ihren Lehrer» auf die Bedeutung des entschlafenen Kaisers hingewiesen worden. Ueber die Einzelfeiern liegen zahlreiche Berichte vor, die indessen Neues nicht mehr bieten können.
— Professor von Bergmann hielt in der Berliner Medizinischen Gesellschaft am Mittwoch Abend als zweiter Vorsitzender eine Ansprache zu Ehren des Gedächtnisses des Kaisers Wilhelm. . Am Schluß derselben äußerte sich Professor von Bergmann nach der „Boss. Zig." wie folgt: „Von dem verstorbenen Kaiser richten sich jetzt unsere Blicke auf den Erben seines Thrones und — hier sprach Herr von Bergmann mit vor Rührung zitternder Stimme — wenn wir auch voller Gram und Sorge auf seine Krankheit blicken, so ist es doch eins, was uns erhebt: die außerordentliche Pflichttreue, welche das Hohenzvllerngeschlecht auszeichnet. Wie der Vater keine Zeit gehabt hat, müde zu sein, so hat der Sohn keine Zeit, krank zu sein. Wir aber bitten: Möge ihm die äußere Kraft und Widerstandsfähigkeit gegen die heimtückische Krankheit, die ihn befallen hat, verliehen sein!"
Tages-Ereignisse.
Schlüchtera, 24. März. Von den Traucrfeierlichkciten, welche am 22. März zum Andenken an Se. Majestät den Kaiser Wilhelm stattfanden, blieb noch der in der hiesigen Synagoge veranstaltete Gottesdienst in der Schlüchterner Zeitung unerwähnt. Derselbe nahm um 6 Uhr Abends in dem festlich erleuchteten und mit einer passenden Trauerdecoration ausgestatteten Gotteshause seinen Anfang und erfreute sich eines recht zahlreichen Besuches seitens sämmtlicher Schichten und Konfessionen der hiesigen Bevölkerung (u. A. waren auch Herr Landrath Roth und Herr Bürgermeister von Sturmfeder erschienen). Stach dem täglichen Nachmittagsgebete und bem Recitiren von Psalm 90 und 91 hielt Herr Pro- vinzial-Rabbiner Dr. Koref aus Hanan seine wohldurchdachte und von wahrhaft patriotischem Geiste durchwehte Festpredigt , der alle Anwesenden mit gespannter Aufmerksamkeit folgten. Redner schilderte zunächst in kurzen Zügen das Leben des hohen Verstorbenen, der nicht nur in allen Kreisen seines Volks, sondern fast auf der ganzen Erde betrauert werde. Kaiser Wilhelm sei ein Phänomen in der Geschichte. Er, der in seiner Jugend Preußen in seiner tiefsten Erniedrigung gesehen, habe es zu einer hohen Machtstellung emporgehoben, sodann ganz Deutschland, bis dahin ohnmächtig, in Zwietracht gespalten, von den übrigen Völkern verhöhnt und verspottet, zu einem festen und starken Reiche vereinigt und durch glänzende Siege gegen einen übermüthigen Feind zu einer • dominirenden Macht unter den Völkern geschaffen. Von den Herrschertugenden, auf die Redner hierauf einging, hob er die Friedensliebe, die Bescheidenheit und Demut Kaiser Wilhelms hervor, und verweilte etwas länger bei der Gottesfurcht und Religiösität des hohen Verblichenen. Streng habe er an seinem Glauben gehalten, aber dennoch in allen religiösen Dingen die größte Toleranz bewiesen. Er sei es gewesen, der das von seinem Vater begonnene Werk zu Ende geführt und den Juden vollständige Gleichberechtigung mit ihren übrigen Mitbürgern geschenkt hätte. Und nicht hätten jene, die unter dem Deckmantel ihrer Frömmigkeit und Religiösität Andersgläubige mit allen möglichen Mitteln verfolgten und verhöhnten und gerade das Judenthum besonders zum Gegenstand ihres Angriffs machten, anf ihn einzuwirken vermocht. Am Schlüsse seiner Rede feierte Herr Dr. Koref unsern nunmehrigen Kaiser Friedrich III., der in seinen Herrschertugenden, Friedensliebe, Edelmuth und Toleranz ein
Ebeubild seines Vaters sei. Auf die Predigt folgte ein Chorgesang, woran sich ein feierliches, ergreifendes Gebet des Rabbiners anschloß, in welchem er zunächst für das Seelenheil des Verstorbenen flehte, dann zu Gott um Trost für die Kaiserin Wittwe, für Kaiser Friedrich, die kaiserliche Familie und das ganze deutsche Vaterland, und um Genesung unseres Kaisers von seiner schlimmen Krankheit betete. Mit dein Recitiren von Psalm 23 und 61 und Abendgebet schloß dann die würdige Feier, die auf alle Anwesende einen tiefen und nachhaltigen Eindruck gemacht haben dürfte. A. S.
