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fei« Zeichen von sich gab. Als die Nacht hereinbrach, suchten die Eltern angstvoll den Kleinen überall ver­geblich. Erst am anderen Tag beim Oeffnen des Geld- schrankes fand der unglückliche Vater sein Kind erstich vor.

Montenegro. Der in einigen Bezirken des Fürsten- thums Montenegro eingetretene Nothstand hat den Charakter einer ernsten Hungersnoth angenommen. Laut verläßlichen Nachrichten sind über dreißigtausend Personen aller Subsistenzmittel entblößt. Die russische Kaiserfamilie hat eine Schiffsladung Getreide aus Odessa als Geschenk für die Nothleidenden überfenbet; allein diese Hilfe war bis in die ersten Januartage nicht ein- getroffen. Die von der Regierung und der Bevölkerung aufgebotene Hilfsaktion erweist sich, der Größe des Elends gegenüber, als durchaus unzureichend.

Vermischtes.

Mir Sachsen machen Verse, machst Du sie nicht, macht er se"--." Seitdem in Leipzig bereits einmal der Börsenbericht in Versen erschienen, kann es nicht überraschen, wenn jüngst zu Dresden in einer vornehmen Gesellschaft eine gereimte Tanz- ordnung den Damen überreicht wurde. Die wohl­gemeinten Verse lauten:

Es wird als schöner Anfang von dem Ganzen

Herr A. mit mir Polonaise tanzen.

Sodann bekommt Herr B. auch falls er Mich engagirt, den allerersten Walzer.

Die Polka geb' ich, sollt' es sich so fügen, Herrn C. mit viel Vergnügen.

Herr D. voller Eleganz,

Tritt mit mir an zum ersten Contretanz.

Mit Herrn E. tanz' ich vor der Pause

Den zweiten Walzer, eh' es geht zum Schmause.

Den Cotillon, den geb' ich gern

Herrn F., stets aller Tänzer Stern.

R h e in l ander tanz bleibt reservirt

Herrn G., wenn er mich engagirt.

Ich hab' mit zum Lancier den graziösen

Herrn H. freudig auserlesen.

Zur Tyrolienne, sollt' ich nicht sitzen bleiben,

Will gern ich mich Herrn J. verschreiben.

Zum nächsten Walzer wünsch' ich mir

Herrn K. als schmucken Cavalier.

Galopp erbittet Herr L. von mir,

Frohlocke mein Herr und freue Dir!

Zwei deutsche Händler waren kürzlich in einem polnischen Gasthaus in Lyk mit einer Anzahl russischer Konkurrenten in einen sehr bedrohlichen Streit gerathen. Schließlich zwang der eine Deutsche die Widersacher dadurch zum Rückzug, daß er einen Gegen­stand aus der Tasche zog und ihn den Andringenden mit den Worten entgegenhielt:Wer mir naht, ist eine Leiche!" Diese verzweifelte Entschlossenheit wirkte, die Angreifer machten sich schleunigst davon. Nun ist es aber in Polen streng verboten, Revolver und dergleichen Schießzeug bei sich zu führen; die Geflohenen vermeinten daher, den Deutschen recht zu schaden, wenn sie die Polizei verständigten. Bald tauchte ein Beamter auf und forderte dem deutschen Händler den Revolver ab. Dieser griff in die Tasche und brächte eine Wurst heraus. Allgemeines Gelächter. Uebersiedelung nach einem an­deren Gasthaus und Vertilgung dergefährlichen Waffe" seitens der Händler und des Polizisten.

(Z u viel verlangt.) Der Pfandleiher Jakob Hirsch hat mit eigener Lebensgefahr einem Knaben das Leben gerettet; dafür will ihn der Landesfürst auszeichnen und fragt ihn, welchen Wunsch er hege.Dann möchte ich Euerc Hoheit um das Prädikat:Herzog­licher Hof-Pfandleiher" bitten," erwidert freudestrahlend Jakob Hirsch.

Unverwüstlicher Stoff.Kaufen Sie dieses Kleid, meine schöne Dame," sagte ein Kaufmann;das Zeug hält ewig, und dann können Sie immer noch einen Schlafrock daraus machen lassen."

beiwohnen, ich mag Dich nicht!" Dann trug er den Verwundeten sorgsam weg. Juannita ging heim und erhängte sich an dem Fensterhaken."

