Schlankheit hervortraten, während die Sonne das Gold der langen, blonden Haare mit lieblicher Verklärung nmwob, dazu die gesundheilrothen Wangen des etwa neunzehnjährigen Mädchens von der Anstrengung der Arbeit mehr und mehr erglühten, da warf Burkhard, des Lenzenbauern Sohn, manchmal einen heimlichen Blick auf das anmuthige Bild.
Der Alte lenkte absichtlich seine Schritte immer wieder aus der Nähe des Brunnens weg und zwang so den Sohn, eine väterliche Mahnrede, zu deren An- Hören bei diesem wenig Lust vorhanden schien, in ziemlicher Entfernung von dem Mädchen zu vernehmen.
„Die Ottilie da vorne am Brunnen, die muß mir aus dem Hause. Ich hab' ihre Mutter, die Kerblin, diese Hex', wieder um meinen Hof herumschleicheu sehen. Was mir die Alt' und ihr Kind dort vorn, die Ottilie, schon Schaden angethan, das ist gar nicht zu sagen. Weil ich aus Gutheit das Mädchen zu mir genommen, hab' ich jetzt den Dank, daß mir das Vieh behext wird. Und jetzt merke ich seit einiger Zeit, daß Du in das Weibsbild vergafft bist. Aber jetzt muß sie mir erst recht aus dem Hause. Wart', ich will's ihr gleich selbst sagen."
Und der alte Bauer schritt gegen den Ziehbrunnen vor.
„Halt, Vater!" rief nun der Sohn, „kränkt mir das brave Mädel nicht. Was kann sie dafür, daß ihre Mutter so bösen Leumund hat? Sie, die Ottilie, kann nichts für das Vichsterben, den Hagelschlag und and'res Unglück, das uns und die Gemeinde schon betroffen hat. Ich bitt' Euch, laßt das. Dirndl nicht vom Hose. Das könnt Ihr ihr ja sagen, daß ihre Mutter sich nicht mehr in der Nähe blicken lassen darf."
„Nein und justament muß mir das Weibsbild jetzt fort; Dein Scharwentzeln mit ihr muß ein End'nehmen. Richt Du Deine Augen auf die schöne Müllerin!"
„Vater, eher spring' ich in den tiefsten Lech, als daß ich die nahm'. Die war ihrem ersten Manne schon untren —"
„Das kann Niemand beweisen," . polterte ärgerlich der alte Schweudner. „Mir ist nun einmal die Müllerin recht als Schwiegerin, ihre Mühle ist allein meinen ganzen Hof zweimal werth und um das Gered' der Leute brauchen wir uns nicht zu kümmern. Die Hexen- brnt, das Kind der Unholdin, die Ottilie dort, die will ich Dir austreiben. — He, Ottilie, daher!" schrie der Bauer, der sich in Zorn geredet hatte und folgsam schritt die junge Diru auf ihren unwirschen Brodherrn zu. Und nun schrie sie der Alte an: „Ich merk'schon lang, daß Du um meinen Burkhard herumschwänzelst und daß noch dazu Deine Mutter, die böse Kerblin, Dich heimlich hier besucht. Aber nun pack' Dich bald; aus Gottes Barmherzigkeit willen geb' ich Dir noch Frist vier Wochen; bis Jakobi kannst' einen anderen Platz haben. Merk' ich aber, daß Du noch ein einzig Mal dem Burkhard in die Nähe kommst oder daß Deine Mutter sich hier herumblicken läßt, dann jag' ich Dich in der nämlichen Minut' fort. Jetzt geh' wieder an Deine Arbeit!"
„Lenzenbauer," entgegnete nun festen Tones die junge Dirne, „Du hast mich vor acht Jahren als Hausdirndl auf Deinen Hofe genommen, um, wie meine Mutter mir gesagt hat, an mir armen Kinde das gut zu machen, was Du an meinem Vater gesündigt hast, den Du auf die Gant getrieben. Ich hab' bei Dir treu und fleißig gearbeitet, und wenn Du mich nun forljagst, so' geh' ich mit gutem Gewissen fort und such' mir einen anderen Platz. Deinem Burkhard hab' ich nicht nachgestellt, aber wohl wahr ist's, daß ich ihm dankbar bin. Er hat mich und meine Mutter oft ver- thecbigt vor Eurem Argwohn und wüsten Haß! Meine Mutter ist eine arme Kräuterfrau und kann wohl heilsame Tränklein brauen, aber eine Hexe ist sie nicht. Die Lcut' reden ihr halt Uebles nach, weil sie eine arme Wittib ist. Und wenn sie mich dieweilen besucht, so thut sie gewiß nichts Unrechtes."
