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Aeitage zu Mr. 8 der Schtüchterner Zeitung.

Ottilie, das Ke^enkind oder:

Das Geheimniß der schönen Müllerin.

Zeitgemälde auS dem Ende deS 16. Jahrhunderts von

Gustav Kienast.

2. Richter und Henker.

In der Pflegrichters-Behausung der Stadt Schongau in Oberbayern saßen um einen gebräunten Eichenlisch, der mit Schreibzeugen, Papieren und allerlei seltsamen Tigelchen, Büchschen und anderen Gegenständen, als: Kräuterbündeln, schwarzangekohlten Töpfen, mit Reisig­besen und Heugabeln, bedeckt war, zwei finster blickende Herren weltlichen und zwei Herren geistlichen Standes, deren Einer, der Jüngere, kummervoll dreinschaute, während des kelteren Züge Ernst und Strenge zeigten. An dem unteren Ende des Tisches kauerte ein kleiner, dürrer Gerichtsschreiber; vor dem Tische, den Herren gegenüber, saß auf einem Stuhle ein Bauersmann.

Endlich müssen wir noch eines weiteren Anwesenden erwähnen, eines grobknorrigen, breitschultrigen Menschen, welcher neben dem Bauersmanu saß. Ein blutfarbiges Äbeudroth sah durch die breiten, ruudscheibigen Fenster der Amtsstube. Mit brennender Gluth verglomm es hinter den Wäldern und Hügeln im Westen der Stadt und beleuchtete die mannigfach charakterifirten Mienen der Anwesenden, welche eben dem Verträge des Einen der weltlichen Besitzer dieser Versammlung lauschten. Der Sprechende, ein hagerer, blaßwangiger Mann mit kurzem grauem Haar, welchen eine goldne Kette über dem schwarzsammeten Wamse als einen sehr dislinguirten Herrn erscheinen ließ, war der herzogliche bayerische Hofruth Donnsperger aus München. Der Zweite der weltlichen Herren, gesenkten Hauptes das Kinn auf die Hand gestützt, den tiefen Blick des schwarzen Auges sinnend auf die Tischtafel geheftet, war Freiherr Hör- wgrth von Hohenburg, bayer. Kämmerer, Land-, Stadt- und Pflegrichter zu Schongau. Neben ihm der hagere, würdevolle Priester mit dem blassen, ernsten Angefichte und den scharfblitzenden großen, grauen Augen, dieser war der Stadtpfarrer an der Hauptkirche zuUnser lieben Frau" in Schongau, Erasmus Wetter. An dessen Seite befindet sich sein Cooperator FirmuS Oberhofer, ein noch junger Mann, dessen blaues Auge, an sich schon groß und gütig, heute sehr, sehr traurig und beinahe anfsrarrend in das Abeudroth blickte. Der erwähnte Schreiber war Lizentiatus Felix Posselt, des Gerichtes zu Schongau SekretariuS. Und jener ebenfalls anwesende Landmann war kein anderer, als der dem lieben Leser bereits bekannte Lenzenbauer von Schwabsoyen. Reben dem Bauern aber saß Meister Görg, der Peiniger und Scharfrichter von Schongau.

Jumassen, lieber Freiherr von Hörwarth," so be­endigte Rath Donnsperger seinen Vortrag,nach den von mir allhier seit meiner Präsentia eingezogenen infor- mationibus kein dubiiim mehr besteht, daß wir es mit einer über die ganze Pflege Schongau, insonders das Dorf Schwabsoyen, extensirten infernalischen Verbindung unterschiedlicher Weibspersonen zu thun haben, beauf­trage ich Sie, kraft meiner in Handen habenden Voll­macht der durchlauchtigsten Herzöge Wilhelmi und Ferdinaudi, ungesäumt im Malefizrechte vörzugehen. Schreib' Er, Lizentiale, daß Pfleger Hörwarth an Stelle fürstlichen höchsten RacheS zu München, welchem eigentlich das Verbrechen der Hexerei crimen exemtum unterstellt ist, malten und schalten dürfe -- vorbehaltlich Endui- theiteS und beliebigen Eingreifens des hochfürstlichen Rathcvilegiums in quocunque sdadio prodessus. Schließ­lich will ich die End gutachten der beiden geistl. Herren allhier, dann das Fürbringen des herbeigekommenen Lenzenbanern und die arbitria Bieister Görgen's zu Protokoll bringen, um sie nach München mitzunehmen."

