von Ochsenfurd, gehörte Kunz v. Rosenberg und wurde am 23. Juni 1523 vom schwäbischen Bunde zerstört) geführt, liegt in ebenem Feld. Und als wir dahin gekommen, hat die Uhr zwölf geschlagen. Hinter dem Schlosse haben wir anderthalb Stunden gehalten. Darnach haben sie mich hinter dem Schloß durch ein Haferfeld geführt. Da sind uns zwei daraus entgegen gekommen, haben mir die Füße aufgelöst und mich zum Schloß bis über eine Brücke geführt. Da haben sie mir die Augen verbunden und über zwei Brücken und über eine Schlagbrücke, dann in einen Thurm auf ebener Erde geführt. Da haben ihrer drei mich in einen Stock geschlagen (Stock ---zweiteiliger Stamm mit Oesfnungen, wodurch die Füße der Gefangenen gesteckt wurden), nämlich der Gilg, so mich gefangen, und zwei Brüder, heißen die Göcker, sind Kunz von Rosenbergs Knechte. Die bemeldeten zwei Brüder haben sich zu mir auf den Stock gesetzt und gesagt: „Das ist der Landfriede, den der Kaiser zu Worms gemacht hat!" (Durch den Landfrieden waren alle Fehden verboten.) Der eine sagte des mehr, er wollt', daß er den Kaiser im Stock hätt'. Und das alles ist geschehen am Sonntag des Tags und die Nacht darnach. Am Montag früh hat Gilg gesagt, daß er einen Boten gen Nürnberg geschickt hätte, der würde erfragen, wer der Ruprecht Zürcher wäre. Am Samstag hiernach hat Gilg wiederum gesagt, ihm wäre ein Bote gekommen, der hätte gesagt, baß er von einem zu Nürnberg gehört, daß einer geredet, Ruprecht Zürcher gebe gern 3000 Gulden, er wäre wohl 1200 Gulden reich, aber er habe einen harten Kopf. So hat er 3000 Gulden gefordert, darauf lange beharrt und mich hart bedroht. Habe ich so viel mit ihm geredet, daß er die Schätzung auf 400 Gulden gestellt. Die hat man gen Giebelstadt an ein Holz geordnet, dagegen hat man mir zugesagt, mich in ein Dorf dabei zu bringen, damit ich mit Geleite fortkommen möchte. Am Mittwoch zu Nacht vor St. Bartholmäi Tag haben sie mich aus dem Stock geführt an ein Holz nicht weit von Rottingen. Und ehe sie mich ledig gelassen, sind zwei Reiter zu uns gekommen, die hat Gilg aus einen Ort hintenan geführt und mit ihnen Rede gehabt; was, weiß ich nicht. Als sie mich ledig gelassen, habe ich gefragt, wo das Dorf wäre. Ist mir zu Antwort geworden, sie wüßten von keinem Dorf, ich hätte eine gute Straße hinan an ein Holz, und unter dem Holze liege ein Städtlein, hieße Kregling. Habe ich gebeten, mich durch das Holz zu geleiten, aber das hat nicht sein sollen, sondern einer hat mir gesagt, wolle ich reiten, so solle ich reiten, oder dableiven. Als ich ein klein Stück Weges von ihnen gekommen, habe ich mich «ungesehen. Da ist der Gilg weggewesen und zwei andere Reiter sind auf der linken Seite dem Holz, auf das der Gilg mich gewiesen, zugeeilt. Daraus habe ich mich zur rechten Hand gewandt und bin in ein Holz in einem Thal gekommen, davor ein hohes Kreuz steht, und die zwei sind über die Höhe nachgeeilt. Also hab' ich das Rottinger Holz, das sehr dick ist, erreicht, und die zwei haben mich in dem Holz gesucht, sind auch ringsum um das Holz geritten. Das hat gewährt, bis es Tag geworden ist, dann habe ich sie nicht mehr gehört und bin dem Glockengeläut nachge- ritten und gen Rottingen gekommen. Die Bauern haben mir auch gesagt, daß sich solche zwei Reiter nachmals zu mehreren Malen an angezciglem Ende hätten sehen lassen.
Deutsches Reich.