Ein guter Mag en. Aus Denkend orf wird demN. T." gemeldet, daß dort ein Metzger beim ' Zerlegen einer Kuh in deren Magen eine Zylinder- uhr fand! Dieselbe war mit Rost überzogen, im Ueb= rigen aber unbeschädigt.

Die gebrauchten Flaschenkorke werden be­kanntlich meistens weggeworfen. Man sollte dieselben sorgfältig sammeln, auch wenn sie noch so beschädigt sind, da sie zermahlen, wie andere Korkabfälle, zur Fab­rikation von Linoleum dienen können. Vielen Armen könnte geholfen werden, wenn alle Flaschenkorke gesam­melt und dem obigen Zwecke zugeführt würden. Jeder, der eine Flasche Bier oder Wein rc. trinkt, stecke den Flaschenkork in die Tasche, um die so gesammelten Korke von Zeit zu Zeit eine zu errichtenden Sammelstelle zu übergeben. Die deutsche Reichsfechtschule oder andere Wohlthätigkeitsvereine könnten solche Sammelstellen für Flaschenkorke errichten. Die durch den Verkauf der ge­sammelten Korke aufgebrachten Gelder würden voraus­sichtlich viel beträglicher sein, als die Ergebnisse des mit so vielem Erfolg eingeführten Sammelns von Ci- garrenspitzen.

Man wundert sich in unserer nüchternen Zeit über die gewaltige Zunahme der Philosophen auf manchen Universitäten. Auf der alten Theologen-Universität Halle z. B. giebts in diesem Winter 583 Philosophen, fast so viele als Theologen. Sicht man aber genauer zu, so gehören die meisten dieser jungen Philosophen der Landwirthschaft an. Die Universitäten sind nur so ar­tig, sie den Philosophen einzureihen, weil sie doch weder Theologen, noch Juristen, noch Mediziner und nur in der philosophischen Fakultät unterzubringen sind. Die jungen Herrn lassen sich's gern gefallen, obgleich sie behaupten, mit Philosophie könne man keinen Acker düngen und keine Fuhre Getreide einheimsen. Sie vergessen aber, daß die großen Landwirthe im Reichstag auch einmal spekulative Philosophie studirt haben müssen, denn sie spekuliren in Korn und Weizen und sogar in Spiri­tus, wenn auch nicht in philosophischem.

(Eine gute Seele.)Also gut, ich nehme Sie in den Dienst; hoffentlich sind Sie doch treu? Ach, lieb Madamche, ob ich treu bin? Ich hab jetzt mein Damboor vun de 87er schun in's dritte Jahrt." Das wollte ich nicht wissen? Uebrigens haben wir morgen Abend einen Hansball, und da können Sie zeigen, ob Sie sich ordentlich nützlich zu machen wissen." Ach recht gern, Madamche; awer das sag' ich gleich, daß ich blos Walzer, Galopp und Polka gut danze kann!"

Sophie:Du, Klara, wir haben im Klub dem­nächst Kostümball, mein Mann geht auch mit, und damit man mich nicht erkennt, erscheine ich dann im Herren- kostüm." Klara:Bilde Dir nur nichts ein! Es erkennt Dich darin gleich Jeder." Sophie:Wieso denn?" Klara:Weil ein Jeder schon lange weiß, daß Du zu Hause die Hosen an hast."

(Seim Photographen.) Wittwe:Bester Herr, wären Sie wohl so gütig, mir ein Bild von meinem, verstorbenen Mann anzufertigen?"Sehr gern. Vielleicht besitzen Sie ein Bild, welches seine Züge be­wahrte."Das nicht, aber einen alten Steckbrief, worin sein Signalement ganz genau angegeben ist."

Witterungsbericht.

Das Wetter wird in den nächsten 23 Tagen muth- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird während der Nacht unter Null herabsinlen, bei Tage hingegen sich etwas über Null erheben; der Himmel wird meist heiter sein; es werden Nord- bis Ostwindc mit müßiger Lnftbewegnng vorherrschen; Niederschläge sind nicht zn erwarten.

