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ihre Gier nach Reichthum alle Weiblichkeit in ihrem Herzen erstickt wäre. Er beugte sich vor und schaute ihr nach, so lange seine Blicke sie vom Fenster aus sehen konnten.

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Eine Stunde später beugte sich Helling über den furchtbar zermalmten Körper seiner Frau, die in einem der kleinen Häuschen im Bois de Bologne geschafft worden. Der wilde, nicht zu zügelnde Renner hatte sie abgeworfen; sie mußte an innerer Verblutung sterben. Ihre Stimme war sehr matt und langsam, in langen Pausen kamen die Worte:

Es ist Gottes Gerechtigkeit! Nachdem Du diesen Morgen fortgegangen, faßte ich den Entschluß, Deinem Wunsche nachzukommen. Ich wollte mich bemühen, Dich lieben zu lernen Du wärest so edel und gut und wir würden mit einander noch glücklich werden. Ich hatte kein Recht, glücklich zu sein nach meiner Schlechtigkeit, und der Herr hat es so bestimmt!"

Mein armes, irrendes Weib!"

Ja, das ist die Wahrheit! Ich habe mein ganzes Leben geirrt! Keiner gab sich die Mühe mich zum Guten zu leiten. Ich wurde den Dienstboten überlassen, als ich ein kleines Kind war und ich lernte leicht Böses vermuth ich. Gott ist gerecht, aber der höchste Richter wird meiner großen Ver­suchung eingedenk sein. Willst Du mich küssen nur einmal Alexander? Sage, daß Du mir vergiebst es wird mir das Sterben leichter machen."

Trotz seiner Bemühungen, ihre letzten Augenblicke durch seine Gefühlsäußerungen nicht zu beunruhigen, rollte doch eine große Thräne auf ihr Antlitz.

Verwundert schlug sie die schon brechenden Augen zu ihm auf und legte den Finger an seine Wange.

Um mich?" fragte sie weichDu weinst um mich? Ich verdiene es nicht einen Trauernden an meinem Sterbelager zu haben. Ich habe Jedermann Böses zugefügt nur nicht Jack. Gieb ihm meinen "

Sie hielt einen Moment inne; ein heftiger Krampf- anfall verzerrte ihre schönen Züge. Ais derselbe nach- ließ, begann sie wieder zu sprechen, aber ihre Stimme wurde bei jeder Silbe schwächer.

Ich will keine Botschaften senden; sie möchten einen Fluch bringen."

Wieder trat ein Krampf ein und als er vorbei war, überzog Todtensarbe ihr Antlitz. Sie hatte aus­gelitten. Das junge, schöne, kräftige Leben, das sie so übel angewandt, war der körperlichen Hülle entflohen.

Pelling nahm eine Karte, schrieb darauf die In­struktionen und übergab dieselbe den Leuten des Hauses. Er selbst that sofort die erforderlichen Schritte zur Be­stattung der irdischen Ueberreste derjenigen, die ihm einst theuer gewesen.

An demselben Abende noch schrieb er folgenden Brief an Sir Geosfrey:

Verehrter Sir Geosfrey! Ihre Nichte, meine Frau, ist heute durch einen Sturz vom Pferde getödet worden. Vor ihrem Ende haben wir uns noch versöhnt. Sagen Sie Ihrer Tochter, ich vermöchte ihr nie den schuldigen Dank auszudrücken, daß sie mich veranlaßt, nach hier zu reisen; es wird in meinem Herzen eine unversiegbare Quelle der Dankbarkeit bleiben! Meine Seele winde hinfort des Friedens entbehrt haben, wenn Pauline vor ihrem Scheiden sich nicht mit mir versöhnt hätte. Die Familienjuwelen sind noch vollständig vorhanden, sagte mir Babette, und sie werden Ihnen durch einen besonderen Courier zugesandt werden. Wenn die Beerdigung vorüber, gedenke ich nach Italien zu reisen und dort mit dem jungen Dornton zusammen- zutreffen. Im Frühjahr vielleicht reisen wir mit ein­ander nach der Heimath zurück. Bitten Sie Miß Ethel, uns immer in gutem Andenken zu behalten. Es ist mein Herzenswunsch, unseren Freund Jack als Mitglied der königlichen Akademie zu sehen, ehe viele Jahre ins Land gehen. Bei seinem bedeutenden Talente bedarf es zur Erreichung dieses Zweckes um ein bischen ver­nünftiges Anspornen, und dieser Ausgabe gedenke ich meine Zeit zu widmen.