Die Feder des Schreibers beginnt zu kritzeln; Stille herrscht außerdem im Gemache. Ehe der liebe Leser Mit dem weiteren Verlaufe dieser Sitzung bekannt wird, lasse er uns einige Blicke in die damalige Zeitgeschichte werfen.

Der Glaube des Volkes und die Meinung selbst sehr gelehrter Männer jener Zeit traf in dem Punkt zusammen, daß der böse Feind der Menschenseele, der Satanas, gerne den Menschen zu einem Paktum verleite, wonach er des Teufels Hülfe beanspruchen könne, seiner ewigen Seligkeit jedoch verlustig gehe. Wenn Hunderte mit und ohne Anwendung der Folter fest versicherten und diesen Wahnglauben selbst mit dem Tod auf dem Scheiterhaufen besiegelten, daß sie auf dem Blocksberge mit dem Teufel zu Mahle gesessen, so haben wir nehmen wir anderseits die Gelehrten und Richter, die auf derlei Angaben glaubten und straften auf beiden Seiten große und traurige Verirrungen epidemischer Art. Es liegt eine ungeheure Tragik der Menschenge­schichte in dem Umstände, daß Gebildete und Unge­bildete von Zeit zu Zeit einem Wahne huldigen, der die Entwickelung des ganzen Geschlechtes itiierbitterlich ^mückwirft, oft aus Jahrhundert;.

Und so war es denn auch in Schongau und Um­gegend dahingckommen, daß über Hexerei und Zauberei geklagt wurde. Die Herrschaft Schongau's besaß Herzog Ferdinand, ein Bruder des regierenden Herzogs Wilhelm V.Der Zauberei schändliches Laster", hieß es in einem Berichte Hörwarths an den obersten Hofrath zu München, greift immer mehr um sich. Immer häufiger kommen mir Klagen zu Ohren, daß in Schwabsoyen Thiere be­hext, Menschen bezaubert wurden."

Hörwarth, ein Lebemann, nicht frei von großen Fehlern, namentlich von unbezähmter Sinnlichkeit, schenkte im Ganzen dennoch ungern den Klagen bezeichneter Art Gehör. Ihm widerstrebte, furchtbare Justiz zu üben, wie man namentlich in Norddeutschland gegen die Hexen sie früher in Scene gesetzt hatte. Da er aber kein Privatvermögen besaß und doch immer viel Geld brauchte, schienen ihm die Hexenprozesse kein zu verwerfendes Mittel, reiche Sporteln zu gewinnen. Denn es war im Gesetze vorgesehen, daß bei solchen Prozessen nicht nur das Vermögen des Angeklagten, sondern auch der Verwandten derselben haftbar sein sollte. Und darum fügte Hörwarth seinem Anfangs Mai 1589 nach München abgeschickten Berichte die Bitte bei, einen Prozeß gegen gewisse Weiber einleiten zu dürfen. Die Herzoge schickten alsbald einen ihr vertrautesten Räthe nach Schongau, den strengen Donnsperger. Dieser conferirte, inquß rirte und kam bald zu den Resultaten, deren bereits Eingangs dieses Kapitels gedacht ward: daß Hexerei um Schongau im Schwang sei und das Pfleggericht so­fort einschreiten müsse.

Nun ist der Schreiber mit der Abfassung der Voll­macht für Hörwarth zu Ende und legt seine Papiere Donnsperger vor. Dieser unterzeichnete, nachdem er aufmerksam gelesen, übergab er die Schrift an Hör­warth und sprach:Nun, Sekretari, leset uns, ehe wir weiter verhandeln, das Protokollum, welches ich vorgestern den Aussagen des Schergen gemäß, aufnehmen ließ. Dann kommt der heute freiwillig erschienene testis Lenzenbauer dran.