„So? Ist nicht sclbig'snial, vor zwei Jahren, wo ich Euch im Stalle hab' reden und weinen seh'n, das große Sterben unter meinem Vieh ausgebrochen? Sieben von vierzehn Kühen! Das machst Du mir nicht weiß, daß Deine Mutter blos ein arm und elendig Weib ist. Eine boshafte Trud ist sie. Aber nur Geduld — es wird noch Alles offenbar. Und Deine Mutter ist auch nicht die einzige von den Unholdinnen. Ganz Schwabfoyen kennt die Weiber, die mit Deiner Mutter das Hexenunwesen treiben!"
„Nun ist's aber genug!" rief zornerglüht Burkhard und trat rasch an Ottilien's Seite; das Mädchen Hütte ihr Angesicht weinend verhüllt. Mit seinem rechten Arm umschlang der Jüngling. die tief Gekränkte und feierlich erhob er gegen seinen Vater die linke Hand und sprach: „Nun hört mein aufrichtiges Wort! Wie ich hier meinen Arm um dieses unschuldige Mädchen schlinge, so hab' ich mich ihr für Zeit und Ewigkeit verbunden ! Ich laß' nimmer ab von ihr! So, heraus ist nun mein Gestündniß; ich hab die Ottilie zum Sterben gern und sag' ihr's jetzt grad' heraus. Ohne Euer jetziges Wild-Thun Vater, hätt' ich mir sobald nicht das Herz genommen, es ihr zu sagen. Und nicht durch die böse Kirnst' hat mir's die Ottilie angethan, Stein, nur durch ihre Sittsamkeit und Geduld. Und Denn Ihr, Baker, s i e nicht mehr am Hofe lasset, so
Vermischtes.
— Der Papst mag mit feinem Jubiläum zufrieden sein. 60 000 Pilger, darunter 35 000 Italiener, 5000 Franzosen, 4000 Deutsche und 2000 Spanier sind nach Rom gewandert, und 52 Kardinäle und 560 Bischöfe schlössen sich ihnen an. Der Gesammt- werth der Geschenke wird auf 60 000 000 geschätzt, das haare Geld beträgt 14 000 000. Unter den Geschenken befinden sich auch 90 000 Flaschen Wein, für die man einen besonderen Keller bauen mußte.
— Der Dichter Rudolph Baumbach hat in einem Berliner Blatt nachstehendes hübsche Gedicht veröffentlicht:
Dem Kaiser kam die Kunde
Durch raschen Botenlauf:
„Es heilt des Sohnes Wunde, Und Hoffnung leuchtet auf." Da dringt zu seinen Ohren Des Unglücks-Raben Sang: „Auf immer ist verloren Der Stimme heller Klang."
Der Kaiser spricht ergeben: „Du, Herr, bist über mir. Laß mir mein Sohn am Leben, Des Thrones künft'ge Zier. Und bleibt der Fritz auch heiser, D'rum wankt das Reich noch nicht. Man hört den deutschen Kaiser, Auch wenn er leise spricht."
— Die Männer, schreibt eine Deutsch-Amerillmerin, die wahrscheinlich noch keinen hat, sind ein ganz sonderbares Völkchen. Sie tragen Stiefel Nr. 10 und schnarchen. Sie tragen Hüte, die oft an Abgenütztheit nichts zu wünschen übrig lassen; eben so wenig geben sie auf ihre Schirme acht. Wenn sie dieselben nicht verlieren, halten sie sie so, daß sie Jedermann damit die Augen ausstechen können. „Klatschen ist ihnen eine unbekannte Thätigkeit, das überlassen sie den Frauen; nichtsdestoweniger gehen sie in Clubs und Vereine und sprechen über „Neuigkeiten" und Wetten." Die Männer! sind stets folgerecht in ihren Handlungen. Sie lieben ! es, wenn Damen recht einfach gekleidet gehen, ohne viel * unnützen Tand; aber, wenn eine so einfach, unauffällig gekleidete Dame auf einen Pferdebahnwagen steigt, so kann sie eine Stunde warten, bis es einem Verehrer der „sparsamen Hausfrau" genehm ist, aufzustehen und ihr feinen Platz anzubietem Wenn dagegen eine Frau kommt,
will auch ich nicht mehr hier bleiben; ich will der Ottilie folgen und ihr Beschützer sein und müßt' ich mit ihr als armer Knecht in der weitesten Fremde dienen."