Ihr aufrichtiger Freund Alexander Pelling."

Ethel war durch diesen Brief tief bewegt, und wochenlang schlich sie mit ernstem Gesichte umher, bis die Vorbereitungen für das Weihnachlsfest ihre Zeit und Gedanken derart absorbirten, daß ihr nicht länger Muße blieb, an schöne, junge Künstler oder sonst wen zu denken. Aber selbst inmitten der freudigen Erregung der Weihnachtszeit wollte das Sehnen des Herzens nicht schwinden; ein trauriges Gefühl der Leere, das sich immer und immer mehr steigerte, bis sie sich mit Er- röthen dessen Vorhandensein selbst eingestehen mußte, und sich klar ward, daß nur eine Person in der Welt diese Leere auszufüllen vermöchte.

Bierundzwanzwigstes Kapitel.

Die Wochen verstichen und der junge Frühling be­gann seine Vorboten zu senden. Es war ein selten milder Winter gewesen, und die wilden Kastanien in den Wäldern um Mallingford steckten ihre runden, Hellen Knospen volle vierzehn Tage früher hervor als sonst.

Für Ethel war die Luft voll süßer Stimmen, die freundlich von kommendem Glück sprachen wollten denn nicht die Wanderer im blühenden Hagedorn heim- kehren? Mit Sonnenschein im Auge bewegte sie sich

jetzt elastischer unter den Gästen ihres Vaters in diesen frühzeitigen Frühlingstagen, und Sir Geoffrey lächelte heimlich für sich, ob der merklichen Veränderung. Er hielt sich für einen schlauen Beobachter und glaubte, die Ursache ihrer früheren Niedergeschlagenheit und jetzigen Befriedigung gefunden zu haben.

Ein junger Herr, Nomens Farrington, der Sohn eines Jugendfreundes von Sir Geosfrey Mailing, hatte sich unter den Weihnachtsgästen auf Mallingford-Park befunden, und es gehörte nicht viel Beobachtungsgabe dazu, die Ueberzeugung zu gewinnen, daß er sich in Ethels reizendes Gesicht verliebt hatte. Er war ein sehr achtbarer junger Mann mit ganz bedeutendem Ver­mögen, und in dem Bewußtsein, eine sehr gesuchte Partie zu sein, kam er zu Sir Geosfrey und bat um die väter­liche Genehmigung, um Ethels Hand und Herz werben zu dürfen. Um das Resultat seiner Werbung schien ihm nicht bange.

Sir Geosfrey nahm hierauf selbst mit Ethel Rück­sprache und war höchst erstaunt, eine ganz entschieden abschlägige Antwort zu erhalten, mit der Erklärung, daß sie ihr Herz bereits verschenkt. Sir Geosfrey er­innerte sich der glücklich frohen Erregung des jungen Mädchens über Pellings Briefe, die doch nur voll von Dorntons Fleiß, Talent und Erfolg sprachen; er kam zu dem Resultate, daß sie ihrer ersten Liebe noch treu sei. Seine Wünsche und Hoffnungen sah er durch diese Entdeckung vereitelt, aber er selbst war ja dem Zuge des Herzens gefolgt und hatte aus Liebe geheirathet, und es lag somit durchaus nicht in seiner Absicht, seine Tochter in der Wahl ihres Gatten beeinflussen zu wollen.

In Folge dessen ward an die herumschweifenden Künstler eine warme Einladung gesandt; und Ethel ge ricth nun in einen glückseligen Zustand der Erwartung. An einem milden Frühlingstage gegen Ende April laugten die Ersehnten wirklich an.

Sir Geoffrey's Gutsnachbarn waren fast alle noch durch die Saison in London gefesselt und Ethel bereitete es nicht geringe Verlegenheit, wie sie zu Ehren der er­warteten Freunde eine größere Anzahl Gäste zusammen­bringen solle. Ihr Barer half jedoch über die Sorge hinweg und ertheilte ihr den Rath, die Heimkehrenden ganz en famille zu empfangen.

Wir können ja während ihres Hierseins einige Diners geben, wenn Du Lust hast," meinte er;ich bin aber dafür, daß wir das Haus nicht mit einer Menge anderer Gäste füllen. Siehst Du, sie haben Beide uns in unserer Armuth gekannt, und ich möchte ihre Gesellschaft lieber ohne den Zwang, welchen die Gegenwart Fremder uns auferlegt, genießen."

(Fortsetzung folgt.)

