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Beilage zu Mr. 23 der Schtüchterner Zeitung.

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MMie, das Herenklnd oDer:

Das GeheiMrriß der schönen MMerin.

Zeitgemälde auS dem Lade des 16. Jahrhunderts von

<$ u st« v Kien« ft. (Fortsetzung).

Pfarrer Wetter und Der Sekretarius verließen den Raum ebenfalls. Nur gingen sie durch eine entgegen­gesetzte Thüre, durch die nämlich, wo sie hereingekommen. Der Schließer des Thurmes sperrte den Herren die Thurmpfocte auf und in der Nacht gingen sie heim nach ihren Ruhelagern.

Der Pfleger aber stand jetzt eine Weile auf dem Borplatz, welcher im ersten Stockwerk den Mittelpunkt des Raumes bildete und um welche in der Runde die Zellen und größeren Gefangenenstuben lagen. Hier in dem kärglich erhellten Raume wartete er, bisGö:g, der Henker, aus dem Gefängnisse der Dennhauserin zurück- kam. In diesen wenigen Minuten »bersann er die Art, wie er mit der schönen Magd, der Tochter der Kerblin, in Bezug auf seinen lüsternen Wunsch zu verfahren habe.

Mächtig hatten die rosigfrischen Reize der armen Dirne die Phantasie des Genußsüchtigen entflammmt. Längst durch die abweisende Kälte seiner früheren Buhlin, durch deren hartnäckige Weigerungen, ihm in seinen zerrütteten Finanzen wieder und immer wieder aufzuhelfen, gegen sie zum Unmuthe gereizt, welcher sich durch Die Wahrnehmung, daß die schöne Wittwe den Burkhard ihm vorziche, noch steigerte, ferner durch die Hoffnung, aus dem peinlichen Verfahren wider die frühere Geliebte Bermögensvor- theile zu ziehen, zum festen Entschlüsse gebracht, dieses Weib das doch im Grunde, so meinte Hörwarth, nichts Nachtheiliges wider ihn aussagen konnte, so viel wie möglich in's Unglück zu stürzen; bei dieser Ge- müths-Richtung kehrte nun zu alledem noch in Hörwarth's wüster Seele die erneute Sinnlichkeit ein, die schon in Dem jungen Pfleggerichtsadjunkten gelodert hatte und Ursache gewesen, daß seine Geldmittel niemals zur Befriedigung seiner Wünsche hinreichten, welche manches Mädchen an den Rand des sittlichen Abgrundes gebracht hatte und mit derschönen Müllerin" ihre, theilweise ortsbekannten Orgien feierte. Nun, den Besitz des unglücklichen Mädchens zu erreichen, ihre Tugend in seinen Wüstlingsarmen entweder durch Schmeicheln oder durch Drohen auf Leben und Tod zum Falle zu bringen das war nun, da er schon am Abende seines zu früh vergeudeten Lebens, angelangt war, Hörmarths verbrecherischer Wunsch. Die Dirne, wenn sie ihm zu Willen würde, wünschte er in der That zu retten vor dem entsetzlichen Loose, das sie bedrohte. Er getraute sich, den Prozeß für Ottilien auf'S Günstigste zu wenden, wenn--das Mädchen inskünftig sein . . . zur Kurzweil! werden mochte oder seine ganze Huld ihm einmal schenken würde! Andern­falls war es Hörwarth gicichgillig, wenn Die Wider­strebende mit allen andern unglücklichen Weibern zu Grunde ging, ja er empfand schon die Lust, sich an Ottilien für ihren etwaigen Widerstand zu rächen und sie durch die Schlingen und Netze des Hexenprozesses mit all' Den andern Weibern förmlich zu erwürgen.

(SBHIHHaHraWSS!^^

Dies waren die bösen Gedanken, welche in der kurzen Zeit das Gehirn des Pflegers durchblitzten, bis wieder Meister Görg aus der Keuche Der Dennhauserin zurückkam. Görg versperrte das Gemach und wendete sich mit grinsender Freundlichkeit zu seinem Herrn und Gebieter.

Wollen wir nun das Nest unseres Täubleins be­suchen, gestrenger Herr Pfleger? Ich hab' schon einen tüchtigen Strick bei mir, um ihm die Flügel zu binden, Damit es sich nicht zieren kann. Das Teufelsmaal am Leib der jungen Kerblin wollen wir schon finden. Hab' in Torgau manch' junges Hexlein am Leib untersucht, haben sich einige wohl geziert, es half ihnen aber doch nichts."

Geh' nur hinein, Görg," sprach der Pfleger,Ich folge Dir!"

