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^chlüchterner Zeitung.

Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen ves Kreises Schlüchtery.

Erscheint Mittwochs und Samstags, Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

3# 23. Mittwoch, den 21. März

.^®«. Walter Mltkeim

Gedicht von Ernst von Wildenbruch.

188«.,

Evtt hat von seinem Volke

das Angesicht gewandt, drum will es Abend werden

' lind Nacht im deutschen Land.

Der Gott, der aus Gefahren, aus Kampf uns riß imb Noth er hat sein Deutschland heute verwundet auf den Tod,

Der uns den Sieg gegeben, den Frieden und das Glück, Gott nimmt mit, einem Schlage, nimmt Alles heut zurück.

Seht ihr die schwarze Fahne , vom halben Mäste weh'n? Mein Auge schwimmt in Thränen, ich feh' und kann nicht seh'n.

Ich hör' ein leises Reden das aus dem Hause schallt, ein Flüstern und ein Seufzen das durch die Gaffen Wallt,

Ich hör' ein tiefes Schluchzen ein Weinen ohne Wort­ich feh' die Menschen drängen Alle nach einem Ort.

Der. Hand, die uns vom Leben .' des Feindes Grimm gewehrt.

der Hand des greifen, Helden entsank das Helden-Schwert.

Wer soll uns Trost gewähren in solcher tiefen Noth'? Sprecht, soll'n wir uns ergeben verzagend in den Tod?

Nein, deutsche Volksgenossen, die Nacht gebiert das Licht, der ew'ge Gott im Himmel vergißt sein Deutschland nicht!

Er hat sein Volk errettet aus manchem Todes-Leid, er wird auch jetzt uns helfen, jetzt, da's zum helfen Zeit.

Verzaget nicht im Jammer, erhebt das Herz, erhebt, der Kaiser ist gegangen, doch Hohenzollern lebt!

Der Baum, der uns beschattet, hat Saft und frisches Blut, der alte Königs.Adler hat junge Helden-Vrut!

Der Wipfel ist gebrochen, Gott bricht den Baum uns nicht!

Deutschland braucht Hohenzollern so wie der Mensch das Licht.

Du Herr, Du Held, Du Kaiser, entschlafne Majestät, , vernimm den Schwur, der brausend aus Deutschland aufersteht: Dein Tagewerk, Dein großes, soll nicht verloren sein, wir wollen was wir haben und was wir sind ihm weih'n!

Deutschland soll nicht zerfallen, lebendig soll's nach Dir die Welten-Bahnen schreiten, das schwören, schwören wir!"

Und wenn die Trommeln rufen die Männer zum Gewehr, dann geht der alte Kaiser lebendig vor uns her.

Dann rauscht in unsern Fahnen sein Geist zu uns und spricht: Mein Deutschland, ich bin bei dir, sei stark und fürchte nicht.

Wir theilten jede Freude, wir theilten jede Noth, so große tiefe Liebe ist stärker als der Tod.

So lang vom Berg zum Meere durch Deutschland fließt der Rhein, wird mit dem deutschen Volke sein Kaiser Wilhelm sein."

""Das schöne herrliche Lied von Wildenbruch, welches hent die Spitze Fieser Zeitung ziert.Unser Kaiser Wil Helm", dürfte so recht geeignet sein | zum Vortrag in den 'Schulen des Kreises bei der am 221 März stattsindenden Trauerfeier. Mögen die Herren Lehrer es benutzen, um die Herzen Unserer Jugend- an j diesem Tränertag daran zu erbauen und aufzurichten in deutscher Treue, deutscher Tapferkeit, deutscher Liebe unb deutscher Pflicht.

Schlächtern, den 16. März 1888. Der Königliche Landrath: Roth.

iÜi Zur Gedächtrüßfeier am 22. Mär; 1888.

- «11 -w- ------

Was tönen die Glocken so dumpf und schwer Durch Deutschlands Städte und Sauen?

