Seiten des Capitains, seine Frau ungesäumt aufzusuchen, geendet. Sie war überzeugt, daß sein Entschluß das Resultat ihres Rathes, und hoffte aus der Tiefe ihres Herzens, daß er zum Guten führen möge.
Pelling ging langsam in tiefernstem Sinnen die breite Treppe hinauf:
„Sie hat vollkommcu Recht, wie stets! Es ist das Einzige, was mir zu thun obliegt; und ich selbst sah es nicht! Mein Platz ist unstreitig an der Seite meines Weibes."
Dreiundzwauzigstes Capitel.
„Ich sage Dir, Deine Gegenwart hier ist eine ganz unverschämte Zudringlichkeit! Wenn Du mein Zimmer nicht freiwillig verlässest, so werde ich mich genöthigt sehen, Dich hinauswerfen zu lassen!"
Es war der dritte Tag, seit Pelling von Ethel und Mallingford Park abgereist, und dies der Willkommen gruß, mit dem er von seiner Gattin empfangen wurde. Er hatte einen schweren und heftigen Kampf mit seinem Herzen durchgefochten; aber die Pflicht hatte obgefiegt, und mit der errungenen Entschlossenheit ließ er sich durch ein paar bittere Worte nicht entmuthigen.
„Das ist nicht nöthig. Natürlich werde ich mich entfernen, aber wenigstens wirst Du nicht abschlagen, mir zuvor einige Fragen zu beantworten?"
Dies ruhige, gelassene Wesen war von dem gereizten, herrischen Ton, den Pauline erwartet, gewaltig verschieden; wenn er stürmte, konnte sie wohl ihr Feld behaupten; aber so sah sie für ihre Absicht, einen Zank in Scene zu setzen mit einem Manne, der sich nicht zanken wollte, keine Hoffnung auf Erfolg.
„Thue Deine Fragen, und wenn es mir paßt, so werde ich sie beantworten, sonst nicht. Aber um des Himmels willen, spute Dich, daß Du flink damit zu Ende kommst."
Pelling setzte sich, und Pauline fixirte ihn in mürrischem Schweigen. Er blickte sich in dem elegant möblirten, aber unordentlich gehaltenen Salon um, dabei streifte sein Auge seine selbst im Negligee schöne Gattin, und beim Anschauen verlor er den Muth und fragte sich selbst unwillig, weshalb er so viele Mühe nähme, einen Zweck zu erreichen, wonach sein Herz im Grunde so wenig verlangte. Ihre schönen braunen Augen waren haßerfüllt und lauernd auf ihn gerichtet, und die schöngeformten Lippen preßten sich rachsüchtig zusammen. Er stand halb vom Sessel aus in der Absicht, sie zu verlassen, als der Gedanke an den kleinen Grabstein in dem fernen Lande ihn zum Bleiben bestimmte.
„Willst Du mir nicht etwas von unserem Kinde erzählen, Pauline?"
Mit dem Ausdruck verzweifelten Schreckens sprang sie in die Höhe.
„Wie darfst Du Dich unterstehen, hierherzukommen, UM mich zu höhnen?" riefSle zornerglühend; und dann sank sie wieder auf den Sessel zurück. Nach einer Pause jedoch entgegnete sie ziemlich ruhig : Du hast den einzig schwachen Punkt in mir berührt. Natürlich hast Du ein Recht, zu vernehmen, was davon zu erzählen ist. Das Kind wurde als ein ganz schwächliches, kleines Ding geboren. In jener ersten Zeit, nach dem Tode meines Vaters hatte ich mit großer Noth zu kämpfen, ich konnte kaum Leib und Seele zusammenhalten. Ich wußte vom ersten Augenblicke, daß es nicht lange dauern wird. Es starb, als es drei Monate alt war.
„Ich wünschte, die Kleine wäre am Leben geblieben," Pauline.
„Weshalb hegst Du denn solch einen wahnsinnigen Wunsch?"
„Weil ich, hätte ich nicht ihr Grab gefunden, mein Forschen nach Dir fortgesetzt haben würde, bis ich Dich gefunden."
„Ach! Und wenn Du mich dann gefunden, und nach Mallingford gekommen wärest und gesagt hättest: „Pauline, Du bist mein Weib; komm mit mir!" Weist Du, was ich gethan hätte? Ich würde Dich getödtct haben! Selbst jetzt noch würde ich das thun, wenn Dein Tod all' das Weh, was Du mir gebracht, ungeschehen machen könnte! Aber, es ist Alles hin — Alles hin — und die nächste Nachricht, die Du vernehmen wirst, wird die sein, daß ich mir selbst das Leben genommen."
