in dem Umstände, daß er die Sprcugarbciten, obwohl er nicht kundig in diesem Fache war, selbst vornahm und auch beim Ausziehen des nicht losgegangenen Schusses keinen Sachverständigen zu Rathe zog. Ferner nimmt aber auch der Gerichtshof an, daß die Thut nicht unter den Abs. 2 des § 230 des Straf-Gesetz-Buches fällt, denn das Sprengen ist nicht als Berufs- oder Gewerbs- pfiicht des Angeklagten zu betrachten. Endlich zieht der Gerichtshof noch erheblich mildernd die Verletzung, die sich der Angeklagte selbst zugezogen, in Betracht und verurtheilte denselben auf Grund des § 230 Abs. 1 zu 15 Mark Geldstrafe subs. 3 Tage Gefängniß und in die Kosten.
Hofgeismar, 30. Januar. Wie die „H. Z." ver nimmt, besteht höheren Orts die Absicht, auf dem Brunnen hierselbst ein Seminar für Psarramtseandidaten zu errichten. Bekanntlich bestehen derartige Seminarien, in welchen die von der Universität abgehenden Candidaten der Theologie noch einen besonderen Cursus dnrchzumachen haben, in fast sämmtlichen preußischen Provinzen, nur unsere Provinz hatte eine derartige besondere Anstalt noch nicht. Wie wir hören, nahm der in voriger Woche hierselbst anwesende Herr General-Superintendent Lohr von Cassel bereits Veranlassung, die Räumlichkeiten auf dem Brunnen für den in Aussicht stehenden Zweck zu besichtigen.____________
Ausland.
Seu Atewo, 31. Januar. Die Doktoren Mackenzie, Hovell, Krause, Schröder und Bramann haben gestern Nachmittag eine genaue Untersuchung des Kehlkopfes des Kronprinzen vorgenommen und einstimmig ihre Ansicht dahin ausgesprochen, daß eine Operation unnöthig sei. Die Athmung ist durchaus normal, der Kronprinz hat gestern mit Dr. Mackenzie einen Spaziergang und darauf eine Spazierfahrt unternommen. _____
Eine Stunde im Fenal. H u m v r e s k e eon
Otto Ludwig.
Der liebe Leser folge mir auf ein Stündchen in die Mauern der uralten Stadt N. N. und trete mit mir in die heiligen Hallen des Gymnasiums, des Tempels der Wissenschaften, in dem der deutschen Jugend der Keim der Weisheit eingepflanzt wird und wo der Nürn- berger Trichter durch Arrest und Klassenbuch ersetzt wird.
Schauen wir uns einmal etwas um in dem wunderbaren Käfig so vieler übermüthiger Jungenherzen. Vielleicht amüsiren wir uns ganz gut.
Soeben trat der würdige Herr S., Professor der Geschichte und Geographie, in die Untersekunda ein. Das ist seine Klasse, speziell seine, denn schon seit mehr denn 10 Jahren steht er ihr als Ordinarius vor und, das muß man ihm lassen, er hat sie in Zucht und Ordnung. „Quosego, ich will eich, steht nicht da, als wolltet ihr Ofenschrauben abbeißen, die Untersekundaner müssen zeigen, daß sie stramme Kerls und vernünftig sind. Fort mit der alten Duckmeiserei aus der Obertertia, hier seid ihr kaiserlich kenigliche Untersekundaner."
Unter diesen Gedanken, die er jedes Jahr den neu aufgerückten Schülern in längerer Rede vorträgt, hat er die Thüre geöffnet und schaut mit Stolz und Würde auf seine Jungcns. Alles ist ruhig, aber siehe, da oben auf dem Fensterkreuz jener wagehalsige Turner, der bemüht ist, das Rouleau zu befestigen, wie leicht kann er stürzen, vom 3. Stöcke hinab auf das Pflaster, das Herz krampst sich dem guten Manne zusammen bei dem Gedanken, einer seiner Jungcns läge da unten mit zerschmettertem Schädel.
„Quo8 ego", ruft er, „sitzt da wieder einer aus dem Fenster, wenn er herunter fällt und den Hals bricht, ja, dann kommt er freilich nachher herauf und will's nicht gewesen sein, vorwärts herunter da! Ihr dummen Jungcns, wie oft habe ich eich schon gesagt, daß ihr zu solchen Sachen eine Leiter nehmen sollt. Was ist das überhaupt für eine Art, bei dieser Kälte 15° minus das Fenster zu effneu? Da sitzen sie dann wie Butter an der Sonne und wundern sich nachher, wenn sie krank werden. Wir sind hier in Deutschland und nicht in Italien. Ja, da ist's freilich etwas anderes, da ist's warm, da mißt ihr nach Mailand gehen, da scheint die Sonne bei Tag und bei Nacht und die Rosen blühen Sommer und Winter. Nun, ich will hoffen, daß ich das nicht wieder sehe."
