Seine Majestät der Kaiser und König haben mittels Allerhöchsten Erlasses vom 12. März d. I. zu genehmigen gencht/ daß für weiland Seine Majestät den in Gott ruhenden Kaiser und König Wilhelm eine Gedächtnißfeier am 22. März d, I. in allen Lehranstalten und Schulen der Monarchie stattfindet.
Die Königliche Regierung setze ich hiervon zur weiteren Veranlassung ergebenst in Kenntniß.
Berlin, den 12. März 1888. gez.: von Goßl e r.
Abschriftlich zur gleichmäßigen weiteren Veranlassung bezügl. der sämmtlichen Schulen des Kreises.
Schlächtern, den 20. März 1888.
Der Königliche Landrath.
R o t h.
Das diesjährige Ersatzgeschiift für den Kreis Schlächtern wird an folgerten Tagen, jedesmal von Vormittags pünktlich 8 Uhr an, im Saale der Bierhalle hirrsrlbst vsrgcnomme» werden.
1. am Mittwoch, bc« 18, April er.
für die Militärpflichtigen aus den Gemeinden: Akfi, Ählersvach, Altengronau, Belliugs, Breitenbach, Breu- niagS, Eckardroth, Elm, Gundhelm, Herotz und Schlüchtern.
2. am Donnerstag, den 19, April er. für die Militärpflichtigen aus den Gemeinden resp. Outsbezirken Heudach, Hmterstcinau, Hohenzell, Hunds- rürk, Hütte», Iossä, Kerbersdorf, Klosterhöfe, Äressendach, Lkndenderg, Marbor», Marjoß, Mottgers, Neuengronau, Neustaü, Niederzell und Oberfaibadj.
3. am Freitag, den 20. April er. für die Militairpftichtigen aus. den Gemeinden Oberz eil, Reinhards, Romsrhal, Saimünster, Sannerz, Sarrod mit Radenstein und Rebsdorf, Schwarzenfels, Seidenroth, Soden und Steinau.
4. am Samstag, den 21. April er, für die MiUtarrpfllchtigrn aus den Gemeinden Merbsritz. dem Gutsbezirk Oberförsterei Sterbsritz, den Gemeinden Uerzetl mir Klesderg, Ulmdach, Uttrichshausen, Bolimrrz mit Ramhotz und Hinkelhof, Watzlert, Wallroth, Werchers^ Vach, Weiperz und Ziintersbach.
Am letztgenannten Tage findet auch das Ciossisi- kalioiisgefchäft und am Montag, den 23. April er. die LvvslMg statt.
Ja den Musterungskermin haben sich zu gistellen:
Die Leichenfeier in Berlin.
(16. Mäjz.)
Unter dem ehernen Äciante der Glocken, nach den g<>L«pftta Tönen der Trauermärsche ist heute ein gewaltiger Leichenzug die Triumphstraße des Todes, die Linde« in Berlin hinunter vom Dom nach der SiegcS- allst und von dort nach dem Schloßzarren in Char- lottenbnrz, dem Maujolenm der preußischen KönigS- famitu: gezogen. Kein Deutscher, der auf diesem lehren Gang seinem Kaiser nichr gefalgt, dem geliebten Todten nicht im Geist das Geleite gegeben hätte. Aus ganz Europa. aus dem warmen Süden und ebenso vom kniten Norden her, sind die Vertretet' der regierenden tLaser herbeigeeill, sie alle wollten dem dahingeschiedenen üser, dem Nestor der Gekrönten, dem von Millionen geliebten und selbst von seinen Gegnern hoch geachteten Monarchen, die letzte Huldigung dardringen. Wahrlich wir Deutsche haben im Anblick dieses Trauergefolges alle« Anlaß, stolz zu sein auf unser Kaiserhaus und die achtunggebietend« Weltstcllirng unseres Vaterlandes und müssen zugleich mit innigem herzlichen Dank vor diesem Greis uns neigen, der durch sein Wirken, der durch seine Tugenden als Mensch und Herrscher das deutsche Volk ut solcher Höhe emporgehoben hat.
