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in dem ganz armen Dörfchen Horas bei Fulda, die katholischen Kirchen zu Hersfeld, Bebra, Eichwege und Eisenach. Wer hat diese Kirchen gebaut? Die Opfer­willigkeit der katholischen Christenheit!

Tages-Ereignisse.

Bockenheim, 6. Februar. Wie man demB. A". mittheilt, sollen sich die hiesigen Etemcntarlehrcr um Aufbesserung ihrer Gehälter an die hiesigen Behörden gewandt haben. In der sehr ausführlich begründeten Eingabe soll der Versuch unternommen sein, durch zahlen­mäßige Angaben den Beweis zu führen, daß die Elementar- lehrer mit dem seitherigen Gehalte nicht auszukommen vermöchten.

Frankfurt. Bei unseren höher» Töchtern hat es vor einigen Tagen wieder einmal rumort; diesmal aber nicht beim Champagner. Einige junge Mädchen, die eine Erziehungs- und Bildungsanstalt besuchen, verlangten, während des Unterrichtes künftighin von der Lehrerin mitSie" angeredet zu werden. Ueber dieses Ansinnen fiel die schon etwas alternde Lehrerin in Ohnmacht. Unter Mitwirkung der Eltern setzen es die jungen, bildungsfähigen Mädchen jedoch durch, daß verfügt wurde: Unterrichtnehmende Mädchen von 1516 Jahren sind fortan mitSie" anzureden.

Homberg, 4. Febr. Einen genußreichen Abend hatte uns gestern der Seminarlehrer Meister bereitet. Das Concert zum Besten des Vereins zur Unterstützung Hess. Bolksschullehrer-Wittwen und Waisen fand unter großer Betheiligung im Kasino-Saal statt. Herr Meister und Amtsrichter Burchardi leiteten dasselbe durch Vortrag der OuvertüreDie lustigen Weiber" von Nicolai bestens ein. Auch die sehr gut gewählten Chöre, aus­geführt von Seminaristen und Lehrern wurden muster- giltig vorgetragen. Als Solisten traten Frl. Engelhardt und die Herren L. Förtsch und O. Kaletsch aus Kassel auf und ernteten reichen Beifall. Aufsehen erregte ein Chor mit Solo und Pianoforte, ein schöner melidiöser ChorKaiser Friedrichs Kreuzfahrt" von R. Meister. Der materielle Ertrag des Concertes war ein recht günstiger.

Wiesbaden, 3. Februar. Hauptmann a. D. v. E h r e n- berg zählt seit gestern zu unsern Kurgästen; er will sich zur Wiederherstellung seiner angegriffenen Gesundheit längere Zeit hier aufhalten. DemRhein. Cour." theilte er mit, daß er durch seine Erfahrungen in Zürich von seinen früheren republikanischen und revolutionären Gesinnungen gründlich geheilt worden und alsconser- vativer Monarchist" zurückgekehrt sei. Er will seine Erlebnisse in Zürich in einer für das Reichsamt des Innern bestimmten Denkschrift niederlegen, auch will er, nachdem ihm von den Socialisten so übel mitgespielt worden alle in letzter Zeit über ihn gemachten An­gaben, z. B-, daß er Spion der preußischen Regierung sei, bezeichnet er als Verleumdung dem Vorsitzenden der Reichstags-Commission für das Socialistengesetz, Herrn v. Kardorff, sein Material zur Verfügung stellen.

Was Bcbel von revolutionären Anschlägen Ehrenbergs berichtet habe, sei gleichfalls falsch; solche Pläne hätten im Gegentheil Bebel und Genossen gehabt und ihn (EhrenberD wegen seiner Meinung' darüber befragt. Ueber diese Gespräche habe er sich Aufzeichnungen ge­macht, die man dann für seine Pläne ausgegeben habe. Die Untersuchung seitens des Militärgerichts in Karls­ruhe gegen ihn sei eingestellt worden, nachdem sich er­geben habe, daß seine angeblichen landeSverrätherischen Beziehungen zur französischen Regierung lediglich Er­findungen von Hetzagenten seien.

Ottilie, das Herenkind oder: Das Geheimniß der schönen Müllerin.

Zeitgemälde aus dem Ende des 16. Jahrhunderts son Gustav Kieua st.

(Fortsetzung).

