Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die Veröffenllichungen des Kreises Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deien Raum 10 Pfennig. ' ■
J^ 22. Samstag, den 17. März. 1888.
In Tagen der Trauer.
Noch niemals tönte durch die Welt ein Klagen, Das so der Menschheit aus der Seele kam,. Als da den edelsten der Erdensöhne Zu sich empor der ew'ge Schöpfer nahm.
Da sich ein Auge schloß, das wetterleuchtend Den Blick durch Kampf und Schlachteugraus gesandt Und doch so mild in Meuschenlieb' erglühte, Daß es den Weg zu jedem Herz fand.
Was du, mein deutsches Vaterland verloren, Kein Wort spricht des Verlustes Größe mist; Wohl rannen Thränen über Männerwangen, Wohl bist du nur e i n großes Trauerhaus, Denn der durch Siege dich zur Einheit führte, Dir wiedergab die siegbewußte Kraft, Der mit dir schuf das neue Reich des Friedens, Er ist auf ewig dir hinweggerafft.
Verklärt wird Kaiser Wilhelm's Bild dir strahlen Als Heller Stern durch dunkler Zukunft Nacht, lind bringt sie schwere Prüfung, wirst du stehen Ein Fels im Sturm, durch seines Geistes Macht. Allmächtiger Vater, der ihn hingenommeu, Erhalte den, der gleicher Liebe werth;
Haß Kaiser Friedrich nun Genesung finden, Dann h a st du uns den re i ch st cu T r o st b efcheert!
. J. G einet l.
Kaiser Wilhelm.
Alles was der Telegraph bisher aus Deutschland und Europa gebracht hat, ist nur ein Echo der Trauerkunde von dein Hinscheiden des Kaisers Wilhelm. Der neue Kaiser Friedrich hat keine Anordnung bezüglich der Landestrauer getroffen, er durfte es ruhig dem Gefühl jedes Deutschen überlassen, sich für das Rechte zu entscheiden. Ueberall haben die Kammern, die Landtage, die Gemeinderäthe, wo sie versammelt waren, feierliche Kundgebungen Veranstalter. Von freien Stücken sind in ganz Deutschland die Theater geschlossen und alle Vergnügungen eingestellt worden. Der Prinz-Regent von Bayern hat angeordnet, daß sein Geburtstag nur in der Stille gefeiert werde. Der Kaiser Franz Joseph ist persönlich in der deutschen Botschaft erschienen, um sein Beileid auszndrücken, etwas, was in Wien noch nie dagewesen und das größte Aufsehen erregt hat. Sogar der Kaiser und die Kaiserin von Rußland find persönlich in der Botschaft erschienen. Alle europäischen Regierungen haben sofort ihrer Theilnahme Ausdruck verliehen, zuerst die französische, deren Verhalten sich von dem rohen Benehmen des Pariser Pöbels und der Niedertracht mehrerer Zeitungen vortheilhaft unterscheidet. Sönig Humbert von Italien war zur Begrüßung des Kaisers Friedrich abgereist ; er hatte sich durchaus nicht .zurückhallen lassen. Obgleich der neue Kaiser als Kronprinz im Volksmund immer nur „unser Fritz" gewesen ist, hat es doch überrascht, daß er nicht die Reihe der preußischen König-namen „Friedrich Wilhelm" cortführt, sondern unmittelbar an die Tradition des „alten Fritz" anknüpfend, sich Friedrich nennt.
Ueber sehr gewichtige Fragen enthält die „Kölnische Ztg." folgende Aeußerungen: Es steht in Kreisen, denen man glauben darf, auf Grund von Erklärungen, die unantastbar sind, fest, daß, so lange Fürst Bismarck deutscher Reichskanzler ist, die auswärtige Kolitis bleibt, wie sie unter Kaiser Wilhelm eingerichtet worden ist. Auch herrscht, wie das erwähnte Blatt schreibt, keine Sorge/ daß Kaiser Friedrich sich von dieser Politik trennen werde, die nicht ohne sein Borwissen getroffen wurde. Fürst Bismarck aber müßte nicht im monarchischen Gefühl groß geworden sein und dürfte nicht das Deutsche' Reich Mitbegründer und gefügt haben, wenn er sich nicht in Stunden der Noth mit jedem einzelnen preußischen Minister solidarisch erklären sollte. Wohl gemerkt, so heißt es in der Auslassung der „Kölnischen Zeitung", mit jedem einzelnen. Eine Umkehrung anch nur der preußischen Verhältnisse würde er mit seinem Namen nicht decken. Eine solche aber ist auch nicht zu besorgen. Staatsrechtlich liegt keine Schwierigkeit vor; nur wird die Kaiserliche Proklamation bezüglich des. Herrschcrantritts in den Reichslanden eine besondere?
