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Vor einiger Zeit richteten derPreuß. Lehrerztg." zufolge mehrere Seminaristen in Barby ein Schreiben an den Protektor der Schule in Kamerun, King Bell, in welchem sie um Auskunft über die dortigen Schul- und Gehaltsverhältnisse baten, um evtl. nach der be­vorstehenden Entlassungsprüfung eine Stelle dort anzn- nehmen. Nach ungefähr vier Wochen kam eine Welt­postkarte zurück. Auf der Rückseite stand: Ps. 37, 5 dort steht bekanntlich der Spruch: Bleibe im Lande :c. und darunter die Bemerkung:Seine Majestät kann ja nicht lesen! Christaller." Herr Christaller ist Lehrer an der deutschen Schule in Kamerun.

Codlenz, 18. Jan. Auf der hiesigen Hauptwache ist in voriger Nacht ein Gewehr entwendet worden. Der Dieb ist vermuthlich ein Unbekannter in langem Ueber rock, welcher in der Nähe der Wache beobachtet worden ist.

Fuß in das Wasserhaus geführt und uns zu essen und trinken gegeben.

Nachfolgend haben wir in das Gefängniß im Wasser­thurm zu ebener Erde gehen müssen, doch hat das Ge­fängniß zwei Stufen Eintritt. In diesem Gefängniß bin ich gewesen 17 Tage, bis ich mit der Schätzung gelöst; desgleichen der Henn, bis er nach der Schätzung gezogen. In dem Gefängniß hat man mich und Henn miteinander jeden mit einem Fuß eingeschlosse» und uns beide zusammengeknppelt. Wenn einer auf einen Ort gerücket, so hat der andere mit haschen müssen. Und ist ein lausig und flohig Stroh und Heu im Thurme gewesen, also daß ich vermeint, sollt' ich länger liegen, so müßt' ich gestorben sein. Man hat uns oft hart gedroht, uns mit Pein (d. i. mit der Folter) anzugreifen. Als wir uns nun haben schätzen müssen, ich für 800 Gulden und der Henn für 400 Gulden, hat das den Namen also gehabt, aber ich habe das Geld allein ans- gegeben. Ich meine, wo man gewußt, daß ich einem Rath hin verwandt gewesen (d. i. dem Rath von Nürn­berg Unterthan gewesen), so wäre es mir nicht wohl ergangen. Sie haben gesagt, sie hätten erfahren, daß ich ein Fetter sei. hätte Tuch feil, sei reich, und hätten zuerst 2000 Gulden gefordert.

Ich weiß nicht, wo ich gelegen. So weiß ich auch nicht, wer die Reiter waren. Ich acht nicht, daß ein namhafter Edelmann darunter sei, wiewohl der Höbere unter ihnen ein geschickter Neitersmann ist. Und der- selbige Höhere hat geritten einen Fuchs, genaust Pferd, hat angehabt einen schwarzen weiten fliegenden Kittel, eine rothe Kappe und einen groben Hut, und in der Kappe die bambergische Farbe, Zotteln roth, weiß, gelb (es war Kunz von Rosenberg); der andere hatte einen groben Rock und eine grüne Kappe an, einen groben Hut, wie der erste, und hatte ein braun gemußt Pferd; der dritte, der Knecht fein soll, einen schwarzen fliegenden Kittel, eine rothe Kappe, einen groben Hut, wie die Andern, und die Farbe wie sein Junker, die bambergische Farbe, Zotteln roth, weiß, getb, und ritt ein schwarzes langgeschwänztes Pferd mit Aftergereit.

Die Reiter haben gesagt, wir müßten sein der Oed- heimerin und ihrer Tochter Gefangene. Es hab' ihnen ein Schreiber von Nürnberg, heiße Graf (am 8. Dez. 1520 von Kunz v. Rosenberg gefangen, wie oben ge­schildert) nicht gehalten, was er versprochen. Darum wollten sie nicht mehr trauen, als ich ihnen zugemuthet, mid) reiten zu lassen nach der Schätzung und meinen Gesellen zu behalten, was sie aber nicht haben thu» wollen.

