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beleumundeten Mannes aus Zrunern gesehen worden. Alle Umstände deuten darauf hin, daß es sich um einen Raubmord handelt. Der Erschlagene war ohne Waffen; er hieß Reinhard Meister und war aus Ratheuburg. Der muthmaßliche Thäter ist bereits verhaftet.

Homburg V. d. H. Im hiesigen Hirschpark sind über ein Dutzend Hirsche krepirt. Da nun Vergiftung nicht festgestellt werden konnte, so ist als Ursache des Todes der Thiere eine Epidemie anzunehmen.

Ausland.

Rom, 20. Febr. (Der Papst und der deutsche Kronprinz.) DemN. W. T." wird geschrieben: Als die beunruhigenden Berichte der letzten Tage über den Gesundheitszustand des deutschen Kronprinzen die Runde machten, frug einer der Cardinäle den Papst, ob dieser nicht geneigt wäre, für den Kranken, um dessen Wohl Millionen Menschen zittern, ein besonderes Gebet zu sprechen. Der Papst blickte lange und ernst nach dem Fragenden, dann sagte er:Seit Monaten erhob ich mich nicht von meinem Lager, begab ich mich nicht zur Ruhe, ohne für den Sohn meines erlauchten Freundes, des Kaisers Wilhelm, eine Fürbitte zu dem Allerhöchsten zu senden."

Ottilie, das Heeenkind oder: Das Geheimniß der schönen Müllerin.

Zeitgemälde au« dem Ende des 16. Jahrhunderts von Gustav Äirnast.

(Fortsetzung).

Der Alte ging aus der Stube. Widerwillig blieb der Bursche bei der jungen Frau. Diese aber senkte nun das Haupt. Eine Thräne schien zwischen den schwarzen Wimpern des Auges zu verquellen.

Ja, ja," hub sie langsam und seufzend an.Ich bin halt schwarz gemacht bei Dir. Aber mein Herz kann Alles verantworten, was ich gethan hab'. Ja, ich will es Dir gestehen, Burkhard, daß ich nit frei von Sund' bin, aber schlecht und liederlich bin ich nie gewesen. Denk' Dich in meine Lag'; ich, ein junges Weib, und der alte, kranke Mann! Ich war ein armes Dirndl, verstanden hab' ich's nit beim Heirathen, was es heißt, mit einem siechen Menschen zusammen zu leben; ich hab' gemeint, Geld und gutes Leben machen die ganze Glückseligkeit auf Erden aus, und nun, nach mehreren erbärmlich Angebrachten Jahren, kam mir der Pficg- schaftSadjunkt, der schöne Hörwarth vor zehn Jahren war's recht mit seiner heimlichen Galanterie! Er lernte mich kennen auf seinen Cvmmissionsreiscn, kam auch mit dem alten Pfleger Lidl öfters 'raus nach Schwab- sohen--nun und so ist es geschehen. Aber ge­liebt hab' ich den Hörwarth niemals." Hier stockte die Rede des Weibes, aber ihr Blick wurde immer glühender, ihre Brust hob und senkte sich in immer heftigerer Be­wegung, aus ihren Augen fielen heiße Thränen und trafen plötzlich die Hand Burkhards, welche die Wittwe leidenschaftlich ergriffen hätte. Burkhard fuhr heftig zurück, aber die Müllerin ließ die Hand nicht los, ihr schöner Leib rückte näher und näher und schmiegte sich heiß an den bebenden Jüngling, welcher in grenzenlose Verwirrung gerieth.

Du, Du kannst mich aufheben aus meiner Er­niedrigung, Burkhard! Dich lieb ich, Dir will ich folgen. Dir etu treues Weib sein, aller Vergangenheit will ich abschwören! Stoß mich nicht von Dir!" Und das thränenüberströmte Angesicht der schönen Sünderin sank auf die Schulter des Jünglings, der aus entsetzlicher Beklemmung sich nun mit riesiger Anstrengung aufraffte, die Wittwe gewaltsam von sich drängend.

Laß mich in Ruh', Müllerin!" rief er. Wir zwei sind nicht für einander bestimmt! Ich bleib' der Ottilie treu! Ich denk' mir mein Weib rein vor dem Tran-Altare wie ein Lamm und wenn's so arm ist wie eine Kirchenmaus! Ich kann, ich will mit Dir nichts z« schaffen haben!"

