augctricbc» und erzielten dieselben von dem Käufer Gebrüder Heidelberger aus Burgsinn die höchsten Preise. — Eine bittere Ueberraschung erfuhr ein Händler, indem ihm sein augetriebener Ochse von dem hiesigen Gerichtsvollzieher am Platz gepfändet und dem Gast- wirth Jean Leipold hier zur Fütterung übergeben wurde.
— Für den am 1. Februar von Elm nach Frankfurt a. M. versetzten Stationsvorsteher Herrn Krüger ist nunmehr Herr Stationsvorsteher Lohmann von Allen- dorf nach Elm versetzt. Weiter hören wir, daß unser Stationsvorsteher Herr Gassert vom 16. d. Mts. nach Obernjesa und dafür Herr Slativnsvorsteher Gallhöfer von Eichenberg hierher' versetzt wird. Ueberhaupt sollen demnächst im Eisenbahndienste eine große Anzahl Beamte versetzt werden.
— (Für Landwirthe.) Es ist jetzt an der Zeit darauf aufmerksam zu machen, daß nunmehr das Abraupen der Bäume, Hecken w. geschehen muß und daß die Raupen- nester durch Verbrennen zu vertilgen sind. Kein Feld- oder Gartenbesitzer sollte es verabsäumen, diese äußerst wichtige Arbeit frühzeitig und gründlich vorzunehmen: abgesehen von der gesetzlichen Strafe schädigt sich her Nachlässige bedeutend durch das Unterlassen derselben: jetzt ist das Vernichten der Ungezieferbrut mit leichter Mühe auszuführen, während dies nach dem Ausschlupfen aus den Eiern unendlich schwierig und oft gar nicht ausführbar ist; die vom Laub kahl gefressenen Pflanzen in Feld und Garten legen oft genug dafür trauriges Zeugniß ab.
Mottgers, 2. März. Nachdem die Dyphtheritis in Sterbfritz bereits so zahlreiche Opfer gefordert hat, tritt dieselbe jetzt auch in den Gemeinden Mottgers und Schwarzenfels auf und hat auch in diesen Orten schon ihre Opfer gefordert. — Unbegreiflich erscheint hierbei, das; bei der Leichenfeier der an der gedachten Krankheit verstorbenen Kinder in Mottgers die Schulkinder noch zugezogen werden und daß der gemeinschaftliche Consir- mauoen-Unterricht daselbst, in welchem die betreffenden Kinder aus Weichersbach und Schwarzenfels zu erscheinen haben und in dem selbst die Geschwister dyphtheritisch erkrankter Kinder zugelassen werden, noch nicht eingestellt worden ist.
Fliedeu. In dem Concursverfahren über den Nachlaß des Leinenhändlers Valentin H a p p von hier soll eine Abschlags-Vertheilung erfolgen. Die verfügbare Masse beträgt 400 Mk. Nach dem auf der Gerichtsschreiberei des Königl. Amtsgerichts zu Neuhof uieder- gelegten Verzeichnisse sind hierbei 1973 Mark 13 Pfg. picht bevorrechtigte Forderungen zu berücksichtigen.
Fplda, 1. März. Ein Jagdpächter zu Bronuzell hat am Nachmittag des 27. v. Mts. eine Fischotter geschossen, welche ihrem Elemente, dem Wasser, untreu geworden war und ihren Wohnsitz in dem Wäldchen nächst dem Dorfe Ziegel aufgeschlagen hatte. Für Jagdliebhaber gewiß nicht ohne Interesse.
Ha»a«. Schöffengerichtssitzung vom 29. Februar. Ein Dienstmädchen von Hin: erst ein an hatte am 4. December einem Arbeiter der Pulverfabrik, bei dem sie wohnte, ein Opernglas im Werthe von 8 Mark ent= wendet und dasselbe anderweitig veräußert; für diesen Diebstahl werden ihr heute 14 Tage Gefängniß zuer- kannt.