— Montag Morgen gegen 6 Uhr wurde der Bahn- Hofsrestaurateur Trömel von Elm, welcher von seiner Ehefrau seit einigen Stunden vermißt worden war, in einem der oberhalb des Bahnhofs gelegenen Wasserbassins mit einer Schnittwunde am Halse, die wahrscheinlich von einem neben dem Bassin liegenden Rasirmesser Her- rührte, als Leiche anfgefnnden. Ueber die Motive des Selbstmordes läßt sich Bestimmtes bis jetzt noch nicht sagen.
Oberkalbach 22. März. Heute fand hier die Ge- düchtnißfeier für unfern hochseligen Kaiser und König Wilhelm den Großen statt und zwar als Schul- und kirchliche Feier. Erstere fand aus besonderen Gründen auch in der Kirche statt. Der Krieger-, Gesellen- und Gesangverein, die beiden ersteren mit umflorter Fahne, sowie die Schulkinder holten den Herrn Localschulinspector, Pfarrer Fontaine, der kaum erst wieder genesen, nach vierwöchentlichem Leiden znm erstenmal das Gotteshaus betreten konnte, am Pfarrhause ab. Unter Glockengeläute bewegte sich der stattliche Zug in die Kirche. Hier intonirte der Gesangverein das Lied: „Ach bleib mit deiner Gnade," worauf ein Gebet und dann Recitationen von Psalmen und der Bibelstellen folgten, welche unserm hochseligen Kaiser besonders lieb waren. Entsprechende Gedichte wurden vorgetragen, dann folgte eine Schilderung der Jugendzeit Kaiser Wilhelms durch Herrn Lehrer Eulek, besonders die Beschreibung seines hohen Vorbildes, welches den Kindern vorgestellt wurde und welches in der Entwickelung alle fesselte, war als überaus gelungen anzusehen. Unter Hinweis auf Se. Majestät, unser Kaiser Friedrich, sang der Verein: „Heil Dir im Siegerkranz!" Die kirchliche Feier begann mit dem Liede: „Jesus meine Zuversicht!" und Vorlesung von Ps. 89, V. 20 — 53. Die Liturgie sang der Chor. Hierauf folgte die Predigt über Psalm 91, V. 15, 16; das Thema lautete: Wie Gott die Seinen wunderbar führt und reichlich segnet. In dieses Hierein verwob Herr Pfarrer Fontaine das Mannesleben unseres hoch- seligen Heldenkönigs. Unter athemloser Stille lauschte die ganze Versammlung der fast l-stündigen ergreifenden Predigt. Nach derselben sang die Gemeinde noch die beiden Verse: „Wenn ich einmal soll scheiden!" aus dem Liede Nr. 133, die Lieblingsverse Kaiser Wilhelms, worauf der Gesangverein noch eine Hymne anstimmte. Unter den vom Gesangverein vorgetragenen 5 Chören ist besonders zu erwähnen, der schön gesungene Chor: „Wie sie so sanft ruhe." Die ganze Feier war eine würdige und drückt die ganze hiesige Bevölkerung, zu der sich auswärtige Beamte noch eingefunden, ihren wärmsten Dank aus für den Genuß, den sie durch die Mühe und Arbeit des Herrn Pfarrer Fontaine und des Herrn Lehrer Eitler haben durften. Verschwiegen sei es nicht, daß, trotz der überaus bemessenen Kürze der Zeit — die Aufforderung zur Feier traf erst am 20. d. M. ein — beide Herren, sowie der Gesangverein und Schüler Bewunderungswürdiges leisteten. Der Segen der Feier wird gewiß nicht ausbleiben. Möge sich er- ersüllen, was Herr Pfarrer Fontaine am Schluß seiner!
