Das „Grrtchen" seinerseits hatte auch in diesem Falle keinen Grund, dem „Faust" böse zu sein, und so entspann sich zwischen beiden Masken ein animirtes, neckisches Geptauder. Als unter solchen Tändeleien die zweite Morgenstunde herangekommen war, trat die Haus- frau flugs in die Mitte des Salons und rief es laut: „Ich bitte nun, meine verehrten Gäste, sich binnen fünf Minuten zu demaskiren." Nun sah man „Faust" das „Gretchen" in die Mitte des Saales führen und man hörte von seinen Lippen die Worte erschallen: „Ich bin Lord Richard H o v e und besitze ein Vermögen von zwei Millionen Franks. Wer du auch seist, Gretchen, wie du auch aussehen magst, ich bitte dich, mein Weib zu werden." — „Gretchen" legte die Hand in die rechte „Fausts", dann zog sie langsam die Maske vom Antlitz und man erkannte in ihr die reizende blonde deutsche Gouvernante der herzoglichen Hausfrau. Der Lord küßte seine Braut und in vier Wochen werden „Faust" und „Gretchen" ein Paar werden. — Wo sind die Romaudichter, die's besser können?
— Schweig, Bengel. Eine Episode, die einem jungen Ungarn auf einer Bahnfahrt an der Mosel begegnete, erzählt L. Hevesi im „Pester Llohd". Jauos war mit ein paar bekannten Damen im Koupee und unterhielt sie, indem er seinen „Witz" sprühen ließ. „Nun fahren wir schon eine halbe Stunde", sagte er, und haben die Mosel noch gar nicht zu Gesicht bekommen, rein als ob man sie auch auf Flaschen gezogen hätte." Eine Viertelstunde später: „Die Leute waren doch in früheren Zeiten sehr vergeßlich ; da stehen schon wieder ein paar Berge, auf die sie vergessen haben, Burgen zu bauen." Auch dieser ironische Ausfall gegen die guten Leute von Anno dazumal wurde nicht gewürdigt, und als er gar hinzufügte, die Franzosen hätten nur darum so viele Burgen in Deutschland zerstört, damit die Touristen mit deren Besteigung nicht allzu viel Zeit verlören, da gähnte sein Gegenüber und fragte: „Was ist denn das wieder für eine Station?" Diese müßige Frage hatte beinahe eine Katastrophe zur Folge. Der gefällige Genoß riß sein Fenster anf, neigte sich hinaus und rief dem Stationschef zu: „Wie heißt diese Station?" „Schweige" donnerte ihm dieser zu und betäubt von dieser Grobheit taumelte der Jüngling auf seinen Sitz zurück. Die Damen kämpften nur mit Mühe ein aufsteigendes Gelächter nieder. Die Station hieß aber wirklich Schweig. Etliche Stationen flogen vorüber, bis er sich an einer Haltestelle wieder ermannte nnd, als hätte er noch immer jenen groben Stationschef vor sich, in gereiztem Ton zum Fenster hinausfragte: „Wie heißt diese Station?" „Bengel!" schrie ihm der Stalionschef ins Gesicht. Das schaltende Gelächter, in welches die beiden Damen jetzt ausbrachen, ging ihm durch Mark und Bein. Wäre der Zug nicht in der nächsten Minute schon weitergefahren, so Hütte es wohl ein Unglück gesetzt. So mußte der Gekränkte, die Zähne aufeinander gebissen und die Fäuste in oen Taschen geballt, sitzen bleiben und Grimm und Gram stumm hinunterwürgen. Die Station aber hieß in der That Beugel. Jauos hat nach den Namen der weiteren Stationen bis Trier nicht gefragt.
— Telegrammstil. Der glückliche Vater eines Zwillingspärchens schickt seinem fernen Bruder folgende Depesche: „Ungemeine Freude — wir haben heute Zwillinge bekommen — später mehr."
— Rathschläge eines Lieutenants. Die „Temesvarer Zeitung" schreibt: In Offizierkreisen zirkuliert seit einigen Tagen die Abschrift eines Gedichtes, in welchem die Frage, aus welcher „Waffengattung" eine heirathslustige junge Dame, vorausgesetzt, daß sie die erforderliche Kaution hat, ihren Gatten wählen solle, in launiger Weise behandelt wird. Der Verfasser des Gedichts ist ein Lieutenant und die heiteren Verse verdienen es, auch zur Kenntniß nichtösterreichischer Leser gebracht zu werden. Das Gedicht lautet:
„Dragoner mit dem blanken Helme
Sind in der Liebe arge Schelme;
Mit Schnurrbart drehenden Husaren
Sind Mädchen immer schlecht gefahren,
Und erst die kecken Lanzenreiter
Liebäugeln nur und sonst nichts weiter.
Des Generalstabs Jngendfrische
Verraucht zu schnell beim Arbeitstische:
Der Kanonier, der Pulverkönig,
Der säuselt viel und küsset wenig;
Zu Pionieren und Genie,
O Mädchen, rathe ich Dir nie.
Mit Einem von der Intendanz
Ist in der Eh' kein guter Tanz!
Und nimmst Du einen Sanitäter,
Bereust Du's früher oder später.
Doch, Mädchen, wünscht Du Dir ein Leben,
Wie es kein schöneres kann geben,
Voll Liebeslust und Poesie,
Nimm einen von der Jnfant'rie!
