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Der Scharfrichter, dessen Sold mit der Zahl der Delinquenten sich mehrte, war dabei sehr inleressirt, seine tiefen Kenntnisse im Hexenwesen zu zeigen. War er doch der vornehmste Experte, dessen Zeugnisse und Gni achten nach den Gesetzen damaliger Zeit selbst die Richter zu beachten hatten. Sekretarius Posselt schrieb be­reits auf Geheiß Donnspergers emsig, seit Görg und der Pfarrer zu sprechen begonnen hatten.

Wenn ich dann die Hexen an den geheimen Malen erkannt habe," fuhr Görg fort,dann beginnt wieder das Walten der Justitia. Dann zeigt |man ihnen ihre höllischen Machwerke vor und wann sie nicht ihr teuflisch Treiben gestehen, setzt man wieder die Daumschranben an. Da bringt man halt so viel aus den Teuselinnen heraus, was man will." Und Meister Görg nahm von der Amtstafel ein irdenes Töpfchen, welches mit einer übelriechenden Salve gefüllt war, nicht ohne zuvor den Herrn Hofrath geziemend um Erlaubniß zur Entnahme gebeten zu haben.Diese Salbe hier, ich weiß nicht, wo der Scherg sie fand

Im Hause der Weinmillerin zu Eugenried," er­klärte der Sekretarius Posselt, welcher mit großer Sorg­falt dashöllische Inventarium" hergestellt, klassificirt und registrirt hatte.Während die alle Weinmillerin auf einem Besuche außer ihrem Hause war, suchte der Scherg dasselb e in allen Winkeln aus und fand dieses Töpflein auf einem Brettlein innerhalb des Rauchfanges. Und wie die Weinmillerin heimkam, war der Scherg gar freundlich mit ihr und sagt', daß er ihr hab' eine Erbschaft ankünden wollen und soll nächster Tag' was Näheres hören. Und das einfältig' Weib glaubt ihm. Das Töpflein aber hatte der Scherg schon sicher in seinem Sacke und legt's zu Gerichtshanden. Nun mag's die Alte schon vermißt haben." So sprach Sekretarius Posselt.

,,'I ist eine richtige Teufelssalbe," rief Meister Gorg.Da drinnen," und er roch hinein,ist das Fett eines unschuldigen Kindleins, das sie wohl heimlich im Gottesacker ausgrub, und dazu noch allerlei höllische Kräuter. Mit dieser Salbe schmieren die Unholdinnen das Vieh, dann stirbt es ab."

Sag' nns, Meister Görg," Hub nun Rath Donns- perger an,wozu hat dieser Hafen gedient, den man einer anderen Hexe, der Barbara Kleinin, abgenommen?"

Görg besah sich das corbus delicti, einen rußigen, irdenen, leeren Kochtopf.Wie der Scherg bei uns angad, leset, Sekretär«, dessen Aussage!" sprach Donus- perger und Posselt las aus den Protokollen:und hab ich besagten Hafen im Garten der Kleinin hinter ihrem Holze gefunden und sagte sie, sie mache drinnen hie und da einen Absud wider die Raupen"so soll es also," setzte Dounsperger seine Rede fort,mit dem Hafen eilte ganz unschädtchc Bewandtnis; haben! Was ist Deine Meinung, Görg?

Oho! Das wäre die rechte Unschädlichkeit!" schrie der rohe Mensch, lustig auslachend.Das ist ein Hafen zum Wettermachen! Da muß ich aber schon; weiter ausholen. Die Hexen müssen vielerlei dem' Satan beschwören; das Erst' ist, daß sie ihm Seel' und Leib übergeben und er ganz allein ihr Liebhaber und Buhle sei.

Das Zweit' ist, daß sie bedacht seien, Mensch und Thiere mit Salb', Trank und anderem Gift zu ver­derben! das Dritt' ist, daß sie die heilige Hostie im Abendmahle empfangen und dann dem Teufel übergeben und das Viert' ist, daß sie Gewitter machen und das machen sie so:

Auf einem freien Wiesenplatze im Walde stellen sie so einen Hafen, wie der da ist, mit Wasser gefüllt, an ein Feuer. Wenn's Wasser siedet, werfen sie Haare und Blutstropfen vom eigenen Leibe, dann aber Hände und Füße eines Kindleins, das beim Neumonde muß aus dem Gottesacker ausgegraben sein, in den Hafen, lassen Alles wohl sieden, rühren fleißig um und beten Satanas, ihren Herren und Meister, an. Wenn nun das höllische Gebräu fertig ist, dann schütten sie den Hafen mit der Suppen iu'S Gras und am nämlichen Tage giebst in der Gegend ein Wetter mit gräulichem Blitz und Hagclschlag! Und das haben unsere Hexen schon oft gethan."