Soweit die deutsche Zunge -klingt, allüberall, wo deutsch« Herzen schlagen, wohnt heute bitteres Weh. Stumm und ergriffe« von solchen Schmerz stehen die fremd«» Völker und fühlen mit uns den Verlust, den wir «rlitte« had«n. — So ruhe denn mächtiger, allge- siebter Kaiser in Deinem Grab«! Mögen dir Zeiten, die Dir m Deiner, jungen Jahren gesehen hast, niemals wieSerkehren für Deutschland. Nimm es hinunter mit in die Gruft, das alte Elend der Selbstsucht und Zwietracht. das Du zu Nichte gemacht hast, nnd behalte es bei Dir unter der Erde, damit es nie »lehr heraus- steige, um das Werk Deines langen, mühevoilen Lebens, wieder zu verdrrben. An Deiner Leiche geloben wir: Dem Schatten soll »uS ein Mahner bleiben, und unseren Kindern und Aindiskinderu wollen wir leuchtenden Auges vo« Dir und Deinen Thaten berichten. Wir wollen Dir treu sein, wie Du treu gegen uns gewesen bist, wir wollen Dich lieb und werth halten, wie Du uns geliebt hast, und Drin Andenken segnen.
Schlummer« großer Kaiser in stiebe«.
Amtlicher Th eil.
a) die im hiesigen Kreise geborenen Miiüairpfüchtigcn, sofern sie nicht außerhalb desselben einen dgirerndeii Aufenthalt haben;
b) die nicht im hiesigen Kreise geborenen, aber in demselben sich dauernd aushaltenden Militair- Pflichtigen und zwar:
1) alle im Jahre 1868 geborenen männliche Personen, soweit sie nicht schon in das Militair eingestellt sind oder einen Ausstand haben;
2) diejenigen, weiche zurückgesteüt oder überzähiig geblieben sind.
Die ad 2 genannten Milirairpflichtigen haben ihre Loosungsscheine mit zur Stelle zu bringen, welche von den Herren 'Bürgermeistern ordnungsmäßig zu sammeln und vor Beginn des Geschäftes im Mustcrungs-Lokal adzngebcn sind.
Militairpflichtige, welche in den Musterungstermmen ohne genügende Entschnlditzung fehlen, haben eine Geldstrafe bis zu 30 Mark ober Haft bis zu 3 Tage» und außerdem die im § 24 pos. 7 der Ersatz Ordnung au« gedrohten Nachtheile zu gewärtigen.
Gemäß der einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen sind zur Constatirung eines angegebenen Fehlers wie Epilepsie, Schwerhörigkert, Kurzsichtigkeit, Stottern, Taubheit, SttiMnheft u. s. m., womöglich 3 glaubhafte Zeugen von dem bettcffenden Ortsvorstand protokollisch darüber zu vernehmen, ob und in welcher Weise sie selbst die fraglichen. Fehler an dem betreffenden MilitairPflichtigen wahrgenummen Hallen. Außerdem aber sind darüber ärztliche Atteste und Zeugnisse der Orisvorstäude, der Geistlichen uub Lehrer voizulcge». Bei behaupteter Epilepsie müsse» stets 3 glaubhafte Zeugen gestellt werben, deren Aussagen einzeln und eingehend zü Protokoll zu nehmen sind, welch' Letzteres vom Ortsporstand spätestens im Gesteiiuugstcrminr einzureichen ist,
Bezüglich der Reklamationen auf Zurückstellung bzw. Befreiung vom Militairdienst mache ich daraus aufmerksam, daß dieselben nach den vorgeschriebenen Formular aufzusteUen und bis längstens zum 10. April einzu- reichen sind. Die zugehörigen Anlagen sind ordnungsmäßig zu nummeriren und zu heften, andernfalls werden dieselben zur Vn'vollftändigung zurückgegeben. Nicht vorschriftsmäßig ausgestellte Reklamationen können nicht berücksichtigt werben. Bei Aufstellung derselben ist der 8 30 der Eisatzordnung ( § 20 des Rrichsmilitairge- fetzeS vom 2. Mai 1874, Reichsgesetzdlatt de 1874, Seite 50 ff.) genau zu beachten. Zugleich bringe ich zwecks Vermeidung von Nachtheilen noch Folgendes zur Kenntniß:
1) diejenigen Personen, zu deren Gunsten reklamirt wird (Eltern, Geschwister u. s. w.) haben im Termine persönlich zu erscheine», damit st« wegen ihrer GesundheitSverhältnisfe vom Militairarzl untersucht werden können. Von den Geschwistern haben sämmtliche Ader 14 Jahre «kle« Briidse
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Tra«erfeierlichkeie» am Beisetzungstage.