(E in edelmüthiger Chinese.) Berliner Blätter wissen folgende erfreuliche Episode zu berichten: Am Dienstag Nachmittag brach ein Malergehilfe, Gustav W., von einer Ohnmacht befallen, in der Lindenstraße zusammen und zvg sich dabei eine heftig blutende Kopf­wunde zu. Unter der sich rasch ausammelnden Menge befand sich auch ein Chinese, der, als er erfuhr, daß eine Sanitätswache in der Nähe sei, ohne vieles Be­sinnen den Bewußtlosen aufhob und nach der Sanitäts- wachc trug. 'Damit hatte der Chinese, dessen seidenes Gewand von dem aus der Kopfwunde quellenden Blute des W. befleckt war, noch nicht seiner Samariterpslicht genügt; er wartete ab, bis W. zum Bewußtsein ge­kommen war und als er nun von dem Verwundeten hörte, daß er mittellos sei, zog der Sohn des Ostens seine Börse und gab dem W. ein Zwanzigmarkstück.

E in kurioses T e stä m cn t. In den letzten Tagen starb zu Bath in England der Oberstlieutenant Nass, der Zeit seines Lebens ein origineller Kauz gewesen ist. In seinem letzten Willen vermachte er den Glöcknern der Abtei von Bath eine Jahresrente von 90 Pfund Sterling, unter der Bedingung, daß sie am Jahrestage seiner Verheirathung von 8 Uhr Morgens bis 8 Uhr Abends die Todtenglocke läuteten und zu denselben Stunden am Jahrestage seines Todes ein Freudengeläute anftimmten wie es int Testamente heißt, zur Erinnerung au den Tag, der ihn zugleich von dieser häuslichen Tyrannei und von seinem elenden Leben befreite.

Dame »hüte im Theater. Die Klage über die Damenhüte im Theater ist eine uralte und wird immer von Neuem wieder erhoben. Schon Stirne schreibt in einem Briefe aus Paris, der das Datum vom ersten Februar 1831 trägt:An der Seite sperrten mir dumme, dicke Säulen, vor mir dumme, große Hüte die Aussicht. Wir haben Revolutionen erlebt wird sich denn nicht einmal eine Revolution erheben, die diese fluchbelasteten Weiberhüte fortjagt?" In einigen Hof- theatern und in einigen Privattheatern in Berlin und Dresden hat man schon längst Hutverbote proklamiert, aber allgemein ist diese Maßregel noch nicht geworden und besonders in Conzertsälen behauptet der Damenhut sein altes Recht. Die neueste Mode der kolossalen, thurmhoch ausragenden Hüte macht das Uebel noch ärger. Aus eine zweckmäßige und nachahmungswürdige Aenderung ist man in einer großen schweizerischen Stadt verfallen. Man wollte einem förmlichen Verbot, daß Hüte ins Parquet nicht mitgebracbt werden dürfen, ausweichen und affichirte an dessen Stelle folgendes Aviso:Das Mitnehmer! der Hüte ins Parquet ist nur älteren Damen' gestattet!" Die Wirkung dieser Ankündigung war eine überraschende. Am nächsten Abend sah man keinen Damenhut im Theater.

Die schönen Tage von Aranjuez mögen vorüber sein, aber eineschöne Gegend" ist's dort herum noch immer. Man meldet nämlich aus der herrlichen, von Schiller dramatisch so dauernd verwertheten Frühlings- residenz der spanischen & ästige die nachfolgend wieder- gegebene cosa d' Espana, die behufs Bearbeitung eigens nach einem Shakespeare ruft, denn es kommen schier alle handelnden Personen um.Um das fünfzehnjährige Ladenmädchen Juannita Besaro bewarben sich zwei reiche Pächterssöhne. Juannita erklärte offenherzig, ihr wären beide Freier gleich lieb und sie sei bereit, Jedem von ihnen die Hand zum ewigen Bunde zu reichen. In Folge dessen beschlossen die Beiden, um das Jawort des Mädchens einen Faustkampf zu verunstalten, und der Besiegte verpflichtete sich, zurückzutreten. Juannita kam in Feiertagskleidung mit ihren Eltern zur Stelle, um der entscheidenden Schlacht zuzusehen. Nach hart­näckigem Ringen blieb der junge Juan Sieger, sein Gegner, der einst sein bester Freund gewesen, lag blutend im Sande. Juaunira eilte auf den Sieger zu und reichte ihm die Hand, er aber stieß sie von sich und rief:Herzlose, Du konntest diesem Schauspiele ruhig

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