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stärkste« Glasscheiben, weint er den Einsteig durch diese vorzieht, und betritt tollkühn die den Schlafzimmern engbegrenzten Nebenräume und sogar die Schlafgemächer selbst. In einem speciellen Falle ist er zu einem Fenster des ersten Stockwerks an dem Blitzableiter Hin- aufgeklettert; bei einem der letzten Diebstähle hat er eine gewöhnliche Stange als Kletterwerkzeug benutzt.

Dabei ist der Dieb hierorts nur einmal gehört, aber noch niemals gesehen worden. In Folge dieser ver schiedenartigen technischen Fertigkeiten ist es überaus schwierig, einen richtigen Schluß nach der Richtung hin zu ziehen, ob der Dieb von Profession Schreiner, Schlosser, Glaser, Mechaniker oder Gold- und Silber- arbeiter ist. Dahingegen glaubt man allen Grund zu haben, annehmeu 31t müssen, daß der gemeingefährliche Verbrecher, der schwerlich in hiesiger Stadt selbst domi- cirt sein dürfte, sein Domicil in einer der Frankfurt benachbarten Städte oder Ortschaften hat, dort vielleicht als einfacher Privatmann, Professionist oder kleiner Geschäftsmann ganz unverdächtig lebt, nur behufs Ver- üdung der qu. Diebstähle hier zureist, einer nächst be- legenen Bahnstation zu Fuß mit seinem Raube zuwandert, das gestohlene Silber selber einschmilzt und unter dem erborgten Namen einer bekannten Firma oder unter dein Deckmantel eines selbstbetriebenen oder singirten ehrlichen Gewerbes da oder dort verschleißt. Diese Annahme wird namentlich dadurch bestärkt, daß eine dieser Dieb­stähle verdächtige Person niemals auf den hiesigen Bahn­höfen ungehalten worden ist, daß es ferner ungeachtet wiederholter Requisitionen an die Polizei-Behörden der größeren und Großstädte bisher nicht gelungen ist, einen notorischen Verbrecher zu eruircu, der die sämmtlichen Dirdstähle hier verübt haben könnte, und weil endlich auch in letzter Zeit in einigen Nachbarstädten gleichartige Embruchs-Diebstähle ausgeführt worden sind.

Um nun Nichts unversucht zu lassen, was zur Hab- Haftwerdung des qn. Verbrechers beitragen könnte, stellt

man au alle Polizei-Behörden insbesondere der benach­barten, aber auch der ferner gelegenen Orte das ebenso ergebene wie dringende Ersuchen, durch die unterstellten Organe nach der Richtung hin die sorgfältigsten Recherchen anstelle« zu lassen, ob nicht unter den vielen allerorts wohnhaften Gold und Silber verarbeitenden, beziehungs­weise mit einem bezüglichen Einschmelz, Ankauf und Verschleiß sich befassenden oder sonst welchen Personen: Individuen existiren dürsten, welche bei den hiesigen Silderdiebstühlen in Betracht kommen könnten; nament­lich bittet man auch auf Lohndiener, ehemalige Bedienten und Gießer von Grobmetallen, sowie auf notorische nnb im Verdacht der Hehlerei stehende Personen ein ver­schärftes Augenmerk richten lassen zu wollen und auch den kleinstenBahustation. ein besonderesAugenmerk znznwendcn.

Ein hier eruirtes Signalement des Einbrechers zu geben, ist man leider außer Stande. Wohl aber ver­fehlt man nicht darauf hinzuweisen. daß die in den verschiedenen Polizei-Blättern bereits ausgeschriebenen, zuletzt am 9. Januar in Seligenstadt, am 13. Januar in Homburg v. d. H., und am 15. Januar er. in Worms verübten Silberdiebstähle ganz zweifellos auf den nämlidjeit, auch diesseits in Betracht kommenden Thäter zurückzuführen sind. Dieser in Worms gesehene aber resultatlos verfolgte Einbrecher wird beschrieben als ein Mann in den 20er Jahren, untermittelgroß, mit dunklem Schnurrbärlchen und dunkler Kleidung". Nach Blutspuren bei dem Einbrüche in Worms zu urtheilen, dürfte er sich damals an der Hand verletzt haben. Eine besondere Bedeutung dürste diesem Umstand übrigens nicht zuzuschreiben sein, weil der Thäter nach dem Dieb stahl in Worms bereits drei neue Diebstähle und zwar die beiden letzten in ber Nacht vom 10. zum 11. und in der Nacht vom 17. auf 18. ds. Mts. in hiesiger Stadt ausgeführt hat. Hier ist nur bet» schiedenrmale constatirt worden, daß der Einbrecher, was dem vorgegebenen Signalement entspricht, kleine Füße hat.

