Bekanntmachung.
Sämmtliche im Kreise Schlächtern wohnenden Mannschaften der Reserve — Jahrgang 1887—1880 — und Landwehr I. Aufgebots— Jahrgang 1879—1875 — aller Waffengattungen haben bis zum 20. März d. J. 'ihre Militärpässe zum Vorheften der in Folge des Gesetzes vom 11. Februar 1888, betreffend Aenderung der Wehrpflicht, gültigen Bestimmungen an den Bezirksfeldwebel in Schlüchtern einzusenden.
Diejenigen Mannschaften, welche ihre Pässe persönlich abgeden, erhalten dieselben sofort und diejenigen, welche ihre Pässe einsenden, bei den Cvntroiversammlnngen wieder zurück.
• Fulda, den 1. März 1888.
Sledel.
Major z. D. und Commandeur des Landwehr - Battaillons - Bezirks Fulda.
Bekanntmachung.
Nach § 12 des Gesetzes, betreffend Aenderung der Wehrpflicht vom 11. Februar 1888 haben bei den diesjährigen Frühjahrscontrolversammlungc» — Ort und Zeit wird noch bekannt gemacht werden — auch sämmtliche Ersatzreservisten iter Klasse — geübte und nicht geübte — zu erscheinen.
Die Herren Orts- und Gutsvorsteher werden er- gebenst ersucht, den Betheiligte» schon jetzt hiervon Kenntniß z« geben.
Fulda, 26. Februar 1888.
Königliches Bezirks-Commando.
Siedet
Major z. D. und Commandeur des
Landwehr-Battaillons-Bezirks Fulda.
Deutsches Reich.
Berlin, 7. März. Das Befinden des Kaisers hab sich leider seit gestern ungünstiger gestaltet. Das alte Nierenleiden des Monarchen hat eine ungünstige Einwirkung auf den Krästezustand bewirkt, welche zu Besorgnissen Anlaß giebt. Prinz Wilhelm und der Reichskanzler Fürst Bismarck begaben sich Vormittags in das Palais; auch der Kriegsminister verfügte sich dorthin, nach dem er im Reichstage die Vorlage wegen der strategischen Bahnen kurz vertreten hatte. Die Thatsache, daß der Kaiser derartige Anfälle schon wiederholt glücklich über- standen hat, hält noch die Hoffnung aufrecht, daß es auch diesmal der Fall sein werde.
— 7. März. Die Abendblätter, darunter die Kreuz- zeitung", konsiatirten, daß die ernsteste Besorgniß wegen des Bcsindeu des Kaisers fortdauert. Prinz Wilhelm weilt noch im Palais, ebenso Moltke, der, wie auch der Kriegsminister, aus dem Reichstag geholt wurde. Der Kronprinz wurde vom Zustande des Kaisers telegraphisch benachrichtigt. Die Ausregung im Reichstag und zum Theil auch schon in der Bevölkerung ist sehr groß. Einen Schwächeanfall von ähnlicher Dauer hat der Kaiser noch nie gehabt.
— 8. März, Mittags. Die Nacht ist unruhig ver- lanfen. Die Aerzte konferirten wiederholt. Der Schlafzustand ist unverändert. Die R ü ck k e h r des Krön - Prinzen wird offiziös a » g e k ü n d i g t.
— 8. März, 1 Uhr 30 Mm. Nachm. Bis 1 Uhr waren alle Mittel gegen den Schlaf erfolglos. Einem Gerücht zufolge ist der Minister rath seit Nacht in Permanenz, ebenso soll dem Prinzen Wilhelm laut letztwilliger Kabincts-Verfügung die R e g e n t s ch a f t übertragen worden sein. Das Theater ist heute geschlossen.
Sau Remo, 8. März, 2 Uhr 30 Min. Nachmitt. Der Kronprinz verbrachte eine gute Nacht. Der Kronprinz kehrt nach Deutschland zurück mit Zw ischen - Station in Wiesbaden.