So sprichst Du mein Todcsurtheil," entgegnete tonlos die Wittwe. Der Jüngling aber entgegnete: Brauchst Dich nit so zu grämen. 'S giebt schon noch Männer, die die schöne Wittib, wenn sie in Zukunft wirklich gut thun will, nehmen werden. Muß es denn ich sein? Bin schon gebunden! Gute Freund' wollen wir bleiben, Müllerin; schau, darauf gieb mir die Hand !" Und mitleidig, wie es beim Gemüthe des treuherzigen Menschen nicht anders sein konnte, reichte Burkhard dem Weibe die Hand hin. Die Müllerin erwiderte nichts mehr; ihr Gesicht blieb abgewendet. Aber mechanisch streckte sie die Rechte entgegen, welcher dieselbe ergriff und herzlich fchüttelte. Mit der linken, in ihrer Rock­tasche verborgenen Hand suchte heimlich die Wittwe nach ihrem Talisman, dem von der Kerblin erhaltenen Zaubertranke. Was konnte ihr noch helfen, wenn nicht dieser? Und heute heimlich davon Gebrauch zu machen, hatte sie ihn zu sich gesteckt.

Sinn kehrte der alte Lenzenbauer zurück. Er brächte Schreibzeug und Papier. Eine Magd folgte ihm, welche Weinflaschen, Gläser und Backwerk trug, Alles auf den Tisch stellte und sich wieder entfernte.

Sc," begann der Vater Burkhard's.Da bring' ich das Papier und will gleich die Sach' aufsetzen. Oder

geh' Du Her, Burkhard, und schreib', was wir auS- machen. Und Du, schöne Müllerin, mach' Dich d'ran und füll' die Gläser und und trink'! Wenn wir fertig sind mit dem Geschreibsel, dann stoßen wir an aus unser Geschäft und unsere ewige Freundschaft!"

Und listig der Wittwe zublinzelnd, denn er ge­dachte sobald als möglich beim feurigen Weine seine alte Lieblingsidee: Burkhard's Verbindung mit der reichen Wittwe zu kultiviren, rückte der Lenzenbauer Weinflaschen, Gläser und Gebäck vor die Frau hin, nöthigte dem Sohne die Feder in die Hand unb legte Papier aus den Tisch. Der Sohn folgte denn auch dem väterlichen Wunsche. An dem langen Tischbrette kam Burkhard durch des Alten Arrangement zufällig gerade so zu sitzen, daß der Jüngling, Schreibzeug und Papier vor sich, wenn er aufblickte, durch das Fenster hinaus anf die Dorfstraße und Felder sehen mußte, während die Ge­stalt der Müllerin und ihrHantiren mitFlaschen undGlüsern ihm gerade so wenig sichtbar war, als dem Alten, der, die Hände auf dem Rücken und über die Verkanfs- stipulationeu nachsinnend, halblaut vor sich hinsprechend, in der Stube hin und her ging. Die schöne Müllerin frohlockte innerlich, daß es ihr nun leicht gelingen mußte, dem geliebten, spröden Jünglinge den Zanberlrank vei- zubringen. Um aber ja nur eine kräftige Wirkung zu erzielen, beschloß sie, eine tüchtige Portion in den Wein laufen zu lassen, welchen sie in's Glas, das sie für den Jüngling bestimmte, zu gießen beabsichtigte. Die von der Kerblin empfangene Flüssigkeit sah nach dem Ab­kochen ganz dem rothen Weine, der aufgetragen war, ähnlich. Daß die Tinktur süß wie Wein schmeckte, da­von hatte sich die schöne Wittwe noch in ihrem eigenen Hause überzeugt, indem sie ein wenig die Lippen an die Flüssigkeit brächte.

Während nun der Alte die Punkte des Kaufver­trages mit ihr, der Käuferin, noch eingehend besprach, wobei sie zeitgewinnende Einwürfe machte, um Wein­gläser und Gebäck zu ordnen und im rechten Augenblicke unbemerkt von dem Zauberfläschchen in's Glas Burk­hard's gießen zu können, lag dieser über das zu be­schreibende Papier gebeugt und blickte trüb in die Gegend hinaus. Nun hieß ihn der Alte mit dem Schreiben beginnen und mechanisch gehorchte der Sohn.

