zu höherem Preis herzustellen vermögen. Dagegen ist der Anbau von Hauszwetschken, Birnen und Kirschen, welche in Amerika weniger gedeihen, für uns von besonderer Wichtigkeit, weil wir mit Dörrproducten und sonstigen Conserven dieser Obstarten uns leicht die amerikanischen Märkte gewinnen und durch sie einen gesicherten Absatz erhalten können.
Hanau, 4. Februar. Wiederholt sind in letzer Zeit von den größeren Privatpulverfabriken in D i e n e b e r g, Rottweil, sowie den RheinischWestphälischen Pulverfabriken größere Unglücks alle berichtet worden. Während in den 13 Jahren ihres Bestehens auf der hiesigen königlichen Pulverfabrik, Dank der großen bei dem Be trieb verwandten Sorgfalt und Ueberwachung von Seiten der Direktion kein bedeutender Unglücksfall vorgekommen ist, haben wir doch leider heute die Explosion eines Körnwerkes zu melden, der die 4 in demselben beschäftigten Personen zum Opfer gefallen sind. Die Explosion fand um halb 2 Uhr statt, nachdem kurz vorher der betreffende Betrieb kontrolliert und in vollster Ordnung gefunden worden war. Von den 4 verunglückten Arbeitern stammt einer Namens R oth aus Hanau, 2 sind von Großauheim und einer von Kahl. (H. Z.)
Weyhers, 29. Jan. Von welch' harten Schicksalsschlägen eine Familie in kurzer Zeit getroffen werden kann, hat man neuerdings dahier gesehen. Am 28. November v. I. wurde dem Herrn Vorsteher und Standesbeamten Goldbach hier sein zwölfjähriges Töchterchen Anna durch Scharlach entrissen. Einige Wochen später büßte er eine seiner beiden Kühe infolge eingetretener Erkrankung an Persucht ein. Am 24. d. M. starb er selbst an Starrkrampf im Alter von 48 Jahren und gestern folgte ihm seine fünfzehnjährige Tochter Maria nach langem schweren Leiden an Scharlach und Lungeu- entzündung in den Tod. Tiefgebeugt steht die hinterlassene Wittwe bezw. Mutter da, und ist ihr einziger Trost ihr achtzehnjähriger Sohn, der ihr allein übrig geblieben ist. Die ganze Gemeinde nimmt an dem schweren Leid dieser ihrer Mitglieder den innigsten Antheil. (G. K.)
Kejfe, 2. Fedr- Nachträglich wird von einem räuberischen Ucderfall auf den Bürgermeister Hellmund aus Großem itte berichtet: Derselbe wollte am vorigen Sonntag gegen Abend von einer Hochzeit in Metze heimkehren, wurde aber im Walde zwischen hier und Metze von einem Strolche überfallen und seiner Baarschaft beraubt. Herr Hellmund, ein alter Mann, kam ganz erschöpft und erregt hier wieder an. Bon dem Thäter fehlt bis jetzt noch jede Spur.
Wabern, 29. Jan. In Folge eines Aufrufes der Hessischen Schulzeitung zur Bildung eines Lehrer-Ge- sangvercins aus den Lehrern von Wabern und aus den Lehrervereinsbezirken Felsberg, Gudensberg, Homberg, Borken, Fritzlar und Waldeck hatten sich gestern, Nachmittags 3 Uhr, im Hotel zum König von Preußen am Bahnhof zu Webern eine größere Anzahl Lehrer zu einer Besprechung eingefunden. Herr Kantor Wagester-Fets- berg eröffnete die Versammlung mit zündenden Worten und wies besonders darauf hin, daß es Pflicht des Lehrerstandes sei, den Gesang zu hegen und zu pflegen, da durch die Lehrer unser Volk das Singen lernen müsse und daß der Gesang ein Hanptvolksbildungs mittet sei. Als besonderen Zweck dieses neu zu gründenden Lchrergesangocrcins bezeichnete der Redner, daß Konzerte veranstaltxt werden sollen, deren Ertrag zum Besten der Unterstützungskasse der hessischen Lehrer, zu Unterstützungen einzelner Noihleidenden aller Stände verwandt werden sollen, sodann wollte der Lehrergesang- vcrcin seine Mitglieder in die Lage setzen, am Grabe eines geschiedenen Lehrers oder Lehrerangehörigen ein Sterbelieb zu fingen. Außerdem hob der Redner noch hervor, daß in dem neuen Vereine alle Arten des Gesanges gepflegt werden sollen und daß jeder Lehrer, einerlei welcher Religion derselbe angehört, Mitglied werden könne. Aus Vorschlag des Herrn Wagester wurden zum Vorstand gewählt: Herr Kantor Schatt- Gensungen alsVorsitzender, HeirLehrer S ch efer--Wabern als Dirigent, Herr Ochs- Wabern als Schriftführer, Herr G e r h o l d - Zennern als Kassirer. Als Uebungs- tocal wurde die Gastwirthschaft von Otto in Wabern bestimmt, als Uebungsbücher zunächst„Heim" u..,Zantzer", Uebungsstuude wird alle 14 Tage abgehalten. Wir wünschen dem neuen Vereine, daß er wachse, blühe und gedeihe und daß sich viele Lehrer an diesem schönen Unternehmen betheiligen mögen. (H. M.)
