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M 18. Samstag, der. 3. März 1888.
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A mtlicher Theil.
Bekanntmachung.
Nach § 12 des Gesetzes, betreffend Aenderung der Wehrpflicht vom 11. Februar 1888 haben bei den diesjährigen FrühjahrscontroUversammtuugen — Ort und Zeit wird noch bekannt gemacht werden — auch sämmtliche Ersatzreservisten Lter Klasse — geübte und nicht geübte — zu erscheinen.
Die Herren Orts- und Gutsvorsteher werden er- gebenst ersucht, denBetheiligten schon jetzt hiervon Kenntniß zu geben.
Fulda, 26. Februar 1888.
Königliches Bezirks-Commaudo.
Klcckel.
Major z. D. und Commandeur des
Laudwehr-Battaillons-Bezirks Fulda.
1037. Den Pferdezüchtern des hiesigen Kreises wirb hiermit bekannt gemacht, daß die Königlichen Beschäler, und zwar
1) ein Original-Belgier;
2) ein Hannover'sches Pferd am heutigen Tage im Gasthofc „Zum Löwen" dahier eingetroffen sind.
Schlüchtern,, den 28. Februar 1888.
Der Königliche Landrath: Roth.
I. N. 1251. Nachdem in letzterer Zeit einzelne Füll vorgekommen sind, daß Personen, welche die Deutsch Reichs- u. Staatsangehörigkeit nicht besitzen, Au^ahme« in die Rekrulirungsstammroüen gesund-n haben, sehe ich mich veranlaßt, die Herren Bürgermeister und GuiZvorsteher darauf aufmerkjani zu machen, daß derartige Personen unter keinen Umständen in die Mkrutirnngs-Stammrollen aufzunehmen sind. Etwaige zweifelhafte Fülle sind bei mir zur Sprache zu bringen.
' Schlächtern, den 24: Februar-1888.
Der Civil-Vorfitzendc der Ersatz-Kommission:
______ Roth, Königlicher Landrath.
Nr. 1302. Die über die aus 21 Stück bestehende Schafheerde des Metzgers Wilhelm Lotz zu Steinau verhängte Stallsperre wird hiermit aufgehoben.
Schlüchtern, den 27. Februar 1888.
Der Königliche Landrath: Roth.
Deutsches Reich.
Berlin, 27. Febr. Bon den beiden Antrügen, die das Centrum heute im Abgeordnetenhause eingebracht hat, erregt der auf die Volksschule bezügliche, obwohl er schon längere Zeit angekündigt war, doch erhebliches Aussehen. Man hat es dabei mit mehr als einer augenblicklichen Demonstration zu thun, vielmehr mit einem wohlüberlegten Programm für die Zukunft, das wohl bestimmt sein soll, des Kulturkampfes zweiten Theil zu Grunde zu legen.
— Herr Windthorst beantragt im preußischen Abge- ordnetenhause 1) den Ordensgesellschaften, welche vor dem Kulturkampf Corporationsrechte besessen, dieselben, wieder zu verleihen, sofern die Orden aufs Neue in Preußen zugelassen sind, 2) betreffs deS Religionsunterrichtes in den Volksschulen Folgendes: In, das Amt eines Bolksschullehrers dürfen nur Personen berufen werden, gegen welche die kirchliche Behörde in kirchlich- religiöser Beziehung keine Einwendung gemacht. Erfolgt die Einwendung nachträglich, darf der Lehrer zur Er- theilung deS Religionsunterrichtes nicht mehr zugelassen werden. Die kirchlichen Oberen sollen die Organe bestimmen, welche den Religionsunterricht in den Volks- schulen leiten, der ganze Religionsunterricht und seine Eintheilung soll überhaupt den weltlichen Behörden entnommen und auf die geistlichen Behörden übertragen werden.
— Dett Berlinern kommt in ihrer Sorge um den Kronprinzen die Wei,ßeFrau znr Hülfe. Sie hatten seither ordentlich Angst, daß sie sich im alten Königlichen Schloß zeigen könne, sie hat aber nicht den leisesten Versuch gemacht, und es würde ihr auch kaum zu rathen sein, man würde ihr zu Leibe gehen um jeden Preis und sie sehr übel behandeln, weil übler als den Mönch von Lehnin, den Unsinn- und Lügenpropheten, den man nur auslachl. Die Weiße Frau selbst lassen sich zwar viele dort nicht abstreiten und erzählen von ihr viele gruselige, aber auch drollige Geschichten. Im Jahr 1651 zeigte sie sich wieder einmal in den Gängen »r- Schlosses. Da beschloß Kurt von Burgsdorf, ein
Günstling des Großen Kurfürsten, sie sich näher anzu- sehen. Er versteckte sich in den Gängen, schritt auf sie beherzt zu, als sie sich zeigte, und rief ihr zu: „Du alte fakramentische Hexe, hast Du noch nicht genug Fürstenblut gesoffen? Willst Du noch mehr haben?" Er kam aber übel weg. Die Weiße Frau packte ihn am Kragen und warf ihn die Treppe hinunter, daß ihm die Rippen krachten. Der Kurfürst starb trotz der Weißen Frau noch lange nicht. Später zeigte sie sich unter dem Soldatenkönig Friedrich Wilhelm, dem Vater Friedrichs des Großen. Der König befahl strengstens, ihr zu Leib zu gehen; ein Soldat sah sie und gab Fersengeld, was ihm übel besam; ein anderer Soldat packte sie, und aus der Weißen Frau entpuppte sich ein Küchenjunge, der dann öffentlich ausgepeitscht wurde. Noch später spielte ein Soldat das Gespenst, wurde ebenfalls ausgepeitscht und in den Gewändern der Weißen Frau auf einem Esel durch die Straßen Berlins geführt.