Der Turner ist inzwischen von seinem hohen Sitze herabgekletiert und hat sich ruhig auf seinen Platz gesetzt, der Herr Professor aber begiebt sich auf den Katheder.
„Jsaack, wo sind wir in der letzten Stunde stehen, geblieben?“
„Bei der Völkerwanderung, Herr Professor."
„Ganz recht, bei der Völkerwanderung. Wo sind denn die Karten wieder? Wir müssen doch sehen, wo die Velker herangezogen sind. Eine ist da, gehe hinab Jsaack und Hole die beiden anderen drei Karten von Eiropa auch noch herauf."
Jsaack schiebt ab. Bis er zurück und die Karten mit HiM einiger Mitschüler amgehängt sind, verzehrt der Herr Professor sein Frühstück, denn es ist 10 Uhr und' je dicker er wird, desto mehr Hunger verspürt er; auch versteht es ja das Töchleichen zu gut, ein leckeres Vrödchcn zu bereiten.
„So, also bei der Völkerwanderung. Ja, die Hunnen, das war ein wildes Volk. Die saßen auf ihren kleinen Pferden, als wenn sie darangewachsen wären. Kennt ihr eich das norftcllen? Tag und Nacht saßen sie darauf, ja, sie schliefen sogar aus ihnen und wenn dann einer daherkam, dann sprangen sie ab, zogen ihm Kleider und Stiefel aus, setzten sich darauf und ritten fort. Der arme Kunde mochte sehen, wo er andere herbekam.
„Die Hunnen kochten sich sogar ihr Essen auf ihren Pferden. Nun, Brod aßen sie iberhaupt nicht, das war ihnen zu weichlich. Die aßen nur Fleisch und das legten sie roh auf den Rücken des Pferdes, setzten sich darauf und ritten es mürbe. Na, das waren ja damals iberhaupt noch andere Zeiten als jetzt, damals hatte man noch keine Conserven mit eingemachten Blechbichsen, da aß man noch Bärenschinken und Rennthierrippen.
„Na, um also wieder zur Sache zu kommen, die Hunnen kamen aus Asien nach Europa und besiegten nach und nach in vielen Schlachten die Gepidcu, Ostgoten und alle anderen Velker. Im Jahre 451 wurden dann auch in der Schlacht bei Chalous sur Marne die Westgoten unter ihrem Wenige Theodorich und dem remischen Feldherrn ALtius besiegt. Das war aber so: Das Centrum hielt Sangipan mit seinen Alanen, und den Fligel die Westgoten. Auf der Seite der Hunnen stritten die Gepiden und die Ostgoten. Attila hielt die Mitte. Schon hatte er die Alanen, die etwas zwei deitiger Gesinnung waren, durchbrochen, gegen die Westgoten mit aller Macht vorgedrungen und Theodorich der Große lag tapfer kämpfend, todt auf dem Schlachtfeldc, da drang Thorismund der junge Königssohn, den Tod Theodorichs rächend, vor mit seinen wutentbrannten Goten, die Hunnen wichen und der Sieg war entschieden. Beide Heere zogen sich in ihre Wagenburgen und die Germanen feierten unter Todes- und Siegesgesängen den erfochtenen Sieg, den ihr Zeitig mit dem Leben bezahlt hatte.
„Es war iberhaupt stets eine Eigenthimlichkeit der Germanen sogenannte Wagenburgen zu haben. Sie schoben nämlich ihre Gepäckwagen in einen Kreis zusammen und da hinein kamen die Weiber und Kinder. Die Weiber feierten nun durch Zurufen ihre Männer zum Kampfe au. Sahen sie nun, daß die Schlacht verloren war, dann tödteten sie zuerst sich und dann ihre Kinder. — Meier, was grientest du?"
„Ich habe nicht gegrienzt.
„Alberner Bursche, was fällt dir ein ? Du hast doch gegrienzt. Fort, jetzt wird examinirt. Bicher unter den Tisch, nun wollen wir einmal sehen, ob du auch mehr kannst als grienzen. Hic Rhodus, hie salta! Vertreten!"
„Wann kamen die Cimbern und Tritonen?"
„Im Jahre 113 v. Chr."
„Warum nicht nach Christus? Nun? Alberner Kerl,! weil Christus damals noch nicht gelebt hat. Ich sehe schon, du kannst nichts. Aber perge."
„O ich habe gelernt."
„Nun ja, nous verrons."
„Wer machte in der Seeschlacht bei Salamis den Angriff?"
