten Wesens zwei unruhige Punkte ume.Ach, muß die arme Ottilie so entsetzlich enden, um den ge­liebten Burkhard wieder frei zu geben? Und doch sterben will ich gern, wenn nur Er mich beweint, Er an meine Schuldlosigkeit glaubt!"---So sprach die edle Jungfrau und harrte geduldig des Verhörs und der Folterqualen, welche sie erwarteten.

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6. Das Geheimniß der schönen Müllerin.

Zur selben Stunde am anderen Tage, als die schöne und reine Ottilie vor den Schranken des Ge­richtes stand und diepeinliche Frage" zum Erstenmal über sich ergehen lassen mußte, wobei allerdings Hör­warth noch sehrglimpflich" verfuhr kam Rath Donnsperger zurück. Er war gar nicht bis München gekommen, sondern nur bis Wolfratshausen, acht Stunden südlich von der Hauptstadt. Hier hatte ihn der expreffe Bote Hörwarths eingeholt und eilig kehrte der General­bevollmächtigte der Herzoge zurück nach Schongau, voll Freude über des thätigen Pflegers bisheriges Wirken.

Nach Einsichtnahme in die bisherigen Protokolle äußerte er über denglücklichen Anfang" seine vollste Zufriedenheit,obgleich noch zu viel zu thun, noch mehr denn ein paar Dutzend Weiber zu inquiriren seien." Und wir sehen Donnsperger bereits dem peinlichen Ver­höre Ottiliens,dieser hübschen aber verstockten Teuselin," wie er sich ausdrückte, beiwohnen und wir hören, daß der Rath sich in eben der Sitzung im Feulethurme, welche jetzt mit der armen Ottilie abgehalten wird, sehr billigend über die rasche Anordnung Hörwarths aus- spricht, derzufolge noch in der heutigen Nacht auch die schöne Müllerin als Gefangene im Feulethurm ein­treffen wird.

Donnsperger ahnt übrigens nicht, was wir dem gewiß geängstigt-» Leser unserer Erzählung zur Er­

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leichterung seines Herzens, als einen, wenn auch schwacher Hoffnungsstrahl in dieser schrecklichen Nacht des Elends schon jetzt verrathen dürfen, Donnsperger ahnt nicht daß der arme Burkhard mit dem ersten Grauen dieses Tages matt und müde vor Münchens Thoren angelang ist und beim Rathe Lagus bereits gütiges Gehör fand Doch greifen wir dem Gange unserer Geschichte nichl allzuweit vor.

Ottilie blieb, wie wir es von diesem starken, durch das Bewußtsein ihrer Unschuld getragenen Mädchen nicht anders erwarten dürfen, bei dem ersten Verhöre, welches sie soeben besteht, trotz der bereits sehr empfind­lichen Daumschraubenfolter fest auf der Behauptung stehen, daß sie von dem Treiben ihrer Mutter nichts wußte, niemals dem Burkhard nachgestellt, insbesondere niemals einen Zaubertrank, um ihn zu gewinnen, sich verschafft habe. Sie erklärte die Handlung der Müllerin, die das Fläschchen als von Ottilie verloren vorzeigte, für eine böswillige Täuschung.

Wenn^einerseits Rath Donnsperger bei diesem Ver­höre nicht anders als nur einen günstigen Eindruck durch das Benehmen der jungen Magd erhielt, so freute sich Hörwarth über Ottiliens Aussagen deßhalb, weil sie ihm lediglich nur dazu dienen konnten, den Verdacht DonnspergerS wider die Müllerin zu verstärken.

(Fortsetzung folgt.)

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