denn in weiteren geschäftlichen Kreisen war die Firma nicht bekannt geworden. Auffallend fand man es auch, daß Seitens der Firma gar keine Entgegnung erfolgte, umsomehr, als noch neulich der Nothschrei eines geschädigten Kaufmannes durch die Presse ging. Die gestrige Verhandlung vor der Strafkammer brächte einige Aufklärung über den Fall. Die Inhaberin der im Handelsgesetzbuch eingetragenen Firma L. Koch u. Comp., die Haushälterin Louise Koch, war nämlich wegen Bankerutts, Vergehen gegen die Concursordming, unter Anklage gestellt. Dieselbe hatte sich auf wiederholtes Drängen bereit finden lassen, dem Kaufmann August Lamberty, dem eigentlichen Inhaber und Leiter des Schwindelgeschäftes, ihren ehrlichen Namen als Aushängeschild herzugeben, weil Lamberty erklärt hatte, er habe noch zu viel alte Bären, um seinen Namen offen firmiren zu können. Als nun die Schwindel-Firma — die mit sogenannten patentirten Flaschen-Reinigern Schwindelgeschäfte betrieb — kürzlich zusammenbrach, entdeckte man, daß die Buchführung eine unordentliche war, keine Bilanzziehung stattgefunden hatte u. s. w. Deshalb wurde die gesetzlich eingetragene Firmeninhaberin, die Haushälterin Louise Koch wegen Bankerutts angcklagt und auch unter Annahme mildernder Umstände zu 8 Tagen Gefängniß verurtheilt.
— Die Einnahmen, welche den Gemeindecassen des Regierungsbezirks Cassel durch den Verkauf des im Jahre 1887 geeruteten Obstes zugeflossen sind, stellen sich nach dem „Amtsblatt" wie folgt: Kreis Cassel 9330,50 Mark, Eschwege 4872,27 Mark, Frankenberg 4675,63 M., Fritzlar 5313,17 M., Fulda 933,25 M., Gelnhausen 596,02 M., Gersfeld 422,23 M., Hanau 401,85 Mark, Hersfeld 2048,05 Mark, Hofgeismar 22,097,29 M., Homberg 5218,19 ®t, Hünfeld 942,90 M., Kirchhain 10,598,71 M., Marburg 7156,65 M., Melsungen 4104,53 M., Rinteln 2476,15 M., Roten- burg 2852,74 M., Schlüchlern 1680,81 M., Schmal- kalden 1121,40 M., Witzeuhausen 6945,33 M., Wolfhagen 8769,44 Mark, Ziegenhain 5705,40 Mark. In Summa: 107,262,50 Mark.
- - Die Hanauer Stadtverwaltung emittirte dieser Tage eine 3>» pCt. Anleihe in der Höhe von Mark 500,000, bei welcher Uebernahme das hiesige Bankhaus Mauer u. P l a u t mit einem namhaften Betrag be- theiligt ist.
Melsungeu. Ein hiesiger junger Schlossermeister, der schon ein Patent auf Schlittschuhe hat, soll ein von ihm neu construirtes Gewehr dem Patentamt und dem Herrn Kriegsminister vorgelegt haben. Das Gewehr soll neben anderen Vorzügen auch den haben, daß es sich beim Schießen der Patronenhülsen selbst entledigt.