in den Eingangsworten von der fürs Reich zu erlassenden verschiedene sein müssen, etwa dahin: „Wir Friedrich, Deutscher Kaiser, im Namen der verbündeten deutschen Fürsten u. s. w. ' Erwähnt sei noch, daß ein alter sturmerprobter Hort und Liebling des deutschen Volkes einem hervorragenden parlamentarischen Führer erklärt hat, er halte im Gegensatz zu weitverbreiteten Meinungen die Friedensaussichten mit Nichten für verringert, denn seit den Befreiungskriegen wisse man auch im Ausland, daß, wer Deutschland in solchen für dasselbe traurigen Tagen angreise, mit dessen doppelter natürlicher Macht zu rechnen habe." So die „Kölnische Zeitung", deren Auslassungen in gegenwärtiger Lage hervorragende Beachtung verdienen.
Das Befinden des Kaisers.
Berlin, 13. März. Der „K. Ztg." wird gemeldet: Aus dem kaiserlichen Hoslager zu Charlottenburg kommen unerfreuliche Nachrichten. Die letzte Nacht des Kaisers soll minder gut als die vorhergehende gewesen sein und es sollen B e ä n g st i g u u g r u sich eingestellt haben. Man spricht sogar von der Möglichkeit eines baldigen größeren operativen Eingriffs. Thatsächlich hat der Kaiser, seit er in Charlottenburg residirt, außer seinen Kindern und dem Fürsten Bismarck nur die Berliner städtische Abordnung gesehen. Bis heute hieß es, daß, wenn kein Zwischenfall eimräte, das Kaiserpaar in etwa zehn Tagen nach Wiesbaden übersiedeln würde. Der Kaiser wollte heute den Prinzen Albrecht scheu, es ist davon aber Abstand genommen worden.
— 14. März. (Telegr. der Hessischen Morgenztg.) Der Kaiser ist unwohl. Se. Majestät hat die Nacht nicht gut verbracht.
Amtlicher Th eil.
Bekanntmachung.
Der Bauer Franz Huhn in Ulmbach beabsichtigt auf dein in der Gemarkung Ulmbach, am Wege nach Uerzell gelegen Grundstücke, Nr. 260/159, einen Kalkofen zu errichten,
Ich bringe dieses Vorhaben zur öffentlichen Kenntniß mit der Aufforderung, etwaige Einwendungen binnen 14 Tagen nach Ausgabe dieses Blattes bei mir schriftlich in 2 Exemplaren oder zu Protokoll anzubringen, und mit der Verwarnung, daß nach Ablauf dieser Frist Einwendungen in dem Verfahren nicht mehr angebracht werden können.
Zeichnung und Beschreibung der Anlage können während der Dienststundeu im Büreau des Kreisaus- schusses eingesehen werden.
Gleichzeitig wird zur mündlichen Erörterung der rechtzeitig erhobenen Einwendungen Termin auf I
den 13. April d. I., Vormittags 11 Uhr, i im Bureau des Kreis-Ausschusses mit der Eröffnung anberaumt, daß im Falle des Ausbleibens des Unternehmers oder der Widersprechenden gleichwohl mit der Erörterung der Einwendungen vorgegangen werden wird.
Schlüchtern, den 12. März 1868.
Der Vorsitzende des Kreis-Ausschusses : Roth.
Bekanntmachung.
Den Herren Bürgermeistern werden in den nächsten Tagen Reglements über die im Kreise Schlüchtern zu errichtende Kreisviehversicherung zugehen.
Die Reglements sind zu vcrtheileu und durch Aus- legen in öffentlichen Lokalen und in ortsüblicher Weise in der Gemeinde bekannt zu machen.
Wegen der nach § 4 des Reglements in den einzelnen Gemeinden zu ernennenden Ortsvertreter veranlasse ich die Herren Bürgermeister, dazu geeignete und bereite Persönlichkeiten mir bis zum 1. April d. J. in Vorschlag zu bringen.
Schlüchtern, den 14. März 1888.
Namens des Kreisausschusses.
Der Vorsitzende: Roth.
Die Frühjahrs-Controlversammlungen dieses Jahres finden im Kreise Schlüchtern wie folgt statt:
1. in Heubach.