Ghrmnitz, 5. März. Wenn man von den zahlreichen Typhuserkrauknngen abficht, die im deutsch-französischen Kriege so viele Opfer forderten, dürfte die gegenwärtig in Chemnitz herrschende Typhusseuche die größte sei«, die wir in den letzten Jahrzehnten in Deutschland hatten. Die Krankenziffer steigt von Tag zu Tag und wenn sie Ende voriger und Anfang dieser Woche noch zwischen acht- bis neunhundert schwankte, so beträgt sie heute bereits etwa laufend. Es fehlt über den neuesten Stand, der Krankheit an einer genauen amtlichen Statistik, da seitens der Aerzte die neuesten Fälle noch nicht gemeldet sind. Es ist ein Beweis für die unheimlich schnelle Verbreitung der Krankheit, daß an einem Tage 39 und an einem anderen selbst 60 neue Typhnssälle festgestellt werden konnten. Die Krankheit hat sich jetzt über die ganze Stadt verbreitet; es giebt kaum eine Straße, wo sie nicht ausgetreten ist, nur weit vom städtische» Mittelpunkt an der Grenze des Weichbildes sind die spärlich stehenden, oft unterbrochenen Häuserreihen bis jetzt verschont geblieben. Auch verschiedene Aerzte sind in Aus- Übung ihres Berufs von der Seuche ergriffen. Das : hier verfügbare Pfleger- und Pflegerinnenpersonal reicht schon längst bei weitem nicht mehr aus und man hat alle irgend erreichbaren Hülfskräfte von auswärts herangezogen, aber auch jetzt ist dem Nothstände nach dieser Nichruug noch nicht abgeholfen. Manche Familien ziehen ■ v vsr, die Stadt zu »erlassen. Auch das hiesige Militär ift/w^ vor «tagen Tagen, der größere Theil
nach Zaithai» abgerückt ist, jetzt vollständig dorthin verlegt; nur ein kleines Wachkommando blieb zurück. Die meisten Kranken zählen zwischen 20 und 30 Jahren, dann sind am stärksten die Altersstufen zwischen 14 und 20 Jahren in Mitleidenschaft gezogen; bei Personen, die das 40. Jahr zurücklegten, trat bis jetzt der Typhus selten auf.
Tages-Greignizse.
— (Jagdkalender). Im Monat März dürfen nur Arier-, Birk- und Fasanenhühne, sowie Enten, Trappen, Schnepfen und wilde Schwäne geschossen werden. Die Monate März und April sind die einzigen, in welchen auch Rehböcke Schonzeit haben.
Hanau. Strafkammersitzung vom 5. März. Ein Bauer von Hütten lind dessen Sohn waren am 4. September auf einem Kriegervereinsfest in Gundhelm und trafen dort mit einem Anverwandten, einem Schwiegersohn des älteren Angeklagten, zusammen. Schon im Laufe des Nachmittags war der Schwiegervater mit seinem Schwiegersohn Familienverhältnisse halber in Streit gekommen, der des Abends in Thätlichkeiten über« ging. Ein Weichensteller von Elm wollte die Streitenden auseinander bringen, erhielt aber als Lohn dafür von dem älteren Angeklagten 2 Messerstiche von vorn, von dein jüngeren 2 Messerstiche in den Rücken und war in Folge dessen 22 Tage lang arbeitsunfähig. Der Gerichtshof verurtheilte beide Angeklagte wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung auf Grund des § 223a zu je 4 Monaten Gefängniß und in die Kosten.
Fulda, 5. März. Zur Gründung einer Genossen- schafts-Schlächterei in Fulda ist auf Veranlassung des betreibenden landwirthschaftlichen Vereins ein Fachmann aus Darmstadt hierher berufen. Der Zweck dieser neuen Einrichtung, welche anderwärts meistens nur von kurzer Dauer war, ist lediglich, den Landwirth beim Verlaufe seines Viehes vor Uebervorthcilmig zu schützen, denn es sind der Falle nicht wenige, wo dem Bauern ein sog. „Gai", kaum % des reellen Werthes durch Händler und Metzger geboten wurden. Letztere sind in Folge dessen auch wenig von dem neuen Unternehmen erbaut. — Hinsichtlich des Platzes, auf welchen die Stadt den ihr regierungsseitig aufgegebenen Bau eines neuen Schlachthauses ausführen soll, (1. September 1889 ist zur Vollendung desselben äußerster Termin) haben die Metzger der unteren Stadt gegen ihre Berufsgenossen der oberen Stadt Front gemacht, weil dabei ihre Interessen auseinandergehen. Das Schlachthans soll auf
Mill. M. zu stehen kommen, die Stadt baut es, weil sie muß, und die Metzger müssen es bezahlen. Mit den Wasserverhältnissen dürfte es noch seine Schwierigkeiten haben, da bekanntlich eine Ministerial-Verorönulig es verbietet, durch Schlachthäuser gelaufene Wasser direkt wieder in den Fluß zu leiten, sondern die Anbringung von Klärbecken vorschreibt. Gegen letztere protestiren aber wieder die Fischerei-Vereine, weil dadurch den Fischen viel Nahrung entzogen wird. Alles braucht seine Zeit und nach dieser wird anch diese ebenso verworrene, als brennende Angelegenheit geordnet werden können. — Hier soll demnächst eine neue freisinnige Zeitung erscheinen. (H. M.)
