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Rede im unteren Schulzimmer hielt Herr Lehrer Siebert in Uerzell. Derselbe entwarf ein Lebensbild des hohen Verblichenen, worauf von einem Schulkindc das Gedicht Artist von Wildenbruch'sUnser Kaiser Wilhelm" vor­getragen wurde. Mit Gesang und Gebet wurde die Feier eingeleitet und geschlossen. In ähnlicher Weise vollzog sich der Mus im oberen Schulsaale. Hier wurde die Rede vom Herrn Lehrer Ewald Ulmbach ge halten und das erwähnte Lied Wildenbruch's vom Heu. Lehrer Sell-Sarrod vorgetragen. Auch einige Schüler declamirten Gedichte, welche sich auf das tiefschmerzliche Ereigniß des 9. März beziehen. Mit einem Gebete für Se. Majestät unseren allergnädigsten Kaiser und König Friedrich schloß die ernste Feier.

Sterbsritz, 22. März. Zum Gedächtniß weiland Sr. Majestät des Kaisers Wilhelm fand heute früh ^ 10 Uhr in hiesiger Kirche Trauergottesdienst statt, welchem auch der Kriegerverein geschlossen und mit umflorter Fahne beiwohnte. Während von den alten Soldaten von 1870/71 hier noch über 20 anwesend sind, waren in den Reihen des Vereins doch nur 3 anwesend, was um so mehr ausfällig erscheint als, wenn irgend Jemand an Kaiser Wilhelm gekettet ist mit unzerreißbaren Bauden der Liebe und Bewunderung, es gerade die Sieger von 1870/71 sein müssen. Daß gerade sie in dem Verein so schlecht vertreten, zeigt von wenig Nationalge- fühl und muß sie ihr jüngerer Nachwuchs in dieser Hinsicht beschämen.

Salmünstcr 22. März. Der Heimgang Sr. Maj. des Kaisers Wilhelm I. hat wie in allen Gauen Deutsch­lands auch in unserem Städtchen tief empfundene Trauer henwrgcrufeu. Der heute Morgen in der katholischen Kirche um 8 Uhr stattgefundene Trauergottesdienst lieferte den sichtbarsten Beweis, welche Liebe unser erster Kaiser sich in allen Schichten der Bevölkerung erwarben hat. Das geräumige Gotteshaus war dicht von Andächtigen besetzt. Auf Einladung des Herrn Bürgermeisters Schneiders und der städtischen Behörden, begaben sich vom Rathhause aus der Kriegerverein, der Gesangverein, der Stadtrath, der Ausschuß und zahlreich thcilnchmcnde Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde im statt­lichen Zuge nach der Kirche. Nachdem die Feier durch Gesang begonnen war, hielt Herr Pfarrverweser M. Kirchner die Gedächtnißrede. Er sprach über die vielen Tugenden des verehrungswürdigen ins himmlische Reich eingegangenen Kaisers und schloß daran folgende Mah­nungen:' Die Jugend solle im Gehorsam gegen die Eltern, die Ehrleute sollten in der gegenseitigen Liebe und der Kindererziehung, aber alle Zuhörer sollten dem christlichen Glauben und der Pflichttreue, dem großen Kaiser nacheifern, um tüchtige Christen und gute Unter­thanen Sr. Majestät des jetzt regierenden Kaisers Friedrich III. zu werden. Gesang schloß die kirchliche Feier. Der Festzug bewegte sich hierauf wieder nach dem Platz vor dem Rathhanse, woselbst Herr Bürger­meister Schneider mit einer kurzen Ansprache des be- dcntnngsvollen Tages gedachte. In der katholischen wie evangelischen Schule fand um 9 Uhr eine würdige

Feier statt. Die evangelische Kircheugemeinde hatte be­reits am Sonntag Nachmittag unter sehr zahlreicher Betheiligung einen Trauergottesdienst abgehalten. Am Vorabend des 22. März pflegten sonst die Bürger Salmünsters einen Fackelzug zu verunstalten. Gestern gestaltete sich die Feier ernster. Zahlreiche Trauerflaggen wehten von den Häusern. Besonders würdig hatten die städtischen Behörden geflaggt. Aus einem Fenster des Nathhanssaales leuchtete ein Transparent mit dem Bilde des Kaisers und den darunter stehenden Worten:Ich habe noch keine Zeit müde zu sein," während im Saale die StadtkaprUe und der Gesangverein abwechselnd Choräle und passende Lieder vertrugen. Vor dem Rath­hanse stand eine andächtige Menge mit Trauer und dem Wunsche im Herzen, daß unser jetzt regierender Kaiser bald genesen und ein gleiches Lebensalter wie der Hohe Entschlafene erreichen möchte. Diese Abend- feier wiederholte sich heute in ähnlicher Weise.