Jetzt hoffte die Müllerin den rechten Moment ge­kommen. Aber schon waren die Gläser bereit, schon in den für sie und für den Alten bestimmten der Wein bis an den Rand gegossen, während in dem für Burk­hard bereit gehaltenen noch ein beträchtlicher Raum für den beabsichtigten Beiguß an Zaubertrank übrig gelassen war, da kamen der vorsichtigen Trankmischerin wieder Bedenken. Ob nun der Wein keine Trübung, keine äußerliche Veränderung erleiden würde, welche den Jüng- ling stutzig machen könnte ? Ob es nicht besser sei, eine andere Gelegenheit, etwa ein von ihr zu veranstaltendes Mahl, herbeizuführen? Doch siegte die feurige Begierde, den Jüngling so schleunig als möglich an sich zu fesseln. Und schon entkorkte sie heimlich das Fläschchen, schon brächte sie die Mündung desselben an den Rand des Weinglases da geschah etwas Unvermuthetes. . Mit einem Schrei fuhr Burkhard empor, stieß mit Arme, ohne daß ers merkte, Weinflaschen und Gläser um und starrte mit entsetzensvollen Blicken hinaus auf die Ge­markung mid die nahe Heerstraße. Die Müllerin aber korkte hastig ihr Fläschchen zu und sah unmuthig auch hinaus. Da kam ein Haufen Leute und man sah voran Ottilie und ihre Mutter. Beide an den Händen zusammcngcfesselt, einen rohen bewaffneten Knecht' hinter ihnen, welcher den die Frauen aneinander bindenden Strick hielt.

Näher und näher wälzte sich der Zug. Und nun sahen Burkhard, sein Vater und die schöne Müllerin, welche kaum ihre Schadenfreude verbergen konnte, daß hinter den Gefangenen der Henker Görg von Schon- gan schritt, daß Bewaffnete einem Wagen Platz machten, der hinter der drängenden Menschenmenge fuhr und worin Freiherr Hörwarth und Sekretarius Posselt saßen.

Wie auf die scheußliche Ausgeburt eines wahn­sinnigen Traumes starrte der Jüngling auf die immer näher kommende Gruppe. Und als nun dicht vor dem Lenzenbauernhofe die Bewaffneten mit den beiden Frauen Halt machten, als, die Bauernleute zurückdrängend, die Bewaffneten den Wagen in den Hofraum fahren ließen, hinter dem Wagen aber nur noch den beiden Gefangenen und dem Henker Görg freien Eintritt in den Hof ge­statteten, als nun Ottilie und ihre Mutter über die Schwelle des Hauses geführt wurden und mit Hörwarth, SekretariuS Posselt und bem Henker Görg in die Stube schritten, da rang sich Burkhard von dem ihn zu­rückhaltenden Vater loch stürzte wie wahnsinnig auf die gebundenen Frauen zu und versuchte den Strick, welcher sie fesselte, zu zerreißen.

Halt!" donnerte ihm der Pfleger entgegen,willst D» mit dem Kerker Bekanntschaft machen? Im Namen seiner Durchlaucht befehle ich Dir Ruhe und Gehorsam! Wir haben begonnen, das Unwesen der Hexerei anszu- rotten. Gefangen sind heute Nacht fast alle die ver­brecherischen Weiber und bereits im Gewahrsam zu Schon- gau untergebracht. Die Kerblin aber nahmen wir zu­letzt aus in ihrem Neste am Forchenbühel und da dringende Anzeichen vorhanden, daß Ottilie, der Kerblin Tochter, auch eine Hexe ist, so hoben wir jetzt die junge

draußen am Felde auch auf. Lenzenbauer führe uns in Stall und Hof herum, damit wir Angesichts Deiner Magd Ottilie sogleich konstatiren können, was von bet Hexerei avisier zu verspüren ist. Und Du, bethörter, junger Mensch, halte Dich ruhig. Die Gerechtigkeit waltet ihres Amtes und läßt ihrer nicht spotten. Danke Du vielmehr Gott, daß endlich der Zauber gebrochen wird, der Dich schon lange umschnüret! Wir haben sie, wir haben sie, die maleficas! Wir halten auch diese junge, verlockende Teufelin fest! Burkhard, Sohn des Lenzenbauers, Du wirst noch diese Stunde preisen, wenn Du einsiehst, daß der höllische Feind Dich ver­derben wollte!" So sprach der Pfleger.

Oh," schrie in namenlosem Schmerze der Jüngling, ein schuldloses Lamm habt Ihr gefangen ! Kein Engel ist reiner als diese arme Magd!"

Ja, ja!" wimmerte nun die alte Kerblin,un­schuldiger ist Niemand als die Ottilie! O laßt wenig­stens das arme Kind frei, gnädiger Herr Pfleger! O weh, o weh, wir arme Haschertein, wie wird's uns gehen! O schöne Müllerin, ich weiß, Du giltst viel beim gnädigen Herrn Pfleger, bitt doch für uns!" Und die Alte warf sich mitten in der Stube vor der Müllerin nieder.