—- Strafkammersitzung vom 1. März. Eine für Wirthe, Flaschenbierhändler :c. wichtige Sache sollte zum Austrag kommen, nämlich die Frage „müssen die mit Patenloerschluß versehenen Bierflaschen geaicht sein ober sind solche als festverschlossene Flaschen im Sinne des § 6 des Geseßes vom 20 Juli 1881 zu betrachten." Angeklagt ist ein Wirth von Marborn, welchem von einem Bierbrauer das Bier in Flaschen geliefert wird. Das Landrathsamt hatte beim Amtsgericht in Steinau Strafantrag gestellt, das Amtsgericht hatte aber die Sache fallen lassen. Später verfügte aber das hiesige Landgericht, daß die Sache in Steinau verhandelt werden sollte und erkannte das dortige Schöffengericht auf 1 Mk. Geldstrafe subs. 1 Tag Haft und Beschlagnahme der 40 vorgefundenen ungenierten Flasche» mit Patent- verschluß. Gegen dieses Urtheil wurde Berufung eingelegt und iu der Verhandlung von Seiten der Vertheidigung beftritten, daß Flaschen mit Palentverschluß nicht festverstopfte seien unter Berufung auf die Motive, welche bei Berathung des Gesetzes im Reichstage erörtert wurden; die Staatsanwaltschaft war der Ansicht, daß die Art der Verstopfung die am leichtesten zu öffnende fei und deshalb die Flaschen geaicht sein müßten. Nach 1 ständiger Berathung beschloß das Berufungs gericht, das Urtheil in 8 Tagen zu verkündigen und inzwischen die Motive zu dem Gesetz, wie sie in den damaligen Rcichstagsverhändluugeu zum Ausdruck kamen, herbei zu schaffen.
HerSfeld und Melsunge«: Die hiesigen Tuchfabriken haben sich im verflossenen Jahre eines recht lebhaften Geschäftsganges und erneuten Aufschwungs zu erfreuen gehabt. Die Aufträge waren namentlich in den Monaten März und April so umfangreich, daß die Fabrikanten genöthigt waren, ihre maschinellen Einrichtungen zu erweitern und das Arbriterpcrfonal zu vermehre». Auch für das Jahr 1888 sind die Aussichten für die Tuchfabrikation durchaus günstig, da. noch große Aufträge , der Ausführung harren , außerden aber noch weitere ymsangreichere Bestellungen zu erwarten sind.
Ausland.
Rom, 1. März. Seit gestern Abend wiederholen sich hier stürmische Arbeiterunruhen; mehrere Bäckerläden wurden von arbeitslosen Maurern, deren Zahl 10,000 erreichte, geplündert; gestern floß bei Zusammenstößen mit der Polizei und Militär mehrmals Blut.
Ottilie, das Hreenkind oder:
Das Geheimniß der schönen Müllerin.
Zkitgtmäldt Es dem Ende des 16. Jahrhunderts von Gustav Kienast.
(Fortsetzung).
Die Pforte schloß sich. Langsam zerstreute sich die Menge. Abend ward's und sommerlau kam die Nacht. Ihr dunkler Sternenmantel senkte sich über die Stadt uns den schauerlichen Thurm an der öden Stadtmauer und im Sausen der Nachtlüfte, welche im Gesträuche hart am „Feulethurm" wehten, hätte man das unterdrückte Jammern der armen Geschöpfe vernehmen können, welche der Thurm barg, — aber auch den hie und da aus tiefster Brust kommenden Klageton des armen Burkhard, welcher heimlich Dem Zuge nachgefolgt war, in der Stadt sich zu dem edlen Cooperator Firmus Oberhofer geschlichen hatte und nun, getrieben von Gram und Liebe, des Nachts noch um den schrecklichen Ort Herumirrte, welcher die unschuldige Ottilie umschloß. Oberhofer hatte den tiefbetrübten Jünglirig zum Pfarrer Erasmus geführt. Dieser, obwohl für sich überzeugt, daß viele Der gefangenen Weiber „Hexen" seien, trat nunmehr, da der fürchterliche Prozeß selbst begonnen hatte, seinem Amtsgenossen nicht mehr hindernd entgegen und erlaubte dem edlen, jungen Priester, Burkhard Trost und Hilfe zu spenden. Als Burkhard mit her Beredsamkeit der Ueberzeugung und der liebevollsten Treue gegen Ottilie aber nun auch dem Psarrherrn betheuert hatte, daß das Mädchen unschuldig sei und daß lediglich der Haß der Müllerin sie verderben wolle, da fühlte sich der strenge Pfarrer vollends gerührt und ermächtigte seinen wackeren Amtsbruder, daß er sofort einen Brief an den Geheimrath des Herzogs Wilhelm, den edlen Dr. Lagus, in München, schrieb. Lagus war ein Collega des strengen Donnöperger, aber ein aufgeklärter, milder Mann und zugleich der Oheim Firmus Oberhofers. Der Geheimrath stammte aus Altenstadt bei Schongan, wie Kaplans Familie. Dieser edle Mann ward in dem Briefe gebeten, den Herzog Wilhelm, den Landesherr» zu bestimmen, daß er Donnspcrgers und Hörwarths Vorgehen gegen die eingezogene» ■ Weiber überwacyen lasse, indem sonst völlig Unschuldige zu Grunde gehen könnten. Burkhard solle in München dem Rathe noch genauere Eröffnungen machen, namentlich über Ottilie, die völlig schuldlos Eingckerkcrte.