Das werd ich auch," entgegnete die schöne Wittwe. Sie hatte sich in der niedrigen, durch etii OelliK nur schwach erleuchteten Stube auf eine hölzerne Bank nieder- gelassen und betrachtete mit Neugier und einer Art Grausen die rußigen, mit allerlei in Büscheln geordneten Kräutern und Gräsern befangenen Wände. In einer Nebenabtheilung der Hütte schien der Kerblin Klänier- küche sich zu befinden, denn durch eine halbgeöffnete Thür drang Feuerglanz und der Geruch verschiedener Abkoch­ungen in die Stube. Die Ketblin lud nun auch die Dennhauserin zum Mederfitzen ein, nahm dann der schönen Müllerin und ihrer Begleiterin die durchnäßten Umschlagtücher zum Trocknen in die soeben erwähnte Hüttenabtheilung. Zurückgekehrt, trat sie vor die Müllers­wittwe, lächelte sie an uns sprach:Die Dennhauserin hat mir schon oft von Deinem Herzenswünsche gesagt. Du möchtest, daß der schöne Burkhard von der Ottilie Masse und sich in Dich verliebe. Hum, sollte ich nicht eigentlich meiner Tochter verhelfen, daß sie den Burk­hard kriegt und Lenzenbäuerin wird? Aber nein, tröst Dich, Müllerin. Schau, ich haß die ganze Schwcnd- ner-Sipp' allzuviel, als daß ich wollt', die Ottilie käm' in die Verwandtschaft. Für ein gut Stück Geld sollst Du ein Tränklein kriegen, das Du dem Burkhard mir

geschickt beizubringen hast und er wird so vernarrt in Dich, wie Du's willst. Meine Ottilie aber nehm' ich heim zu mir und die soll mir noch Glück bringen, weiß schon wie, Geld genug und bann ziehen wir fort in's Amerika! Aber, um Dir das Tränklein wirksam zu brauen, brauche ich drei Tropfen Deines Blutes, und drei Haare Deines Hauptes und drei Wimpern Deiner Brauen. Komm also, schöne Frau, gieb mir, was ich brauche!"

Es ist nun an der Zeit, dem geehrten Leser anzu- vertrauen, daß im Bezirke Schwadsoyens wirklich einige arme, verachtete, halb wahnwitzige Weiber sich längst zu- sammengelhan, allerlei alberne Dinge zu treiben, womit des Teufels Beistand sollte errungen werden, da Gott und Menschen keine Hilfe, namentlich keine zeitlichen Güter zu gewähren, sich herbeilicßeu. Im herrschenden Aberglaube», der ja, wie wir gesehen, auch Gesetzgeber, Gelehrte und Gerichte angesteckt hatte, wurzelte die Vor­stellung einer Kerblin, einer Ursula Weiumillerin und anderer alten Frauen, daß man des Teusels Beistand erreichen könne! Traditionelle Mittel und was die eigene Phantasie eingab, wurden versucht, zum Zwecke zu gelangen. Kindisch mehr, als sündhaft war dies Ge basten. Die Folge dieses Treibens aber war: immer mehr erkannte Einbildungskraft, Scheu und Furcht vor der Obrigkeit, Hoffnung und endliche Erreichung des Tenfelsbundes, auf Reichthum und unangreifbare Zauber­kraft! Die Kerblin insbesondere, war längst in jenes Stadium geistiger Verschrobenheit gerathen; besonders um sich am Lenzcubauer, der sie und ihren Mann von Hans und Hof getrieben, zu rächen, hatte sie sogenannte Zanbermittel versucht, um dessen Vieh zu beschädigen.

Ottilie wußte nichts davon, hielt in ihrer Unschuld die boshafte Mutter für das bravste Weib und die Alte war bisher so klug, der Tochter keine Handlung auzu- sinnen, wodurch sie sich bei ihrem Kinde in der Achtung herabgesetzt hätte. Wenn es ihr aber gelang, das Ge­höfte des Lenzenbauern zu betreten, hatte sie niemals unterlassen, im Stalle dem Vieh Dinge beizubringen, die demselben wirklich schädlich waren, oder doch der Einbildung des Weibes nach auf dasselbe schädlich sein konnten. Des alten Schwendners Zorn war demzufolge nicht ungerecht.