Doch nicht etwa dem Lieutenant
Gieb Deine kleine, süße Hand;
O, halte Dich nur immer ferne
Von Allem, was der „Subalterne";
Nur mit dem Fußvolk-Kapitän
Kannst Du getrost durch's Leben geh'»!
Ihm beut sein Dienst, so Gage, als Zeit
Zu jeglicher Glückseligkeit,
Und hat „den Curs" er absolvirt,
So ist dein Glück assekurirt!
Mit Blitzesschnelle rückt er vor,
Kaum fünfzig Jahr' und schon Major!
Sechs weit're Jahre zieh'n ins Land,
Ist er schon Oberstlieutenant:
Und Du bist längst schon extra flores
Wird er erst Oberst ad honores!“
Nach Ost und West.
So wüthet nur in West und Ost,
Ihr Russen und Franzosen!
Wir halten rein das Schwert von Rost
Und pflanzen friedlich Rosen.
Nie soll uns euer Neid und Hohn
Und Kriegsgeschrei beirren;
Nicht schreckt uns euer wüstes Droh'n
Und prahlend Wasfenklirreu.
Ja, wüthet nur in Ost und West,
So viel es euch gelüstet!
Wir sind schon längst auf's Allerbest'
Gewappnet und gerüstet.
Zog noch so drohend jüngst heran
Die schwarze Wetterwolke,
Fürst Bismarck, Du hast's kund gethan
Dem ganzen deutschen Volke,
■■■■■BMMBMHK
Du hast's gesagt der ganzen Welt, Daß Jedermann es merke: „Auf Gott ist nns're Sach' gestellt < „Und auf des Volkes Stärke.
„Wir stehen furchtlos auf der Wacht, „Und wollt ihr Streit beginnen, „Dann kommen wir mit Riesenmacht „Und jagen euch von hinnen!"
— Der Igel alsWetterprophet. Erfahrene Landleute prophezeien keinen starken Nachwinter mehr, weil der sonst dem Winterschlaf huldigende, um diese Zeit tief in der Erde vergrabene Igel bereits wieder herumläuft und nach Würmern, Schnecken und Mäusen auf die Suche geht. Um die Mitte Oktober war dieser wetterkundige Borstenträger auch im Freien thätig, ebenfalls ein Anzeichen eine^ nicht anhaltend kalten Winters.
— Haben die Müller vor anderen gewerblichen Anlagen ein Vorrecht am Wasser? In einer Prozeßsache, in welcher ein Müller die Eigenthümer einer Zuckerfabrik verklagt hatte, weil diese oberhalb seiner Mühle eine Zuckerfabrik angelegt hatten und ihm durch Ableitung des Wassers zu ihren Fabrikzwecken, Anlegung eines Bassins rc. einen Wasserverlust von ca. Prozent zufügten, hat das Reichsgericht entschieden, daß zwar den Müllern als solchen kein Vorrecht in betreff der Benutzung des öffentlichen Flusses zustehe, indem der Fluß im Gemeingebrauch aller sei, daß aber in Kollisionsfällen eine der zuständigen Verwaltungsbehörde oder des angerufenen Gerichts einzu- treten habe. Wenn nun aber im Fluß zum Zweck eines außerordentlichen Gebrauchs mit obrigkeitlicher Genehmigung eine besondere Anlage hergestellt sei, so sei diese Anlage gegen eine Beeinträchtigung der Erreichung ihres Zweckes durch Errichtung neuer Anlagen zu schützen. Im Streitfall habe die ältere Anlage den öffentlich- rechtlichen Vorrang vor der jüngeren Anlage kraft vor- genommener „Prävention", soweit ein Nebeneinanderbestehen der beiderseitigen Gebrauchsausübung sich ohne eine wesentliche Beeinträchtigung des Zweckes der älteren Anlage nicht ermöglichen lasse. Wer auf die ihm von der zuständigen Obrigkeit ertheilte Erlaubniß, das Wasser zu benutzen, ein gewerbliches Unternehmen begründet habe, dürfte nicht der steten Gefahr ausgesetzt sein, daß ihm durch die spätere Errichtung einer anderen gewerblichen Anlage, welche ihm das Wasser des Flusses vorweg nehme, die Grundlagen seiner gewerblichen Existenz ruinirt werden können.
— Vom Wiener Schri ftstell erba ll. Herr beim Tanze: „Drücke ich Sie vielleicht zu sehr?" — Dame: „O bitte, hier herrscht ja heute Preßfreiheit."
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2-^3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird sich wahrscheinlich etwas erhöhen; der Himmel wird bedeckt sein; der Wind, welcher seit Tag aus Nord weht, hat sich etwas nach Ost gedreht, und alle Anzeichen sprechen dafür, daß er weiter drehen wird, wahrscheinlich sind heftige Süd- bis Westwinde zu erwarten, welche Niederschläge, erst Schnee, später Regen bringen werden.
Todes-Anzeige.
Jn tiefem Schmerze zeige ich das Hinscheiden meines lieben Sohnes, des Majors a. D.
Louis von Apoll
hierdurch an.
Um stille Theilnahme bittet
die tiefgebeugte Mutter.
Schlüchtern, den 28. Februar 1888.
Die Beerdigung findet Donnerstag, den 1. März er., 4'/- Uhr Nachmittags statt.
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