Der Bauernsohn, das Schreiben des edlen Priesters wohlverwahrt auf seiner Brust, beschloß, noch vor der Thürsperre zu Schongau, die Stadt zu verlassen und nach München zu eilen. Er verabschiedete sich von den beiden Priestern und schritt an den einsamsten Waldgängen der Stadtmauer im bereits eingebrochenem Zwielichte dahin. Aber siehe, der Weg, welchen er einschlagen wollte, um ungesehen aus der Stadt zu kommen, führte ihn — am „Feulethurm" noch einmal vorüber. Und das Wehgefühl zog ihn an das alte Gemäuer, als müsse er einen Ton der unglücklichen Geliebten erlauschen. Und er schlich ganz hart an die Mauer des Thurmes! Ein vergittertes Fenster war gut eine Elle noch über seinem Haupte; er hoffte aber aus dieser Ocsinung Laute vernehmen zu können. Dichtes Buschwerk versteckte ihn hier; die Nacht ward immer bunfler — längst mußte das Sperren der Stadtthore eingetreten sein; Burkhard dachte nicht mehr daran. Aus dem Inneren des Thurmes scholl manchmal ein Wehelaut — es war hier ein entsetzlicher Aufenthalt für den Liebenden! Da stand er nun und ibnnte nicht helfen! Nicht, daß er jetzt voraussichtlich die ganze Nacht hier zubringen mußte, ängstigte ihn: die Nacht war warm und, da er ja frei war, mochte er leicht schon des frühen Morgens, wenn die Stadtthore wieder offen waren, die Straße nach München gewinnen. Aber die Qual, Ottilie mitten unter bett Weibern zu wissen, die wenigstens zu beträchtlicher Anzahl, denn doch wahrhaft eines bösartigen Gemüthes waren; sie, die Reine, derselben Verbrechen angeklagt zu sehen, wie jene alten, schlimmen, zänkischen Gesellinnen— das lastete mit furchtbarem Drucke auf seiner Seele!
Und so kauerte er schon stundenlang int Buschwerke am Thurme. Er konnte nicht mehr weinen. Glühend- trocken bräunte der Schmerz in ihm. Lethargie brach über sein Gemüth herein und mit ihr ein oberflächlicher, vor Dem Flattern irgend eines VögelchenS im Neste, zusammeuzuckender Schlummer. —^ — ■
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o. Geistige und leibliche Torturen.
Mitternacht war längst vorüber. Burkhards durch Leid betäubtet Sinn hatte sich, im Schlummer hindämmernd, . beinahe gänzlich der unheimvollen Wirklichkeit entrückt; der Jüngling ruhte auf dem Grasboden, welcher unmittelbar am Thurmpförtchen sich auSbreitete. Dichtes Gesträuch verbarg den Liegenden.
D« dünkte es Burkhard mit Einemmase, als ver
nehme er nahende Tritte. Er richtet sich empor, uud, wohl wissend, daß er hier mit seiner Anwesenheit Verdacht erregen mußte, hielt er sich so stille und unbeweglich als er nur konnte. Er hatte sich nicht getauscht. ES kamen Leute zum Gefängnisse heran. Nun unterschied er auch die Stimmen der Redenden.
Hart vor dem Eingänge in den Thurm angelaugt, hielten die Ankommenden ihre Schritte ein und es be* - gann nun ein Gespräch, als dessen Theilnehmer Burkhard unschwer den Pfleger Hörwarth, den Pfarrer E'ras- mus Wetter — und den Henker Görg erkannte! Zuweilen näselte eine vierte Stimme Dünn und häßlich Drein — die des Pflegeschreibers Posselt.
„Das Gesetz befiehlt die Befragung der Unholdinnen schon unmittelbar nach deren Gefangensktzung, damit unter dem Eindrücke ves ersten Schreckens die Wahrheit leichter an's Licht komme. Darum habe ich auch Sie, Hochwürden, »och in dieser Nacht auffordern müssen, mit uns Gcrichtspersoneü zu den Weibern zu gehen, um durch geistlichen Zuspruch eine erkleckliche Frucht zu erzielen. Vielleicht kann bet einigen die Folter erspart werden. Ich werde nun mit der Dennhauserin, der Kerbtin und der Ottilie, der Tochter besagter Kerbli«, den Anfang machen. Ich habe den Herrn Hofrath Donns- perger, der nach München zurück auf dem Wege ist, durch einen expressen, reitenden Boten soeben in Kenntniß gesetzt, daß der Prozeß bereits anfängt, sehr interessant zu werden, habe Donnsperger in meinem ihm nachgeschickten Schreiben eingelaoen, wieder hierher zu- rückzukehren; und unter seinen eigenen Augen den Fortgang der Dinge zu leiten, soll mir eine Ehrensache sein, besonders auf die unzweifelhafte Mitschuld der Mar- garetha Millerin! Ihre Verhaftung werden wir unverzüglich anordnen, wenn die Aussagen der Kerblin und der Dennhauserin nur einigermaßen gravirlich sind." So sprach Hörwarth, der Pfleger.