Berlin. Von der Familie Lucius. Ueber die Familie des preußischen Landwirthschaftsministers Dr. Lucius hatte vor Kurzem ein Blatt die Nachricht gebracht, sie habe ursprünglich „Hecht" (lucius, der Hecht) geheißen und sei jüdischen Ursprungs. Dem gegenüber bemerkt jetzt aber die Berliner „Kreuzzeitung": „Wir erinnern nur, eine ähnliche Behauptung in dem vor Jahresfrist vielgenannten Buch „Bom Hofe des Kaisers" gelesen zu haben. Die Familie Lucius gehört zu den alten katholischen Patriziergeschlechtern Erfurts, wohin sie im 16. Jahrhundert von Mainz gekommen ist. Im Dom in der AUerhciligcnkirche sind noch Grabsteine vorhanden, die den katholischen Glauben der Familie ebenso unzweifelhaft beweisen, wie alte Familienstiftungen und die in gerader Linie mehr als 200 Jahre rückwärts zu verfolgenden christlichen Vornamen.
— Der preußische Parademarsch, welcher heute als Ideal in allen Armeen verehrt wird, den man früher so bespöttelte und welcher jetzt als ein vorzüglichas Ausbildungsmiltel für jede Truppe betrachtet wird, ist doch keine preußische Erfindung. Ja nicht einmal gleichen Tritt kannte man in der preußischen Armee vor 150 Jahren - merkwürdiger Weise ist der „Tritt", d. h. der Gleichschritt der Massen, aus Hessen nach Preußen gekommen. Dort war der Gleichschritt bei oen Truppen während des spanischen Erbfolgekrieges (1701—1714) zuerst eingeführt worden und hatte sich vortrefflich bewährt. Der Gleichschritt war schon in den Armeen der Griechen und Römer eingeführt, und man legte sehr großen Werth auf ihn. Im Millelalker aber ging seine Anwendung vollständig verloren und man vergaß die Anwendung des Gleichschrittes völlig bis zur Wieder- einlührung in der Hessischen Armee. In Preußen iniereffille man sich seit dem Regierungsantritt Friedrich
Wilhelms I. außerordentlich für alle militärischen Neuerungen und so kam auch die Kunde von dem Gleichschritte zu dem König nach Potsdam. Friedrich Wilhelm und seine Officiere erklärten indessen die Nachrichten für erfunden. Sie hielten es für unmöglich, „daß jeder Kerl mit allen anderen Kerls denselben Tritt halten könne". Ein Herr v. Kalkstein in PotSdam, der in hessischen Diensten Hauptmann gewesen war, erklärte sich bereit, eine Probe von der Möglichkeit des Gleichschrittes zu geben, wenn man ihm eine Anzahl von Mannschaften znr Verfügung stellen wollte. Der König theilte dem Herrn v. Kalkstein Mannschaften zu und nach einiger Zeit konnte v. Kalkstein sich bereit erklären, öffentlich Probe abzulegen. Vor einem geladenen Publikum aus allen Ständen und vor einer großen Zuschauermenge wurde diese Probe im Lustgarten zu Potsdam abgelegt und erzielte einen alle Erwartungen übertreffenden Erfolg. Auf Befehl des Königs wurde sofort der Gleichschritt für die Potsdamer Garnison und bald darauf für die ganze preußische Armee eingeführt. — Auch in der deutschen Marine war, bevor der der Landarmee angehörige General v. Stosch an die Spitze derselben trat, das Marschiren im Tritt nicht üblich. Wie es hieß, wäre dies mit Matrosen unmöglich fertig- zubringen. Aber Stosch brächte es fertig. Seitdem sieht man auch die Matrosen im Tritt und strammer Haltung marschiren, während sie früher auch auf dem Lande mit dem bekannten Mairosengang hin und her schaukelten.
— Die ganze Schule für Kamerun, d. h. das Schulhaus, wird in Deutschland von dem Holzgeschäft von F. H. Schmidt in Altona fertiggestellt und dann aufgeladen und übers Meer gefahren werden. Schon Ende d. Mls. soll die Reise abgehen. Das ganze Gebäude wird aus Holzfachwerk hergestellt, in den untern Theil kommen die Schulräume, oben hinein die Lehrerwohnung, der untere Theil wird drüben ausgemauert, der obere nur verschalt, eine große Veranda zieht sich rings um das Haus. Untergebracht sind die schwarzen A-B-C-Schützen dann, an ihnen ist es, etwas Ordentliches zu lernen.
Limburg, 1. Januar. Ein Negerknabe im Alter von etwa 2 */2 Jahren, eben aus Afrika angekommen, erregte gestern Mittag am Bahnhof und in der Stadt großes Interesse. Derselbe befand sich in Begleitung eines Missionars (gebürtig aus Zeuzheim). Wie dieser erzählte, ist der Junge taubstumm und stammt aus dem Innern Afrikas. Das Kind sollte des genannten Fehlers wegen geopfert werden und ist von den Missionären für 13 Säcke Salz angekauft worden. Jetzt erhält der kleine Schwarze seine Erziehung in Deutschland.