„Oho!" rief nun grimmig der Alte. „Du bist mein Bub' und wenn Du mir ungehorsam bist, dann enterb' ich Dich! Und für die da weiß ich schon ein Mittel, sie und ihre Mutter unschädlich zu machen ! Geh' jetzt wieder an Deine Arbeit, Dirn'! Und Du, Burkhard, laß' Dich nimmer in ihrer Nähe blicken. Besorg' die Heufuhr von den oberen Wiesen; ich muß noch heut' nach Schongau!"
Mit einem stummen Blick der innigsten Liebe trennten sich die beiden jungen Leute. Ottilie ging zum Ziehbrunnen zurück. Der junge Bauer schritt finster und seinem Vater grollend, aus dem Hofraume, den oberen Wiesen zu, die ungefähr eine halbe Stunde von Schwabfoyen an sanften Hügeln sich hinzogen und bereits gemäht worden waren. Knechte und Mägde waren dortselbst seit ein paar Tagen beschäftigt, das Heu auf Wägen zu laden, und die Gegenwart des Hof- Sohnes sollte erhöhte Regsamkeit unter das Gesinde bringen.
Der alte Schweudner aber schritt noch lange im Hofranme auf und ab. Sicherlich waren es angenehme Gedanken, mit welchen sich jetzt seine Seele beschäftigte, denn er rieb sich die schwieligen Hände behaglich, seine grauen Augen leuchteten unter den laugherabhüngenden Brauen, und er murmelte vor sich hin, ehe er in das Wohnhaus zurückging, Hut und Stock zu nehmen:
„Wenn die Teufelsbrut eingefangen ist, dann hat auch der Burkhard wieder seinen Verstand und die schöne Müllerin wird ihm schon noch gefallen und ihn ganz für sich fangen. „Die Zeit ist da", hat gestern der Amtsscherg zu mir gesagt, der Umfrag hielt wegen des argen Hexenwesens allhier, „die Saat ist reif, die Sichel ist geschliffen." Ja, ich geh' jetzt gleich zum Pfleggericht, geb' Alles noch genauer an; die gestrengen Herren sollen uns einmal von unseren Plaggcistern befreien!" Und den Dreimaster tief in die Stirn gedrückt, den laugen Stock bedächtig zum Gang erhebend, schritt der alte Schweudner im langen, blauen Rocke, den Strümpfen und Schnallenschuhen eine sehr gemeine Erscheinung voll bäuerlichen Selbstbewußtseins, aus seinem Hofe auf die Landstraße, welche von dem Dorfe Schwabfoyen noch der alten Stadt Schongau am Lech führte.
(Fortsetzung folgt.)
Ausland.
Petersburg, 17. Jan. Der Kaiser drückte in einem Rcseript an den Gouverneur von Moskau die zuversichtliche Hoffnung aus, der Friede werde auch in dem jetzigen Jahre und in künftigen Jahren gestatten, alle Kräfte dem Unteren Gedeihen des Landes zu weihen.
die alle Thorheiten der Mode mitmacht und in auffälliger Toilette geht, so springen dieselben Herren auf und reißen sich um die Ehre, draußen stehen zu dürfen. Auch sind die Männer nach ihrer Meinung stets ohne Fehl; in keinem Fall trifft sie irgend eine Schuld. Wenn ein Mann sich erkältet hat, so meint er, sterben zu müssen; bringt man ihm dann, um ihm zu helfen, einen Teller voll nützlichen Haferschleim, so sagt er, das könnte er auch die nächste Woche essen. Die Männer können sich nicht entschließen, einen Pudel zu führen, der ein blaues Band trägt; denn das verletzt ihr Feingefühl. Dabei aber rauchen sie Tabak aus den fürchterlichsten Pfeifen, so daß ihr Anzug auf zehn Schritte danach riecht. Deshalb verlangen sie immer ein reines Hemd, und wenn man ihnen eins giebt, behaupten sie eben so beharrlich, daß nicht ein einziger Knopf daran wäre, auch wenn alle vorhanden sind, und sie dieselben nur nicht finden können. Männer können überhaupt nie etwas finden. Wenn auch die Herren der Schöpfung muthig sind, so erscheinen sie als wahre Pinsel im Umgang mit Frauen und Kindern. Wenn sie solch einen kleinen Weltbürger auf den Arm nehmen, ist Gefahr vorhanden, daß er erstickt wird. Um nur etwas Neues zu sagen, finden sie das Kindchen schön, als wenn keine Eltern da wären! Ein Kind von vier Monaten setzen sie auf die Erde, um es laufen zu lassen und gerathen dann in Verzweiflung, wenn