Und Richter und Henker, welcher eine kräftig leuch­tende Laterne ergriff er hatte während seinen an Den Pfleger gerichteten Worten sich das Licht dieser Laterne, die im Borplatz auf einem Wandsockel stand, zurecht gemacht traten an die Thüre der Gefüng- nißzclle, darin die unglückliche Ottilie sich befand. Görg sperrte auf. Der Henker hatte ja das Recht gemeinsam mit dem Thurmprofoßen zu allen Kerkerräumen die Schlüssel zu besitzen. Die Männer traten ein. Auf ihrem Lager, aus roh zusammengefügten Brettern, über welche Stroh geschüttet war, das ein grobes Linnen bedeckte, saß die arme Magd. Als sie des Pflegers an­sichtig wurde, und als Görgs athletische Gestalt, in welcher sie ja den Henker anerkannte, hinter dem Richter ihr entgegenragte, als die schwere Zellenpforte sich wieder schloß und nun das grelle Licht der Laterne auf ihre ver­weinten, durch Die Dunkelheit Der Zelle bereits geblendeten Augen fiel Da bot die Gefangene in ihrer reinen, jungfräulichen Schönheit, in dem rührenden Schmerze ihres unverdienten Geschickes wohl ein Bild, welches auch den Berhärtesten ergreifen mußte. Meister Görg aber war an solche Scenen schon gewohnt und des Pflegers wilde Erregung war unfähig, ein eigentliches Mitleid zu empfinden. Er sah in Ottilien nur das schöne Weib, das er mit Gewalt sein eigen machen wollte, wenn es ihm widerstreben würde.

Ruhig, im tröstenden Bewußtsein ihrer Unschuld, richtete Ottilie ihr Auge auf Den Pfleger. Dieser be­gann :Ottilie Kerblin, Du bist im Beobachte, gleich wie Deine Mutter, Dem Laster der Hexerei gefröhnt zu haben. Obwohl die Beschuldigung, welche die Müllers­wittwe von Schwabsoyen auf Dich geschleudert, noch nicht erwiesen ist, auch Die Dennhauserin, peinlich mit Daumschrauben befragt, nicht zu Deinen Uiigunften aus- fagt, so ist es doch Aufgabe des Gerichtes, Dich selbst Der Untersuchung und nöthigenfalls auch der peinlichen Frage zu unterwerfen. Du wirst daher vor Allem Deinen Leib der gerichtlichen Jnguirirung dargeben, in- massen, wenn Du eine Hexe bist, Dir Dein Buhle sein Kennzeichen aufgedrückt hat. Gehorche also jetzt ohne Zauderung."

Eine dunkle Purpurröthe schoß im Angesichte der Jungfrau bei dieser, anscheinend im kältesten Richter-

Pflichtgefühle gegebenen Anforderung empor. Sie ver­hüllte auf einige Augenblicke ihr Angesicht mit den Händen. Als sie dasselbe wieder hob, blickte ein solcher Abgrund des Schmerzes und so unsägliche Scham aus der keuschen Magd, daß selbst der Henker einen Moment zauderte, zu thun, was seines Amtes war. Aber schon hatte er die Rohheit seines Herzens wieder gefunden und schritt zurProzedur."Auf unnütze Ziererei, hörst Du, junge Kerblin, laß' ich mich nicht ein! sprach der Henker und begann die Hülle des Busentuches der jungen Magd mit plumper Hand zu heben. Aber mit dem Zorne der entweihten Reinheit stieß sie den Menschen zurück.

Martert und tödtet mich, Herr Richter!" rief nun, in einen Strom von Thränen ausbrechend, die unschulds- volle Jungfrau.Nur erspart mir die Schmach, die Ihr mir ausinnet"

Aber Hörwarth sprach mit eisigem Tone:Meinst Du, Dirne, das hochnothpcinliche Gericht werde Dich anders behandeln, als nach Recht und Gesetz? Meister Görg, bindet der jungen Kerblin die Hände auf den Rücken, damit Ihr unbehindert seid, in Eurer Unter­suchung."

Flugs hatt Görg den Befehl vollzogen. Nun war für Ottilie keine Rettung mehr. Wehrlos gemacht durch die Bande, einsam eingeschlossen mit zwei schrecklichen Menschen, ohne Hilfe; fern von Burkhard, Der sicher mit Löwenkraft sie zu befreien gesucht hätte, wenn' er ihre Lage wußte sah sie sich nun doch gezwungen, die schnöde Untersuchung geschehen zu lassen.----

Des Henkers freche Blicke spähten auf ihrem Nacken, ihre Brust, und Hörwarth richtete sein glühendes Auge mit seltsamem Feuer auf ihre Gestalt. Entsetzenvolles Leid für die Jungfrau!-----Endlich brummte Görg :Ich find' kein unrecht's Fleckl an ihr. Wahr­lich, aber eine Hexe kann sie doch sein, eben noch eine angehende, eine sehr junge; erst eine candidata malefici! Ist auch schon vorgekommen, o ja! Und haben in Torgau, wie ich mich noch ganz gut erinnere, sechs so junge, saubere Mädel, an denen man auch kein winzigs klein's Fleckel eines Teufelszeichen hat finden können, später bei der peinlichen Frag': Daumschrauben und Ausrecken der Gliedmassen doch noch gestanden, daß sie Hexen waren! Sind auch richtig geköpft und ver­brannt worden! Ja, Herr Pfleger, Sie roiffeitS so gut wie ich, wenn keine Stigmata zu find nun, so probirl man's halt auf andere Weis', die Hexerei aus so einem Ding herauszukriegen."

Und mit einer Freundlichkeit, die geradezu gräßlich aus die arme Ottilie einwirkte, kneipte Meister Görg das arme Kind in die blasse Wange und sprach:Wirst schon noch pfeifen lernen, Mäuslein, wie's der gestrenge Herr da will! Da, der hochgebietende Herr Pflege- richter hat über Dein Leben und Tod zu entscheiden! Mit diesem dem Pflegrichter stell Dich gut, an» fünften bist Du verloren."

(Fortsetzung folgt.)

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