„Das haben wir auf heute nicht auf."
„Alberner Bursche, lernst du bloß von Heike auf morgen? Das hat die attische leichte Reiterei gethan. Er kann nichts, gar nichts. Ich sagte es ja gleich. — Halt! riefe einmal bei Seite, Bammel, nun, schnell, — aha, da haben wir es ja, er schmickt sich mit fremden Federn. O du kannst es noch weit bringen. Aber du kommst mir recht. Klassenbuch her."
„„Meier machte hinter dem Ricken seines Vordermannes das Buch auf. Ernstlich verwarnt.""
„So, kommt das noch einmal vor, dann erhältst du Arrest. Ich habe genug von dir, setz' dich. Nr. 6, vellig unwissend."
„Heite Mittag haben wir Geographie. Da will ich eich die Eisenbahn über den St. Gotthard einmal mit« bringen. Da kennt ihr einmal sehen, was der Mensch alle fertig bringt. Nun, es lohnt sich dort auch etwas zu thun. Es ist eine wunderschene Gegend die Schweiz. Diese Felsen, die solltet ihr einmal sehen, da wirdet ihr staunen. Das ist anders als wie eier Geiskippel hier. Da ist z. B. am Rittli in einen Felsen mit goldenen Buchstaben der Name Schillers eingehauen. So groß, daß man es unten vom That aus lesen kann. Aber es ist auch gefährlich, da hinauf zu gehen. Wenn da so ein Sturm kommt, der macht alles kaput. Freilich, es ist immer noch kein Orkan. Der Sturm ist mehr auf dem Lande, während der Orkan aus der See ist, wo er Heiser, Beime und Alles umreißt. Das ist etwas Entsetzliches, wer das noch nicht milgemacht hat, der »ersteht es eben nicht. Nun Ochs, was willst du?"
„Herr Professor, ich möchte sie einmal fragen, was richtiger ist, Küstensturm oder Küslenorkan?"
„Das ist einerlei, aber richtiger ist Kistensturm, denn die Kiste gehen doch zum Land."
„Da unten an der Kiste ist es iberhaupt ganz anders als auf den Alpen. Dort sind die Gletscher, die haben eine blaugrine Farbe, denn es ist gefrorenes Eis und das ist immer blangrin. Das leichter und schimmert wunderschen. Und da unten an der Kiste, da hat man nur Sumpf und Morast. Wißt ihr denn, was das ist? Nun das ist das, wo Erde und Wasser so gemischt ist,
daß, wenn man daraus tritt, man darin sinkt. In den Ländern an der Kiste hat man noch so allerhand alte Gebreiche, da rufen die Nachtwächter auf dem Lande noch immer ihr altes Berschen:
„„Hehrt ihr Herrn und laßt eich sagen, „„Daß die Glock hat 12 geschlagen, „„Hitct euch vor Feuer und Licht, „„Daß in der Stadt kein Schaden geschicht „„Und lobet Gott den Herrn.
„Herr Professor, es hat geläutet."
„So, nun dann will ich gehen, die Aufgabe habt ihr ja. Ach so, beinahe hätte ich ja vergessen, der Herr Pfarrer M. ist krank geworden. Die evangelischen Schüler, welche keine Religion haben, kennen also gehen. Guten Morgen."
Eingesandt.
Zur Kr e is - Bie h - Bers icherun g.
Der § 3 des in Nr. 8 dieser Zeitung veröffentlichten Statutenentwurfs einer gegenseitigen Kreisviehversicherung, enthält die Bestimmung, daß die gesammte Verwaltungs- kosten von dem Kreis getragen werden, während es doch fast selbstverständlich sein dürste, daß dieselben durch die Betheiliglen aufzubringen sind.
Wenngleich der hohe Werth einer derartigen Anstalt, namentlich für die ländlichen Viehbesitzer unseres Kreises nicht zu verkennen ist, erscheint doch eine so weitgehende Begnnstignng der Versichernden auf Kosten aller Kreisbewohner durch nichts gerechtfertigt, dieselbe kann vielmehr nur im Interesse derjenigen liegen, welche ihren Viehstand gegen möglichst niedrige Prämien versichern möchten.
Ob ferner die im § 8 des Entwurfs vorgesehenen Modalitäten der Prämienberechnung — Festsetzung der Prämien imch dem Alter, anstatt wie sonst üblich nach dem Werth der Thiere — eine gerechte Verteilung der Lasten ermöglichen, muß dahingestellt bleiben; auch ist diese mehr interne Frage weniger geeignet, das Jntersse der nicht zunächst Bethciligten in Anspruch zu nehmen.
Standesamt Schlüchtern.
