Schlüchterner Zeitung.
Amtliches Blatt für die Veröffentlichungen des Kre-ses Schlüchtern.
Erscheint Mittwochs und Samstags. — Preis vierteljährlich 1 Mark. — Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deien Raum 10 Pfennig.
Mittwoch, den 8. Februar
1888
Amtlicher Theil.
Berzeichnitz
der Preise und des Gewichtes der Backwaaren für den Monat Februar 1888.
Namen der Bäcker bezw Backmaaren-
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Händler.
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1. Stadt Schlüchtern
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Adam Freund, Bäcker
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8.
Ferdinand Mffer, Bäcker Ph. Weihet, Bäcker
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5. Botender, „
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8.
Geora Weihe! „
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6.
Leonh. Barst,
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7.
Johs. Weihet, „
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8.
Johannes Denhard
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9.
W. Urbach,
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Ludm. Bolender, Bäcker
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11.
Benedict Strauß „
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12.
.lob«. Gerlach .,
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13.
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Philipp Rüster „ ktavt Stetnnu.
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8.
W.Euler, am Bellingerth. W. Euler, Georg» Sohn Friede Euler
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FohS. Weihet, Johs. Sohn Joh«. Weitzel, W Sohn -
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Friedrich Buß
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7.
Konrad Euter
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9.
Konrad Buß
4.
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9.
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Th. Weber, Bäcker
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Eduard Betz, Bäcker
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Karl Roll, Händler
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Herm. Weisdecker, Händl.
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Schlüchtern, den 30. Januar 1888.
Der Königliche Landrath: ' Noth.
Die Brarrdeusteirrer Fehde. XV11L
Ruprecht Zurchtrs zweites Gefängniß und Ende der Fehde durch die Einnahme des Brondensteins von Seiten des Grafen von
Werthen«.
Am Sonntag Advent (l.Dez. 1522) ritt ich (nämlich Ruprecht Zürcher) von Nürnberg aus gen Baiersdorf. Ehe ich zur Stadt kam, sah ich, daß mir einer auf einem weißen Gaul nachritt. Als ich ihn fragte, wem er nachritte, sagt er, er wäre im nächsten Wirthshause gewesen und hätte mich sehen reiten. Er wäre des Wirthes Knecht in der Stadt und ricthe mir, ich sollte bei dem Wirth bleiben, es wäre spät. Als ich zu dem Wirth kam, merkte ich wohl, daß er mich wunderlich ansah. Ich gäbe ihm gute Worte. Als er mich fragte, von wannen ich wäre, sagt ich ihm, ich wäre von Körnchen rund gehörte dem Herzog Ferdinand von Oesterreich zu. Darauf sagte er : „Ja, ich höre es an der Sprache, daß Ihr ein Oesterreicher oder derselbigen Art Herseid." Darauf fragte er mich, wo ich hinreiten wollte. Sagt ich ihm: „Nur nach Bamberg, aber die zwei Jungen reiten gen Leipzig." Am Morgen sprach ich zu dem Wirth: „Lieber Wirth, Ihr wißt, daß ein Gast niemand treueres hat als einen Wirth, besonderlich als ein fremder Mann im Land. Demnach bitt' ich Euch, rathet mir, ob ich eines Geleites nothdilrftig bin, dann will ich es nehmen und Euch darum geben, was sich gebührt." Sagt der Wirth: „Ihr bedürft keines Geleits, Ihr leib sicher in dem Land und wenn Ihr Gold auf der Hand trüget, wäret Ihr sicher und brauchtet Euch nicht jh besorgen."
Am Abend nun, als ich der Stadt Bamberg nahte, sah ich einen Reiter neben der Borstadt, eilet dem Wasser zu. Da eilte ich auch dem Wasser zu, er aber vor mir in die Stadt. Ich konnte nicht recht erkennen, wo er Herkommen, meines Bedünkens ist er nach mir her- gekommen. Der Mann hatte ein Pferd, das nicht groß und apselgrau war, und das einen langen Schwanz hatte.
Am Dienstag ritt ich von Bamberg aus. Als ich in das Feld kam, sprach ich zum Hans Kürn von Danska: „Lieber, schau um, ob du Reiter siehst." Begegnet uns ein Bauer, fragt ich ihn, ob er Reiter gesehen Hütte, sagt er, ja, einer wäre voran, er führte Harnisch. Dieweil ich mit ihm redete, ritt Hans Kürn fort und fort. Da rief ich ihn und sagte ihm, der Bauer hätte einen Reiter gesehen, der Harnisch führe. Da lachte Hans Kürn und sagte: „Der weiß viel, was ein Reiter ist." Daraus spricht Hans Kürn: „Der gestrige Wirth hat Euch im Wolfspelz für einen Edelmann gehalten und mich für Euren gereisigen Knecht."
