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Schlüchterner Zeitung.

Amtliches Blatt für die VeröffemlichmMN des Kreises Schlüchtern.

Erscheint Mittwochs und Samstags. - Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen kosten die kleine Zeile oder deren Raum 10 Pfennig.

^ 5. Mittwoch, den 18. Januar. 18$$.

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Amtlicher Theil.

Auf Grund des § 2 des Gesetzes über die Schon­zeiten des Wildes vom 26. Februar 1870 und des § 107 des Zuständigkeitsgesetzes vom 1. August 1883 wird hierdurch der Schluß der Jagd auf Hasen, Auer-, Birk- und Fasanen-Hennen, Haselwitd und Wachteln auf den 24. d. Mts., Abends festgesetzt.

Cassel, den 12. Januar 1888.

Namens des Bezirksausschusses.

Rothe, Vorsitzender.

Deutsches Reich.

Berlin. Die meisten Orden in Preußen hat, wie aus der soeben erschienenenRang- und Quaticrliste der preußischen Armee für das Jahr 1888 zu ersehen ist, der Kronprinz, nämlich 74. Der Kaiser ist als oberster Kriegsherr ohne Orden. Auf den Kron­prinzen folgt der General L la suite der Armee Haus­marschall Graf Pückler mit 51 Orden; Fürst Bismarck besitzt jetzt 49, Feldmarschall Graf Moltke 44, der Chef des Militärkabinets des Kaisers General v. Albedyll 43, Generatadjutant Graf Lehndorff 40, Prinz Wilhelm hat bereits 36, Prinz Heinrich 27 und Graf Herbert Bismarck, der als Major ä la suite der Armee auf- geführt ist, 26 Orden aufzuweisen, während Prinz Friedrich Leopold 14 und Graf Wilhelm Bismarck augenblicklich 13 Decorationen besitzen.

Ein Duell zwischen einem deutschen und einem französischen Offizier fand vor einigen Tagen an der belgischen Grenze statt. Das Duell, das durch eine Liebcsasfaire veranlaßt worden sein soll, endete mit dem Tode des deutschen Offiziers, der nach dem zweiten Gange fiel.

Dramburg, 13. Jan. Vor einigen Tagen erschoß sich hier im Kassenlokale der Stadtkämmerer Wolters- dorf in dem Augenblick, wo sich auf dem Rathhause eine Revisions-Comnussion versammelte, um eine außerordent­liche Prüfung der Kasse vorzunchmen. Auf dem Tische im Kassenzimmer fand man einen Zettel, beschrieben: Liebe Frau und Kinder, ins Zuchthaus gehe ich nicht, verzeiht Eurem unglücklichen Mann und Vater." Nach Angestellter gründlicher Untersuchung der Kasse hat sich ein Fehlbetrag von 12,000 Mark ergeben.

Tages-Ereignisse.

Schlüchtern. Gegen den Taglöhner Martin Ulrich von Altengronau, welcher sich verborgen hüll, ist die Untersuchungshaft wegen Diebstahls verhängt. Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in das Amtsgerichts- gefängniß abzuliefern.

Gegen den Heinrich Ulrich von Schwarzensels, welcher flüchtig ist, soll eine durch Urtheil des Königl. Schöffengerichts zu Hanau, vom 13. Februar 1884, erkannte Geldstrafe von 20 Mark beigetrieben werden, an deren Stelle hülfsweise für je 5 Mark 1 Tag Haft zu treten habe.

Wie wir mit Sicherheit vernehmen, wird der diesjährige Maskeu-Ball des hiesigen Turn-Äereins am Sonntag vor Fastnacht, den 12. Februar in der Turn- Halle stattfinden.