Zum Schluß noch bittend, daß auch den größere«, mit bem Ankauf von auch schon eingeschmelztem Silber sich befassenden Scheideanstalten rc., wie besonders der norddeutschen Affinerie in Hamburg, Gebrüder Gutmorm in Berlin, B. Rößler u. Co. in Berlin, Kömgl. Münze in München, Firma Schmitz in Ehrenfeld, sowie allen größeren und kleineren, reellen Silber- und Gvldwaaren- Fabriken Kenntniß von diesem Arrsschreiben gegeben werde, werden die Daten angeführt, an welchen die hiesigen Silderdiebstähle ftattgefunbeu haben.

Diese sind im Jahre

1885:

1886;

1887: 1888:

6. März

16. Januar

11. Februar 11. Fedruur

4. Juni

2. Februar

26. März 18. Februar.

4. Septbr.

U. März

29. März

'4. Dezbr.

33. März

27. August

3. April

22. September

3. April

11. December

22. April

24. April

28. April

7. Mai

16. December.

15. Mai

29. Mai

10. Juni

14. Juli

15. Juli

25. November

27. November.

Um schleunige Mittheilung eines sich ergebenen Resultats, bezw. um Angabe auch der dürftigsten An- Haltspuntte, welche irgendwie geeignet erscheinen, zu Ermittelung des Thäters führen zu sännen, wird ganz ergebend ersucht.

Fraukfu rt a. M., den 18. Februar 1888.

Kömgl. Polizei-Präsidium.

Deutsches Reich.

Frei bürg, 23. Febr., Prinz Ludwig von Baden ist streben, gegen 6 Uhr Morgens, gestorben. Das Fieber hatte so zugenommen, daß der Prinz in den letzten Tagen 6 Mal, in der letzten Nacht 3 Mal gebadet werden mußte. Die großherzoglichen Eltern treffen heute Vormittag 10 Uhr hier ein. Die Todesnachricht trifft sie unterwegs, Die Kammer in Karlsruhe wurde sofort vertagt.

Tages-Ereignisse.

Echlüchtern, 23. Febr. Gestern Abend fand dahier im Gasthaus zumHessischen Hof" die angekündigte Versammlung zwecks Gründung einer Spar- und Spiel- Rasse statt. Nachdem über die vorgelegten Statuten grundsätzliche Einigung erzielt war, schritt man alsbald zur Constituirung des Vereins; zwanzig der Anwesenden erklärten ihren Beitritt und wählten den aus drei Mit­gliedern und drei Stellvertretern derselben bestehenden Vorstand. Im klebrigen wird aus das belügt. Inserat in der heutigen Nr. unseres Blattes verwiesen.

22. Febr. Die diesjährige EntlafsungSprüfung in dem hiesigen Königlichen Schullehrer - Seminar ist aus den 18. September d. J. und die folgenden Tage angesetzt.