Vermischtes.

Ein seltsames, für den Jäger h ö ch st- interessantes Borkommniß ereignete sich kürzlich auf dem Forsthaus Bal de Vaxi bei Chateau-Salins. Dasselbe liegt einsam im Wald und die Wirthschafts- gebäude stehen 10 Meter von der Wohnung ab. Um 7'/2 Uhr Morgens stand der kaiserliche Förster Manstein bei seiner Frau in den Wirthschaftsgebäuden der Dienst­wohnung, als die Frau ihm zurief:Da kommen Rehe in den Hof." Gleich darauf verbesserte sie sich jedoch und rief:Es sind zwei Wölfe." Der Förster sieht heraus und erkennt sofort zwei Wölfe, welche sich bissen. Der eine hatte den anderen vorn am Kopf, bezw. am Hals gefaßt und sie suchten sich gegenseitig zu Boden zu bringen. Weder ein Klagen noch ein Laut war zu hören. Der Hühnerhund des Försters, ein noch junges Thier, sah sich die fremden Gäste ganz erstaunt an und gab Standlaut. Der Förster eilt schleunigst zur Woh­nung, um ein Gewehr zu bekommen, und trat dann wieder vor die Thür, wo die beiden Wölse ihren Streit fortsetzten. Die Frau hat sich mittlerweile mit einem angemessenen Knüttel versehen und versah auf dem Kampfplatz Posteudienst, der Hühnerhund treu an ihrer Seite und noch immer Standlaut gebend. Es war die Absicht des Försters, die beiden kämpfenden Wölfe mit einem Schuß zu erlegen, doch in demselben Augenblick, wo er abdrückte, drehte sich das Knäuel, der Schuß krachte und nur ein Wolf blieb todt liegen. Durch den Pulverdampf konnte der Förster nicht gleich das Er­gebniß seines Schusses beurtheilen, sah dann aber bald, daß ein Wolf feldeinwärts fort lief. Leider konnte er denselben mit dem zweiten Schuß nur von hinten greifen. Auf den Schuß zeichnete der Wolf getroffen. Der wackere Förster nahm die Verfolgung energisch auf, fand weit vom Schuß ab noch Schweiß, aber der Wolf war in die Weinberge entkommen, wo die Verfolgung erschwert war und ohne Ergebniß blieb. Die erlegte Bestie war eine zweijährige Wölfin.

Die erste Vio line. Kind:Sag' mal, Tante, warum bringst Du Deine Violine nicht einmal mit?" Tante (erstaunt);Meine Violine? Was meinst Du damit?" Kind:Na, Mama sagte doch gestern, Du wärest in Gesellschaft nicht anders glücklich, als wenn Du die erste Violine spielst!"

Ein Oesterreicher und ein Sachse treffen sich in New-Aork am East River. Oesterreicher:I bitt, wie haaßt denn der Fluß da?" Sachse:Ja, Heeren Se, mei Kut'ster, das kann ich Sie wirklich nich sagen aber bei uns darheeme heeßen mersch de Elbe!"

Eineklassische" Rechtsfrage, die mit ihren überraschenden Antithesen den Scharfsinn der Ju­risten und Laien in gleicher Weise fesseln wird, lesen wir in derDeutschen Rechls-Ztg.": Erathlus, ein reicher Jüngling, nahm Unterricht bei Prolagras, dem berühmten Sophisten seiner Zeit. Nach dem zwischen Lehrer und Schüler verabredeten Vertrage sollte Erathlus die Hälfte des festgestellten Honorars gleich beim Ein­tritt, die andere aber erst dann bezahlen, wenn er seinen ersten Rechtsstreit vor Gericht gewonnen hätte. Nach vollendetem Unterricht zögerte Erathlus mit der Rechts­praxis und darum auch mit der Zahlung des restirenden Honorars. Endlich erhob Protagoras Klage und begann hierbei zu Erathlus: Thörichter Jüngling ! Auf jeden Fall mußt Du bezahlen, was ich fordere, es mag gegen oder für Dich erkannt werden. Denn erfolgt ein Rechts­spruch gegen Dich, so mußt Du bezahlen gemäß richter­lichen Erkenntnisses, wird aber zu Deinen Gunsten er­kannt, so mußt Du bezahlen laut Vertrag, denn Du hast den ersten Rechtsstreit gewonnen. Dagegen wendete Erathlus das Dilemma um und sprach: Weiser Lehrer! Auf jeden Fall brauche ich nicht zu bezahlen, was Du forderst, es mag gegen oder für mich erkannt werden. Denn sprechen die Richter für mich, so habe ich nichts zu bezahlen gemäß richterlichen Erkenntnisses; entscheiden sie aber gegen mich, so bezahle ich nichts laut Vertrag, denn ich habe meinen ersten Rechtsstreit verloren. Wer hat Recht?