Der gegen die Wehrpflichtigen: 1) Mich. Konr. Klein- hens von Weichersbach, 2) Schmied Nie. Koch von Hinterstei- nau, 3) Andr. Stetiger von Soden, 4) C.Nix von Romsthal, 5) Heinrich Hack von Marborn, 6) Johannes H o f- mann (früher Uffelmann) von Elm, zuletzt in Getten- bach, 7) Schuhmacher Johann Heinrich Carl Wagner von Schlüchtern, 8) Taglöhner Carl Damasius Noll von Wahlert, 9) Maurer Jgauz Grauel von Soden, 10) Fabrikarbeiter Heinrich Christoph Wagner von Oberzell, 11) Augustin Dieter von Salmünster, 12) Nicolaus Heinrich Hufnagel von Breunings, 13) Casimir Wald von Herolz, 14) Nicolaus Kreß von Hintersteinau, 15) Johannes Glock von Oberkalbach, 16) Christoph L a m b von Seidenroth, 17) Glaser Kon­rad Lamp von Oberzell, 18) Bauer Adam Weitzel von Kressenbach, 19) Knecht Alexander Hartmann von Sarrod, 20) Johann Carl Koch von Hintersteinau,

21) Schreiner Johann Adam Christ von Oberzell, 22) Philipp Traudt von Steinau, 23) Taglöhner Jo­hann Wilhelm Münch von Wahlert, 24) Taglöhner Johann Heinrich Rüffer von Wallroth, 25) Wagner Theodor Heid von Ullrichsberg, Gemeinde Neustall, 26) Maurer Johannes Stoll von Wallroth, am 16. Januar 1883 erlassene Steckbrief wird wiederholt^ ememrt. i

(Für unsere Hausfrauen.) Schüttelt man Bleischrot in einer weiß ausgeschlagenen Papicrschüfsel, so zeigen sich in derselben sofort die blänlichgrauen Spuren des Blei's; setzt man das Schütteln fort, so wird die Schüssel bald ganz verbleit sein. Alan sieht, wie sich das weiche Bleischrot an den Wänden der Schüssel abgerieben hat. Dieses Abreiben des Blei's tritt natürlich in erhöhtem Maaße ein, wenn das Gesäß, in welchem man Bleischrot schüttelt, aus härterem Material, z. B. aus Glas besteht. Schüttelt man also Bleischrot in einer Glasflasche, so wird sich hiebei noch mehr Blei abreiben, als in der Papierschüssel, einzelne Schrote klemmen sich vielleicht sogar im Boden der Flasche fest und bleiben dort in Flaschen aus dunklem Glas unbemerkt liegen. Nun weiß Jedermann, daß Blei auf den menschlichen Organismus als Gift wirkt und daß selbst kleine Dosen die Gesundheit gefährden können. Trotzdem wird noch in vielen Haushaltungen das gesundheitsschädliche Vleischrot zum Spülen der Flaschen verwendet! Man hatte seither auch beinahe kein anderes Mittel zum Reinigen von Flaschen, denn die Spülketten, welche übrigens sehr bald rosten, be­währten sich auch nicht, und doch könnte man so oft Geld sparen, wenn man verunreinigte Wein-, Bier-, Medicin- und andere Flaschen nicht wegwerfen müßte! In dem neucrfundencn, patentirten Artikel Email- Schrot bietet die unterzeichnete Firma ein Mittel an, welches sich zum Reinigen aller Arten von Flaschen vorzüglich eignet. Das E m a i l s ch r o t besteht aus kleinen porzellanartigcn Kügelchen, welche nicht nur sehr hart, sondern auch frei von allen gesundheitsgeführdenden Beimengungen sind. Die rauhe Oberfläche des Email- schrotes bewirkt, ohne das Glas zu ritzen, eine sehr intensive Reibung, wodurch selbst stark verunreinigte Flaschen viel rascher, als mit Bleischrot oder Spülketten, von allem Schmutz befreit werden können. In der Regel genügt es, wenn die mit einem Theil Email­schrot und zwei Theilen Wasser bis zur Hälfte gefüllten Flaschen stark geschüttelt werden,- in Fällen, wo der Zweck mit kaltem oder warmem Wasser nicht erreicht werden sollte, kann man an dessen Stelle auch Soda, Lauge oder irgend eine lösende Substanz verwenden, da Email-Schrot weder von Säuren, noch Alkalien ange­griffen wird. Der billige Preis des Emailschrotes gestattet seine Anschaffung jeder, selbst der kleinsten Familie, und da sich dasselbe weder abnützt, noch sonst dein Verderben ausgesetzt ist, so macht sich das Email­schrot selbst in solchen Haushaltungen bezahlt, wo es nur hin und wieder, z. B. zum Reinigen von Medicin- flaschen verwendet wird. Niederlage in Schlüchtern bei der Firma F e r d. F e n n e r.