Bei Ratelsdorf auf einer Wiese am Graben kamen fünf Reiter, die fingen mich. Fragt' ich, wessen Gefangener ich sein sollt', sagt Marsilms (nämlich Mar- silius v. Rieneck) im Beisein der andern Reiter: „Ich bin Hans Thum von AbSberg, dessen Gefangener bist Du." Als wir auhubeu zu reiten, sah Reinhard von Risiko Hans Kürn von der Seite an und sprach: „Das ist ein gereisiger Knecht."
Den Dienstag und die Nacht führten sie mich und wir kamen in ein Schloß, da war kein Edelmann drinnen, sondern ein alter Mann, den nannten die Reiter Hofmann. Sobald wir in das Schloß kamen, da ging HanS Kürn aus der Stube und war eine Weile draußen und die Edelleute bei ihm. Da er kam, sah ich ihn an, er sah aber nur unter sich. Da gaben sie ihm seinen Wetschka wieder und alle seine Briefe und die Knechte waren von Stund an gut eins mit ihm. Aber mein Geld, das sie mir genommen hatten, das theilten sie auf dem Tisch.
Also lagen wir Mittwoch Tag und Nacht stille. Am Donnerstag Morgens früh kam des Marsilius Bub', bracht ihm einen Brief. Darauf ritten die zwei Edel leule früh hinweg und nahmen meinen Wetschka mit. Dann brauten sie etliche Bauern, die ihren Knechten hülfen, uns zu hüten. Sagt' ein alter Bauer: „Ich wollt' in meinem Haus lieber Wasser trinken, als daß ich da sitzen soll und Wein trinken, ich seh' wohl, wie es zugeht, aber unsere Herren wollens also haben."
Donnerstag Nacht führten sie mich wieder fort. Als wir zu dem B r a n d e n st e i n noch zwei Meilen Wegs hatten, ritt Reinhard von Nisika mit dem Hans Kürn hinten nach allein. Darnach trabt er eilends herfür zu Marsilius und spricht: „Ich hab' den gefragt, er spricht von sieben." Das andere sagt er ihm ins Ohr, daß ich's nicht hören konnte. Mehr sprach er: „Ich hab' ihn gefragt, wie er sich zu Nürnberg halt', darauf hat er gesagt: „er hält sich hoch und köstlich". Wie ich'S hörte, also sagt' ich's Hansen, und er leugnete es nicht. Ehe wir darauf zum Brandenstein kamen, sprach ich zu ihm: „Wie kannst Du sagen, baß ich mich köstlich hatte zu Nürnberg?" und bat ihn, er sollte nicht lügen, sollte die Wahrheit sagen. Denn es würde dazu kommen, daß wir gegenüber stehen müßten, und würdest Du über mich lügen, so würde ich Dich einen Lügner- schelten." Er schwieg und der Reinhard redete wieder mit ihm. Was ich dem Hansen gesagt, das sagt er dem Reinhard, worauf ihm Reinhard hat ledig wollen lassen. Da hat der Hans gesagt, das Roß wäre mir, denn ich hätte es ihm geliehen. So verdroß sie, das Roß an der Hand zu führen, und sie hießen ihm mit ihnen zu reiten.
Auf dem Brandenstein brächte SamStags zur Nachtzeit Mangold von Oberstem die Ocdhrimerin und setzte sie mir zur Seite und sprach: „Da bring ich Euren Feind." Sie sagte viel große Dinge von denen von Nürnberg, sie hätte im Kammergericht was verlangt mit Recht, was ich nicht verstehen konnte. Die Edelleute saßen in der Stube und hörten zu. War meine Antwort: „Liebe Frau, ich halt' Euch nicht für einen Feind. Ihr sagt mir von denen zu Nürnberg, darum nehm' ich mich nichts an, ich bin kein Nürnberger und ihnen in Nichts verpflichtet. Sie haben mir mit mir weder zu bieten noch zu schaffen, ich bin ein Bürger zu St. Veit in Kärnthen, da bin ich gelobt und geschworen meinem gnädigsten Herrn Herzog Ferdinand von Oesterreich, der ist mein Laudesfürst!" Sagten die Ebelleut: „Du handelst mit denen von Nürnberg."