Louis Müller, ein Deutscher in New-Z)ork, feierte kürzlich das silberne (eigentlich goldene) Jubiläum seines Geschäftes. Dabei dachte er daran, wie blutsauer ihm der Anfang in Amerika geworden war, und setzte ein Kapital von 10 000 Mk. aus für solche Deutsche, denen es in Amerika nicht geglückt ist und die nach Deutschland zurückkehren möchten, wenn sie das Fahr­geld hätten. In einer Woche meldeten sich viele Hunderte zur Rückfahrt.

Zwei Reisende sitzen im Eisenbahn-Koupee und sehen zum Fenster hinaus. Der eine ist Sachse und der andere Preuße. Auf einmal sehen sie einen Storch und der Sachse sagt zum Preußen, das is een Landsmann von Ihnen! Warum? fragte der andere. Nu, sagte der Sachse, der Storch is schwarzweiß und hat eeueu großen Schnabel, da muß er doch een Preiße sein! Der Preuße sagte nichts dazu. Nachdem sie bis zum Abend gefahren waren, ging der Mond auf und der Preuße sagt zum Sachsen auf den Mond zeigend, das ist Ihr Landsmann! Warum denn? fragte der Sachse:Nun, weil er erst alle vier Wochen einmal hell wird!"

Eine vorzügliche Frost salbe stellt man folgendermaßen her: Ungegohrenes Bier wird bis zur Syrupdicke eingekocht und das erfrorene Glied damit bestricken, lockere Baumwolle darüber gelegt und mit Leinen bedeckt, verbunden. Es bleibt sich gleich, ob die Frostbeulen offen sind oder nicht, oder ob sie schon jahre­lang wieder ausgebrochen oder neueren Ursprungs sind. Obiges Mittel muß allabendlich frisch aufgelegt werden und wird die Heilung in längstens acht Tagen erfolgt fein. Auf der Wunde hart gewordene Salbe muß durch warmes Wasser erweicht und abgelöst werden. Je älter die Salbe wird, desto leichter erfolgt die Heilung, wes­halb man sie jahrelang aufbewahren kann, und ist ihr nur bei Erhärtung von frischem, ungegohrenem Bier etwas zur Verdünnung beizufügen.

P e ch. Sage Ihnen, in Hannover hätte ich mich brillant verloben können, hätte keine drei Tage mehr gebraucht, aber mein Retourbillet galt nicht so lange.

Ein Arzt wird des Nachts wegen geringfügigen Unwohlseins zu einer Patientin gerufen. Dieselbe em­pfängt ihn mit den Worten:Daß Sie noch so spät kommen, Herr Doclor, das rechne ich Ihnen hoch an!" Ich Ihnen auch, meine Gnädige," antwortete der Arzt.

Kasernenhof blürhe. Unteroffizier zu einem Einjährigen (Kaufmann)?..'Sie Häringsbündiger, Sie sitzen heute wieder auf Ihrem Pferde droben, wie wenn Sie aus lauter Bonbons zusammengesetzt wären!"

Gräfin: Unglaublich, wie mein armer Sohn, der Student, von dem freien Zeitgeist angesteckt ist; neulich hat er sogar Bier aus demBürgerlichen Brau­haus" zu Pilsen getrunken.

Mißverstanden. Städter: Wie stark ist denn Ihre Familie, Michelbauer? Michelbauer: Wann i und meine Buab'n z'sammhalten, hau'n m,r 's ganze Dorf durch!

Briefkasten»

Herrn I. H., Salmünster.

Ihre Nachricht, daß am Tage der päpstlichen Jubel­feier beim Spätschoppen sich zweie geprügelt haben, ist leider unvollständig, da Sie nicht angegeben, wie viel Prügel sie (oder Sie?) dabei bekommen haben.

Der Herausgeber.

Witterungsbericht.

Das Wetter wird in den nächsten 23 Tagen mukh- maßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird so ziemlich dieselbe bleiben; der Himmel wird bedeckt sein; es werden Westwinde mit mäßig-r Luftbewegung vorherrschen; es sind geringe Niederschläge zu erwarten.