Ottilie, das Heeenkind oder:
Das Geheimniß der schönen Müllerin.
Zeitgemälde aus bm Ende des 16. Jahrhunderts «an Gustav Kienast.
(Fortsetzung).
„Lasset die große Glocke lauten, Herr Confrater," befahl der Pfarrer, als sie an der Hauptkirche vorbei« kamen, an welchem der Weg zum Psarrhofe hinführte. „Unsere liebe Frau soll uns vor dem höllischen Unwetter beschützen! Aber Ihr scheint ja gar nicht daran zu glauben, daß der böse Feind hier seine Hand im Spiele hat? Aber ich geb' Euch noch nicht an;; Ihr sollt es
des Abgeordnetenhauses gekommen; wie man ihm dort mit den Praktiken der Potizeiagcntcn Haupt und Schröder in der Schweiz zugesetzt hat, so hier mit den Agenten Jhring und Naporra; als Schild hielt er über sie ein gutes Zeugniß des Schwurgerichtshofes in Posen.
— Wer am meisten auf dieErledigung des bulgarischen Thrones wartet, das sind die Prinzessinnen von Montenegro. Die zwei ältesten, aber doch noch blutjung, werden schon seit Jahren am kaiserlichen Hof in Petersburg erzogen und haben einen eigenen Hofstaat. Sie sind beide bildschön und die schönste soll mit dem russischen Thronfolger verheirathet werden und Bulgarien als Ausstattung erhalten. Ihr Herr Papa wird schon lange alljährlich von Rußland mit Barem ausgestattet, denn er hat nichts als seine Schaf- und Ziegenheerden.
Tages-Ereignisse.
Schlüchtern. Aus Amerika geht uns ein Lied zu, das wir unsern Lesern beifolgend mittheilen wollen. Der Verfasser desselben ist ein Freund unseres Blattes, Herr Major Möller in Binghampton, von dem wir bereits berichteten, daß er im Jahre 48 und 49 in Hanau als Unteroffizier diente. Während dieser Zeit war er, wie er schreibt, auch in Schlüchtern bei der Aushebung thätig, und mancher wird sich wohl seiner erinnern, da er der Unteroffizier war, der sie bei der Stellung gemessen hat.
Sehnsucht nach der Heimath.
Dort in jenem alten Hessenland, Wo die Eichen stolz gen Himmel ragen, Dort wär's, wo meiner Kindheit Wiege stand, Wo Mutterarme mich umher getragen.
Der Kampf ums Dasein trieb von heim mich fort, Um in dem neuen Welttheil das zu finden, Was mir nicht bieten konnt' das Dörfchen dort: Ich mußte hier ein neues Heim mir gründen.
Noch einmal trug das Schiff mich übers Meer, Der alten, lieben, theuern Heimath zu, Wonach ich mich gesehnt so lang, so sehr.
Ach, erst int Grabe sind' ich volle Ruh.
— Der heutigen Nummer liegt ein Prospect der Leinen- und Gebild-Weberei von F. B. Grünfeld in LandeShut in Schles. bei, worauf wir hiermit aufmerksam machen.
— 6. Februar. Für den Monat Februar sagt der hundertjährige Kalender Folgendes voraus, was wir für Diejenigen, denen es Spaß macht, die Wissenschaft des Hundertjährigen auf die Probe zu stellen, hier folgen lassen. Derselbe verkündet nämlich: Den 8. sehr kalt, in allen Kellern gefriert eS, ebenso den 9. und 10., welche alle anderen an Kälte übertreffen, so daß viele Menschen, Vieh und Bögel erfrieren, den 11. etwas milder, jedoch noch grimmig kalt, den 13. und 14. starker Sturmwind mit Schnee, dabei sehr kalt, den 15. trüb, den 16. und 17. viel Schnee, den 18. trüb und wenig Schnee, dabei sehr kalt, den 19. trüb, den 20. warm und schön, den 21.—28. Regen, wobei der große Schnee meistentheils abnimmt, den 29. Morgenröthe und etwas Frost, um 10 Uhr Platzregen (?’) zwischen 11. und 12. Donnerwetter mit Regen, Abends still mit Sonnenschein, doch ziemlich kalt, nach Sonnenuntergang Donner und Blitz mit Sturmwind, Platzregen mit Kiesel, Nachts starker Regen mit Schnee vermischt und heftigen Wind. Nicht wahr, das klingt gruselig? Nun, AehnlicheS hat der 100jährige schon öfter verkündet, es ist aber nicht eingetroffen, so wird's wohl auch diesmal werden.