Rath Dounsperger sprach nun:Görg, Du kennst Dein Geschäft; wir sind Alle mit Dir zufrieden. Deine Aussagen sind jetzt ad acta hinterlegt. Ihr beiden geistlichen Herren seid nun zum Schlüsse der Berhand- lung noch rite ad protocollum befragt, ob Ihr, im Namen der Kirche, einverstanden, wenn die Justiz wider das Hexenunwesen ihren Arm ausstreckt? Herr Pfarrer, redet Ihr zuerst."

Pfarrer Erasmus Wetter, ein für das bedrohte Seelenheil seiner Gemeinde beängstigter Priester, nach der Geistesrichtung jener Zeit die Berechtigung der Hexenprozesse anerkennend, sprach:Dieses Volk achtet meiner nicht, ich will es vertilgen von der Erde." So sprach der Herr zum gottesfürchtigen Nonh!Die Kirche übergiebt die Unholdinnen, obwohl ihr Herz blutet, dem weltlichen Arme. Ausgerottet sei das Aerger­niß; jedoch bitt' ich, nach möglichster Milde zu ver­fahren. Denn die heilige Schrift sagt ausdrücklich: Gott will nicht den Tod des Sünders, sondern daß er sich bekehre und lebe."

Vermischtes.

Praktische Ausgleich u n g. Zu dem ver­storbenen berühmten Professor Schönlein kam einstens, nach seiner eigenen Erzählung, ein Spenglermeister und klagte über Druck in der Mageugegend, saures Auf- üoßen, Unregelmäßigkeiten in der Verdauung, Schwindel, Blutandrang nach dem Kopf rc. und bat deshalb um Abhilfe dieser Beschwerden. Da nun dem Herrn Professor bereits bekannt war, daß der Patient ungewöhnlich stark dem Poculoruiü ergeben war. so ließ er denselben etwas hart an und empfahl ihm aufs dringendste, eine andere Lebensart einzuhalten, weil hierbei etwaige Arzneimittel nichts helfen könnten, und er ihm deßhalb auch keine solche verordnete. Diese scharfe Zurechtsetzung wurmte aber schließlich den Spenglermeister in einem nicht ge­ringen Grade, indeß er verbiß sie anscheinend ruhig und schluckte sie hinunter. Dem Spenglermeister war aber auch nicht unbekannt, daß der gestrenge Herr Pro­fessor kein Verächter des edlen Rebensaftes sei, schon manchmal ein Glas über den Durst getrunken und sich ein recht ansehnliches Kupferbergwerk in der Nase an­gelegt hatte. Als nun der Spenglermeister sich verab­schieden wollte, zuvor aber den Herrn Professor aufragte, was seine Schuldigkeit für die Rathsertheilung sei, und dieser erwiderte,diese koste diesmal nichts", bedankte sich derselbe mit dem Bemerken Nun, eine Ehre ist die andere werth, wenn der Herr Professor seine Nase einmal verzinnt haben wolle, so wolle er es auch umsonst thun. Adieu, Herr Professor.

Ueber eine Rettungsthat des Wirthes auf dem St. Bernhard bringen Schweizer Blatter folgende Einzelheiten: Am letzten Sonntag im November, da ein heftiger Schneesturm draußen wüthete und Weg und Steg verweht waren, saß Grand, der Wirth auf dem Hospiz, in seiner warmen Stube allein mit seinem treuen Bernhardiner Hund. Plötzlich wurde dieser unruhig und gab zu verstehen, daß ein Unglück im Anzug sei. Trotz Wind und Schnee und finsterer Nacht machte sich Grand, mit der Laterne und dem Nebelhorn ver­sehen, auf den Weg, dem klugen Hund auf seiner Spur nachfolgend. Bald vernahm er ein Rufen und Stöhnen und nach wenigen Augenblicken grub Grand mit Hülfe

Und Ihr, Firinus Oberhofer, Cooperator?" frug nun Dounsperger.