Diese Worte wurden ruhig mit tiefernster Betonung gesprochen.
„Weshalb hassest Du mich denn so furchtbar?" fragte er, sie aufmersam beobachtend.
„Weil Du mein böser Genius gewesen bist, seitdem ich Dein Weib geworden. Wenn ich Dich nicht ge- heirathet hätte, würde mein Leben sich auch glücklich gestaltet haben, wie das anderer Frauen. Sobald ich Nur vernommen, daß ich die Erbin meines Onkels sei, ward auch mein Glück schon zerstört durch die fernere Mittheilung meines sterbenden Vaters, daß ich nur unter der Bedingung, nicht ohne Zustimmung meines Vormundes, eine Verbindung einzugehen, erben solle. Dank Deinem guthmüthig dummen Vorschläge, war diese Bedingung schon übertreten; und die sechs Jahre, wo ich mich des Besitzes hätte freuen können, sind mir durch ahnungsvolle Gewißheit der eigenen Seele verbittert worden, daß Du noch irgendwo am Leben seiest und mich eines Tages finden und mich alles dessen, was zu erlangen ich so viel gewagt, wieder berauben werdest."
„Jetzt glaube ich, Deine Handlungsweise erst richtig zu verstehen," entgegnete er gelassen. /Du hattest bei Lebzeiten Deines Vaters die Bitterkeit der Armuth so gründlich kennen gelernt, daß die Versuchung dieser Aussicht auf Reichthum für Dich zu groß war. Du fühltest, daß Du Alles und Jedes opfern könntest, falls Du Dich für immer über das Bereich des Mangels zu erheben vermöchtest. Mein armes Kind, wenn ich Dich hätte finden können, wenn Du Dir nicht so viel schlauberechnete Mühe genommen hättest, mich von der rechten Spur abzuleiten, welcher Kummer hätte dann uns beiden erspart werden können. Zwei Tage, nachdem ich Dich in Rom so plötzlich verlassen, befand ich mich in dem Besitze eines jährlichen Einkommens von über 3000 Pfd. Sterling. Ach, Pauline, wenn Du doch ehrlich gehandelt hättest, wie glücklich wir hätten sein können!"
„3000 Pfd. Sterling jährliche Revenuen!" sprach sie wie abwesend.
Der Ausdruck wirklichen Hasses war der apathischen Verzweiflung gewichen. Sie blickten einander einige Momente fest in die Augen. Plötzlich brach sie in ein furchtbares Lachen aus.
„Und die Menschen sagen, es gäbe eine gütige Vorsehung'" rief sie wild. „Hätte ich dies damals gewußt, wo noch ein bischen Liebe zu Dir in meinem Herzen lebte, wie ganz anders würden unsere Geschicke sich gestaltet haben."
„Und Du würdest es erfahren haben, wenn Deine List nicht selbst den Damm vorgeschoben hätte. Deine eigene Sünde ist es, die das Unglück herbeigeführl!"'
In ihrer Stimmung war wiederum ein Umschlag eingetreten und in plötzlichem Unmuth wandte sie sich nach ihm um.
„Ich ließ mich willig finden, Dir einige Fragen zu beantworten, die Moralpredigten kann ich entbehren," sagte sie trotzig. „Wenn Du Alles gefragt, was Du zu wissen wünschtest, dann muß ich Dich bitten, mich von Deiner Gegenwart zu befreien."
Pelling stieß einen tiefen Seufzer aus und griff nach seinem Hute.
/Du wirst mir wohl erlauben, wiederzukommen und Dich zu besuchen?"
(Fortsetzung folgt.)
Eingesandt ans Salmünster.
In der letzten Nr. Ihres geschätzten Blattes las ich zu meinem Erstaunen, daß zur Verherrlichung der Sekundizfeier seiner Heiligkeit des Papstes Leo am 1. Januar Festlichkeiten dahier veranstaltet worden sind. Da jedoch die Beschreibung der Wirklichkeit nicht genau entspricht, so glaube ich, um meinem Wahrheitsgefühl in etwa Rechnung zu tragen, diese Auszeichnungen einer kleinen Berichtigung unterziehen und die Arrangements in das wahre Licht stellen zu müssen.
