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chlüchterner Zeitung.

Amtliches Blatt für die VeröffemlichulWlW

Erscheint Mittwochs and Lam

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[ ^«k Mittwoch, den 4. Januar.

Berzeichnitz der Preise und des Gewichtes der Backwaaren für den Monat Januar 1888.

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Samen der Bäcker bezw. Backwaaren- händler.

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L Stadt Schlüchtern

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Hrmc. Freund, Bäcker

40

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23

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Ä.

Ferdinand Rüster, Bäcker

50

3

22

s.

Ph. Weitzel, Bäcker

40

3

--

4.

H. Bolender,

30

3

34*4

5.

Georg Weitzel ,

50

3

22

6.

Leonh. Batst, ,

50

3

3

22

7.

Johs. W-itz-l,

50

3

---

23

8.

Johannes Denhard

40

3

--

23

9.

W. Urbach,

40

3

23

10.

Ludw. Bolender, Bäcker

50

3

23

22

11.

Beneblet Strauß ,

50

3

36

22

12.

3iM Gerlach ,

30

3

1

13.

Philipp Rüster

50

3

22

2. Stadt Stetnau.

1.

W.Euler, am Bellinqerth.

45

3

24

2.

W. Euler, Georgs Sohn

15

15

3

25

3.

$riebr Euler

3

25

4.

Jvhs.Weitzel, Johs. Sohn Johs. Weltzel, W. Sohn

15

3

-

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22 I

5.

45

3

6

Friedrich Buß

45

3

.

7.

Äonrab Euler

40

3

25

8.

Konrad Buß

40

3

45

3

24

9.

Peter Fink

42

3

-

27

10.

Dietrich Müller j

5

3

22*5

U.

Ad. Fuchs Ww. f

35

3

40

3

24

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12

Sovhia Fink ) Händler

35

3

225

13.

Bernh. Sbber i Wi'v. g.Jeää» ]

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Stadt Salmünster.

i.

Simon Wolf

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3

45

3

33

22

2.

Ehr. Hinkelbein

8-

6

5.

6

22

3.

Td. Weber, Bäcker

80

6

r,0

6

25

4.

Joh. Georg Roll

90

6

50

Ö

22

4, 4

St»vt Soden.

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Eduard Betz, Bäcker

40

50

3

22

2.

Urdan Bez, ,

♦0

50

3

24

3.

Johannes Hild, ,

33

43

3

22

4.

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8

25

5.

30

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24

». Momsthal

i.

Karl Fink

40

3

50

6

22°/,

. ..... .

2.

Benedrkt Roll Wwe.

40

3

50

Ö

22°/,

3.

Karl Roll, Händler

40

3

50

6

22°/,

4.

Herm. WeiSdecker, Händl.

40

3

50

6

24

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Schlüchtern, den 30. Dez der 1887.

Der Königliche Landrath: Roth.

Johann Grafen, G eri chtsschrei b e rs, Mahnung.

Hqnns Grase, Gerichtsschreiber in Nürnberg !

Was Maßen Ihr durch mein Helfer und Helfers­helfer zu Haft und Gefangennahme gekommen, worauf Ihr mit Handgeben, den Treuen an eines rechten Eides statt gelobt und geschworen, auf den nächstvergangenen heiliger dreier Könige Tag sondern alle Verhinderung gen Brandenstein zu stellen, das ich mich Euren Pflichten nach zu thun versehen, da ich Euch für einen Bieder­mann gehalten, Ihr aber Eure gekhane Pflicht, Gelübde und Eid in Vergessen gestellt : so mahne ich Euch mit diesem Brief an Eure Pflicht, Gelübde und Eid noch­mals, Euch angesichts dieses Briefes allher gen Brauden- stein zu stellen, Eure Pflicht, Gelübde und Eid zu hasten und genug zu thun (d. t zu erfüllen). Wenn es nicht geschieht, gebt Ihr mir Ursach von Euch zu schreiben und zu sagen, daß Ihr mir ehrlos, treulos und meineidig geworden. Auch wo mir Gott das Glück gäbe jemand mehr zu erobern, dem würde kein Gelübde, sondern er würde an seinem Leibe gestraft, dazu Ihr mich verursacht.

Gegeben unter meinem Jnsigcl Freitag nach Antonii (18. Jan.) Anno XXI (d. i. 1521).