Predigt sagte: daß das Leben unsers allverehrten Kaisers und Königs Wilhelms des Großen in aller Herzen das Echo wachrufen: daß das ganze deutsche Volk, ein Jeder an seinem Posten treu zu Kaiser und Reich stehe, damit Gottes Ehre gefördert, des Volkes Wohlfahrt gebaut und der Friede und die Eintracht in Deutschlands Gauen erhalten werde und gesichert bleibe und daß aus aller Herzen, das aus ernster Zeit stammende Wort erklingen möge: „Mit G o t t f ü r K a i s e r, K ö n i g u n d Vaterland!" — Das walte Gott! —Br.—
Fnlda. In der Generalversammlung der Molkerei zu Fulda wurde mit geringer Stimmenmajorität beschlossen, eine Filiale in Hünfeld nicht zu errichten, den Landwirthen des Kreises Hünfeld aber freigestellt, der Molkerei Fulda beizutreten. Allerdings wurde in Aussicht gestellt, dann eine Filiale in Hünfeld zu errichten, wenn die Molkerei Fulda aus dem Kreise Hünfeld soviel Milch bekäme, daß sie dieselbe, ohne selbst zu bauen, nkht mehr verarbeiten könnte. Vorläufig ist im Kreise Hünfeld nicht so viel Milch gezeichnet, wie die Molkerei Fnlda beanspruchte, um dort eine Filiale-Molkerei zu errichten. Auch genügt die gezeichnete Milchmenge nicht, um auf eigene Faust eine Molkerei in Betrieb zu setzen, indem viele Ortschaften, und unter diesen nahe bei Hünfeld gelegene, sich nicht bei der Zeichnung betheiligt haben. — Daß Hünfeld eine Molkerei erhält, ist hiermit wohl in weite Ferne gerückt, da nach den letzten Erfahrungen sich wohl sobald Niemand wieder der Mühe und Arbeit unterziehen wird, dieselbe zu Stande zu bringen.
Frankfurt, 21. März. Vorgestern wurden dem „I.- Bl." zufolge die für den Betrieb der Restauration auf dem Central-Bahnhof eingegangenen Offerten geöffnet. Das erstaunliche Gebot von M. 45,000 machte ein Göttinger. Die anderen Gebote bewegen sich zwischen M. 3,500 und 35,000. Der Zuschlag ist noch nicht ertheilt.
Eschwege. Von verschiedenen RegimentS-KommandoS des 11. Armeekorps sind Aufträge zur Anfertigung von Schnürschuben und Litewken (die neuen Jacken für den Landsturm) an hiesige leistungsfähige Handwerker gelangt.
Marburg, 17. März. Heute Vormittag fand im Rathhaussaate die öffentliche Abgangs-Prüfung der Schüler der hiesigen landwirthschaftlichen Winterschule statt. Wie alljährlich hatten sich zu derselben eine große, der Mehrzahl nach aus Landwirthen bestehende Zuhörerschaft eingefunden. Als Vertreter der Königliche» Regierung in Kassel waren zugegen die Herren Regierungspräsident Rothe und Geheimer Reg.-Rath Kochendörfer, als Vertreter des landwirthschaftlichen ZentralvereinS für den Rgierungsbezirk Kassel die Herren Geh. Reg.- Rath W e n d e l st a d t und Ober-Amtmann Thon aus Kassel, ferner Vertreter des kommunalständischen Ausschusses, der landwirthschaftlichen Vereine, sowie der hiesigen Verwaltungs- und Stadtbehörden und eine Anzahl hervorragender Landwirthe deS hiesigen Bezirks. Die Schule steht unter der Leitung des §errn Director Dr. Hesse; die Prüfung fiel befriedigend aus. Folgende Schüler wurden mit Prämien ausgezeichnet: 1. Wilhelm Bingel aus Jlschhausen, 2. Adolf Nöll aus Marburg, 3. Adam Müller aus F l i e d e n, 4. Friedrich Grau aus Ebsdors, 5. Carl Huber aus Neustadt, 9. Friedrich Rothe aus Fronhausen, 7. Ernst Jburg aus Gisselberg, 8. Werner Otto aus Besse, 9. Heinrich Wilke aus Besse und 10. Johannes Dethof aus Malsfeld.