Seit einiger Zeit wollte die Kerblin ihre Ottilie zu dem Bunde heranziehen, welchen sie und andere Weiber geschlossen. Nicht der Burkhard sollte die Junge bekommen, sondern Junker Volland, Junker Satanas sollte des schönen Mädchens Buhle werden auf diese Lockung, so hoffte die verderbte Phantasie der Kerblin würde der Höllenfürst doch gewiß eingehen »nd Reichthümer spenden, mit welchen man sich in jenes, bereits damals als Land alles Glückes gepriesene Amerika zurückziehen konnte, wo ein neues, glänzendes Leben das Elend der alten Welt würde vergessen machen.,

Auf die Anforderungen der Kerblin erklärte sich die Millerin bereit, die genannten Dinge herzugeben. Die Alte ging nun in ihre Küche, kam alsbald mit einem Tiegel voll brauner, trüber Flüssigkeit wieder herein und stellte denselben auf den Tisch, neben welchem die schöne Frau Platz genommen hatte. Nun ergriff sie den weißen, vollen Arm des blühenden Weibes, streifte den Aermel an demselben hinauf, während sie Lobeserhebungen über die schimmernde Haut unddas rosige, kosige Fleisch," wie sie sagte, mit widerlicher Freundlichkeit verschwendete. Dannritzte sie, benenn der Wittwe über den Tiegel haltend, mit einem Messerchen die Haut und ließ einige Bluts­tropfen in dieZauberbrüye' laufen. Dieß gethan, entnahm sie die Haare, bereit sie zu bedürfen behauptet aus dem Scheitel und dem Brauen der Millerin, ver­sengte die ausgewogenen Haare an der Flamme des Lichtes auf dem Tische, allerlei unverständliche Worte murmelnd, und warf die verkohlten Haare in den Tiegel. Inzwischen rollte der Donner über dem Dache der Hütte hin und die Dennhauserin fuhr jedesmal ängstlich zusammen. Auch die schöne Wittwe empfand ein Grauen, da sie der Kerblin geheimnißvolle Worte nicht verstand und den ganzen Vorgang für pure Zauberei fielt.

Und nun muß ich den Trank recht gut sieben und Bannsprüche darüber reden, die nach viel stärker wirken als die, so ich jetzt gesprochen." So beschloß die Alte ihre Prozeduren vor den beiden Gästen.Haltet Euch still berauben in der Stube! Mein schwarzer Kater hockt schon am Heerde; gutes Thierlein, ich komme schon! Sag', ist unser Herr und Meister gut gelaunt? Ja, der Hnziönig giebt mir durch Dich, Miaukili, ein gutes Zeichen. Seht, wie der Miaukili einen krummen Bücke! macht und ums Feuer streicht! Heut' wird Alles gut gerathen !"

Und die Kerblin schlurfte mit ihrem Zaubergebräu in die Küche. Die beiden Frauen sahen, wie sie am offenen Heerdfeuer sott und mit einem Zweige die Flamme anfachte. Allerlei tolle Geberden und gurgelnde Hause fehlten nicht. Alsbald schäumte und brodelte das Ge­bräu, dicke, übelriechende Dämpfe verbreitend.

Das ist der heilige Mistelzweig, den sie in der Hand hält, den hab ich der Kerblin selbst gepflückt in der vorigen Johauuisiiacht," flüsterte die Dennhauserin zur Müllerin geneigt, welche mit steigender Neugierde ihre Blicke dem Heerde draußen zuwendete. Und als nun plötzlich eine ungeheure Flamme zum Schornstein emporfcfüig, beschwichtigte hie Eingeweihte das schöne

zusammcnschreckende Weib und sagte leise:Die Flamme kommt vom Bärlappensaamen; der ist dem Junker Vot- land heilig und den riecht er gern."

Der Kater war auf den Rücken der Kerblin ge­sprungen und sah mit glühenden Augen in's Feuer, seinen Schweif hoch über den Kopf der Alten hebend.

Alles geht herrlich," rief entzückt, aber doch ängst­lich leise die Dennhauserin.O, die alte Kerblin ver- steht's."

Ja, nun glaub' ich's, daß die Kerblin hexen kann. Aber wo hat sie denn eigentlich die Kunst her?" frug die schöne Müllerin leise.O mein, Müllerin," entgegnete ganz still die Dennhauserin,Eine von der Anderen lernt 'Halt so was. Ich bin schon oft dabei gewesen, wie die Weinmillerin, die Ritterin, die Kleinin und die Weißin in dieser Hütt' mit bet Kerblin Rath gehalten und einander Kunst' gelehrt haben. Die Kerblin hat noch dazu ein uraltes Buch, das sie einmal in Biberach von einer uralten Base will geerbt haben. Das ist des weiland großen Zauberers Doktor Faust Höllenzwang aber, o mein, o mein, das war wieder ein schreck­licher Donner! Jetzt muß es cingeschlagen haben! Im Vertrauen, Müllerin! Gestern haben die Vier' wieder ein Wetter gemacht auf der kleinen Waldhaid da drüben! Doch, schau, jetzt kommt die Kerblin wieder zu uns heraus."