Aber die schöne Müllerin hatte ganz etwas anderes im Sinne, als für die Kerblin und Ottilie zu bitten. Durch die böse Seele des Weibes zuckte ein höllischer Gedanke der Rache. Leider vergaß sie ihrer eigenen Sicherheit dabei; indeß wer wollte sie angreifen? Wer wollte beweisen, daß sie, die reiche, unabhäugsge Wittwe, mit den Hexen Gemeinschaft hatte? Und war sie nicht unter allen Umständen des Beistandes Hörwarth's gewiß den sie, noch dürfen wir's nicht verrathen, wie und weshalb ohne daß er's ahnte, in sein Ver­derben stürzen konnte, sobald er etwa auf das ihrige sann? Sie fürchtete nichts für sich; darum schritt sie daran, mit frechem Wagnisse, Angesichts des Weibes, mit dem sie noch vor kurzer Zeit sich zu höllischem Werk verbündet hatte, Angesichts der Kerblin, die wider sie aussagen konnte und mußte, schritt sie daran, deren Kind, Ottilie zu verderben. Auf diese richtete sie nun den falten Blick.

Schönes Kind!" hub sie höhnisch an,wie komm' ich dazu, für Dich und Deine alte Mutter, die Hexe, ein Fürwort einzulegen? Sag' einmal, kannst Du leugnen, daß ich vor einer Stund' ungefähr mit Dir auf der Mahd draußen beisammen war, daß ich Dich warnte, dem Burkhard nachznstellen und ihn zu behexen und daß Du mich schnippisch angelassen hast? Jsl's nicht so, Dir»'? Nun, und als Du Dich nmdrehtest, fiel Dir was Glänzendes aus dem Mieder, Du merktest eS aber nicht und ich Hob's auf und nahm's zu mir da, dies kleine Fläschlein! Herr Pfleger, ich sag' die Wahrheit! Wenn dies kein Zaubertränklein ist, will ich nicht selig werden! Die alte Kerblin wird's halt ihrer Tochter für den Burkhard fadricirt haben! Ich hab' dem Lenzenbauer noch nichts davon gesagt, aber zum Pflege­amt, hab' ich mir vorgenommen, noch heut' das Ding zu tragen!"

Und mit der Miene der reinsten Unschuld reichte die schöne Müllerin jenes Fläschlein dem Pfleger, welches sie selbst noch vor wenigen Augenblicken hatte an Burk­hard erproben wollen.

O, Du grundschlechtes, falsches Weib!" kreischte nun die alte Kerblin.So also willst Du uns ver­derben? Und bist nicht Du dabei gewesen mit der Dennhauserin und hast just diesen Trank bei mir um schweres Geld gekauft?"

Das lügst Du!" rief die schöne Müllerin.Nichts hab' ich mit Unholdinnen gemein! Du willst Dem Kind retten und mich verderben! Ihr Alle seid eine Höllen­brut, die der verdienten Strafe nicht enrgeht!"

Pfleger Hörwarth lächelte eigenthümlich. Er sprach, entrüstet dem Anscheine nach:Wer kann die schöne, reiche Müllerin auch nur mit dem leisesten Makel be­lasten? Ihr Kerblischen, ihr Hexenbrut, ihr verderbt euch selbst! Fort in's Gefängniß! Die Folter wird euch die Wahrheit schon austreiben! Schöne Frau," wandte er sich zur Wittwe, seiner heimlichen BuhliN, fürchte nichts. Thurmhoch stehst Du über all' ben Verleumdungen! Was auch die Unholdinnen aussagen mögen, Dir schadet's nicht."

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

Fan st und Gretchen. Die Geigen sind loch das junge Volk drängt in die Tanzsäle und lechzt selbst nach dem Surrogat der Hausbälle; da ist eS Zeit, von Fällen zu erzül,len, wo liebende Herzen sich 'gefunden und aus schmachtenden Jungfrauen glückliche' Bräute geworden man muß davon erzählen, damit die junge» Mädchen sehen, daß, so Unwahrscheinlich das klingt, doch hin und wieder noch geheirathet wird. Zu diesen Tröstungen der Religion der Liebe kommt uns ein hoffnungsreiches Beispiel aus Paris wie gerufen. Dort fand vor einigen Tagen ein aristokratisches Maskenfest statt, auf welchem unter andern Masken auch einFaust" und völlig unabhängig von diesem einGretchen" mit echten blonden Zöpfen sich einfand. DerFaust" wollte seinem Kostüm Ehre machen und befaßte sich darum angtlegeptlich damit, demGretchen" den Hof zu machen«-