Montag, den 16. April er., Vormittags
11 Uhr für die Ortschaften: Gundhelm, Heudach, Oberkalbach, Oberzell und Unrichshauseu.
2. in Sterbfritz.
Montag, den 16. April er., Nachmittags 4 Uhr für die Ortschaften: Altengronau, Breunings, Jossa, Mottgers, Neuengronau, Sannerz, Schwarzenfels, Sterbfritz, Weichersbach, Weiperz und Zünlersbach.
3. in Schlüchtern.
Dienstag, den 17. April er., Vormittags 7 /-Uhr |ür die Ortschaften: Ahlersvach, Breitenbach, Elm, Herolz, Hinkelhof, Hohcnzell, Hütten, Klosterhöft, Niederzell, Ramholz, Schlüchtern und Vollmerz.
4. in Steinau.
Dienstag, den 17. April er., Nachmittags 3 Uhr für die Ortschaften: Ahl, Belliugs, Eckararoth, Kerbersdorf, Marborn, Marjoß, RomSthal, Salmünster, Seidenroth, Soden, Steinau und Wahlert.
5. in Ulmbach.
Mittwoch, den 18. April er., Vormittags
11 Uhr für die Ortschaften: Hintersteinau, Klesberg, Kressenbach, Neustall, Rabenstein, Rebsdors, Reinhards, Sarrod, Ulmbach, Uerzell und Wallroth.
Zur Gestellung zu den Control-Versammlungen sind verpflichtet:
1. sämmtliche Reservisten einschließlich Jäger Classe A vom Jahrgang 1875 aufwärts;
2. sämmtliche Wehrleute I. Aufgebots, mit Ausnahme derjenigen, welche bei der diesjährigen Herbst- controlversammlung zur Landwehr II. Aufgebots übertreten; das sind
a) diejenigen Mannschaften, welche in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1876 in den Militärdienst eingetreten sind,
b) die in der Zeit vom 1. April bis 30. September 1878 in den Militärdienst eingestellten Mannschaften der Kavallerie, welche sich freiwillig zu einer vierjährigen activen Dienstzeit verpflichtet haben und dieser Verpflichtung nachgekommen sind;
Z. die zur Disposition der Truppenteile Beurlaubten;
4. die vor beendeter Dienstzeit, wegen Dienstuntaug- lichkeit, oder aus Reklamation und anderer Gründe zur Disposition der Ersatzbehörden entlassenen Mannschaften; :
5. die als Halbinvalide anerkannten Mannschaften;
6. Ersatz-Reservisten geübte, welche in den Jahren 1880 bis einschließlich 1887 und Nicht geübte, welche in den Jahren 1883 bis einschließlich 1887 zur Ersatz-Reserve ausgehoben worden sind. Reservisten und Wehrleute haben die Militärpäffe, geübte Ersatz - Reservisten die Ersatz-Reserve-Pässe und nicht geübte Ersatz-Reservisten die Ersatz-Reserve-Scheine mit zur Stelle zu bringen.
Die Herren Bürgermeister und Gutsvorsteher des Kreises werden hiermit ergebenft ersucht, die vorstehend aufgeführten Termine den in ihren Gemeinden sich auf- haltenden Mannschaften der vorgenannten Kategorien in geeigneter Weise mitzutheilen und dieselben anzuweisen, sich an den betreffenden Tagen und Orten pünktlich zu gestellen.
Wer wegen Amtsverrichtungen oder wegen uuauf- schiebbaren Reisen in geschäftlichen -Angelegenheiten der Control-Versammlung nicht beiwohnen kann, hat-so zeitig unter Vorlage einer Bescheinigung der vorgesetzten Behörde beziehungsweise Ortsbehörde bei dem Bezirksfeldwebel um Befreiung einzukommen, daß ihm noch vordem Termine der Control-Versammlung die bezügliche Entscheidung des Königlichen Bezirks-Commandös Fulda mitgeteilt werden kann.
Wer durch Krankheit an dem Erscheinen verhindert ist, hat sich bis spätestens am Controlplatz durch ein Physikats, ärztliches oder ein sonstiges obrigkeitlich beglaubigtes Attest zu entschuldigen.
Fehlende oder nicht pünktlich erscheinende Mannschaften werden mit Arrest bestraft.
Schlüchtern, den 2. März 1888.
Königliche 3. Landwehr-Compagnie.
J. A.:
Breidenstein, Bezirksfeldwebel.