es zu schreien anfängt. Wenn ein Mann glaubt, verliebt zu sein, dann kauft er sich Steh fragen und Shlipse; macht er den Mund auf, so beginnt er zu stammeln und stiert vor sich hin. Auch verstehen die Männer nicht so gut zu plaudern wie die Frauen. Sie sagen zu Allem „ja" oder „gewiß". Manchmal sind sie wirklich verliebt, wenn sie überhaupt nicht sprechen und in die Lüfte starren. Junge Mädchen wissen dann genau, was die Uhr geschlagen hat, und ziehen sie oft spaßeshalber auf. Haben sie sich einen Korb geholt, so erscheinen die Männer betrübt, bis sie um die Ecke sind; dann fangen sie an zu pfeifen, um in solcher Art ihre Verzweiflung zu zeigen. Sehr gern lassen sich die Männer photographiren und behaupten dann, sie wären nicht gut getroffen. Studenten der Medizin sind geradezu schrecklich. Wenn sie häufig in einem Haus Besuch machen, dann muß man ein wachsames Auge auf seinen Hund haben, da sie wegen der Anatomie denselben gern stehlen. Wenn sie ihren Doktor gemacht haben, werden sie netter; sie erwerben sich Praxis auf Bällen und Landpartien. Die Jouristen sind über die Maßen eingebildet und glauben, daß alle Mädchen in sie verschossen sind. Sie lassen sich häufig frifiren, sind die besten Tänzer, doch ist ihre Unter» Haltung langweilig. Alle Männer sind eitel und haben gern, wenn man sie für schön hält. Häufig sind sie erschrecklich fade, aber sie halten sich für das Gegentheil. Sie haben alle große Hände und Füße. Viele sind ungebildet und treten den Damen auf die Kleider, wenn sie erschrocken aufstehen. Die Männer sind ein großes Uebel, aber ganz angenehm im Haus bei einem Ge- Witter! — Sonst nicht?
— Das „Bettelarmb and", dieser bei der jungen Damenwelt so ungemein beliebte Schmuck, ist in Gefahr, in Acht und Bann gethan zu werden, wenigstens in den Schulen Berlins. Nachdem nämlich der Weihnachtsmann eine wahre Fluth solcher Bracelets auf die weibliche Jugend ausgeschüttet hat, legen ihn die Mädchen mit besonderer Vorliebe, wenn sie zur Schule gehen, an, da man den Mitschülerinnen doch gern zeigen möchte, wie viel Münzen man schon geschenkt bekommen, oder besser, wie viel man sich schon „zusammengebettelt" hat. Gegen diese unschuldige Prahlerei ließe sich nun gewiß nichts sagen, wenn nur nicht durch die unglücklichen Armbänder beim Aufheben der Arme beim Schreiben u. s. w. ein Geräusch erzeugt würde, welches ebenso unangenehm für die Ohren, wie namentlich störend für den Unterricht ist. Es begreift sich daher vollkommen, wenn von Lehrern und Lehrerinnen in den ersten Schul» tagen nach den Weihnachtsferien dem Unmuthe über die empfindliche Störung vielfach Ausdruck gegeben ist. Stellenweise scheint dies in sehr drastischer Weise geschehen zu sein, man erzählt wenigstens, daß ein Lehrer die Mädchen mit „schellenbehangenen Schlittenpferden"' oder gar mit jugendlichen Verbrechern verglich, die mit ihren „Ketten" rasselten. Das ist zwar ein bischen stark ausgedrückt, aber in der Sache haben die Lehrer recht, und man wird ihnen nur beistimmen können, wenn sie verlangen, daß das Tragen der Bettelarmbänder während der Schulstunden allgemein untersagt werde.
— Praktisch er Bescheid. . Dichter:. „Verzeihen Sie, haben Sie vielleicht Verwendung für lyrische Gedichte?" Redakteur: „Gewiß! Jetzt im Winter, wo geheizt wird!"
Witterrulgsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muttz- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird sich etwas erhöhen; der Himmel wird bedeckt sein; da das Barometer erst stark gefallen-und dann wieder eben so schnell gestiegen ist und da auch der Wind im Drehen begriffen ist, so läßt sich auf die Windrichtung kein bestimmter Schluß ziehen, wahrscheinlich werden Süd-Westwinde mit ziemlich starker Luftbewegnng vor- herrfchcn und damit sind auch Niederschläge zu erwarten.