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Schlüchterner Zeitung.

Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen ves Kreises Lchiüchtern.

Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

^ 12. Samstag, den 11. Februar.

1888.

Amtlicher Theil.

Cassel, den 28. Januar 1888.

Im Laufe des nächsten Sommers soll im hiesigen pomologischen Garten wiederum ein dreigliedriger Cursus zur Unterweisung von Polksschullehrern im Obstbau ab- gehalten werden. Der erste, etwa 14 Tage umfassende Theil des Jahrescursus wird voraussichtlich am 12ten April er. beginnen, der zweite Theil in die zweite Hälfte des Monats August (etwa 8 Tage) und der dritte Theil (etwa 45 Tage) in den Anfang Oktober fallen. Ew. Hochwohlgeboren wollen uns bis spätestens zum I. März er. diejenigen Lehrer des dortigen Kreises bezeichnen, welche an dem fraglichen Cursus theilzunehmen geeignet und bereit sind. Es ist dabei zu beachten, daß nur solche Lehrer in Borschlag zu bringen sind, welche nicht nur Interesse für den Obstbau zeigen, sondern auch in der Lage sind, das Erlernte in Gemeindepflanzungen oder sonst zur Hebung des gedachten Kulturzweiges praktisch zu verwerthen.

Abtheilung für Kirchen- und Schulsachen. (gez.): Opitz.

I. Nr. 775. Vorstehender Erlaß wird hiermit veröffentlicht. Anträge aus Zulassung zum Cursus sind mir durch Vermittelung der Herren Localschulinspectoren bis spätestens zum 20. Februar d. J. einzureichen. Die Herren Localschulinspektoren wollen nur die Anträge unverzüglich mit der Aeußerung einsenden, in welcher Weise für die Vertretung des Meldenden gesorgt wird.

Schlächtern, den 6. Februar 1888.

Der Königl. Landrath.

J. V.: G o e r z , Kreissekretair.

Nr. 866. Für den am 14. Aebr. 1870 zu Wallroth geborenen Knecht Georg Fehl ist um Entlassung aus dem diesseitigen Staatsvcrbande zwecks Auswanderung nach Amerika nachgesucht werben.

Schlüchtern, den 9. Februar 1888.

Der Königliche Landrath: Roth.

Die Brandeusteiner Fehde.

(Schluß.)

Christoph von Nissika, Reinhard v. Nissika, Wilhelm Fuchs, die drei haben mich in den Stock geschlagen. Ueber zwei Stunden kamen sie wieder und sprachen: Du Böswicht! Du hast vor geschwatzt, bist treulos geworden!" Sagt' ich:Sie haben mir nicht gehalten, ich hab' ihnen entrinnen müssen wes Holz und Nöttingen (siehe Znrchers erstes Gefängniß). Sagt er:Du lügst!" und trat mir auf die Füße im Stock, so daß ich nicht anders dachte, er trete mir sie gar ab, und sehr schrie. Darnach brachten sie ein Eisen, das hatte Nägel inwendig, die mich in den Hals stachen. Das Eisen brachten sie von einem andern Schloß. Darnach forderten sie fünfthalb Taufend Gulden. Ich sagte, solch Gut hätt' ich mein Lebtag nicht gehabt, und bot ihnen 400 Gulden zu geben, Sie liefen weg, sprachen, sie wollten mich anders reden lernen, sie hätten gute Kundschaft. Es würde ihnen auch bald ein Eisen kommen, da wollten sie mich lernen singen. Da das Eisen kam, da ritt die Frau hinweg, denn aller Sach' ist sie eine Rathgeberin. Da das ^ih» kommen ist, haben sie mir beide Hände darein geschlossen nebeneinander, mich bei dem Eistnschloß gezogen., aufge- Hoben von der Erde, über den Stock ge­zogen, das Schloß mit den Händen darin a n s g e h a n g e n, mich also darinhangen lassen, und sind weggegangen. Da hab ich geschrieen, die Nägel haben mich in den Hals gestochen, sagen, sie wollten nicht minder nehmen als 2000 Gulden. Sagt ich, Habs nicht, ist mir nicht möglich es aufzubringen, erbot mich' 600 Gulden zu geben. Also kamen sie über anderthalb Stunden wieder und sagten, sie wollten keinen Pfennig weniger als 2000 Gulden. Darauf sagt' ich, hätt' sie nicht, wüßt auch sie nicht aufzubringen. Also gingen sie wieder weg. Da that mir das Hangen in dem Eisenschloß also wehe, daß ich zu ihnen sprach, sie sollten wieder kommen. Da sprach ich zu ihnen, ich wollts ihnen gern geben, wenn ichs aufbringen könnte. Sagten sie, wollt ich's geben, so wollten sie mich aus dem Stock lassen. War meine Antwort, ich wollt meinen höchsten Fleiß haben, und darnach schreiben. Darauf sagten sie mir zu, mich im Schloß ledig gehen zu lasse«, I $# die Schätzung käme. Darnach über 14 Tage kamen!

ihnen Briefe, daß sich Mangold wieder sitzet zu mir, sehr gütig war und sprach:Wollt Gott, daß Ihr in einem andern Gefängnisse wäret." Sagt ich:Lieber Junker, ich bin Euer Gefangener."