Als sie den Henn ausgeschickt nach der Schätzung, haben sie ihn geführt bei Nacht bei 3 Meilen Wegs und ihm gesagt:Reit aus dem Weg, so kommst du gen Schweinsurt." Doch ist dem Henn eingebunden, nichts zu sagen. So er also gen Schweinfurt gekommen, hat er weiter gefragt, bis er hingekvmmen, doch nicht auf Bamberg zu. Es ist dem Henn eingebunden, nichts zu sagen, damit man ihn nicht aufhalte, und wo er sich offenbare, so müßt' ich sterben, und haben ihn geheißen, die Schätzung zu bringen auf ein Städtlein zu, heißt Ebenhausen. Und bei dem Städtlein ist eine Kapelle, heißt zum Heiligen Kreuz, ist eine halbe Meile von bannen, ist auch nicht weit von Schweinfurt, darin soll man auf den MittwochWarten um Mittag. Dahin ist gekommen der, der Edelmann oder Höherer unter ihnen ist, und der in der grünen Kappe. Dieweil sie aber, der Henn und die andern, mich nicht gesehen oder gebracht, haben sie die Schätzung nicht ausgeben wollen, also daß die Reiter weggeritten und die Schätzung in der Kapelle haben verharren lassen. In der Nacht haben sie mich gebracht, haben eine Hinterhut gehabt, ein Feuer angezündet und das Geld gezählt und uns Gefangene ledig gelassen. Ich acht', daß es sei drei Meilen vom Wasserhaus bis dahin, und wir haben unsern Weg genommen auf Schweinfurt und nachfolgend auf Nürnberg zu.

Ich acht' das Haus, daß eS den Deutschherren (einem Ritterorden) gehören solle. Darin ist ein neuer Bogt und hat viel Knecht und Magd und Vieh'. Das haben wir aus dem Gefängniß im Hof gesehen.

Deutsches Reich.

Berlin. Die Adresse an den Kronprinzen hat in Berlin 180000 Unterschriften gefunden und wird dem­nächst nach San Remo abgehen. Das nahezu einen Crutner schwere Album, welches die Unterschriften ent- hält, ruht in einem kunstvollen, reich mit Metall-B» schlägen und mit edlen Steinen besetzten Ledcreinbande, welcher im Mitteltheile unter der Krone die Jnitalien F und V und seitlich den Reichsadler uud das Wappen von Berlin zeigt. Auf den im Aquarell ausgeführten Titelblatt erblickt man, umgeben von Genien, eine über den Kronprinzen ihre Fittige breitende Hygieia, zu der Greis und Kind, Jüngling und Jungfrau bittend empor- schauen. Im Hintergründe zeigt sich die Bucht von San Remo und dieses selbst. Der Text der Adresse ist mit vielen prächtigen Jnitalien geschmückt, das Teptblatt trägt oben das Bildniß des Krvnpriuzlicheu Paares und unten den WahlspruchFurchtlos und treu". Ei» kunstvoll geflicktes Lesezeichen für das Album ist in N^feibe eingelegt.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern," den 19. Januar. Im neuen Gewände und tu gewohnter prachtvoller illustrativer und typv- praphischer Ausstattung liegt der neue Genera l- fatale g*) f ü r 1888 der Saamenhand l u n g und Kunst- und H an delsgärtu er ei F. C. Heine- mann in Erfurt vor uns. Der diesmalige Inhalt beweist, daß die Firma konsequent an ihrem seit Jahren gepflogenen Prinzip, vor allen Dingen der Privalkund- schaft das Beste und Bewährteste zu bieten, festhält, indeß sie ihr zudem mit Rath und That in ausgiebigster Weise zur Seite steht. Dieses Medium wenn wir den Katalog mit diesem Namen bezeichnen dürfen zwischen der Firma und ihrer Kundschaft ist eben durch seine ganze sinnige Ausarbeitung und Zusammenstellung dazu angethan, ein vertrauliches, wenn nicht zu sagen, freundschaftliches Verhältniß zwischen beiden Theilen zu pflegen, und es gehl daher auch ganz natürlich zu, daß sich der bereits zu ganz imposanter Anzahl ange­wachsener Kundenkreis dieses Weltgeschäftes noch jährlich mehr und mehr erweitert. Wir selbst begrüßen den Katalog alljährlich um diese Zeit als einen alten trau­lichen Bekannten, von dem und in dem wir gerne hören und sehen, was er alles Nützliches und Schönes zu sagen hat. Wer sich dafür interessirt, erhält denselben von HerrnF. C. Heinemann auf Ansuchen gratis und franko zugesandt.