Die Feierlichkeiten wurden allerdings durch die beiden hiesigen Gesangvereine ins Leben gerufen, aber daß beide ihre Aufführungen im Rathhaussaale zur Schau getragen haben, ist die Unwahrheit. Der eine Gesangverein unter der festen und sicheren Leitung des Herrn Rektors Scherer hielt seine Festlichkeiten im Saale des Herrn Gastwirths Wolf am Neujahrstage, von Nachmittags 3 Uhr au, ab. Die Sänger brachten zuerst eine Leo-Hymne mit großer Präzision zum Vortrage, worauf Herr Pfarrverweser Kirchner eine längere Ansprache hielt, in der er mit ergreifenden Worten ein schönes Bild von dem Leben und Wirken des Joachim Pecci als Priester, Bischof und Kardinal und als nunmehriger Papst Leo vor den zahlreichen Anwesenden entrollte. Der schön vorgetragene Wahlspruch „Segen Leo" machte einen fast überwältigenden Eindruck auf die mit gespannter Andacht lauschenden Zuhörer. In einem dreifachen der tiefsten, innersten Brust entquollenen „Hoch" gab sich Ehrfurcht und Anhänglichkeit an das greife kirchliche Oberhaupt kund. Den Schluß der Feier bildete der schöne Vortrag des Lobliedes „Herr Gott dich loben wir". Nur 3 Gesangesaufführungen fanden statt, aber alle Anerkennung verdienen dieselben. Reine Intonation, Correctheit und Präcision der Darstellung waren in erster Linie zu rühmen. Bravo dem umsichtigen Dirigenten, Bravo den wackeren Sängern! Der andere Gesangverein veranstaltete eine Leofeser, die der eben beschriebenen im großen und ganzen ähnlich war, aber am Abende und im großen Saale des Rathhauses. Auch den Gliedern dieses Vereins, vor allem dem Dirigenten Herrn Zahn, seien für den musikalischen Genuß Worte der Anerkennung nicht versagt.
Ob die beiden Vereine sich absichtlich nicht geeint haben, oder ob es auf beiden Seiten für besser erachtet wurde, eine getrennte Feier zu verunstalten, wage ich nicht zu entscheiden. Das eine steht jedoch fest, für Salmünster war es ein wahrer Hochgenuß, einer zweifachen, stilvollen Aufführung die Ohren leihen zu können. Daß die Häuser der Stadt am Abende prächtig illuminirt waren, einige sogar unter herrlichem Feuerwerk prächtig strahlten, braucht wohl kaum noch näher beschrieben zu werden. W.
— Eine Dame schrieb einmal an Chopin folgenden Brief: „Lieber Meister! Ich ersuche Sie herzlichst, mir den Walzer, der so lautet la, la, la, la, la abzu- schreiben und einzusenden. Ihre ergebene N. N."
Wetterbericht für den Monat December.
Während des Monats December war die Luft im Allgemeinen bewegt, Sturm war zu verzeichnen in der Nacht vom 10. zum 11.; ferner am 17., 18. und am 19. Vormittags, vorherrschend waren Westwinde. Der mittlere Barometerstand war 67,4 mm, während er im December v. I. 55,1 mm war. Die Temperatur während des Monats December war im Durchschnitt unter normal, die Durchschnittstemperatur war 1,4» C. — 1,1° R., während sie im December v. J. 4,2° C. — 3,4° R. war. Die höchste Temperatur war am 9. Mittags 2 Uhr, nämlich 11° C. = 8,8° R. über Null, die niedrigste Temperatur war am 31. Abends 9 Uhr, nämlich 17° C. — 13,6° R. unter Null. Ver- hältnißmüßig niedrige Temperaturen waren noch am 29. und 31. Morgens 7 Uhr, nämlich 15° C. unter Null. — Niederschläge fanden an 24 Tagen statt; die Gesammtregeumenge des Monats betrug 104,8 mm, während sie im December 0. I. 144,3 mm betrug. Die größte Wassermenge lieferte der Schneefall am 19., nämlich 11,5 mm. Nebel war an 5 Tagen zu verzeichnen.