War heute doch stets vom Fels bis zum Meer Stur Trübsinn und Lust zu erschauen So höre denn, Wand'rer, die traurige Mär', - Sprich still Dein Gebet, zieh' im Frieden: Der Lichling des Völk's, unser Stolz, unsre Wehr, U user Kaiser ist von uns geschieden.'

Was senken die Fahnen sich, schwarz umflort, Was weinen die bärtigen Krieger? Ihr Feldherr, ihr Führer, des Landes Hort, Der lorbcerumkränzlc Sieger Ward dennoch besiegt und dahin gemäh't: Der Tod, der gewaltige Schnitter, Er fürchtet nicht Krone, nicht Majestät, Bleibt stets der stärkste der Ritter.

Wem winden die Schüler den Abschiedsstrauß, Die Augen thrüncnumschwoinmeu?

Dem Landesvater im TodtenhauS, Den ihnen das Schicksal genommen. Sie alle wollen ihm heul' vereint Ihre Liebe und Dank beweisen;

Dem Gottesfreund, wie dem Kinderfreund, Dem Schützer der.Wittwen und Waisen.

Smuauia! warum birgst Du Dein Haupt Voll Trauer im Wittwenschleier?

Mein edelster Ritter ist mir geraubt, Der meinem Herzen so theuer;

Der mir so wacker das Streitroß hielt Und reichte zum Lustritt den Bügel, Mir das Schlachtschwert gab und den Ehrenschuld, Dort deckt ihn der GrabeZhngel!

Was stehst Du fa trauernd, mein Deutscher Wald Und säuselst so sanft und leise?

Das Frühlied der Drossel, es klingt und schallt In eig'ner klagender Weise!

.Weißt Du's denn nicht, mein Pfleger und Freund?. So flüstert die Deutsche Eiche, Der wackerste Jäger wird heut beweint, Der erste im ganzen Reiche.

O, stillt Eure Thränen und Schmerzen bald, Ihr Städte, Schüler und Krieger! Germania' Du und mein Deutscher Wald!

Laßt ruhen den Held und Sieger. .

Er verdient wohl, daß in Walhalla's Saal Unter grünenden Eichenkränzen Ihm den Labetrunk bei der Gölter Wahl ,Jduua und Frigga credenzin.

Hebt lieber zu des Allvaters Sitz .Süll Quere Herzen und Hände, Uud fleht um Genesung für unsern Fritz, Daß Gott seine Schickung ihm wende. O, Schicksalstenker im Weltenall, Allgüt'ges erhabenes Wesen,

So hör' uns'rer Glocken und Lippen Schall: ' Laß' unseren Kaiser genesen!

O, Preußens Luise, so blicke herab, Schweb' bittend zu jener Höhe, Daß nicht schon wieder ein Kaisergrab Im deutschen Reiche erstehe! O, war es ein Traum oder nahtest Du, Du edelste deutscher Frauen? Verklärte!' Du lächelst dem Sänger zu Durch Thränen ans Himmelsanen.

Du sagst: so wie Du dereinst den Sohn Vor Mördern schütztest im Leben, Willst Du auch den Enkel auf Deutschlands Thron Als holder Schutzgeist umschweben!-- Heil! Kaiser Friedrich! das deutsche Land, Trotz drohender Wetterwolke, Vertrauet mit Gott Deiner Herrscherhand! Vertraue auch Du Deinem Volke!

Die Linke auf's Volk! die Rechte zu Gott, - - So wird nimmer ein Feind uns schaden! Die Ottern und Schlangen sie werden zu Spott. Das walte der Herr in Gnaden! -- - - Du grüß'test den Dichter im Donner der Schlacht

Mein Kaiser! ich grüße Dich wieder!.'- -' Dort gelobte ich es bei der Sterne -Wacht e Dem Vaterland einst meine Lieder!"

Fritz Becker in Thalhof.