Cassel. Zwanzig Lokomotiven für Italien hat die Italienische Regierung der Fabrik von Henschel u. Sohn für die Italienische Bkittelmeerbahn in Auftrag gegeben, nachdem die Fabrik erst vor Kurzem eine größere Anzahl Lokomotiven für die Bahn von Mafsauah nach Dogali (Abyssinien) abgeliefert hat. Der Auftrag ist wiederum ein Beweis von der Leistungsfähigkeit der deutsche» Industrie und dem Ruf, welchen dieselbe im Auslande genießt. Die Lokomotiven kommen das Stück 15—16 000 Thaler zu stehen, sodaß der Auftrag insgesammt einen Werth von rund 1 000 000 Mark reprä- jentirt — Erfreulich ist ferner der Umstand, daß die ausgedehnten Werke der Fabrik vollauf Beschäftigung haben und die Aufträge sich so mehren, daß die tägliche Arbeitszeit hat um 2 Stunden verlängert werden müssen und jetzt von,6 Uhr früh bis 7 Uhr Abends dauert. Im Ganzen sind, wie wir erfahren, noch annähernd 150 Lokomotiven fertig zu stellen.
— Eine Licbesiragödie in der Backstube hat sich heute Vormittag hier abgespielt. Bei dem Bäckermeister Ohle in der Kastenalsgaffe war der Lehrling Merkel seit einigen Jahren in Stellung. Der 19 jährige Bursche hatte sich nun in das neu eingetretene Dienstmädchen „sterblich verliebt." Dasselbe ist ein recht hübsches, schmuckes Mädchen von 16 Jahren, während der Bäckerlehrling weniger mit körperlichen Reizen ausgestattet war. Deßhalb, und weil das Mädchen die Augen mit besonderer Vorliebe auf das „zweierlei Tuch" geworfen, wollte die Schönheit vom Lande von dem Bäcker nichts wissen. Dieser beschloß, seinem Leben ein Ende zu machen. Nachdem er heute Früh beim Frühstück von seiner 'Ungebetenen abermals in nicht mist zuverstehender Form einen Korb erhalten, war sein Entschluß gefaßt. Er ging hin, versetzte seinen Sonntags- rod und kaufte sich für den Erlös ein Terzerol. Dann kehrte er in das Haus des Meisters zurück und jagte sich in der Backstube vor den Augen der Geliebten eine Kugel durch den Kopf, sodaß er sofort todt niederstürzte.
Ottilie, das Hreenkind ober:
Das Geheimniß der schönen Müllerin.
Zcitgnnalke aus Dem Ende des 16. Jadehundeels von Gustav Kiene» st. (Fortsetzung).
Betrete nun der liebe Leser mit uns die unseligen Räume des Feulethurmes. Von diesem Thurme galt so recht, was Dante vom Eingänge in die Hölle singt: „Wer hier eintritt, laß' alle Hoffnung sinken!"
In diesem Thurme, dessen Grundbau noch aus der Zeit der Römeransiedelungen am £ed)ströme stammte, welcher schon seit unvordenklichen Tagen immer schon als Criminal-Verließ benutzt worden war, hier lagen nun mehr als vierzig der Hexerei bezichtigte Weiber, zumeist aus der Gegend von Schwabsoyen. Die Weiber, die wir Eingangs dieser Erzählung mit ihren Namen aussuhrten, waren selbstverständlich die Hauptbelasteten. Hörwarth hatte geflissentlich die Kerblin und die Denn- Hauserin zusammen belassen und es befanden sich nun die beiden Weiber mit einer Anzahl der, anderen Verhafteten in einem gemeinsamen Verließe des Erdgeschosses. Im ersten Stockwerke aber, wo mehrere Kammern waren, hatte Hörwarth die anderen unglücklichen Weiber ein- sperren lassen. Ottilie befand sich — auf Hörwarth's Befehl — ganz allein eingesperrt in einer etwas wohnlicheren Zelle. Auch für seine ehemalige Buhlin, die schöne Müllerin, ließ Hörwarth ein abgesondertes Gemach bereit halten, welches sie aufnehmen sollte.