Ueber etliche Tage kam Kunz v. Rosenberg, ist der Frau (des Mangold) naher Vetter. Also sagt die Frau oft am Tisch zu den Reitern:Wann ®iid> ein Kaufmann nicht hält, waS er Euch zusagt, so haut ihm Hand und Fuß ab und laßt ihn liegen."

Am Morgen darnach kam Mangold v. Eberstein und Kunz von Rosenberg. Mangold sprach:Du wolltest mich auch vor dem Reichsregiment verklagen? ich will Dich setzen!" und drohte mir mit dem Finger. Kunz von Rosenberg sprach:Du solltest mir da nicht sitzen, wenn ich dich hätte, ich wollte dich recht setzen, und dir eine Ader nach der andern ausreißen. Die 2000 Gulden will ich selber geben, die Gefangenen müssen uns Weih nachten Il>000 Gulden geben." Sagt ich:Wenn Ihr mich tödten wollt, so ist es bald geschehen." Sagt er: Nein, ich will dich acht Tage reißen, bis daß du stirbst." Sprach ich:Lieber Junker, will ich doch thun, was Euch lieb ist." Sprach er:Du hältst nichts."

In der Fasten kam eine Jungfrau und ihr Bruder von einem Schloß, heißt Haun oder Hon oder der­gleichen, liegt eine Meile oder anderthalb von Fuld. Ihr Bruder kam ab und zu geritten, dieweil sie da war. Die Jungfrau blieb da, bis Graf Georg von Wertheim vor das Schloß kam (nämlich um den Brandenstein einzunehmen). Die hielten zwei Reiter unter dem Schloß bei der Mühle. Sagt Man­gold seiner Frau und der Jungfrau, sie sollten zu den Reitern ziehen und hören, was sie wollten. Zogen Frau und Jungfrau mit einander hinab und redeten mit den zwei Reitern. Da kam die Jungfrau wieder und sagte dem Mangold, sie begehrten, daß Christoph v. Nissika zu ihnen hinab ritte. Er kam wieder, was sie ihm sagten, weiß ich nicht.

| Nachdem Mangold v. Eberstein einen Bescheid hatte von den zwei Reitern bei der Mühle, schickte er eine Dirne zum Steckelberg. Sie brächte Botschaft, daß man mich gen Steckelberg sollte führen. Darauf sagten mir die Edelleute:Man wird dich diese Nacht weg­führen, wisse, daß du^dich redlich haltest, wo nicht, so wirst du erstochen werden."

Gleich als man das Licht wollte anzünden, es war noch Tag, aber dunkel, ritten die Edelleute davon mit 5 Pferden.

Es kam der Frau bald Botschaft, sie wären schon zum Steckelberg. sAuf diese Weise entging Mangold von Eberstein mit seinen Genossen der Gefangennahme, da Graf Wertheim Tags darauf den Brandenstein ein- nahm.j

Drei Stund in der Nacht band mir der Keller einen Knebel ins Maul und führte mich aus dem Schloß hinter dem Stalle den Berg hinab. Sie sagten mir im Schloß, wenn ich schrie, wenig oder viel, so wollten sie den Spieß in mich stechen. Ein Bauer, Reschhaber, der Eseltreiber und der Beck, die vier gingen mit mir. Als wir über den Berg abzogen, kamen zwei Reiter nahe zu mis. Es war ein steiler Berg, sie konnten uns zu Roß nicht ereilen, wenn sie aber zu Fuß ge­wesen wären, so hätten wir ihnen nicht entgehen können. Da der Eseltreiber und Beck sahen, daß ich hindann geführt wurde, kehrten sie ins Schloß zurück und brachten die Nachricht der Frau, wie der Gefangene wäre davon gebracht. Zu Elm, im Dorfe nächst dem Brandenstein, brächte Reschhaber zwei Bauern, daß ihrer vier wären, die führten mich die Nacht. Zwei Stund auf den Donnerstag Morgen (17. April) kamen wir in einen Graben nahe bei dem Steckelberg. Reschhaber ging ins Schloß zum Steckelberg. Die Bauern fürchteten sich vor dem Steckelberg und hatten Sorge, Reschhaber käme nicht wieder heraus. Redete ich so viel mit ihnen, daß sie mich in ein Dorf führten zu Mangolds Amt­mann. Da ich nur über eine Wiese zum Dorfe hatte, brachten die Bauern den Amtmann heraus. Der brächte Brod und Wein und wollte, ich sollte das essen. Ich war krank und bat sie, mich in eine Stube zu führen. Führten sie mich außerhalb des Dorfes in ein Haus. Als nur ein Bauer bei mir war, riß ich mich los von ihm, lief ins Dorf und rief um Recht an mit viel Worten, so daß viel Bauern und Bäuerinnen zu liefen. Mangolds Amtmann bat, wer Mangold von Eberstein angehörte, der solle mich angreifen. Führten sie mich an ein Holz, da lagen wir so lange, bis daß Reschhaber

kam. Er sagte zu den Bauern, er wäre bei Mangold gewesen, der hätte ihm befohlen, sie sollten drei Tage mit mit beim Steckelberg im Walde still liegen. Dabei verstand ich wohl, daß Mangold zum Steckelberg war und Rath schlug mit dem Amtmann. Sie führten mich in ein ander Dorf, da tag ich die Nacht. Des Morgens früh gingen die vier Bauern alle weg und befohlen mich andren vier Bauern, die waren in dem Dorf da­heim und führten mich in einen großen Wald.