Und der Sekretarins las:

..Act um. Schongau, den 5. Juni 1589 in der churfürstlichen Pflegkanzlei. Nachdeme nachbenannte Weiber:

1) die Elisabeth Kerblin, Nichterbänerin, ver- wittibt, von Schwabsoyen, nunmehro verarmte Söldnerin, wohnhaft in der Hütte am Farchenbühel, 2) die Johanna Schwäbin, Bäuerin zu Denn-

Hausen, nächst Schwabsoyen,

3) die Ursula Weinmüllerin, von Engenried, nächst Schwabsoyen,

4) die A n n a Ritter in von ebendort,

5) die Barbara Kleinin von ebendort,

6) die Agnes Weiß in, Gerichtsschergens- Wittib von ebendort,

es folgen noch mehr als vierzig Namen von Weibern, meist aus dem Dorfe Schwabsoyen sämmtliche durch Zeugen und längst verdächtiges Gebühren, ja schon vor vielen Jahren hier erinnerlichen Unheimlichkeiten, des Umgangs mit dem bösen Feinde dringend beinzichtigt sind, so sollen diese Weiber in Anwendung Malefiz- rechtes nach Kaiser Karoli V. peinlicher Halsgcrichts- ordnung gefänglich eingezogen und mit ihnen verfahren, auch darauf gesehen werden, daß deren Gespielen aus- gekundschaftet würden."

Nachdem der Schreiber gelesen, sprach wieder Rath Donnsperger:Herzogliche beide Durchlauchten werden, wenn ich nach München zurückgekehrt bin, in Kürze vielleicht wiederum mich oder einen meiner Collegen hier­herschicken. Sorgen Sie, Freiherr von Hörwarth, daß bis dahin ein erfreulicher progressiv der Verhandlung ellucire; sparen Sie auch die torturam nicht!"

Ein süßes Lächeln vollkommener Unterthänigkeit flog über des Pflegers vergilbtes Angesicht, während er sich gegen den Hofrath verbeugte.

Und nun geb' ich zu Protokoll, was gegenwärtiger Lenzenbauer vorhin angab. Dieser kann dann seine Aussage mit seiner Unterschrift bekräftigen. Abschrift des Protokolls werde ich nach München mitnehmen. Sekretari, schreibet!" Nach dem Befehle Donnspergers legte Posselt einen neuen Bogeu vor sich und schrieb, was Donusper diktirte:

Erschien heute der Bauer Jacob Schwendner, genannt der Lenzenbauer von Schwabsoyen, begehrte uns, Rath Donnsperger, und dem Pflegrichter von Schongau zu bekennen, wie daß er nicht länger schweigen könnte und aussagen wollte wider die Unholdinnen von Schwabsoyen. Als jüngst der Scherz bei ihm gewesen und ihm gesagt, daß jeder Bauer solle Muth fassen und dem Gerichte anvertrauen, was er wisse, da hab' er beschlossen, zum Pfleggericht zu gehen, Klag' zu führen, wie daß seit 8 Jahren, seit er der Elisabeth Keiblin, deren Mann mit Tod abgegangen, ihre Tochter Ottilie in den Dienst genommen, ihm nicht selten Vieh umge- standen und sonstiger Schaden geschehen. Die Elisabeth Kerdlin sei eine Unholdin und könne ihn, Lenzenbauer, nicht leiden, Auch Habs die Ottilie seinem Sohne

^Burkhardt angethan. Und so bitte er, Jakob Schwendner, das Verfahren wider Mutter und Tochter einzuleiten. Der Scherg hab' ihm g'sagt, die Elisabeth Kerblin Hab' schon sattsame Jnzichten wider sich und werd' wohl auch ihre Tochter eine Unholdin sein." Also diktirte Hofrath Donnsperger.

So hast Du g'sagt, Bauer," redete der Rath den Lenzenbauer an, nachoem Posselt geschrieben.Nun unterschreib', dann geh'! Es soll Dir bald geholfen werden. Doch schweige, daß die Weiber nichts ahnen, hörst Du?"

Der Bauer kritzelte seinen Namen unter das Pro­tokoll und sprach:Werd' wohl schweigen, damit die Hexen nicht der wohlverdienten Straf' entgehen. Macht er nur recht scharf, gnäd'geHerren!" und nach einigen linkischen Bewegungen entfernte er sich. Aber noch ein­mal kehrte er zurück und hub an:Wenn die Ottilie von meinem Burkhard läßt, dann bitt' ich, seid gnädig gegen das Mädel. Ich will ja nur, daß mein Sohn die reiche Müllerin von Schwabsoyen heirathet--"

Entfern' Dich, Bauer!" herrschte nun der Rath Donnsperger.Die heilige Justita wird schon wissen, was sie mit dem Mädel zu thun." Und gehorsam schlich der Bauer aus der Gerichtsstube.