Tages-Ereignisse.
Schlüchtern. Nächsten Dienstag, den 6. März, findet dahier der große Viehmarkt statt.
— Unsere Hausfrauen freuen sich sehr über einen beträchtlichen Abschlag der Kaffeepreise, da sie jetzt wieder ein Tüschen mehr trinken dürfen.
— (Ueberproduction an Lehrern für das höhere Schulwesen.) In den „Blättern für höheres Schulwesen" von Dr. O. Schulze in Naumberg wird angegeben, daß die Zahl der Probekandidaten von 230 im Vorjahre auf 327 im letzten Jahre gestiegen ist. „Demgegenüber stellt sich der Abgang an akademisch gebildeten Lehrern, hervorgerufen durch Tod, Pensionirung, Berufungen ins Ausland u. s. w. auf 159. Nimmt man diese Zahl als die Durchschnittssumme des jährlichen Abgangs an, so würden mindestens noch sechs bis sieben Jahre vergehen müssen, ehe die gegenwärtig mit der Absolvirung des Probejahres beschäftigten Philologen und Mathematiker nach dem natürlichen Laufe der Dinge auf Anstellung als ordentliche Lehrer oder auch nur als etatsmäßige Hilfslehrer rechnen dürften." Es kommt aber noch in Betracht, daß bei dem großen Angebot, wie die „Nordd. Allg. Ztg." ausführt, viele Anstalten, wie z. B. diejenigen der Stadt Berlin, nur solche Bewerber annehmen, welche ein Oberlehrerzcugniß aufweisen können, und daß diejenigen, welche Zeugnisse ersten Grades besitzen, in wesentlich kürzerer Frist zur Anstellung gelangen als alle übrigen. Die Zustände, so schreibt die „Nordd. Allg. Ztg.", scheinen sich „in einzelnen Kreisen des akademisch gebildeten Nachwuchses bereits zu einer solchen Unhaltbarkeit der Ueberproduction zugespitzt zu haben, daß es Zeit sein dürfte, die Verachtung der gewerblichen Thätigkeit, welche noch immer in bestimmten Kreisen gehegt wird, zum Besten des Fortkommens unserer männlichen Jugend abzulegen". — Die Ueberproduction an Philologen und die Verachtung der gewerblichen Thätigkeit ist eine natürliche Folge unseres verschrobenen Schulsystems mit seiner Bevorzugung der alten klassischen Sprachen und der Mißachtung desjenigen, was an praktischen Kenntnissen für Gebildete in unserem Zeitalter absolut erforderlich ist.
-— (Folgend eKönigl. Domänen i in Reg.- Bez. Kassel) kommen im nächsten Jahre znr Wieder- verpachtung: Blankenheim, Krs. Rotenburg, Fläche 115,08 ha, Jahrespacht 5141,82 ^ Gernerode, Krs. Eschwege, Fläche 172,57 ha, Jahrespacht 6875,90 ^ Johannesberg u. Nonnerod, Krs. Fulda, Fläche 332,93 ha, Jahrespacht 13679,15 ^ Rothwesten, Krs. Kassel, Fläche 271,98 ha, Jahrespacht 10297,10 ^ Wohra, Krs. Kirchhani, Fläche 111,21 t>«, Jahrespacht 3330,10 ,M Wolkersdorf, Krs. Frankeuberg, Fläche 234, 31 ha, Jahrespacht 5490,90 ^ H. M.
— Bezüglich der Schulgeldbefreiung für L e h r c r s ö h n e an höheren Lehranstalten hat der Kultusminister neuerdings bestimmt, daß die Entscheidung darüber, ob den dritten, dieselbe höhere Lehranstalt gleichzeitig besuchenden Brüdern, falls deren Eitern darum bitten, das Schulgeld zu erlassen sei, lediglich von der Bedürftigkeit und Würdigkeit des Betreffenden abhängig gemacht werde. Es soll indessen bei der Beurtheilung der Bedürftigkeit milde verfahren werden. Ueber die Gesuche von Lehrern um Schulgeldbefreiung für ihre Söhne hat künftighin das Lehrerkollegium der betreffenden Anstalt zu entscheiden. Die Entscheidung über die Bedürftigkeit des betreffenden Lehrers stehe dem Anstaltsdirektor allein
zu. Zu bemerken bleibt noch, daß sich diese Bestimmungen nur auf die staatlichen höheren Lehranstalten beziehen. H.M.