er auch. Er unterstützte den begünstigten Rivalen, um ihn ihrer würdiger zu machen. Es war der eine Traum, das eine Streben, der eine Ehrgeiz seines Lebens; ihm den Weg zu ebnen, um ihr Glück zu sichern. Natürlich gab es Zeiten, wo sein Herz blutete, wo er fühlte, daß es ohne ihren Besitz auf dieser Welt kein Glück, keine Freude gebe, Stunden, in denen er am liebsten mit dem Leben hätte abschließen mögen. Er war ein selbstsüchtiger Mensch, wenn man ihn mild beurtheilt; aber in Wirklichkeit that er nach besten Kräften Alles für den begünstigten Liebhaber. Denken Sie sich nun sein Erstaunen, als der Mann, den er geliebt glaubte, eines Tages zu ihm kam und sagte: „Es ist Alles nur ein Irrthum Ihrerseits gewesen, sie fühlt keine Liebe mehr zu mir!" Vermögen Sie nachzmühlen, was es für das arme Geschöpf, das mit Aufopferung seines eigmen Herzens nur dafür gearbeitet, sie wieder vereint zu sehen, für eine niederschmetternde Enttäuschung war! Als er sich von der ersten Erschütterung vereitelter Hoff nung erholt, fragte er sich, was diese Abweisung von ihrer Seite zu bedeuten habe, und ein plötzlicher, wahnsinniger Gedanke durchzuckte sein Hirn! Es war ein wilder, unwahrscheinlicher, unvernünftiger Gedanke. Es lag keine Begründung dafür vor — in der That, Alles schien nach einer entgegengesetzten Richtung zu zeigen. Dennoch blieb der Gedanke in seiner Seele haften. Soll ich Ihnen sagen, was für ein Gedanke es war?" Bei diesem Punkte hielt er etwas inne, ihr näher rückend, fuhr er fort: „Er meinte, daß diese Frau in der zu großen Zartheit ihres Herzens ihn Anfangs vielleicht wegen eines Leides, das sein Leben eine Zeit lang getrübt, bemitleidet, daß sie seine Bemühungen in ihrem Interesse möglicherweise überschätzt und in zuweitgehender Theilnahme und Dankbarkeit es für Pflicht erachte, dem Manne, den sie nicht wirklich liebte, ihre Hand zu schenken. Dann sagte er: „Das darf Nichtsein; ich will zu ihr gehen, ihre Seele beruhigen und ihr sagen, sich um meinetwillen nicht zu sorgen. Nach und nach wird mein Gemüth schon wieder ins Gleichgewicht kommen, und mit der Zeit wird das Herz lernen, ohne ihren Besitz froh zu werden."
Abermals hielt er inne. Ethel blickte unverwandt ins Feuer, wandte auch den Blick nicht ab, als sie dann fragte:
„Und ging er zu ihr?"
„Ja."
„Und was sagte die Dame?"
„Ach, das ist mehr, als ich jetzt selbst sagen kann!" „Sie wissen den Schluß der Geschichte nicht?" „Nein, ich bin gekommen, um diesen Schluß von
Ihnen zu hören."
„Ich verstehe," erwiderte sie mit einem Lächeln. „Ich würde ihn folgendermaßen bilden: Der bescheidene, demüthige Mann, der es nicht für möglich gehalten, er könne um seiner selbst willen geliebt werden, begab sich zu der Dame und sagte ihr, er würde mit der Zeit lernen, ohne sie zufrieden und glücklich zu werden," worauf die Dame sich erhob und ihm^ beide Hände mit den Worten entgegenstreckte: „Aber ich kann nie lernen, ohne Sie glücklich zu sein, Alexander, denn ich liebe Sie aus tiefster Seele!"
Ein leises Flüstern, das wie „meine einzig, einzig Geliebte" klang, wurde durch das Zimmer gehaucht, und der Capitain Pelling zog Ethel Malling mit tiefinnerstem Entzücken an seine Brust.
„Es ist ganz schrecklich, dies Bekenntniß ablegen zu müssen; aber ich glaube, ich verlor mein Herz an Dich, als es eigentlich Sünde war — an dem Tage, wo Du mir die Mittheilung machtest, daß Deine Frau noch am Leben sei. Dann folgte jene unglückliche Zeit, und die Briefe, die Du in Jacks Interesse schriebst, förderten in Wahrheit Deine eigene Sache. Und als ich schließlich Dein kummervolles Aussehen schaute, war es vollends tun mein ganzes Herz geschehen."
„Das wird für Jack ein fürchterlicher Schlag sein!" „Kümmere Dich jetzt nicht weiter um Jack. Durch Deine Güte verwöhnt, bildet er sich ein, ein wirkliches Muster zu sein. Ich glaube, es wird für ihn nur gut thun, wenn er Ansehen muß, daß er doch nicht so unwiderstehlich, als er in seinem Dünkel gewähnt."
Plötzlich, im Laufe ihrer weiteren Conversation, sagte Ethel:
„Papa wird sich wundern, was aus uns geworden ist. Wir wollen sogleich gehen und ihm Alles sagen unb um seinen Segen bitten. Er wird so erfreut sein!"
„Glaubst Du das?" fragte Pelling zweifelnd; und Ethel gab ihm. die Arme um seinen Stacken schlingend, die Antwort mit Küssen.
Natürlich! Sir Geoffrey war überrascht, entzückt und hocherfreut. Als Mann hatte er vom Capitain Pelling eine so hohe Meinung. Außerdem hatte derselbe unbestreitbare Vorzüge der Geburt und Stellung und wurde, wenn der jetzige Besitzer dereinst zu seinen Vätern heimgegangen, ein vortrefflicher Hausherr werden.