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

N ew-U o rt (Ein Menschensch lächter.) Aus Pierra, Dakota, dringt, derFrkf. Ztg." zufolge, die Kunde von einer seit Jahren systematisch betriebenen Bkenschenschlächterei, wie sie die Phantasie nicht schauer­licher ersinnen kann. Auf dem Wege von dieser Stadt nach denBlack Hills", wo keinerlei regelmäßige Fahr­gelegenheit vorhanden ist, verschwanden zahlreiche Reisende, von welchen man nie wieder etwas hörte. Alle Bemüh­ungen, das Geheimniß zu ergründen, schlugen fehl. Seit einiger Zeit jedoch warf man Verdacht auf einen Mann Namens John Lablant, einen Halbblut-Indianer, welcher etwa 15 Meilen von Pierra eine kleine Farm besaß und Fremden zuweilen Nachtquartier gewährte, da sich im Umkreise von 15 Meilen keine andere Nieder­lassung befand. Lablant galt unter seinen nächsten Nach­barn als ein arbeitsamer, etwas menschenscheuer, aber durchaus ehrlicher Mann) dies ist auch die Ursache der späten Entdeckung des Verbrechens. In eine Viehdieb- stahl-Angetegenheit verwickelt, hatte Lablant den Besuch des Sheriffs zu erwarten und bet dieser Gelegenheit eine Entdeckung befürchtend, machte er sich vor Ankunft desselben aus dem Staube. Der Sheriff, welcher von einigen Bürgern aus der Umgegend begleitet war, fand den Lablant nicht mehr vor, dagegen entdeckte man bei genauer Durchsuchung des Hauses in einem Raume, welcher als Fremdenzimmer gelten mochte, eine verdächtige Vorrichtung, bestehend aus einer Klappe von etwa vierzehn Fuß Länge und entsprechender Breite im Fußboden. Auf dieser Klappe stand ein Bett. Nachdem man die­selbe geöffnet hatte, fand man, daß die ganze hölzerne Scheibe in drehbaren eisernen Klammern hing und mit einem Bolzen geschlossen war. Durch eine Schnur, welche an dem Bolzen befestigt war und sich bis zu dem oberen, von Lablant selbst bewohnten Raume erstreckte, konnte der Bolzen zurückgezogen und die Klappe zum Fallen gebracht werden. Mit dieser Fallthüre fiel als­dann auch daS Bett, mit dem unglücklichen Opfer darin, in die Tiefe. Und wirklich fand man in dem unter der Klappe befindlichen dunklen Kellergewölbe nicht weniger als 14 Leichen und Skelette, sämmtlich mit zerbrochenen Hirnschädeln. Kleider fanden sich nicht vor, überhaupt nichts weiter als eine etwa 2 Fuß lange eiserne Stange, mit welcher der Mörder vermuthlich seinen Opfern den Garaus machte. Bei weiterer Untersuchung entdeckte ipan in der Nähe des Hauses noch einige verscharrte Skelette. Die ganze Umgegend befindet sich begreiflicher Weise in höchster Aufregung und einige schnell organisirte Rächerbanden sind auf der Suche nach Lablant, welcher, falls er sich noch in der Umgegend befindet, der Lynch­justiz schwerlich entgehen dürfte.

Wie man dem Drücken der Schuhe a b- hilft, darüber berichtet eine Mitarbeiterin an die in Dresden erscheinende Frauen-ZeitungFür's Haus": Mein Schuhmacher brächte mir ein Paar neue Stiefel, welche mich, als ich sie anzog, drückten. Da machte ich den Versuch, sie mit Glyzerin einzuschmieren, welches ich auf ein Stückchen Zeug getropft hatte; ich rieb das Oberleder, sowie die Sohlen damit ein und ließ es eintrocknen. Dieses Verfahren wiederholte ich drei bis vier Mal und rieb die Schuhe dann mit einem trockenen Stückchen Zeug ab; als ich die Schuhe anzog, legte sich das Leder weich an den Fuß an, so daß ich bequem gehen konnte. Seit dieser Zeit lasse ich das Schuh­werk nie mehr wichsen, da durch das Wichsen das Leder hart wird, leicht bricht und leicht zerreißt. Bei Gebrauch von Glyzerin behält das Leder sein neues Aussehen, wird weich und ist haltbarer, auch dringt bei feuchtem Wetter die Nässe nicht so leicht durch.