Wirklich kam die Alte wieder. Sie hatte ein ver­korktes Flüschcheu in der Hand.

So, liebe, schöne, zuckersüße Müllerin, da habe ich jetzt ein Fläschchen für Deinen Burkhard! Mußt ihm's halt klug beibringen. Braucht nur ein wenig zu sein im Anfang und gleich wird er toll in Dich ver- | liebt und vergißt die Ottilie. Und je öfters Du ihm giebst, desto feuriger wird er Dich gern haben und gar nit mehr von Dir ablassen wollen. Aber nun thu auch Dein Beutelein auf, reiche Frau, laß der armen Berlin Etwas zukommen!"

(Fortsetzung folgt.)

Ausland.

Rußland. DirNeue Zeit" begrüßt die Rede des Fürsten BiSmarck sehr sympathisch und sagt, der erste Eindruck derselben sei ein guter und beruhigender; die Rede sei ruhig, selbstbewußt und ohne Zweifel friedliche

Salford bei Manchester, 3. Febr. (Gräßliche F a m i l i e n t r a g ö d i e.) Als heute Morgen die größte Apotheke der Stadt geschlossen blieb und trotz des PochenS der auf der Straße stehenden Leute nicht geöffnet wurde, schickte man zum Distriktsamt. Die Beamten drangen ein, ohne etwas Ausfälliges zu finden. Die Thüre zur anstoßenden Wohnung war versperrt. Als man sie öff­nete, fand man in dem Schlafzimmer die ganze Familie des Apothekers unb diesen selbst todt im Bette liegend. , Nach den zurückgelassenen Ausschreibungen haben Mann und Fran ihre sechs Kinder mittels Cyankali vergiftet und sich hierauf auf dieselbe Weise den Tod gegeben. Der Laborant arbeitete in dem int Hofraume gelegenen Laboratorium, ohne eine Idee zu haben, was in der Wohnung des Apothekers vorgefallen. Die Kinder standen im Alter von zwei bis dreizehn Jahre». Zerutttete Vermögensverhältnisse bilden Motiv der gräßlichen That.

Erwiderung.

DasEingesandt" in Nr. 10 derSchlucht. Ztg." enthält einige Bedenken gegen den veröffentlichen Ent­wurf eines Kreisviehversicherungsstatuts, welche ein näheres Eingehen auf dieselben erfordert.

Zunächst bemängelt der Einsender die Bestimmung, wonach der Kreis die Verwaltung der Viehversiche­rungsanstalt unentgeltlich übernehmen soll, weil er darin eine Benachtheiligung der N i ch t v i e h b e s i tz e r zu erblicken glaubt. Wir halten dies Bedenken nicht für zutreffend. Einmal geht der Entwurf doch wohl von der Voraussetzung aus, daß sich alle Gemeinden des Kreises ober wenigstens fast alle Gemeinden der Anstalt anschließen werden. Sofern diese Voraussetzung sich erfüllt, würde dieselbe doch wohl als ein allge» meines Kreisinteresse aufzufassen sein, für welches der Kreis auf Grund von § 74 Abs. 3 der Kreis- ordnung ebenso berechtigt sein dürfte, aus Kreismiltel» Umerstützung zu gewähren, wie z.B. die Stadt Schlüchtern seit langen Jahren durch Zahlung von 600 Mark aus der Stadtkasse jährlich zur Unterhaltung der Gemeinde- bullen, den Viehyaltern der Stadt eine Unterstützung gewährt, ohne daß eS bisher einem Nicht viehdcfitzer der Stadt Schlüchtern eingefallen wäre, aus der Be­willigung dieser 600 Mark eine Beeinträchtigung seiner besonderen Interessen herzuleiten. Wollte man mit dem Einsender nur das als allgemeines Interesse einer Gemeinde resp, eines Kreises auffassen, woran wirklich jedes einzelne Mitglied dieser Korporation ein direktes Interesse hat, so würde es ein derartiges allgemeines Interesse wohl überhaupt schwerlich geben, bann könnte man beispielsweise die Ausführung der Kinzigregulirung auf städtische Kosten jedenfalls mit viel größerem Recht als unberechtigt bezeichnen, weil daran die ganze Ober­stadt wohl überhaupt kein nachweisbares directes Inte­resse hat; dann könnte man ebenso alle Kosten für Straßenbeleuchtung und schließlich jede Wegeanlage auf städtische Kosten bemängeln, weil sich immer eine kleine Anzahl von städtischen Einwohnern finden wird, die NR