— In Ergänzung unserer Artikel über die Obst Verwerthung führen wir noch folgendes über die Obstausfuhr aus Nord-Amerika an. Die Ausfuhr von Aepfeln von dort aus nach Europa wird seit den siebziger Jahren schwunghaft betrieben. Obwohl der erste Ap.elbaum in Nordamerika durch deutsche Hand erst in den 20er Jahren unseres Jahrhunderts gepflanzt worden sein soll, so hat nach statistischen Erhebungen um 1875 schon die Zahl sämmtlicher Äpfclvünme gleich die der Pfirsich bäume 112 Millionen betragen, wogegen an Birnen- stämmen nur 28 Millionen vorhanden waren. Heinrich Seniler in San Frunzisko belehrt uns ferner, daß der Durchschnittswerty der alljährlichen Obsternten in der Union 300 Millionen Mark beträgt, wovon etwa der dritte Theil auf die Pfirsichernte entfällt. Nach dem genannten Gewährsmann wird eine halbe Million Menschen in den Obstprüservefabriken beschäftigt und producirt der Staat Michigan allein jährlich für 20 Millionen Beerenobst, während das Dorf Highland am Hudson im Sommer ein eigenes „Himbecrendampfbvot unterhält, um seine Ernte im Werth von 80—100 000 Mark nach New Uork zu befördern. Im Staat Illinois sind 308,096 Acres (1 Acre ----- 40 Ar) der OvstkuitUr gewidmet und liefern einen durchschnittlichen Bruttoertrag von 106 Mark pro Acres. Hanptdroductc der Amerikaner in dieser Beziehung sind Pfirsiche, Aepfel und groß- früchtige Preißel- oder Moosbeeren (Oaubenies, welche letztere Obstart Herr Hofgürtner Maurer in Jena bereits in der Mitte der sechziger Jahre bei uns in Deutschland eingeführt hat. Als besonderes Product müssen wir auch die gedörrten Acpfelscheiben betrachten, mit denen die Bereinigten Staaten unsere Märkte überschütten, während wir selbst hier im Mutterland des amerikanischen Obstbaues wegen der Unmasse verschiedenartiger Akpfelsorte» nur ein mmderwrithiges Dörrprodun
noch ad evidentiam bewiesen bekommen, daß die Kirche mit Recht das crimen maleficarium als das fluchwürdigste Laster aufzählt! Das Rad und der Scheiterhaufen hat das weltliche Recht mit allem Fug auf dieß Verbrechen als Strafe gesetzt."
„Wenn Ihr denn so überzeugt seid, Herr Pfarrer, daß die armen Weiber solche Verbrecherinnen sind," , entgegnete traurig FirmusOberhofer, „so wollet wenigstens als barmheriger Priester den unglücklichen Weibern ' tröstend beistehen in den Stunden der Angst und Verzweiflung und es soll uns bei Weg nach München zu den Herzogen nicht zu weit sein —"
„Ich will gern meinen geistlichen Trost auch den ärgsten Sündern geben, aber, Herr Eonsrater, wo dMl.^ Ihr hin? Lassen wir die Herzoge aus dem Spiele, sie werden ohnehin mild genug auftreten, wo es nur immer angeht. Und Ihr, Ihr — — hum — habt Ansichten, die sich mit dem kirchlichen Gehorsame nicht vertragen! Laßt Wetter läuten, sag' ich, und zieht Euch auf Eure Stube zurück."
Der Pfarrer verfügte sich in tiefsten Gedanken in den Pfarrhof. Oberhofer aber befahl dem Meßner der Hauptkirche den Gewittersegen zu läuten und begab sich dann tiefbetrübt ebenfalls in den Pfarrhof, wo auch er seine Wohnung hatte.
Das Gewitter war da, Schongau mit Donner und Blitz, Regen und Hagel überschüttend. Die große Glocke heulte darein. Es war eine schmierige Nacht. — —
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3. Bei der allen Kerblin.