Und nun, in der ersten Nacht schon, da die unglücklichen Weiber gefangen eingebracht worden waren, ohne daß sich auch nur eine Hand für sie im Volke geregt hätte, begann, wie wir hörten, durch die damalige schreckliche und blutige Gesetzgebung autorisirt, die Justizpflege des bayerischen „Pfleggerichts zu Schongau." Allem Anscheine nach wollte sie nicht hinter den Leistungen Anderer, besonders der norddeutschen Ketzergerichte, zu- rüdbleiben, welche um jene Zeit, nur einige Jahre früher, an die dreißigtausend solch' armer Geschöpfe dem Schasiot ■ und dem Scheiterhaufen überliefert hatten. Hörwarth hatte nun frohe Anssichi, seine Privatsincwzcn anfzn- befferu. Waren doch nach dem Rechte der Zeit die Be- sitzthümer aller der Hexerei schuldig Befundenen dem Fiskus und den sportelsüchtigen Gerichtspersonen verfallen und mußten selbst die Anverwandten dieser Unglücklichen „mit ihrem letzte« Kreuzer" für Urtheilskosteu auftommen.
Im Feulethurm befand sich im Erdgeschosse, welches mehr ein Ketterraum zu nennen war, das Verhörszimmer und dieß war zugleich die Folterkammer. Gegenwärtig bietet sich uns in diesem Raume ein schauerliches Bild. Das düstere Gemach ist durch eine von der Decke herab- ; hängende Oellampe matt erleuchtet. Auf eine Art Tribüne, welche durch ein eisernes Gitter von dem übrigen Raume getrennt ist, steht eine lange Tafel; an . ihr sitzen Pfleger Hörwarth, ihm zur rechten der Pfarrer, ■ zur Linken der Amtssekretarius, Letzterer bereits emsig ■ mit dem Schreiben beschäftigt. Talglichter ferner verbreiten hinlängliche Helle soioohl über den Gerichtstisch ‘ als den vorderen Raum der niederen Halle. Im Hinter- * gründe liegen, hängen und stehen die Folterwerkzeuge, deren die Justiz sich zu bediene» pflegte. Vor der Tribüne aber sehen wir — eine weibliche Jammergestalt, auf ihren Gesichtszügen den Ausdruck gräßlichen Körper- und Scelenschmerzes, in bet Haltung Gebrochenheit und todcsähulichc Schwäche. Das ist die Gestalt von Ottiliens Mutter, der unglücklichen Kerblin. Neben ihr und soeben dieses Weib, welches uinzusinken scheint, in einen Sessel ! drückend, steht die kolossale Figur des Henkers und Peinigers, Meister Görg.
Wir hören des Pflegers hohle Stimme: „Schreib' Er jetzt, Sekretare!" Und Posselt brächte zu Papier, was der gestrenge Richter dictirte.
„Jnmassen der Mquisitin Kerblin burd) zuvor geschehene geistliche Ermahumig noch zu keinem — jedoch durch mehrmalige Anlegung der Danmschraubeu sofort zu einem völligen Geständnisse gebracht worden — so hat Pfleggericht nunmehr die sämmtlichen bis anjetzo - zugestandenen crimina der Kerblin zu deren Akten nieder gelegt, wie folgt:
1) In einer großen Armuth nach des Mannes Tode sei ihr einstmals der böse Feind in ihrer Haus- ! tenne erschienen, fürgebend, er wäre einer von ihren Freunden, er wolle ihr helfen und genug geben. Schwarz angethan sei er ihr erschienen, mit einer Feder auf dem ■ Hirte und einem Bockfuße.
2) Sie habe von ihm fünf Gnlden in lauter Batzen erhalten, aber dieselben feien über eine kurze Zeit zu Scherben ge vordon.
3) Sie habe ihm, als er um Ostern darauf wieder zu ihr kam, die Hand gegeben, dann er mit feinet kalten Hand die ihrige gedrückt: er hab' ihr gesagt, er wollt' ihr gewiß helfen, aber ihre Scel' sollt' im Leben und Absterben sein (diaboli) werden. Dann hab' sie Gott dem Herrn und seiner lieben Mutter Jungfrau Maria wiberfagen müssen; das rene sie jetzt von Herzen.
4) Dieser Teufel, ihr leiblicher Liebhaber und \ Buhl' hab', der Satanas geheißen, ihr in einem hölzernen Büchsel eine schwarze Salbe gegeben, das Vieh des Lenzendguern damit zu verderben.