„Zweifle nicht, daß sie es sind," näselte SektretariuS Posselt. „Haben doch, hi hi hi, der Herr Pfleger noch keine Absonderung der Weiber im Feulethurme auge- ordnet; find also alle wie Kraut und Rüben noch durcheinander und da hat. natürlich die Kerbtin mit ihrer Freundin, die Dennhauserin, schon jetzt ganz genugsam gegen die Müllerin konspiriren können, hi hi!"
„Wie schwer lastet mein Amt jetzt aus mir! O Gott, so muß ich denn diesen entsetzlichen Thurm betreten!" sprach nun wehmüthig der Pfarrer. „O grauenvolles Laster der Hexerei! Möge es meinem Eisct gelingen, die sündhaften Weiber zu bekehre» und sie würdig der Gnade Gottes und der Milde der hohen Obrigkeit zu machen! Jusonders aber bitte ich für Ottilien, Die mir unschuldig zu sein scheint!"
„Ich weiß noch nicht, ob die Müllerin von Schwab- soyen ober der Kerblin Tochter > alle Strenge des Gesetzes zu fühlen haben wird," sprach lebhaft der Pfleger. „Ich werde ganz uiiparthciisch sein. ^- Sekretare, sperre Er die Thurmthüre auf, gehe Er hinein zum Prosoßen! Der ist von unserer Ankunft unterrichtet. Es wird das Verhörszimmer beleuchtet sein und die nöthigen Requisiten zum examen rigorosum*) für den Meister Görz werden schon ‘ant Orte des Verhöres sich befinden. Leg' Er, Pösselt, das Protokollum auf; ich komme bald nach. Si^, Pfarrer, bitt' ich, vor allen den beiden Jnhaftirten, Kerblin und Dennhauserin, welche Ihnen der Sekretarius soll jetzt gleich durch den Profoßen vorführen lassen, mit geistlicher Milde zuzusprechen, daß sie die Wahrheit sagen. Nun gehen Sie Beide voran," so drängte der Pfleger; und der Sekretair, welcher den Thurmschlüssel hatte, sperrte auf und trat in den Thurm. Ein trüdeS Lampenlicht hing von der Decke eines kleinen Vorplatzes, welchen nun Sctretair, Pfarrer und bald «ach diese« Pfleger und Meister Görg betraten.
Während Posselt mit dem Pfarrer auf eine Thür im Innern zuschritt, welche zum Zimmer deS Thurm« profoßen führte und diese Thür sich öffnete, denn der Thurmwächter Hütte schon wahrgenommen, daß die „hohe Kommission" da sei, währenddem zog Pfleger Hörwarth noch den Henker heimlich zu sich und sprach: „Bei her Kerblin und der Dennhauserin, Meister Görg, wirft Du wohl nicht nach Teufelszeichen zu suchen branche«, und wenn auch im Laufe des Prozesses einmal dies nöthig sein sollte, nun, so habe ich keine Neigung nach diesen . . . , Aber," und Hörwarths Stimme schwoll von einer glühenden, inneren Erregung und der Pfleger zog den rohen Henker, wie um demselben das, was «r ihm sagen wollw, heimlich und doch so nachdrucksvoll als möglich sagen zu können, zurück unter die Pforte des Feulethurmes, in deren nächster Nähe Burkhard herangeschlichen, unterm Gebüsche kauerte und dem kein Wort des Pflegers entging „aber," fuhr Hörwarth fort, „Mann, Meister der peinlichen Frage!"', und ein heiseres Lachen scholl von den Lippen des Lüstlings, „bei der schönen, blonden Ottilie . . . braucht Niemand da- ■ bei zu sein als ich und Du! ha ha !" —
„Wohl, wohl, Herr Pfleger!" lachte hell auf Des bärenhafte, ungeleckte Mensch. „Wir wollen's schon ein- richten, daß das unschuldige Lamm — oder was es sonst ist, diese Ottilie — Euer Gnaden erlustire! Und — vielleicht, ehe dieser junge Körper auf Dem Feuer schmort--- —■* hier verklang die laute Stimme
*) „examen rignrMm* -M Jurt»^: peinlich* &Mh