Briefkasten.
Nach Sterbfritz:
Ohne sichere Namensnennung nehmen wir nichts auf. Der Herausgeber.
Eingesandt.
Der Verfasser des in Nr. 24 d. Bl. erschienenen Eingesandt bezeichnet die Tendenz der in Nr. 23 enthaltenen Aeußerungen über die jüdische Einschätzung als verläumderisch und nur dazu geeignet, die Ehrenhaftigkeit des Kreisvorstehers anzugreifen. Anstatt dieses für mich wenig schmeichelhafte Urtheil durch eine Widerlegung der von mir angeführten Thatsachen zu begründen, beschränkt sich der Einsender darauf, dem Kreisvorsteher ein unbedingtes Lob für seine Amtsführung ausznsprecheu. Die von ihm gebrauchten Aeußerungen, namentlich der Schlußsatz derselben, könnten die Ansicht hervorrufen, als ob 'dieselben von sämmtlichen Synagogen-Vorständen des Kreises ausgegangen seien, wofür, da das Eingesandt keinerlei Unterschrift trägt, jeder thatsächliche Anhalts- pimkt fehlt. Es muß vielmehr angenommen werden, daß diese unbedingte Anerkennung der Amtsführung des Kreisvorstehers aus Kreisen stammt, welche aus dem von mir in Nr. 23 dieses Blattes gerügten Verfahren desselben Vortheil gezogen haben. Trifft diese Voraussetzung zu, dann kann die Kundgebung gewissermaßen als denkende Gegenleistung für den Kreisvorsteher betrachtet werden, übrigens hat dieselbe schon als einseitiges Urtheil durchaus keinen Werth.
Zur Klärung der Sache, sowie zur Begründung der von mir behaupteten Thatsachen gebe ich in Nachstehendem eine Schilderung des Verlaufs der diesjährigen jüdischen Einschätzung. Die Veranlagung zur jüdischen Klassensteuer geschieht durch 3 von der Gemeinde gewählte verpflichtete Schätzer und den 2 Synagogen Vorstehern.
Diese Einschätzungs - Commission sah sich im Interesse einer gerechteren Vcrkheilnug der Steuer veranlaßt, diverse reiche Leute höher zu besteuern. Bei der unter Vorsitz des hiesigen Herrn Kreissecretärs vorgenommenen Revision stimmten beinahe sämmtliche Vorsteher und Schätzer des Kreises für die vorgeschlagene Erhöhung, nachdem dieselbe von mir ausführlich begründet wurde, trotzdem glaubte der Kreisvorsteher bemerken zu müssen, daß für diese Erhöhung keinerlei Grund vorliege, und er bei der endgültigen Feststellung für Wiederherstellung der früheren Sätze eintreten würde. Das letztere ist nun auch geschehen, da bei der aus den Kreisvorstehern von Hanau, Gelnhausen und Schlüchtern unter Vorsitz des Herrn Landraths des Kreises Hanau zusammengesetzten Commission Kreisvorsteher Stern ohne jegliche Opposition seine vorerwähnte Ansicht leicht zur Geltung bringen konnte. In diesem Verfahren des Kreisvorstehers ist eine nicht zu rechtfertigende Mißachtung des Beschlusses der vorerwähnten aus sämmtlichen Schätzern und Vorstehern des Kreises zusammengesetzten Commission zu erblicken, es hat denn auch bereits außer mir einer der hiesigen Synagogen-Vorsteher sein Amt niedergelegt, da der fast einstimmig gefaßte Beschluß der Commission Herrn Stern nicht bewegen konnte, seine persönliche Ansicht zu Gunsten desselben aufzugeben. Die Motive, welche für diese Haltung des Kreisvorstehers maßgebend waren, sind bis jetzt noch unaufgeklärt.
Schlüchtern, 25. März 1888.
Jsaak Oppenheimer,
ehem, Mitglied der jüd. Einschätzungs-Commission.
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