Der junge Priester antwortete mit Thränen in den Augen:Gnädiger Herr Hofrath, auch mich jammert der unglücklichen Weider; mögen auch Etliche in Bos­heit, Wahn und Verstocktheit wirklich nach bösen Dingen getrachtet haben o, der Seelenirrthum ist größer an diesen Sünden, denn des Tenfels Einfluß dabei! Möchte überhaupt zweifelhaft fein, ob ein Paktum mit dem ditbolus möglich, ob es Hexen giebt. Hochgelehrte und fromme Männer haben schon ihre Stimme dahin laut werden lassen, daß der ganze Hexenglaube nur Wahn ist. Doch ich sehe mich ohnmächtig wider den Geist der Gesetzgebung und kann nur inständigst bitten, Herr Hofrath wolle in München die durchlauchtigsten Herzoge zur Milde stimmen. Bittere Noth, Hunger, allerlei Schande und Drangsal brachten manch' armes Weiblein zu bösen Gedanken der Geldgier oder Rache man könnte von obenher viel helfen, man strafe ge­linde, man schlage nieder den ganzen Prozeß"--

Nicht weiter!" rief Erasmus Wetter,geistlich und weltlich Recht sprechen bestimmt aus, was in diesem unseligen crimen zu thun ist. Hat nicht schon Saul die Hexe von Endor befragt? Es giebt Hexen und man soll unsere sonst fromme Bevölkerung von solchen lästerlichen Personen befreien. Aber auch ich stimme für Milde, wo Milde noch einigermaßen zu rechtfer­tigen ist."

Bin nicht ganz dieser Meinung," beschloß trockenen Tones der Hofrath die Aeußerungen der Geistlichen. Morgen kehre ich nach München zurück. Herr von Hörwarth, morgen beginnen Sie mit dem Prozesse. Geschwinde, unerbitterüd)! Görg, Du hast noch was auf dem Herzen, sprich!"

Der Scharfrichter bückte seine herkulische Gestalt in widerlicher Demuth vor dem gestrengen Hofrathe und sprach:Ich bitt' recht schön, daß Euer Gnaden ja nicht zu mild verfahren; eher noch ein Dutzend Weiber mehr einfangen lassen, damit ich mit meinem Weide und fünf unmündigen Würmlein in diesen theueren Zeiten doch nicht verkürzt werde an meinem Brode! Hexen haben wir ja genug."

Bei dieser naiven Bitte und deren Begründung mußte selbst Dounsperger lächeln.Es soll Dir nicht an Beschäftigung und Sporteln fehlen, Görg. Die Sitzung ist aufgehoben, Ihr Herren! Aber was ist das! Im Westen grollt schon wieder ein Wetter herauf! Das ist nun seit drei Tagen das dritte!"

Und der Donner rollte nun immer näher; grelle Blitze zuckten über die Gegend und Stadt. Die Ver- sammlung trennte sich. Freiherr Hörwarth begab sich mit dem Hofrathe in die Gemächer, welche denselben in der Pflegcbehausung eingeräumt waren. Sekretarius Posselt verschwand geräuschlos aus dem Gemache, den Abend in einen Gasthaus zu beschließen. Die beiden Geistlichen Meister Görg hatte sich auch bereis heim- begeben schritten stumm nebeneinander aus dem Pflegerhause. (Fortsetzung folgt.)

seines Hundes einen Italiener aus dem Schnee und trug ihn auf seinen Schultern in's warme Haus zurück. Der Gerettete erzählte indessen, daß noch weitere Per­sonen, seine zwei Brüder, sein Vater und ein fünfter nach Italien reisender Italiener, im Schnee umgekommen seien. Grand machte sich zum zweiten Mal auf und nach langem Suchen gab der Hund durch freudiges Bellen von einem zweiten Fund Kenntniß; es war der eine Italiener, den man so fand. Kaum war dieser in Sicherheit geborgen, als Grand und sein treues Thier die Rellnngssahrt zum dritten Mal wagten. In einer Entfernung von etwa 15 Minuten waren sie denn auch so glücklich, die drei übrigen, den Vater sammt zwei Söhnen, dem kalten Grab entreißen und retten zu können. Auf seinen Schultern trug Grand den am meisten Er­starrten in die Herberge zurück, wo er endlich NachtS 12 Uhr nach vierstündiger Neltnugsarbeit anlangte.