Die An- und Abmeldungen von Arbeitsnehmern zu den Ortskrankenkassen müssen nach einer vor der 95. Abtheilung des Berliner Schöffengerichts getroffenen Entscheidung auch mündlich entgegengenommen werden, und hat dadurch der Meldeverpflichtete der gesetzlichen Anforderung genügt. Der Schuhmachermeister Gölte in Berlin hatte im September v. I. einen bei ihm beschäftigt gewesenen Gesellen nur mündlich abgemeldet. Eine Eintragung dieser Abmeldung in die Bücher der Kasse hat nicht stattgefunden, und wurde in Folge dessen Gölte durch Polizeimandat in 3 Mk. Strafe genommen. Auf den erhobenen Widerspruch gelangte die Sache zur gerichtlichen Verhandlung, in welcher der Rendant der Kasse bekundete, daß nach einer magistratlichen Jnstruction nur schriftliche An- und Abmeldungen berücksichtigt werden sollen. Im Einverständniß mit dem Amtsanwalt sprach der Gerichtshof den Angeklagten unter Annahme des oben wiedergegebenen Rechtsatzes frei.

Im Interesse der allgemeinen Wohlfahrt macht durch einen Erlaß der Minister der öffentlichen Arbeiten darauf aufmerksam, daß es angezeigt erscheine, der Ein­richtung von Klosets in den Zügen und überhaupt den Bedürfnißanstalten auf den Stationen größere Beachtung als bisher zuzuwenden. Es sollen künftig sämmtliche Züge, welche während einer Fahrzeit von 2 Stunden nicht einen Aufenthalt von mindestens 10 Minuten er­halten, mit Klosets ausgerüstet werden.

Schneidemühl, 12. Jan. Hier wurde eine Person verhaftet, welche schon mehrfach bestraft war und sich unter dem Namen Gustav Krüger vorstellte. Bei einer vorgcnoinmenen Gefängnißrevisiou stellte sich zum Er­staunen der Beamten heraus, daß Krüger eine Frauensperson ist. Daß diese Person nicht ohne Grund sich einen falschen Namen beilegte und ihr Ge­schlecht verbarg, ist wohl mit Sicherheit anzunehmen.

Wie es dem Frauenzimmer aber möglich gewesen ist, so lange unerkannt als Mann umherzugehen und auch noch längere Zeit als Knecht zu dienen, ist unbegreiflich.

Hanau, 12. Januar. Die schon an anderer Stelle erwähnte städtische Anleihe von 500,000 Mark ist aus­genommen worden, um damit die Kanalisation in hiesiger Stadt auszuführen und dadurch den gesundheit­lichen Anforderungen gerecht zu werden. Zugleich ist ins Auge gefaßt worden, eine besondere Wasserstation zu errichten, welche die Stadt mit gutem Trinkwasser versehen soll. Gleich mit Beginn des Frühjahrs wird mit der Ausführung der betreffenden Arbeiten angefangen werden.

Frankfurt. Ein Haudlungsreiscnder, welcher sich verpflichtet hatte, falls er aus dem Geschäfte trete, drei Jahre in einem ähnlichen Geschäfte nicht thätig zu sein, andernfalls er eine Strafe von 3000 Mark zu bezahlen verpflichtet sei, unterstützte Verwandte bei Errichtung eines ähnlichen Geschäfts mit Rath und That. Als der Firma, bei welcher er beschäftigt gewesen, einige alte Kunden abfielen, wurde entdeckt, daß der frühere Reisende dabei die Hand im Spiele hatte. Es kam zur Klage, die mit der Verurt! clung des jungen Mannes zur Zahlung der im Vertrage festgesetzten Strafe von 3000 Mark endigte.