Das barometrische Jahresmittel i. J. 87 war 762,8 mm, gegen 760,5 mm i. I. 8 6; das Sommermittel war 761,3 mm, gegen 761,1 mm i. J. 86; das Wiutermittel war 764,3 mm, gegen 759,7 mm i. J. 86. — Die mittlere Jahrestemperatur war 10,6° 0. = 8,5" R., gegen 11« C. = 8,8« R. i. J. 86; die mittlere Sommerlemperalur betrug 16,8« C. =— 13,4° R., gegen 17,1« C. — 13,7° R. i. J. 86; die mittlere Wintertemperatur betrug 4,2° C. = 3,4° R., gegen 4,8° C. — 3,8« R. i. J. 86. — Die Regenmengen für das Jahr 87 betrug 635,5 mm, gegen 759,2 mm i. J. 86. Die wenigste Wassermenge lieferte der Januar, nämlich 4,4 mm, die meiste der December, nämlich 104,9 mm. Niederschläge fanden an 180 Tagen statt, gegen 178 i. J. 86; der 15. Juli brächte Hagel, welcher aber keinen Schaden in der Gegend anrichtete. Die elektrischen Erscheinungen waren ziemlich zahlreich, nämlich 19, davon kamen auf den Monat Juli allein 10; eigentliche Gewitter waren davon 16, 3 waren sog. Wetterleuchten. Im Allgemeinen waren die Gewitter als schwache zu bezeichnen, Schaden wurde durch die- felben nicht angenchtet; die meisten zogen aus Süd, Südw.est und West.
Standesamt Schlüchtern. December 1887.
a. Geburten.
Am 5. Dorothea Gertraude, Tochter des Wagner- Georg Zinkhan zu Schlüchtern. 20. Johann Bictor, Sohn de» Schuh, machers Johannes Alt das. 27. Jsank, Sohn des Handelsmanu» Bar Adler das. 27.' Joseph«, Tochter des Hültner» und Wagner» Konrad Preiß zu Herolz. 30. Elisabeth», Tochter der Anna Mar- garetha Schmidt (ledig) zu Gomfritz (Gem. Klosterhöse). 31. Anna Katharina, Tochter des Bauer» Peter Falk zu Herolz.
b Eheschließungen.
Am 8. Bäcker Friedrich Weihet zu Schlüchtern mit Gertraude Leipold (Köchin) zu Breitendach. 14. Lehrer Jacob Stein zu Holzhausen mit Badetha Walter zu Schlüchtern.
c. Sterbesätle.
Am 2. Maria Elisabeth» Jost (ledig), 77 Jahre 6 Monate alt zu Schlüchiern. 9. Dorothea Barst (ledig), 64 Jahre 4 Monate alt das. 17. Emil Gustav, 1 Jahr 1 Monat alter Sohn der Schuhmachers Philipp Amdrofius Ehristian Sauerwein das. 24. Eva Margarelha Louise, 1 Jahr 6 Monate alte Tochter des Schuhmachers Johann Friedrich Reuter das. 26. Johanne» Rüster (Bauer und Schneider), 63 Jahre alt zu RieverzeU.
Briefkasten.
Eine Stimme aus Mottgers. —
Der mit Beziehung auf unsere Notiz im Briefkasten der Nr. 36 an uns ' übersandte Hase ist glücklich bei uns angelangt. Der betreffende Setzer, welcher seiner Zeit den Hahnen in einen Hasen verwandelte, weil dies feine Lieblingöspeise, sieht dem Braten für den nächsten Sonntag bereits mit größtem Wohlbehagen entgegen, und wir werden uns bemühen, ihm als Jünger der schwarzen Kunst redlich beizustehen. Daß, wie Sie bemerken, in den Appetit des Setzers kein Zweifel gesetzt wird, erfreut denselben doppelt: er wird beim Hasenbraten den doppelten Beweis davon zu führen suchen.
Der unbekannten „Stimme aus Mottgers" unsern besten Dank. Mögen ähnliche Stimmen sich öfter hören lassen, sie werden keine Mißstimmung bei uns erregen, und wenn der Hase noch so groß ist.
. Die Setzer.
Witterungsbericht.
Das Wetter wird in den nächsten 2—3 Tagen muthmaßlich folgenden Gang nehmen: Die Temperatur wird sich wesentlich nicht verändern; der Himmel wird bedeckt sein; da der WindTm Drehes ist, so läßt sich auf die Richtung keinMstimititex Schluß ziehen, wahrscheinlich wird er Süd bis West werden und dann sind Niederschläge zu erwarten.
Kirchlicher Anzeiger für Schlüchiern.
Sonntag, den 8. Januar 1888:
Morgengottesdienst: Herr Pfarrer Hartmann. Nachmittagsgottesdienst: Herr Superintendent Heck. Wochendienst in der Sadt: Herr Superintendent Heck.