Tages-Ereignisse.
Schlüchtcrn. In der Zeit vom 15. Januar bis zum 1. Februar d. I. haben sich sämmtliche militärpflichtigen jungen Leute aus der Alterklasse 1868 bezw. aus früheren Altersklassen, sofern eine endgültige Entscheidung der Ersatzbehörden noch nicht in ihren Händen, zur Rekru- tirungsstammrolle auf dem Bürgermeisteramte zu melden.
— Da es häufig vorkommt, daß Lehrlinge wegen geringer Züchtigung davonlaufen und von den Eltern in Schutz genommen werden, so machen wir darauf aufmerksam, daß der Lehrling nach § 127 der Gewerbeordnung der väterlichen Zucht des Lehrherrn unterworfen ist und das Züchtigungsrecht diesem oder dessen Stellvertreter in gleichem Maße, wie den Eltern, zuslehr. Die Grenze des Zwangsmittels ist durch dessen Unschädlichkeit gegeben. Erst wenn diese überschritten wird, liegt ein Mißbrauch des Züchtigungsrechts vor.
— Durch eine obergerichtliche Entscheidung ist festgestellt, daß Bahnhofsrestaurateure keine Einheimische nach Eintritt der Polizeistunde in den Restaurations räumen dulden dürfen. Die Entscheidung wird damit begründet, daß die Thätigkeit der Bahnpolizei die der Ortspolizei nicht ausschließe, vielmehr der letzteren die Aufsicht über sämmtliche Wirthschaftslocalitäten zustehe und die Verordnungen derselben auch für Bahnhofs- restaurationen gültig seien, jedoch habe dies keine Wirkung auf die mit den Personenzügen nach 11 Uhr Abends verkehrenden Reisenden. Dagegen dürfe die Bahnhofsrestauration den anderen Wirthschaften gegenüber keine nächtliche Freistätte für Einheimische werden.
Hanau, 4. Jan. Am Sylvesterabend ereignete sich im benachbarten Hörstein ein bedauerlicher Unglücksfall. Eine Mutter war eben damit beschäftigt, im Beisein ihres zwölfjährigen Töchterchens den kochenden Kaffeetopf aus dem Ofen zu holen, als auf der Straße Lärm entstand und sie ans Fenster eilte. Diese Zeit benutzte das Kind, den überkochenden Topf aus dem Ofen zu befördern, ließ aber denselben fallen und verbrannte sich bedeutend an Beinen und Füßen. Der Vater, welcher auf das Schreien des Kindes und das Lamentiren der Mutter herbeieilte, nahm das Kind, um demselben den Schmerz zu lindern, und setzte es in eine Butte (Wasser- traggefäß) mit Wasser. Das Kind war in Folge dieses zweifelhaften Heilverfahrens am nächsten Tage eine Leiche. Der Vater soll seit dieser Zeit geistesgestört sein.
Frankfurt. (Ein lustiger Streich.) In einem Geschäfte auf dem Liebfrauenberg befindet sich ein Berliner, der sich fortgesetzt rühmte, schlauer als die
übrigen Commis zu sein. Man beschloß, ihm einen Streich zu spielen und derselbe gelang so über alle Maßen gut, daß der schneidige Berliner ahnungslos vierzehn Tage lang allabendlich einen als Mädchen verkleideten Collegen unter amüsantem Schwadroniren und Süßholzraspeln nach Hause geleitete. Am Mittwoch Abend nahm die spröde Schöne endlich eine Einladung zu einem Essen in einer hiesigen bekannten Weinwirthschaft an, in der der Berliner ärgerlicher Weise all' seine Collegen fand. Nachdem er sein Schätzlcin wohl oder übel vorgestellt, bequemte sich dieses zur Abnahme von Hut und Schleier, worauf -- das Erkennen folgte. Der dupirte Berliner lief unter dem Halloh seiner Collegen davon.
Ausland.