Graf Georg aber kam bald nach mir in das Dorf (Ramholz oder Vollmerz?), darin ich am Donnerstag gelaufen war. Hat er nach dem Gefangenen gefragt und den Bauern mit Anzünden gedroht. Einer seiner Knechte hat des Amtmanns Haus augezündet. Darauf hätten sie ihm von dem Gefangenen gesagt, er wäre geführt an ein Holz.

Am Donnerstag Nacht führten sie mich ins Dorf gen Oberkalb ach. Am Charfreitag Morgen führten sie mich aus Holz. Da kam Graf Georg nach Ober­kalbach und suchte den Gefangenen. Ihm ward ange­zeigt, er sollte wohl gefunden werden, er wäre aus Holz geführt werden. Der Graf gebietet nun den Bauern, sie sollten morgen früh kommen gen Brand en- stein, da geloben und schwören (nämlich ihm als neuem Herrn vom Brandenstein). Wer nicht käme, bet müßte Alles verlieren, was er hätte.

Am Samstag, als die Bauern dem Grafen gelobt hatten, zog Graf Georg mit "den Bauern ins Holz und suchte mich. Da fand mich mein gnädiger Herr der Graf Georg im Holz.

Die Oedheimerin war mit ihrer Tochter aus dem Brandenstein weggegangen, sobald der Graf vor das Schloß gekommen. Sie war mit ihrer Tochter in einen Wald geflohen. Dem Kürn hatte die Frau befohlen, aus dem Schlosse wegzugehen. Er sollte Nadel und Faden bei sich tragen und sagen, er wäre ein Schneider von Steinau.

S ch l u ß.

Alls aber Mangolt von Eberstain seins Schloß Bran den stain also obgemelt entsetzt, Ist er nachmals zu Frantzen von Sickingen k omm en , d em selbig cn In seiner Mutwilügen vehd wider den Ertzbischoff von Trier hilsf und beystanndt gethan, und nachmals In demselben fürncinen vor sandt Wenndl, einer Statt, erschossen worden.

Zum Neubau der evangelischen Kirche in Fulda.

Unter Bezugnahme auf ben im Anzeigentheil der heutigen Nummer enthaltenen Aufruf der evangelischen Kirchengemeinde zu Fulda um Unterstützung zum Neu­bau einer Kirche sei hier noch Folgendes mitgetheilt:

Der Bau einer neuen Kirche ist dringend nothwendig. Die evangelische Gemeinde wächst von Jahr zu Jahr. Die jetzt über 3000 Seelen zählende Gemeinde hat sich bisher zu ihrem Gottesdienst eines Raumes von 27 Bieter Länge und 12 Meter Breite bedient. Empor-- bühnen fehlen in demselben. An den gewöhnlichen Sonntagen ist die Kirche zum Erdrücken voll und zu außergewöhnlichen Zeiten, wie z. B. an allen Festtagen, müssen viele der Gemeindeglieder des beschränkten Raumes wegen es sich versagen, das Gotteshaus überhaupt zu besuchen, oder aber sie gehen in eine katholische Kirche, um eine Predigt zu hören. Zur Sommerzeit herrscht eine so erdrückend schwüle Luft' in dem Raume, daß Viele aus diesem Grunde fernbleiben resp, fernbleiben müssen. Die erste Anregung zum Bau einer neuen Kirche wurde vor 4 Jahren freudigst begrüßt und eine Sammlung ergab das für die ärmlichen Verhältnisse der Gemeinde ansehnliche Kapital von 10,000 Mark. Mit diesem Gelde hat die Gemeinde bereits einen passenden Platz von der Stadt käuflich erworben. Aber nur lang faul geht das Werk vorwärts und stößt sogar auf nicht erwartete Hindernisse. Das von dem Presbyterium der Gemeinde bei dem Königl. Konsistorium zu Kassel ver­trauensvoll eingereichte Gesuch um Bewilligung einer Kircheukollekte wurde von dieser Kirchenbehördeabschläg-, lich" beschieden. Die arme hilssbedürftige Gemeinde ist nun genöthigt, durch die Zeitung großherzige, mildthätge Glaubensgenossen um Unterstützung anzurufcu. Bei dieser Bitte bedarf es wohl kaum eines Hinweises auf die Opserwilligteit unserer katholischen Mitchristen unter sich In der zweiten Hälfte des letzten Dezenniums sind in der Diözese Fulda neu gebaut worden die präch­tige, im rein gothischen Stil gehaltene Bonifatiuskirche