Zu derselben Stunde, in welcher in Berlin die große Abschiedsstunde heraugekvmme», vereinigte sich, soweit die bedtfdie Zunge klingt, All-Deutschland ebenfalls zur Tränerfeier-für den grvßrn Todten. Es liegen ein« so große Anzahl Berichte vor, die alle nkitzuiheilen nnmöglich ist. Es seien zunächst nur folgende aus nichtpreußischen Städten erwähnt:
München, 16. März. Sämmtliche öffentliche Gebäude und zahlreiche Privathäuser sind in Trauer geflaggt. die GeschLftSläden und Bureaus sind geschlossen. Den, Gottesdienste in der Frautukircht, welchen Dom- pfarrer Thoma abltielt, wohnten der Plinzregent, die Kvuigin-Mutter, die Pruizessinnen, der Hof, die Staats- würdenträger, der Nnntins. der Erzbischof, die Gesandkeu, die Generalität und die Stadtbehörden bei. In der protestantischen Hauptkirche waren die protestantischen Minister und Offiziere rmd die preußische Gesandtschaft anwesend.
Nüntbtkg, 16. März. Sämmtliche Schulen, alle Läden geschloffen, öffentliche sowie zahlreiche Privatge- bäube haben Trauerfahnen gehißt. Alle Büreaus gr- schlossen. Don Kirchen Glockengeläntc. Ganz Nürnberg gleicht einem Trauerhanse. Zur Brisetzungsseier nach Berlin gingen bet erste Bürgermeister Frhr. v. Stromer und der Vorsitzende der Gcmeiiid«-Bevollmächrigten Fabrikant Stief,
Darmstadt, 16. März. Alle Schult» des Groß- Herzogthums hielten eine Gedächtnißfeier für den hoch- seligen Kaiser Wilhelm ab; die Geschäfte sind geschlossen. Abi Sonntage finden in allen Kirchen Traner-Güttes- dieustc statt.
Earlsr«ht, 16. März. Die Stadt hat heilte volle Trauer angelegt, von den öffentlichen Gebäuden und -zahlreichen Priathänseru wehen fchlvarze oder umflorte Flaggen, auf dem Marktplatz« kennen Gasfackeln auf umflorten Candelaber«, der Balcon des Rathhauses ist in eine große Trauerdecoration gehüllt. Die ganze Bevölkerung trägt Trauerklcider, die Geschäfte sind geschlossen. In der evangelischen Kirche fand heute ftüh . Gottesdienst. für das Militair, hierauf Gottesdienst für - die CivilbepöHerung statt, die hier anwesendeu Mit- ! giirder der größtmöglichen Familie wohnten dem Gottes-
des Rellamirten zu erscheine» und kann bereu Ausbleiben nicht damit entschuldigt werden, daß dieselben z. B. sich auswärts in Lehre #iw Dienst befinde»;
2) über die Unterstützung eines Reklamirten, weichen nicht bei den Eltern wohnt, ist ein amtlich er Nachweis zu erbringen (etwa durch die Abschnitte der Pastanweisungou — Postcoupons - dezw. der Posteinlikserungsschem« oder auf sonstige Weise); auch empfiehlt es sich, die etwaigen Geldunter- stützurg-n durch d?n Ortsvotfland gelangen zu lassen;
3) wenn zwei Söhne einer Familie, welche beide zur Mister««- zu erscheinen haben, ober von denen der ältere bereits in das Militair eingestellt ist, nicht gleichzeitig entbehrt werben könne«, so ist gemäß r? 30, 2 letzter Satz der Ersatzordnung einer von ihnen und zwar stets der jüngere rechtzeitig, d. h. bei der Musterung zu reklawire», weil später einlaufende Reklamationen zurückgewiesen werden;
4) soweit es die Verhältnisse nöthig erscheinen lassen, ist die Reklamation zu entmin, da eine einmalige Berücksichtigung derselben keineswegs auch für die folgenden Jahre Gültigkeit hat.
Die Herren Ortsvorstünde wollen die betreffenben Rrklamam«! auf vorstehende Bestimmungen wiederholt aufmerksam machen und denselben die erforderliche Be- lehimng uub Hülse zu Theil werden lasse«.