Frankfurt, 19. März. Die Sitberdiebe, welche ben letzterwähnten Diebstahl am Taunusplatz verübten, sind verhaftet. Es sind deren zwei. Die Namen der Diebe sind: S ch ä f e r aus Spreudlipgen und Schmidt aus Pfasfenroth. Dieselben wurden in Offenbach fest- genommeu. Ein Hehler soll nicht verhaftet sein, da die Sachen im Besitz der Diebe gefunden wurden. Beide sind nach der Fr. Ztg. berüchtigte und wegen Diebstahls u. s. w. mit Zuchtbaus vorbestafte Einbrecher, welche auch den letzten in Worms verübten Silberdiebstahl be­gangen haben sollen.

Eingesandt.

Schlüchtern, 22. März. Nachdem mir heute ein Artikel der Hessischen Morgenzeitung zu Gesicht bekommen, in welchem ich von Schlüchtern aus persönlich an­gegriffen werde, sehe ich mid) genöthigt auf die wohl aus derselben Quelle stammenden Angriffe in der Schlüchterner Zeitung zu erklären, daß ich sehr gern bereit gewesen wäre, für meinen kranken Amtsbruder, Herrn Pfarrer Hartmann, dem es zunächst obgelegen hätte, am 16. März einen Trauergottesdienst zu halten, wenn man mir rechtzeitig und auf d e in g e- ordneten Weg den angeblich von der ganzen Gemeinde gehegten Wunsch mitgetheilt hätte. Alles anderslautende, was man sonst gedruckt und mündlich in dieser Sache über mich in Umlauf gesetzt hat, muß ich hiermit entschieden als Unwahr­heit und böswillige Entstellung von mir ab­weisen,

W. Heck, Superintendent.

Die Tendenz des unterZur jüdischen Einschätzung" Eingesandt in Nr. 23 d. Bl. läßt nicht Werfen neu, die Gewissen- und Ehrenhaftigkeit des Herrn Kreisvorsteher Stern hier in einer verläumderischen Weise anzugreifen.

Die sämmtlichen Synagogen-Vorstänhe des hiesigen Kreises erfreuen sich in erwähntem Herrn Kreisvorsteher Stern hier einen Mann als Vorgesetzten gefunden zu haben, welcher seinen Ehrendienst bereits 18 Jahre uneigen­nützig und im Interesse der Gemeinden fo- wohl wie im Interesse jedes einzelnen Mit­gliedes derselben in der würdigsten, ehren­haftesten Weise versehen hat.

Möge es den isr. Gemeinden des hiesigen Kreises beschieden sein, Herrn Stern noch eine recht lange Reihe von Jahren als Vor­gesetzten an ihrer Seite zu sehen!

Eingesandt ans Steinau.

Gewiß ist es eine schöne Sitte, wenn Kinder, welche die Schule verlassen, ihren Herren Pfarrern und Lehrern durch eilt kleines Geschenk ihre Dankbarkeit für - die viel Mühe und den an sie angeivendeten Fleiß bezeugen.

Daß aber eine an sich gute Gepflogenheit selbst zur Unsitte ausartet, beweist folgende leider sich von Jahr zu Jahr hier wiederholende Thatsache, welche, Gott sei Dank, wohl nur ganz vereinzelt dasteht.

Ich hatte Gelegenheit, in einem Landstädtchen unseres hessischen Vaterlandes Vorstehendes zu beobachte». Die Confirmanden, welche größtentheils weniger.Bemittelte, theilweise sogar Waisen und Halbverwaiste sind, opfern gern aus Dankbarkeit und Licve zu ihren Erziehern ihr Scherflein. Wenn dann aber eine Gattin obengenannter Erzieher jedes Jahr birect ober inbirret sich äußert, daß sie durch die bevorzugte Stellung ihres Gatten (welcher dem Einsender viel zu achtbar erscheint, um hier da­zwischen gezogen zu werd'») berechtigt wäre, etwas Besseres resp. Kostspieligeres zu verlangen, die Kinder, welche aus reinstem Herzen ihren Zoll der Dankbarkeit entrichten wollen, durch ihren offen ausgesprochenen Unwillen abschreckt, wohin! frage ich öffentlich, soll das führen ?

Eichender dieses leiten bei Veröffentlichung dieser Zeilen keine unlauteren Absichten, sondern nur der Ge­danke, daß derartige betrübende und aufregende Vor­kommnisse sich im Interesse der guten Sitte und Moral nie wiederholen mögen.

Denn wo Liebe und Dankbarkeit im Kinderherzen erzogen und gepflegt, ist Treue zu Kaiser und Reich.

F.

Kirchlicher Anzeiger für Lchlüchier».

Sonntag, 61 n 25. M ärz 1888;

Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmiltagsgotlesdienst: Herr Pfarrer Hartmann. Wochendienst in der Stadt: Herr Pfarrer Hartmanu.

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