Jack machte Anfangs Miene, den Beleidigten zu spielen: aber es war dem leichten Naturell des Mannes charakteristisch, sich mit dem Stand der Dinge aussöhnen zu lassen und noch bis in den Sommer hinein zu weilen, indem er Mallingford Park zum Hauptquartier machte während seiner Ausflüge in die Umgegend, um die Skizzen zu den sechs von Lord Summers bestellten Ge
Dertorenes Spiel.
Roman »en 61. 8 cm err.
(Schuß.)
„Ich fürchte mich durchaus nicht, danke bestens; und ich bin über die Wahl des Buches mit mir selbst noch nicht einig."
Das war die strickte Unwahrheit; sie fürchtete sich wohl, wenn auch nicht vor den Leiter stufen. Auch in seinem Auge las sie einen Blick, der von der neugeborenen Hoffnung des Herzens sprach, und obgleich sie seit den letzten vier Monaten das Verlangen gehegt, von den Lippen dieses Mannes das erneute Bekenntniß seiner Liebe zu vernehmen , so wünschte sie doch jetzt, wo das Gefühl ahnen ließ, daß dieser Moment der Erklärung gekommen, dieselbe zu verschieben.
„Würden Sie Ihre Romanlettüre für diesen Abend quittiren, und sich von mir eine Geschichte erzählen lassen?"
Ihr ganzes Herz schlug ihm in inniger Theilnahme entgegen, als sie das von schmerzlicher Angst durchsickerte Beben in seiner Stimme entdeckte.
„Jst's eine hübsche Geschichte, die glücklich endet? Mir gefallen alle Erzählungen mit fröhlichem Schluß. Ist dies bei der Ihrigen auch der Fall?"
„Es hängt von der Anschauung ab, was Sie als Glück erachten; was Ihnen als Glück erscheinen mag, kann für mich tiefste Verzweiflung zu bedeuten haben. Wollen Sie herabsteigen und mir Gehör schenken?"
Ethel kam von ihrer Leiter herunter und nahm auf den ihr von Pelling gebotenen Sessel Platz; er selbst setzte sich ihr vis-ä-vis.
„Es ist nur eine kurze Geschichte," begann er, indem er die Lampe hochschranbte und das Feuer schürte. Dann fuhr er fort: „Es waren einmal zwei Männer, welche Beide ein und dieselbe Frau liebten; aber natürlich konnte nur einer sie als sein Weib gewinnen. Nun traf es sich, daß der, dem ihr Herz gehörte, sie aus's Empfindlichste kränkte, und der Andere, den sie nicht liebte, suchte nach dem beleidigenden Betragen des Bevorzugten sich an dessen Stelle den Platz in ihrem Herzen zu erwerben. Aber plötzlich ward die Veranlassung zu jener Kränkung aus dem Wege geräumt, und dann sagte sich der Ungeliebte: Ihr ganzes Herz hängt mit allen Fasern an diesem Manne; es wird für sie kein Glück geben, außer als sein Weib, sie liebt mich nicht! Ich will mein Leben der Aufgabe widmen, sie mit dem Gegenstände ihrer Liebe zu vereinigen, und auf diese Weise ihr Glück begründen. Und diesem Vorsätze gemäß handelte
mälden aus der Natur aufzunehmen. Und als die Tage ihre größte Länge erreicht, gewann auch Pelling all- mählig seine frühere, unter der Schwere seines Herz wehes verlorene Heiterkeit wieder. Ethel war ganz Hingebung und machte auch kein Hehl aus ihrer innigen (Zuneigung.
Zuweilen wunderten sich die Leute beim Anblick ihrer strahlenden Schönheit und seiner ernsten Reife über die unverhohlene Liebe und Verehrung, welche das reizende Mädchen für ihren Bräutigam an den Tag legte. Einmal wagte Jemand eine diesbezügliche Bemerkung zu ihr zu machen. Mit fast zornigem Blick gab sie zur Antwort:
„Sie kennen nicht seinen vollen, wahren Werth, sonst würden Sie nicht darüber erstaunt fein.“
Alexander führte sie auf der Hochzeitsreise nach Paris; aber in den Vergnügungen und Zerstreuungen der großen Stadt vergaßen sie nicht, Paulinens Ruhestätte zu besuchen. Ethel legte einen großen Jmmor- tellenkrauz auf das Grab ihrer unglücklichen Cousine und wandte sich mit unterdrücktem Schluchzen ab. Die Ehegatten waren auf dem Rückweg zum Hotel sehr schweigsam. Keiner sprach in Worten aus, was ihm auf der Seele lag, bis nach Tisch Alexander den Arm um Ethel schlang und in seiner ruhigen Weise äußerte:
„Bäeiue tiefe Liebe zu Dir ward zuerst durch die üoHtommeiie Wahrhaftigkeit Deines Charakters erweckt, mein kleines Frauchen; wenn jene Aermste Dir nur ähnlich gewesen wäre, so würde sie heute wahrscheinlich eine glückliche Gattin sein."