Schlächtern. Von den Bestimmungen für die Mann­schaften des Beurlaubtenstandes, welche im Anschluß an das neue Wehrgesetz aufgestellt worden, sind naturgemäß diejenigen, welche sich auf die Uebungen beziehen, für das betheiligte Publikum in erster Linie von Interesse und es mag deshalb in Kürze das Wichtigste aus diesen Bestimmungen hier folgen: Jeder Reservist ist zur Theilnahme an 2 Uebungen bis zur Dauer von je 8 Wochen verpflichtet. Die Mannschaften der Landwehr ersten Aufgebots (ausschließlich der Kavallerie, welche zu Uebungen im Frieden nicht einberufen wird), können zweimal auf 8 bis 14 Tage zu Hebungen unberufen werden. Mannschaften der Landwehr zweiten AufgebolL werden im Frieden zu Uebungen nicht herangezogen. Die Ersatzreservisten sind im Frieden zu 3 Uebungen verpflichtet, von denen die erste 10 Wochen, die zweite 6 Wochen, die dritte 4 Wochen dauert. Die Heran­ziehung zur 1. Hebung erfolgt in der Regel innerhalb eines Jahres vom Tage der Ueberweifung zur Ersatz­reserve- Den Ersatzreservisten, welche zur 1. Uebung einberufen werden, wird, von besonderen Ausnahme- fällen abgesehen, der Gestellungstag bis zum 15. Juli des betr. Kalenderjahres bekannt gemacht. Tritt während der Ableistung einer Uebung durch eigenes Verschulden oder im eigenen Interesse des klebenden eine Unter» brechung ein, so kommt die Zeit der Letzteren auf die Ucbungszeit nicht in Anrechnung. Denjenigen Ersatz- reservisten, welche im Besitze des Berechtigungs­scheins zum einjährig-freiwilligen Dienst sind, oder die entsprechende wissenschaftliche Befähigung durch Schul- zengnisse nachzuweisen vermögen, steht, wenn sie sich während ihrer Dienstzeit (1. Uebung) selbst verpflegen, bekleiden und ausrüsten, für die 1. Hebung unter den­jenigen Truppentheilen die Wahl frei, welchen für das betreffende Jahr dir Ausbildung der Ersatzreservisten Übertragen ist.

Steinen. Dem Förster Zentner wurde das goldene Ehrenporttüpüe verliehen.

Seligenstadt, 20 Febr. Man schreibt denN. H. V.": Einige Herren aus Hanau wollten gestern Abend den um 8 Uhr hier abgehenden Schnellzug zur Rückreise benutzen, verursachten aber auf dem Bahnhofsperron einen solchen Lärm, daß sich der Stationsdiener veranlaßt sah, die lustigen Herren zu größerer Ruhe aufzufordern. Einer der Herren beantwortete diese Aufforderung mit wuchtigen Stockschlägen, die er dem dienstthuenden Be­amten applicirtc. Der Unfug wurde so stark, daß unsere Ortspolizei requrirt werden mußte. Doch bevor dieselbe eintreffen konnte, waren die Herren mit dem Schnell­zuge entschwunden. Zum Glücke konnten ihre Namen mühelos feftgeftellt werden, weil sie dieselben am Nach­mittag in das bekannteLöffelbnch" des Gasthauses,, Zum Riesen" eingetragen hatten.

Fulda, 22. Februar. Am 2., 3. und 5. März findet am hiesigen Gymnasium die mündliche Maturitsprüfung der Abiturienten der Anstalt unter dem Vorsitz, des Herrn Provinzial-Schulrath Dr. Lahmeyer statt.

Breitenbach a. H. Auch in unserem Orte herrscht die bösartige Diphtheritis im höchsten Grad. Das Dorf gleicht einem großen Lazareth; 23 Beerdigungen finden jeden Tag statt. Die Schulen find längst geschlossen und werden voraussichtlich auch noch lange geschlossen bleiben.

Gaffel, 22. Februar. Gestern Mittag wurde am Weinberg in einem Garten ein Soldat (Artillerist), welcher seit vorgestern Mittag vermißt wurde, an einem Baume erhängt aufgefnnden.