Al s der Großvater die Großmutter nahm." DieTilsiter Volkszeitung" forscht seit einiger Zeit in alten Blättern und Akten nach, wie es in früheren Zeiten in der Stadt Tilsit und in jener Gegend gewesen, und dabei ist sie in einem jetzt längst einge- gangenen Blatt, in Nr. 31 desTilsiter Gemeinnützigen Wochenblattes" vom Jahre 18 1 7, auf folgendes Gedicht gestoßen:

Als der Großvater die Großmutter nahm, Da war die Wirthschaft kein widriger Kram, . Sie las nicht Romane, sie ging vor den Herd, Und mehr war ihr Kind, als ein Schoßhund ihr werth.

Als der Großvater die Großmutter nahm, Da ruhte die Selbstsucht, gefesselt und zahm, Sie war nicht entbrochen den Banden der Scheu, Wie jetzo ein alles verschlingender Leu.

Als der Großvater die Großmutter nahm, Da war auch die Thatkraft der Männer nicht lahm, Der weibliche Zierling, der feige Fantast Ward selbst von den Frauen verhöhnt. und gehaßt.

Als der Großvater die Großmutter nahm, Da rief noch der Vaterlandsfreund nicht voll Gram: O gäbe den Deutschen ein holdes Geschick Die glücklichen Großvalerzeiten zurück!"

Das Jahr 1817, die Zeit bald nach den Freiheits­kriegen, das ist für viele oer heute lebenden Menschen ungefähr die Zeit,als der Großvater die Großmutter nahm", also diegute alte Zeit", und wie wir sehen, hat man sich auch damals nach der vergangenen alten guten Zeit" zurückgesehnt. Wenn wir uns in dein Gedicht die Klagen über die Verderbtheit der Gegenwart genauer ansehen, so finden wir, daß wir dteselben Klagen auch heute wieder hören; das Gedicht könnte heute entstanden sein. Und vielleicht ist es damals, im Jahre 1817, noch nicht einmal neu gewesen, sondern ,nur ein Abdruck aus früheren Tagen. Als einmal die Urgroß­väter unserer Urgroßväter ihre Herzlicbste» zum Altar führten, da wird es wohl auch nicht viel anders gewesen sein. Auch damals wird es Leute gegeben haben, die sich nach derguten alten Zeit" zurücksehnten. Den später Lebenden wird voraussichtlich die heutige Zeit als diegute alte" erscheinen.

Ein russischer Ingenieur soll ein neues Schießpulver erfunden haben, das den Namen Sletower erhalten hat. Dasselbe soll ein Sprengstoff sein, welcher nur nach einer Richtung wirkt, nämlich nach vorn, während gewöhnliches Schießpulver und Schießbaumwolle sich entweder gleichzeitig nach allen Richtungen oder sogar nur nach unten entzünden und wirken. Diese Eigenschaft macht alle soliden sorgfältigen Vorrichtungen entbehrlich, aus welchen Geschosse geworfen werden sollen. Man soll Kugelpatronen, welche mit Sletower geladen waren, mit großem Erfolg aus Röhren von Pappe abgefeuert haben, ohne daß die Röhren litten. Der Transport der Kanonen würde dadurch viel leichter, weil viel leichtere Metalle als Gußstahl und Bronee zu Geschützen verwendet werden könnten. Die Herstellungs­kosten des neuen Pulvers sollen nur etwa ein Zehn­theil des gewöhnlichen Schießpulvers betragen. Die Beschaffenheit und Zusammensetzung werden als ein tiefes Geheimniß gehütet. Ob es sich im Krieg be­währen wird? Wer will's sagen? Es ist möglich, daß es aus irgend einem unvorhergesehenem Grund ganz werthlos sein kann.Das Ausland", Wochenschrift für Länder- und Völkerkunde, ist es, welches die Auf- merksamkeit auf die angebliche Erfindung lenkt.

Unbeabsichtigte Grobheit. Gast:Na, was ist das, wo ist der ganze Stainmlisch? Noch keiner von den dummen Kerls hier?" Kellner:Nein, Herr Meyer, Sie sind der erste."

Witterungsbericht.

Das Wetter wird in den nächsten 23 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird durchweg unter Null bleiben, bei Nacht wird das Thermo­meter ziemlich tief sinken, wird aber bei Tage wieder steigen; die Bewölkung wird wechseln, doch wird der Himmel meist bedeckt sein, es werden Nord- bis Ostroms mit mäßiger Bewegung vorherrschen; Niederschläge sind nicht zu erwarten.