Sagt ich: „Nicht anders als ein Gast zu Nürnberg wie zu Leipzig oder anderswo als ein Gast bei einem Wirth, demnach, liebe Frau, habt Ihr keinen Anspruch zu mir, noch zu meinem gnädigsten Herrn und Landesfürsten. Ich hab' auch ein Brieflein darüber in meinem Wetschka, den mir die Edelleut' genommen haben." Da stund Mangold von Eberstein auf und sprach zur Oed- heimerin: „Geht hinaus, wir müssen ein anderes thun!" Sie führten mich nun in einen Stock und schloffen mich mit beiden Füßen ein. Der Stock war sehr eng, das klagt ich Christoph von Nissika, der aber sprach: „Ich wills also haben!"
(Schluß folgt.)
Rede des Fürsten Kismarck.
Berlin, 6. Februar, 5 Uhr Nachmittags. (Original-Telegrammder,/Hessischen Morg^ zeitung".) Aürst Msmarck erschien heute im Reichstag und hielt eine zweistündige Rede/ worin er sagte: Die Lage habe sich seit dem Vorjahre eher gebessert. Als günstige Zeichen seien die Wahl Sadi Carnots und die Zusammensetzung des Ministeriums an- zusehen. //Mit der russischen Presse führen wir keinen Krieg. Ich glaube dem Wort des Kaisers Alexander, daß er keine An- griffstendenzen verfolgt. Die Truppenauf- stcü'ungen Rußlands sollen wohl nur das Gewicht Rußlands bei einer etwaigen orientalischen Krise stärken. Vielfach seit 1848 sind große Kriege durch unsere Friedensliebe verhindert worden. Zu dem Vertrage mit Oesterreich sind wir damals durch die russischen Kriegsdrohungen gezwungen. DieMeröffent- lichung ist keine Warnung, da sie Rußland schon längst kannte. Wir halten Rußland gegenüber unsere Verträge. Sobald Rußland unsere diplomatische Unterstützung zur Ker- siellung seiner Machtstellung in Mulgarien amtlich wünscht/ trage ich kein Bedenken/ dem Folge zu leisten. Die Drohungen der russischen Uresse sind eine große Dummheit. Wir fürchten Sott und sonst niemand!“ — (Stürmischer, begeisterter Beisall.) Nach kurzen patriotischen Worten der Abgeordneten Don Frankenstem, v. Benningsen, v. Helldorff, Gras Behr und Rickert wird das Wertgesetz en Bloc angenommen. (Stürmisches Bravo, große Begeisterung, Händeschütteln).
Deutsches Reich.
Berlin, 4. Februar. Die erfreulichste Nachricht kommt heute aus San Remo. In dem Partikelchen, welches der Kronprinz vor einiger Zeit ausgerüstet und das Professor Dr. Virchow in Berlin aufs Sorgfältigste untersucht hat, hat sich nichts Krebsartiges gefunden. Virchows Gutachten über den Befund ist in San Remo eingetroffen und ein zweites sehr ausführliches wird er folgen lassen. Man muß daran denken, daß Virchow gerade in dieser Frage und Sache eine Weltautorität ist. Mackenzie ist durch Virchows Gutachten in seiner Ansicht bestärkt worden, daß das Leiden des Kronprinzen eine Perichondrilis (Knorpelhautentzündung ist, die zwar auch eine schwere und sehr langwierige Krankheit ist, aber doch Hoffnung auf Heilung bietet, was man vom Krebs nicht sagen kann.
— Aus San Remo wird vom Freitag telegraphirt: Der Kronprinz hatte eine sehr gute Nacht, fühlte sich wohl und war, als die Aerzte ihm einen Morgenbesuch abstatteten, in der besten Laune. Mackenzie reift zu einem Krankenbesuch nach Barcelona und kehrt Dienstag Abend zurück. Trotz der Möglichkeit einer baldigen Vornahme des Lusiröhrenschuittes sprechen momentan alle Anzeichen für einen günstigen Charakter der Krankheit. Das Wetter ist sonnig. Deshalb eine Ausfahrt. In Gries bei Bozcu ist vom Mai ab eine Villa fest gemiethet.
— Minister v. Puttkammer wird im Feuer förmlich gehärtet, wie die Schwerter in Solingen und Damaskus. Aus dem Feuer des Reichstages ist er in das Feuer