Wir führen den geehrten Leser nun aus der Stadt, in die Gegend zwischen Dorf und Altenstadt, das wegen seines romanischen Münsters wohlbekannt ist, und dem Dorfe Schwabsoyen. Da schleichen in der soeben erwähnten Gewitternacht am Saume eines Waldes, welcher links von der aus der Stadt Schongau über Altenstadt nach Schwabsoyen führenden Heerstraße sich ausdehnt, zwei Frauengestalken hin. Sie kommen aus der Richtung von Schwabsoyen. Der Wald, welcher zuweilen von grellen Blitzen überflogen wird, birgt mit seinen Saum- gehegen die Dahinschrcitenden und die suchen absichtlich die dunkelsten Stellen. Die eine der Frauen ist gesprächig, die andere schweigsam. Die Gesprächige ist ein kleines, bejahrtes Weibleiu, das gehiimniten Rückens dahinhuscht, in ärmliche, bäuerliche Kleidung gehüllt. Die Schweigsame ist — wir können es schon errathe« — ein noch junges, schönes Weib, zwar ebenfalls in der Kleidung der Laudleute dortiger Gegend, aber diese Kleidung ist feiner in Tuch und Arbeit, als ' die arme Volksklasse zu zahlen vermag.
„Nun sind wir bald an Ort und Stelle," spricht jetzt die Kleine, Alte. „Nur noch nm's Nuchen-Eck, dann sind wir am Brückle, von da geht's noch einmal rechts, ein dissele in den Wald hinein, dann kommt der Forchenbühel, die Lichtung und das Häusle. Die alle Kerblin wartet schon auf Dich! Es ist ihr.eine große Ehr' und Freud', daß die reiche Müllerin von Schwab- soyen zu ihr kommt, daß die schöne „Wittib", wie Du allgemein genannt wirst, ein Vertrauen zu ihr hat. Die Kerblin vermag Alles, sag' ich Dir. Wenn Dir je Eine den Burkhard verschaffen kann, dann ist s i e es. Aber der Kerblin Tochter, die Ottilie, hat ihn schon so viel fest, so viel, sag' ich Dir, daß es g’rab genug Mühe kosten wird, ihr den Menschen abspenstig zu machen. Die Kerblin giebt Dir gewiß einen kostbaren Trank, denn sie haßt die Schweudner'schen und will nicht, daß die Ottilie den Burkhard gern hat. Müllerin, spar nur kein Geld bei der Alten, denn geldgierig ist das arme Weib, daß es ein Graus ist."
„Wie bist Du denn eigentlich mit der Kerblin bekannt geworden, Dennhauscrin'? Und glaubst Du, da« sie wirklich hexen kann?" so frug die Genossin Mists unheimlichen Wanderung, die schöne Müllerin. M Schreib- und Taufname waren: Millenn. MargarM So nennen sie die Akten des Prozesses.
„Nun muß ich Dir halt Alles umständlich sage«/ zischelte die,.Dennhauscrin", genannte Johanna Schwab,«, eine verwiltwete Bäuerin. Uyd sie zog ihr bünvcs ärmliches Umschlagtuch über den Kopf und über Mf spitzen Schultern, dieweil der Gewittersturm mit Macht über die Waldung dahinbrauste und der Donner beständig die sich jagenden Blitze begleitete.
„Schau, Müllerin, mich Hat eigentlich die Ursula, die Weinmillerin von Engentjed, schon vor sechs Jahre« mit der Kerblin bekannt gemacht,, Damals bsii ich noch ledig gewesen und tu Deinen Dienst gekommen, wo ntiiO gleich recht gut gefallen hat. Aber da wurden Deo« zwei schönsten Kühe -krank, und ich traute mir nicht, ck Dir gleich zu sagen, weil ich mich gefürchtet hab', t« könntest mich deswegen davon jagen und die Schuld o« mein schlechtes Füttern werfen. Und da es mit W Kühen immer schlechter ging, besucht' ich die Wri« millerin von Engenried, von der ich wußte, bafi allerlei Mittel machen kann und ein bissele Zaubers treibt. Die Ursula aber hatte kein Mittel fertig W schickte mich zur alten Kerblin, nach dem Forchenbühek Die half mir nun gleich. Und schau', wie ich >zu in's Hänsle kam — jetzt werden wir's gleich ertei# haben — da merkt' ich bald, daß es richtig war dem, was man ihr schon lange nachsagt, besonder- l^ ihr Mann durch den Lenzenbauern auf die Gabt P