Agatha Oedheimerin und Helena, ihre Tochter.

In der gleichen Form hat die Oedheimerin Caspar Kett, von München genannt, auch geschrieben und ge­mahnt, welche Mahnung Stephan Seusinger Caspar« hat überantworten wollen, aber Caspar hat sie nicht annehmen wollen. Und als Sigfried Coler nach ge­meldetem Stephan Seusiger dem Jüngeren geschickt, um seine Ansage aufzuzeichnen, ist er von Stund an wieder zu dem Thor ausgezogen, derhalbeu seine Ansage nicht hat aufgeschrieben werden können.

2.

Schreiben an den Pfarrer Jörg zu Sumer- hausen.

Lieber Herr Pfarrer!

Ich schick' Euch hiemit einen Brief, den Mir Eure Verwandtschaft zugeschickt hat. Darin werdet Ihr wohl ihr Schreiben vernehmen, aber es hat ihr Behelf keinen '

Die Brandenstemer Fehde.

(Fortsetzung.)

Also habe ich nichts sonderliches mit ihm geredet, ' weiß auch nicht, was der andere Reiter mit dem Reit- kolbt« zu meinem Herrn gesagt, denn allein, daß ich gehört, er hätte Briefe im Busen von einer, die Agatha hieß, die Forderung zu denen von Nürnberg hätte. Und als mein Herr gefragt, wer sie wäre, und auf die OcdShcimcrin gerathen, hat er ihm geantwortet, ja, die wärs, er hieße Mangold voM Eberstein. Und als die Nacht herzu ging, führten sie uns zunächst hinter Hals- Wiml über einen Weiher, dann an einem hohen Holz hin auf einen Weg meines Achtens gen Ansbach wärts, Allda untcrredettn sie sich miteinander. Am Ende fragte der Reiter, der sich Mangold von Eberstein nannte, meinen Herrn, und der andere mit der Armbrust und l der Jakobsmuschel mich, und sagte :Da mußt und wirst du mir anrühren und schwören einen Eid, daß du mir wollest sagen, was ich dich fragen werde, und wirst du das nicht thun und ich anders erfahren, will ich dich martern, daß du dein Leben lang ein armer Mensch sein mußt."

Also nahm er mich in Gelübde und gab mir den Eid und fragte mich, wer mein Herr wäre, was sein Stand und Wesen, ob er reich oder arm und ob er Kinder hätte und was er mir zu Lohne gäbe und ob wir mit Geld gen Weißenburg zögen und wer da läge.

Dem hab' ich geantwortet, ex hätte einen Dienst bei . den Herren von Nürnberg. Währte derselbe lange, so I hätte er ein Auskommen. Wie viel er jährlich hätte, ' / wüßte ich nicht. Er wäre ein Gerichtsschreiber, hätte

Preis vierteljährlich 1 Mark. Anzeigen tosW/W^W"^elle »der deren Raum 10 Pfennig,

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kein Kind, aber einer Frau Schwester Kinder hätte er bei sich, die erzöge er. Es wären etliche zu Weißen- burg, aber wir Hütten bei Gott kein Geld, das ihnen zuständig wäre.

Da fragte er weiter, ob er aus Nürnberg gebürtig wäre. Da sagte ich:Nein, ist aus dem Frankenland, welches Ende weiß ich nicht."

Fragt er mich wieder, von wannen ich wäre, und was er mir gäbe. Sagt ich:Ich bin von Amberg, erschreib' ich viel zu Trinkgeld, so habe ich viel. Erst am Tage zuvor hab' ich fünf Gröschlein mir erschrieben, die habt ihr mir jetzo genommen."

Ich bat ihn, mir eine Zchrnng zu geben, der aber wollte das nicht thun. Also rückten beide Reiter zu­sammen ungefähr zwei Stunden bis zu einem Acker vor. Da hob der Reiter mit der Armbrust au:Die von Nürnberg Gottes Marter schände sie! meinen, wollen jedermann das Seine vorenthalten und wollen sich mit der Frau um ihren gerechten Anspruch nicht vertragen. Wenn mir mein Weib stürb, wollte ich die Tochter nehmen, ich wollte mir die von Nürnberg wohl gerecht machen, und wenn ich einen erwischte, der mir nichts zu geben hätte, so wollte ich das Schwert durch ihn stoßen."