Ethel legte ihr Haupt an seine Brust und, obgleich sie mit der Ansicht ihres Gemahls übereinftimmte, so gestand sie sich doch im Herzen, daß sie wohl kaum gewünscht hätte, derselben ihren Platz abtreten zu müssen.
Ehe sie die Weiterreise nach Italien fortsetzten, ließ sich Jemand melden. Es war — Babette — jetzt Madame Couronne vom Bouleward des Italiens. Sie hatte ihre 5000 Pfd. Sterl. mit Geschick und Glück angelegt und besam bereits den Ruf als eine der ersten und besten Modistinnen von Paris. Sie wünschte Sir Geoffrey eine Nachricht zukommen zu lassen: Die Herren Daws und Raven waren vom Regen in die Trame gekommen. Sich großen Gewinn versprechend, harten sie ihre 2500 Pfd. Sterl. einem Manne geborgt, dessen Besitzthnm kurze Zeit darauf unter den Hammer kam. Sie verloren auf diese Weise Heller und Pfennig. Sie hatten neue Büreaus genommen und diese sehr luxerivs eingerichtet, in der Hoffnung, ihr Geschäft zu heben. Als der Krach ausbrach, befanden sie sich daher in schlechteren Verhältnissen denn je.
„Sie wünschten, ich möchte mich an der Spekulation betheiligen," fügte Madame Couronne hinzu, mit „dem Capital, das mir Ihr Herr Vater in seiner Generosität auf- nöthigte, aber ich kenne das Sprichwort „ein Sperling in der Hand ist besser als zwei auf dem Dache"; ich behielt mein Geld in meiner eigenen Verwaltung und, wie Madame sieht, mit gutem Erfolg."
Der weißhaarige Sir Geoffrey, immer noch in ungebeugter Haltung, ist nie glücklicher, als wenn er mit dem kleinen, noch mit unsicherem Schrsttchen einher- wandelnden Geoffrey Malling-Pelling, welcher mit der Zeit der Träger des alten Familiennamens sein wird, an der Hand spazieren geht. Der Capitain Pelling ist Friedensrichter, vereinigt überhaupt in sich alle Würden des echten, rechten Landedelmannes, aber findet, trotz der vielen an ihn gestellten Ansprüche, doch noch Muße, den größten Theil seiner Zeit seiner Gemahlin zu widmen. Der Genuß, welchen diesen Beiden ihre gegenseitige Gesellschaft gewährt, ist heute noch eben so groß und frisch, wie an ihrem Hochzeitstage und wird voranssichk- lich eher zu- als abnehmen, denn ihr Bund ist auf daS danernste Fundament gegründet: tiefe, gegenseitige Hochachtung und unerschütterliche Treue.
Ende.
Ausland.
Agram, 10. Jan. Die ungewöhnlich strenge Kälte der letzten Tage, der sich starke Schneefälle und Schneestürme zugesellten, hat im kroatischen Küstenlande zahlreiche Menschenleben zum Opfer gefordert. Es ist fast keine Familie in den Orten Staza, Krumpote, Krivipitt, St. Georg, welche nicht den Verlust mindestens eines Angehörigen erleiden würde. Bisher sind am Branik, im Weichbilde der Stadt Zengg, allein vierzehn Leichen aufgefunden worden. Wie virte unter kiaflerhohem Schnee noch liegen, ist nicht abzusehen, da die Thäler, Mulden und Gräben wie auch viele Häuser von dichten Schneemassen bedeckt sind. Verunglückt sind meist Weiber, Mütter zahlreicher Familien, deren Väter sich auf Arbeit in den slavonischen Wäldern befinden. In Zengg hat sich ein Hilfs-Comitee gebildet, welches die Linderung der überall herrschenden großen Noth durch eine Aetion eingeleitet hat.
Paris. (Das vermißte Kind.) Das sechsjährige Söhnchen eines Pariser Geschäftsmannes versteckte sich kürzlich am Abend, um nach Kinderart sich suchen zu lassen, in den zufällig offenen Geldschrank seines Vaters. Letzterer wurde schnell zu einem Geschäft abgerufen und schloß den Schränk zu, ohne zu bemerken, daß er das Kind eingeschlossen hatte, welches übrigens