Fulda, 24. Febr. Gestern hat im Walde bei dem in einstündiger Entfernung von hier gelegenen Dorfe Engelhelms ein blutiges Rencoutre zwischen einem Holz- frevler und einem königlichen Forstschutzbeamten statt- gefunden. Der bereits bejahrte Tagelöhner K. von Engelhelms, Vater von 6 Kindern, welcher schon mehrfach die öffentliche Mildthätigkeit in Anspruch nehmen mußte, wurde von dem Förster H. überrascht, während er Aeste mittelst einer Axt von den Bäumen schlug. K. hatte die Annäherung des Försters nicht bemerkt, da er diesem den Rücken zukehrte. Auf den Anruf deS Beamten wandte er sich alsbald nach demselben um und zog mit der Axt zum Schlage gegen ihn aus. Förster H., welchem in dieser Situation keine Zeit zum Schießen blieb, schmetterte den Angreifer mit einem wuchtigen Kolbenhieb zu Boden, durch welchen Jener so schwere Verletzungen an der Schädeldecke erlitt, daß er nun hoffnungslos im hiesigen Landkrankenhause darnieder- liegt.
Hünfeld, 27. Febr. In einer zahlreich besuchten Versammlung von Landwirthen ist gestern die Errichtung der Molkerei-Genossenschaft Hünfeld beschlossen und folgender Vorstand einstimmig gewählt worden: Bernhard- Oberleimbachshof als Vorsitzender, Claus-Hünfeld als Stellvertreter des Vorsitzenden und Schriftführer und Goeb-Gruben als Beisitzer. Wie das „Krsbl." mittheilt, sind 750 Liter Milch täglich sofort fest gezeichnet worden. Die Wahl und der Erwerb eines geeigneten Bauplatzes wurde dem Vorstand übertragen. Ein hierauf gestellter Antrag, die Molkereigenossenschaft Fulda zu ersuchen, die hiesige Molkerei als Filiale zu übernehmen, wurde einstimmig angenommen und die Einleitung der hierzu nöthigen Schritte beschlossen.
Mittelbuchcn, 29. Februar. Abermals hat uns der unerbittliche Tod einen allgemein geachteten und beliebten Lehrer, Herrn Hitzeroth, nach kurzem Kranksein entrissen. Der Verblichene, gebürtig aus Waldkappel, wurde im Jahre 1872 von Bremen hierher versetzt und zwar auf seinen Wunsch, weil er wieder in seiner hessischen Heimath sein wollte. Seit dieser Zeit hat er hier als 2ter Lehrer in seinem Berufe unermüdlich und erfolgreich gewirkt, namentlich gelang es ihm, die Liebe und Anhänglichkeit seiner kleinen Schüler in seltenem Maße sich zu erwerben. In seinen Musestunden beschäftigte er sich viel mit Literatur und Musik, wie er denn auch ein ausgezeichneter Klavierspieler war. Das am Donnerstag stattfindende Begräbniß, an welchem sich die gesammte Gemeinde betheiligen wird, wird aufs Deutlichste darthun, in welch hohem Ansehen der Verstorbene hier gestanden. (H. Z.)
Caffel, 29. Febr. (Warnung.) Anfangs Februar d. J. brachten hiesige Zeitungen folgende Annonce: „Ein größeres Bankhaus giebt Kaufleuten, Fabrikanten und Handwerkern gegen Accepte laufenden Credit. Offerten mit Angabe von Referenzen unter G. 110 nehmen Haasenstein und Vogler, Caffel, entgegen." Hiesige Gewerbetreibende, welche sich in Folge dieser Annoncen um Darlehen an die angebene Adresse wandten, erhielten zunächst von einem angeblichen Bankgeschäft J. F. Koch, Rue Baudin 9 in Paris, ein gedrucktes Schreiben, welches die Bedingungen des zu gewährenden Credits und besonders die Bemerkung enthielt, daß Wechsel unter 1000 Mark nicht ausgestellt und diese nur gegen Vorausbezahlung von 3 Procent übersandt würden. Die Creditsucheuden erhielten dann nach Einsendung der 30 Mark von der Pariser Firma Wechsel über 1000 Mk. auf die Vereinsbank in Frankfurt a. M. zugesandt, welche von der Vereinsbank und mehreren hiesigen Bankgeschäften als völlig werthlos bezeichnet wurden. Auf diese Weise wurden die Creditsucheuden um die im Voraus eingezahlten 30 Mk. betrogen.
Bürget, 27.. Febr. Gestern Mittag wurde geschlossen, mit zwei Geusdarmen geführt, der Jakob Strahl aus Rumpenheim hier durchgeführt. Derselbe hat (es klingt fast unglaublich) zwischen hier und Rumpenheim auf bet Chaussee (Rumpenheimer Gemarkung), 26 junge Obst- bäumchen demolirt. Die er breiten konnte, brach er entzwei, bei denen, die ihm Widerstand leisteten, riß er die Kronen herunter und machte sie dadurch unfähig. Die Belohnung, die er für seine Heldenthat bekommen wird, wird ihm seine Sinne klären, wenn er überhaupt — fünf — hat.