In den am 14. und 21. d. Mts. stattgehabten Sitzungen des Kreis-Ausschusses wurde im Verwalknngs- streitverfahren

1. den Bierbrauereibesitzern Gebrüdern Hildebrand in Schlüchtern die Koncession zum unbeschränkten Wirthschaftsbetriebe auf dem Felsenkeller in Schlüch­tern ertheilt;

2. die dem Kaufmann Ferd. Fenner in Schlüchtern im Jahre 1886 ertheilte Koncession zum Verkauf von Rum, Arak, Cognak und Liqueurcu in ver­siegelten Flaschen von mindestens % Liter Raum­inhalt dahin erweitert, daß zukünftig der Raum­inhalt der Flaschen unbeschränkt ist.

Sodann wurde beschlossen

1. die Obstbaumpflanzungen an den Landwegen, so­weit sie sich in Händen der Gemeinden befinden, auf den Kreis nach und nach zu übernehmen, vor­behaltlich der Zustimmung der betr. Gemeinden;

2. den Weg von Ahl über Seidenroth nach dem Marjoß'er Landwege auszubauen, und diescrhalb zunächst bei dem Königlichen Forst- und Domainen- fiskus anzufragen, ob er geneigt ist für den Fall, daß der Kreis Schlüchtern diesen Weg ausbaut, seine int Staatswalde belegenen Strecken gleichfalls auszubauen und dem Kreis in Gemäßheit von K 2 des Gesetzes vom 16. März 1879 einen Borausbeitrag zu leisten;

3. da die von dem Kreis-Ausschusfe wiederholt bean­tragte Ausscheidung des Kreises Schlüchtern aus der Provinzial-Viehseuchen-Versicherung nicht zu erreichen ist, wurde beschlossen, der Gründung einer allgemeinen, auf Gegenseitigkeit beruhenden Kreis-Vieh-Bersicherung näher zu treten, der dies­bezügliche Statutenentwurf wird in einer der nächsten Nr. d. Bl. veröffentlicht werden;

4. von den Revisionsverhandlungen über die Kreis- Kommunal-Kassen-Rechnung pro 1886/7 und die Kreis-Sparkassen-Rechnung pro 1886 wurde Kennt­niß genommen, und beschlossen, die Rechnungen zur Dechargirung dem Kreistage vorzulegen;

5. wurde beschlossen, den Kreisbeamten Pensions­berechtigung in derselben Weise zu gewähren, wie solche den Staatsbeamten zugesichert ist;

6. soll ein Antrag an den Herrn Landesdirector ge­richtet werden, auf Grund bed § 27,5 des Regle­ments vom 1'9. März 1880 für einzelne Gemeinden des Kreises mit Rücksicht auf deren Höhen- und exponirte Lage von der Bestimmung des Brand- kasseuklassisikationstarifs, daß jedes mit Wettbreltern ganz oder theilweise bekleidetes Gebäude in der untersten Tarifklasse zu veranlagen ist, abzusehen;

*) Ueber alte feineren Bindearbeiten in lebenden und ge­trockneten Blumen ist ein Sp ezi a ika ta I o g erschienen; derselbe enthält ferner: Cotiüon-Touren in größter Auswahl, Blumentische und Blume,ltopfständer neuester Fa^on, Palmenständer, Schuck- lischt mit und ohne Springbrunnen, Sonsols für Blume«, Topf. tr«6«r, ^oldfischgläfer, Rohr-Mdiniercen, Vasen it. «,

7. schließlich wurde beschlossen, dem Kreistage vor- zuschlagen, zur Hebung der Fischerei und Anlage von Fischreviercu aus Kreisfonds 700 Mark zur Verfügung zu stellen. Während in vielen Kreisen der Provinz Hessen erfreulicherweise ein Wieder- aufblüheu der Fischzucht zu konstatiren ist, liegt leider im Kreise Schlüchtern dieselbe gänzlich dar­nieder. Gerade im Kreise Schlüchtern aber muß wegen feiner zur Karpfen- und Forellen- zucht geeigneten Gewässer auf die Hebung der Fischzucht besonders Bedacht genommen werden. Der zur Verfügung gestellte Betrag ist zwar mit . Rücksicht auf die gerade im Anfang erwachsenden Kosten gering, doch ist beantragt, daß zpr Hebung der Fischzucht, namentlich zur Anlage einer größeren, rationellen Fischbrutanstalt aus Commnnalstündischen Fonds dem Kreise ein Unter­stützungsbetrag von jährlich 1000 Mk. gewährt wird.