Die Lebensversicherungsbank für Deutschland i n G 0 t h a hat sich bekanntlich entschlossen, von nun an das Kriegsrisiko für ihre Ver­sicherten ohne jede Gegenleistung zu übernehmen, soweit dieselben auf Grund der allgemeinen Wehrpflicht her- angezogen werden. Nur von Berufs-Kombattanten soll auch ferner eine sehr mäßig bemessene jährliche Kriegs- ßuWagprämie erhoben werden. Diese daukenswerthe Neuerung, zu ineldjer allerdings nur eine auf so sicheren Grundlage» ruhende Anstalt wie die Gothaer ohne Ge­fahr für ihren eigenen Bestand schreiten kann, entspricht nicht allein im höchsten Maße der ausgleichenden Ge­rechtigkeit, sondern trägt auch eine ganz außerordentliche wirthschastliche und moralische Bedeutung in sich. Man bedeute doch einmal, daß von den 70000 Theilhabern der Bank bei der jetzigen Ausdehnung der Wehrpflicht, wenn der Landsturm aufgeboten würde, vielleicht nahezu die Hälfte zum Kriegsdienst her angezogen werden könnte. Westaus die Mehrzahl dieser Versicherungen aber würden außer Kraft treten, wenn das Risiko von der Anstalt entweder gar nicht ober nur gegen verhältnißmäßig hohe Kriegsprämien übernommen werden sollte. Welche Ein­buße an Bürgschaften für die Wohlfahrt der ihrer Er­nährer beraubten Familien, ober welcher schwer erschwing­liche Aufwand an sofort zu entrichtenden Kriegsprümien! Welche Beruhigung andererseits auf Grund der revidirten Verfassung der Gothaer Bank für so viele Tausende von Familienvätern, die in den Kampf ziehen müssen, daß sie den Ihrigen, den Nothpfrnnig der Lebensver- sicherung für alle Fälle gesichert wissen! Es ist gar

nicht zu bezweifeln, daß dies erhebende Gesicht auch der Hingebung für das Vaterland zugute kommen wird.

In dem uns vorliegenden General-Katalog des Herrn F. C. H c i n e m a n n, Hoflieferant, Samen- unb P flanzenhandlung in Erfurt, finden wir unter dem Weitesten und Bewährtesten verschiedene Neuheiten, die wir mit Recht allen Interessenten aus's Wärmste rmprehlen können.

1) Sam en: a. Gemüsesamen, b. Blumen-Ssr- timent e in eleganten, verschließbaren Blechkasten mit Schlüssel. Inhalt für einen kleinen Garten ausreichend, L 3 ^

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4) Pas send er Zimmerschmuck: Miniatur-Gewächs­haus, neu! leer a 10 «M incl. Emballage, mit Pflanzen ä 14 ZL, mit Aussaattöpfen und Erde zur Anzucht feiner Pflanzen, & Stück 11 X

Alle von Erfurt ausgebotenen Artikel der Gartru- und deren verwandten Branchen, welche hier nicht auf­geführt, werden von F. C. Heine man« zu den bil­ligsten Preisen und in besterQualität geliefert.

Vermischte-.

Defreggrr. der berühmte Münchener Mater hat ein Bild in Berlin ausgestellt, für das alle Berliner und Berlinerinnen schwärmen. Es stellt die Himmels­königin dar. Nur einige Kritiker sagten, diese Himmels­königin ist offenbar der sehnsuchtsvoll blickenden Madonna des Spaniers Murillo nachgebildet. Die Freunde De- freggers wisseu's besser. Das Atelier des Malers besuchte oft einMünchener Hofrath mit seiner wunderschönen Frau, einer Dame mit poetischem Aufschlag der Augen un-d einer reizenden Mund- und Sinnform. Defregger unter­hielt sie jedesmal interessant, studierte ihre Augen und feinen Züge, ohne daß sie etwas davon ahnte, und kani sie auf einmal als Himmelskönigin nach BerW. So muß man sich in acht nehmen", sagte eine Dmu e, vie's gar nicht nötig hat.

WitterungSbericht.

Das Wetter wird in den nächsten 23 Tagen wüth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird im Allgemeinen dieselbe bleiben; der Himmel wird ab­wechselnd bedeckt fein; es werden Nord- bis Westwinve mit ziemlich starker Bewegung vorherrschen; Niederschläge sind nicht zu erwarten.

Kirchlicher An^iger für Schlüchtern.

Sonntag, den 26. Februar 1888 :

Morgengottesdienst: Herr Superintendent Heck. Nachmittagsgottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann. Wochendienst in der Stadt: Herr Pfarrer Hartmann.