Nach den auf dem Bauamt eingereichten Plänen scheint sich im Sommer biefe Jahres eine große Bau­thätigkeit entwickeln zu wollen, namentlich in jenem Theile der westlichen Außenstadt, welcher von dem Grüneburgweg, der Friedrichstraße und der Oberlindau einerseits, der Liebigstraße und der Staufenstraße anderer­seits begrenzt wird. Dort wird nach den Plänen ein ganzes Villenviertel entstehen.

Marburg, 10. Januar. Am vorigen Freitag, den 6. Januar, waren es vierhundert Jahre, daß der Sage nach zu Bockendorf (Kr. Frankenberg) auf freiem Felde der Dichter Eobanus H c s s u s oder eigentlich Göbb chen geboren wurde. Er studirte zunächst in Erfurt Philosophie und wurde im Jahre 1509 Rector der dortigen Severischnle. Als er dann im Jahre 1511 wegen der dortigen politischen Unruhen die Stadt ver­ließ, begab er sich nach Ostpreußen als Secretär zu dem Bischof Hiob von Dobeneck in Riesenburg und wurde von diesem im Jahre 1513 nach Frankfurt a. O. und bald darauf nach Leipzig gesandt, damit er dort die Rechte studirte. Wie er mit Ulrich von Hütten schon während seiner Studienzeit eng befreundet war, theilte ei mit diesem auch den Sinn für die Bestrebungen auf dem Gebiete der Kirchenverbesserung. So war er im Jahre 1514 auch wieder in Erfurt, wo er sich ver- heirathcte und Professor der schönen Künste an der Universität wurde. Dort trat er mit den Förderern der Alterthumswissenschaft in nahe Beziehung, betheiligte sich an der damals von Johann Reuchlin ausgehenden Vertheidigung gegen die von den Dominikanern in Köln geforderte Verbrennung der hebräischen Schriften und unterstützte Dr. Martin Luthers Auftreten für die reinere Lehre des Evangeliums. Als die Universität Erfurt durch die Unruhen in Folge der Kirchenverbesserung verlassen wurde, widmete er sich der Medicin und schrieb ein Buch über die Diät. Im Jahre 1526 erhielt er einen Ruf als Rector des Gymnasiums nach Nürüberg, kehrte aber im Jahre 1533 nach Erfurt zurück. Dann wandte er sich nach Marburg, um hier im Jahre 1536 eine Professur der Geschichte und Dichtkunst zu über­nehmen. Seine Gedichte, unter der Bezeichnung Silvae oderWälder", schrieb er sämmtlich in latei­nischer Sprache, und als Uebersetzer wurde er durch seine metrische Uebersetzung der Psalmen, der Jliade, des Theokrit und anderer «Schriftsteller des Alterthums berühmt. Er starb auch in Marburg am 5. Oct. 1540 und hinterließ den Ruf, der berühmteste lateinische Poet seiner Zeit gewesen zu sein, aber auch als Repräsentant der unmäßigen Trunksucht der bamaligen Gelehrten. Lange Zeit hindurch war er der gelehrte Stolz HessenS. - In einem lateinischen Gedicht über die Wiederein­setzung des Herzogs Ulrich von Württemberg durch Landgraf Philipp von Hessen feiert er dieseü als den Großmüthigen", eine Benennung, die die Mit- und Nachwelt dem Landgrafen belassen hat. (O. Z.)

Cassel, 12. Jan. (Schwindel-Firma L. Koch und Co.) Vor einiger Zeitwurde Seitens der hiesigen Polizei und auch in mehreren größeren deutschen Zeitungen öffentlich vor dem schwindelhaften Treiben einer Firma L. Koch u. Comp. in Lasset« gewarnt. Hier am Platze frug man sich vielfach erstaunt, wer ist Koch u Co,?