Januar 1888. a Geburten.
Am 2. Johann Nikolaus, Sohn des Bauers Kaspar Nikolaus Alt zu Drasenberg (Gemeint^ Klostcrhofe). «. Anna Maria, Tochter des Naftwirths Joseph Schreiber zu Herolz. 3. Katharina, Siebter des Schuhmachers Konrad Ludwig Walther zu Schlüchtern.
6. Joseph, Sohn des Bauers Laurenz Hoßfeld zu Herolz 6. Margarctha, Tochter des Nachtwächters und Hirten Nicolaur Orih zu Schlüchtern. 8. Friedrich, Sohn des Bäckers Ferdineurd Stüffer das. 10. ungen. Sohn des Weichenstellers a. D Johann Adam Weber das. 16. Pbilipp, Sohn des Bierbrauers Frtedrich Karl Ludwig Hildebrand das. 21. BonifatiuS, Sohn des FadrilwederS Jacob Kubn zu Herolz. 22 Bonaventura, Tochter des Bauers Ferdinand Preis das. 24. Carl, Sohn des Leinewebers Joseph Schäfer das. 20. ungen. T chter des Handelsmanns Markus Kahenst.in zu Schlüchtern.
b Eheschlic ßu u gen.
Am 3. Haupt-SteueramtS-Assistent Rudolph August Eckhardt zu Hanau mit Klara Margarctha Kassert von hier. 26. Ackermann und Schuhmacher Georg Hildebrand mit Elisabeth» Alt, beide hier- selbst.
c. Sterbefälle.
Am 7. Amalie Pauline Bertha K.eiselmeier, 32 Jahre 10 Monate alt zu Schlüchtern. 7. todgeb. Sohn des Hausvaters Johannes Friedrich Kreisktmeier das. 13. Anna Elisabeths Preis (ledig), iß Jahre all zu Herolz 17. Antoula Härtung, 60 Jahre 6 Monate alt das. 18. Ludwig Firmung (Spengler) 37 Jahre 6 Monate alt zu Schlüchtern. 27. ungen. Tochter des Hanvels- manns MarcuS Kastenstein das. 29. Katharina Schmidt, 60 Jahre 4 Monate alt zu Kosenmühle bei Niederzcll.
MarttberiMi«.
Frankfurt, 30. Januar (Produktenbörse.) Weizen, hieß und Wetterauer 18,23 , M. kurheff. ,----,— norddeutsch. 7,b0 - 17,75 ruff. 19- 20 Mk., ungarisch, ametif. - Roggen, dies. 13,75 -.....,— Mk., Pfätzer - , — ■ Mk., ruff. 13,'0—13,75 Mk., Gerste, hies. 16,--, - Mk, fränk. —,— —,— Mk., Pfätzer -, —- , Mk, ungalisch. 17, —17,50 Mk., Hafer, Hics. 13, - - ,52 Mk, baye.sicher , - , Mk. Alles per 100 Kilo netto effektiv loco hier.
— 30. Januar. Der heutige Biehmarkt war mit 382 Ochsen, 18 Bullen, 38:• Kühen. Rindern u Stieren, 3 '4 Kälbern, 166 Hämmeln, 265 Schweinen befahren. Die Preise stellten sich: Ochsen 1. Qual. 60 Mk., 2. Qual. 54 M , Bullen 1. Dual. 4» Mk., 2. Dual. 37 Mk, Kühe, Rinder u. Stiere l. Dual. 54 M-, 2. Dual. 46 M. Alles per 100 Psd Schlachtgewicht. Halber 1. Dual. 58 Pf., 2 Dual. 50 Pf.. Hämmel 1 Dual. 52 Pi. 2. Dual. 42 Pf, Schweine 1. Dual. 51 Pf., 2 Dual. 50 Pf. Alles per 1 Pfund Schlachtgewicht.
Cassel, 1. Februar. Walzen 16,75 -17,15 Mk., Roggen 12,50 13, Mk., Gerste,----, Mk., Hafer 11,70-12,35 Mk. Alles per 100 Kilogramm.
Witterungsbericht.
Das Welker wird in den nächsten 2—3 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird sich erhöhen; der Himmel wird bedeckt fein; es werden zunächst not Ostwinde vorherrschen, später wird der Wind wahrscheinlich nach Süd lind West umspringen, und damit würden Niederschläge, zunächst Schnee ein- treten.
Kirchlicher Anjelger für Lch-Uly ein.
Sonntag, den 5. Februar 1888: Morgengoltesdienst: Herr Pfarrer Ha rlmann. Nachmittagsgottesdieust: Herr Superintendent Heck- Wvchendirnst in der Srast: Herr Sttpermrendenl H e ck.