Zum bevorstehenden Geburtsfeste Sr. Majestät des Kaisers und Königs sollen hilfsbedürftige Invaliden aus den Feldzügen 1864, 1866 und 187071 mit einer Unterstützung bedacht werden, jedoch nur solche, welche wegen erheblicher Krankheiten invotibifirt bezw. im Feldzuge schwer verwundet, dringend bedürftig und wüidig zu erachten sind und die womöglich bis jetzt noch keine Unterstützung erhalten haben. Die hierzu nöthigen Eikmidigungen und Feststellungen finden durch das Bezirks-Commando bezw. die Landrathsämter und Ortsbehörden statt.

In der Provinz Hessen-Nassau werden im laufen­den Jahre die Prüfungen für Lehrer an Mittelschulen am 1. Juni und 30. November, für Rektoren am 7. Juni und 6. Dezember abgehalten, und zwar in Kassel, die Prüfungen als Vorsteher und als Lehrer für Taub" stummenanstalten am 12. September in Frankfurt a. M., endlich der Lehrerinnen für weibliche Handarbeiten am 23. März in Kassel, am 28. April in Wiesbaden, am 17. Sept. in Frankfurt.

Schwär,zeufels. Der Kanzleigehülfe Schultheis ist zum Stempelvertheiler bestellt und am 21. b. Mts. in sein Amt eingeführt worden.

Fulda, 19. Januar. In der jüngst dahier stattge­habten Sitzung des landwirthschastlichen Kreisvereius wurde mit Rücksicht auf die Lage des Viehhandels be- schlossen, eine Genossenschaftsschlächterei zu gründen und zur Berathung der Organisation derselben eine Com­mission von fünf Mitgliedern gewählt, welche dem Ver­eine demnächst ihre Vorschläge unterbreiten soll.

Homderg, 20. Januar. Das vom Seminarlehrer Herrn Meister hier beabsichtigte C o n c e r t zu Gunsten der hessischen Lehrerwittwen und Waisen wird am 3, Februar im hiesigen Kasinosaal stattfinden. Auf dem Programm steht u. A. ein vom Herrn Meister selbst komponirter Männerchor:Kaiser Friedrichs Kreuzfahrt."

Rinteln, 20. Januar. In dem nahen Bonneberg hat sich ein Unglücksfall ereignet, welcher besonders die Landbewohner zu großer Vorsicht mahnt. Die Kuh des Neubauern K. erkrankte an Milzbrand. Ohne die Krancheit zu kennen, schlachtet K. in Gemeinschaft mit seinem Nachbar das Thier. K. starb bald darauf an Blutvergiftung. Auch der Nachbar ist erkrankt und wurde die Amputation eines entzündeten Armes bereits angeorbnet.

Ottilie, das Hekenkind oder:

Das Geheimniß der schönen Müllerin.

Zellgtmäldk aus drin Ende des 16. Jahrhunderts von Gustav Äietiajr.

1. Das Hexeukind.

Wie noch heutzutage^ der milde, holdselige Juni- monat mit den warmen Strahlen einer unbewölkten Sonne über als den grünen, so wonnigen Hügelländern, Saatfeldern, Wäldern und Seen unseres lieben Bayer­landes waltet, so reifte er einstmals, in jenem längst vergangenen Jahre, da unsere Erzählung spielt, im Jahre 1589, des reichen Lenzeubaueru Jakob Schwendner zu Schwabsoyen im bayerischen'Oberlande bei Schongau gar herrlich stehende Felder und Wiesen, brannte tüchtig auf den langgestreckten Strohdächern des Wohnhauses und der Stallungen und regte nur unmerklich mit leisem Luftzuge die Wipfel der Obstbäume in dem anstoßenden Garten.

Der Besitzer, ein schon ergrauter Mann, dessen Ge­sichtsausdruck auf Starrsinn deutete, schritt mit seinem Sohne, einem schönen, blonden Burschen, der vielleicht zwei und zwanzig Jahre zählte, langsam im Hosraume auf und ab.

Inmitten desselben stand ein Ziehbrunnen und an diesem eine blutjunge Dirne, damit beschäftigt, Wasser in eine lange Rinne zu pumpen, welche bis in die Stallungen sich erstreckte, wo das kühle Element in die Tröge des Viehes lief, mit dumpfen Tönen bereits von den gehörnten Inwohnern begrüßt.

Die Dirne arbeitete emsig, ohne ihre Blicke nad) der Dienstherrschaft zu wenden. Wie sie so mit den vollen, kräftigen Armen die PuMpstange regierte, daß die jugendlichen formen ihres Körpers in reizender