London, 4. Jan. Der Gemahlin des Dr. Mackenzie hat die Königin Victoria nach der „W. Allg. Ztg." einen großen Shawl mit goldenen Palmen zum Geschenk gemacht, der einen enormen Werth repräsentirt. Die Königin legte der Gabe ein Schreiben bei, in dem sie sagt: „Die Dienste, welche Ihr Gemahl meinem Schwiegersöhne, dem deutschen Kronprinzen, leistete, reißen ihn häufig von Ihrer Seite; um Ihnen zu beweisen, wie sehr ich dieses uns gebrachte Opfer an- erkenne, schicke ich Ihnen dies Zeichen meiner Huld."
verlorenes Spiel.
Roman eon 61. 8 e m 0 r e.
(Sortseyung.)
„Wozu? Dein Herz glüht nicht in Liebe zu mir, nein, Du machst Dir sogar nicht das Mindeste aus mir. Weshalb giebst Du Dir nur so viel Mühe, Dich liebeswürdig gegen mich zu zeigen?"
„Du bist mein Weib. Die Größe Deiner Abneigung und Fehler vermögen an dieser Thatsache auch nicht ein Jota zu ändern. Wir haben uns in der Vergangenheit nicht glücklich gefühlt. Ich kann bemerken, daß Du es auch jetzt nicht bist; und indirekter Weise bin ich die Ursache Deines Unglückes. Ich möchte gern Dein Dasein froher machen, wenn Du mir nur die Hand bieten wolltest."
Sie ward von der Innigkeit seines Wesens und Tones gerührt.
„Du bist sehr gütig," bekannte sie; „und es thut mir sehr leid, so schlecht gegen Dich gehandelt zu haben."
Danach verharrte sie einige Momente in Stillschweigen, während Petling sie mit ruhigem Ernste beobachtete; in diesem Moment schlug die Slutzuhr auf dem Caminstms 12 Uhr.
„Du mußt jetzt gehen," drängte sie eilig. „Ich habe eine Verabredung mit einigen Freunden getroffen, mit ihnen zusammen auszureiten. Komm morgen um diese Zeit wieder."
Er machte keinen Versuch zu äußerlichem Zuschau- tragen von Zuneigung, sondern wandle sich mit den Worten nach der Thür:
„Also auf morgen —" und ging die Treppe hinab.
Auf der Mitte derselben traf er Babelte.
„Mit wem reitet denn Ihre Dame heute aus?" forschte er.
„Mit der Baronin de Belette — eine Frau, die wegen ihrer Beharrlichkeit, mit der sie sich am äußersten Rande der guten Gesellschaft während der letzten fünf Jahre zu halten verstanden, allgemein bekannt war. Sie haben mit einander eine Wette gemacht, wer die grüßte Distanz auf einem Pferde des Monsieur Crevin, das nie eine Dame auf dem Rücken duldet, reiten kann."
Helling entfärbte sich mit einer Angst im Herzen, über welche er sich selbst nicht Rechenschaft zu geben vermochte. Er war schon im Begriff, umzukehren und zu versuchen, diese wahnwitzige Caprice auszureden, besann sich aber, daß dies doch nur vergebliches Bemühen sei; und wollte er seine Aulorität geltend machen, so würde er das wenige Gute, das er gewirkt zu haben glaubte, wieder vernichten.
Er fuhr direkt nach seinem Hotel zurück und setzte sich, das Kinn auf die Hand gestützt, an ein Tischchen am Fenster seines Zimmers. Er befand sich in einem Gemüthszustande, schwebte zwischen Hoffnung und Furcht. Er war sich selbst nicht klar über seine Wünsche, nur dessen war er sich bewußt, daß er auszuführen beabsichtigte, was er für seine Pflicht erachtele; das Uebrige mußte er einer höheren Hand anheimstellen.
Hierbei wanderten bie Gedanken zu Ethel, die nun für immer aus seiner Lebensbahn entrückt war — ein süßer, lieblich schöner Traum. Er seufzte, als ihr durch Thränen schimmerndes Lächeln lebendig vor die Augen trat, wie er ihr Jack Dorntons Brief in die Hand gelegt.
Indem er so die Vergangenheit an einer Seele vorüberziehen ließ, wurde er durch den Anblick seiner Frau, die mit verschiedenen Damen und Herren in kurzem Galopp vorüberritt, in die Gegenwart zurückzu- rufen. Hinter dieser Cavalkade her füljrte ein Groom ein unruhiges, kastanienbraunes Pferd mit einem Damensattel. Pauline blickte in die Höhe und grüßte ihn mit ernstem Gesichtsausdruck; er erwiderte ihren Gruß.
Wie schön sie anssah! Wie gm sie zu Pferde saß! Wie stolz er hätte auf sie sein können, wenn nicht durch