Die Akannschasten der Reserve, Landwehr, Seewehr und der Ersatz-Reserve 1. Classe, welch« trübem unter 4 au= gefegten KjassisicattonsterMin Reklamation erhebe« wollen, mache ich auf die B.rfügnng der Kgl. Ersatz.EowmrjftM .vorn 23. Januar d. J. — Kreisblakt Nr. 9 — noch sonders aufmerksam.
Die Herren Bürgermeister »e. werben veranlaßt, die Musterungstermine wiederholt bekannt wache» zu lassen und dk« sie angehenden Termiinen persönlich beizuwohoeu.
Die Milftairstamiurollen erhalten Sie nächstens zurück, mit dem Aufträge, die in deuseide» eingetragenen und nicht gestrichenen Mannschaften, welche ihren dauernde« Aufenthalt in der Gemeinde habe», auf die oben benannten Tage präcis Morgens 7 k Uhr in das erwähnte Loeat speziell vorzilladen uub nach er» folgter Vorladung die Ttammroüen nebst beso,»- derer Laduugsbefchcinigvng unfehlbar bis zum 10. April er. bei 3 Mark Strafe nutzer zu- rückzureiche».
Die Herren Bürgermeister wollen ferner dasAr Sorge tragen, daß dir Militairpflichtige« mit reinem Körper, in reiner Leibwäsche und nicht in betrunkenem Zustande zur Musterung erscheint«.
Schlilchker», den 16. März 1888.
Dir Königliche Ländrath:
. Roth.
dienste bei, die Kirche war überfüllw In der katholischen Kirche wurde Militairgottesdienft abgebaiten.
Dresden 16. Anläßlich der äranerfder für Kaiser Wilhelm sind sämmtlich« Geschäfte geschloffen. In alle« Kirche« ist Gottesdienst. Die Spitzen der Behörde«, die Stadträthe und das Stadtverordneten ° Kollegium, Beamte. Innungen und Corpoianü»-« begabt« sich um 10 Uhr unter Borantragung des Sladtbanciers vom Rathhause nach der Kreuzkirche, wo Trauergottesdunst abgehalten wurde. Confistorialrath Superintendent Dibelms hielt die Predigt. Das Siegesdenkättsi auf dem Altmarkl war umflort.
Taaes-Greiguifsc.
Schlüchteru, 20. März. Die u «gewöhnlich strenge Kälte des gegenwärtigen Nachwinters veistf sich in den legten Tagen Morgens bis auf 4-2-6 Grad R. Außerordentlich leiben besonders auch die Vögel durch das urigemeiu lang anhaltende Winterwetter. Der Hart ■ gefrorene mit Schnee bedeckte Boden zeigt nirgend Nahrung für sie. Die Staare hat der junger so dreist gemacht, daß sie sogar bis auf die Fensterbretter fliegen luid dort die ihnen gestreuten Brosamen wegholen.
Schlächter«. Donnerstag, den 22. d. M., Abends 6 Uhr, Tranergottesdieust für Se. Majestät ö«n hochstligeu Kaifer uub König Wilhelm l. Die Predigt hält der Herr Proviuzial-RabbiiierDr. Korks aus Hanau.
— Der seitherige Pfarrvertveser Schulz in Soden ist laut Decret vom 18. März definitiv zt»ti Pfakttt in Soden bestellt worden.
^ SteiKOH, lü. März 1888. Obgleich scho« am letzten Sonntage ein erhebender Trauergottesdienst wegen des Ablebens unseres allverehrten und geliebten Kaisers Wilhelm hier ftattgefunben hat, so wollten doch die hiesigen patriotischen Einwohner zu der Srmide, wo Allerhöchstdesse» sterbliche Hülle zur letzten RtihestM« geleitet wurde, auch diese Todtenfeier im Geiste mit- machen. Herr Pfarrer Junghans kam diesem BerlaMen bereitwilligst entgegen. Um 12 Uhr fand in der ÄÄn- Hardskirche wieder ein Trauergoktesdirnft statt, zu welch«» die hiesigen Beamten und Vereine, die Lehrer mit der Schuljugend uub viele andere Einwohner erfttitt»#« warm. Herr Pfarrer JtmghWs gqd in seiner Pr«»-