Dann haben sie mich und meinen Herrn abermals in die Gelübde genommen und uns den Eid gegeben, in dreien Tagen nichts davon zu sagen, zu deuten, zu winken und kein Zeichen zu geben, daß solches möchte von uns gemerkt werden, und dazu uns gen Brand eil­st ein auf den Obersten (6. Jan. 1521) zu stellen.

Nachdem wir solches hatten schwören müssen, haben sie meinem Herrn das Pferd genommen und sind hinweg geritten.

Wir sind alsdann in das Kloster gen Heilsbrunn gekommen und da übernacht geblieben.

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im.

Zwei Briefe der Oedheimerin.

Folgt hernach, welcher Maßen Johann Graf, Ge- richtsfchreiber, durch Agatha Oedheimerin und Helena, ihre Tochter, sich zum Brandenstein zu gestellen, gemahnt worden, durch Stephan Seusinger, so zum Brandenstein gefangen gelegen, dem Graf zugebracht und beantwortet am Donnerstag nach Sebastians den 24. Jänner Anno 1521.

Grund. Darum werdet Ihr auch sehen, was Euch Euer Schwager Jozg Ayd auch schreibt, und wo Ihr ihm Gutes gönnt, so helft ihm, daß ihm die Schätzung auf schleunigste zu Theil werde. Wahrlich! es wird ihm sonst eine Hand abgelöst und er darnach heimgeschickt, denn Ihr könnt wohl daraus abnehmen, daß ich die Sache nicht allein in Gewalt habe. Ich hab' Euch dessen nicht verhalten wollen, dem Armen zu Gut Euch darnach zu richten, denn je länger er gefangen liegt, desto mehr geht darauf. , - .

Gegeben am Pfingsttag im XXI. Jahr.

Agatha Oedheimerin, Wittfrau und Helena, ihre Tochter.

Gebt diesen Boten das, Botenlohn, er (b. i. der Ge­fangene) muß es doch hernach bezahlen.

Dem würdigen Herrn Jörgen, Pfarrer zu Sumerhausen,

zu Händen.

Zwei Briefe von Gefangenen, V

Folgt nun hernach ein Brief Stephan Seustugers deS Jüngeren, eines Bürgers Sohn hie, in der Froschau, auch Stephan Seusinger genannt, so zum Brandenstein in Mangold von Ebersteins und der Oedheimerin Hand gefangen gelegen, daselbst um 70 Gulden geschätzt, bei« halben an seinen Vater geschrieben.

Meinen ganz willigen und untertänigen Dienst und kindliche Treue zuvoran!

Mein herzlieber Vater und auch liebe Mutter, wenn es Euch beide» und all meinen Geschwistern wohl gierige, das hört' ich allzeit gern von Euch.sagen. Hexzlieder Vater, ich laß Dich wissen und klage Dir mein großes Herzeleid, darin ich armer Gesell jetzund kommen bin. Mein Herzlieber, Vater, ich klage Dir,' daß'ich kürzlich bin gewesen in Grimmenthal und Hab' wollen ziehen auf Fuld zu und nach Frankfurt und hab mich schicken wollen auf die Fahrt zu dem heiligen Zwölf­boten St. Jaksb und bin unterwegen angegriffen und gefangen um derer von Nürnberg wegen einer Frau halben und ihrer Tochter, mit Namen Agatha und Helena Oedheimerin, und liege allhier auf einem Schloß gen B r a u denstein in großer, schwerer Gefängniß, mit Händen und Füßen' eingeschlossen und oft schwer angezogen Um große Schätzung und bin geschätzt um 70 Gulden.

© Herzlieber Vater, ich bitt, Du wollest väterliche Treue nicht au mir vergessen und mir zu Hilfe kommen in meinen großen.Nöthen, daß. solche Schätzung für mich erlegt und gegeben werde. Denn ich weiß sonst keine andere Hilfe oder Zuflucht als zu Dir. Darum bitt' ich Dich, mein Herzlieber Vater, innig um Gottes willen, Du wollest mir armen Gesellen mit solchem Gelde zu Hilfe kommen, daß ich solch schwerer Gefäng­niß ledig werde, da ich schwer und hart gefangen liege nud große Atzung und Kost auf mich gehl, allt Woche 1 Gulden.

O mein Herzlieber Vater und auch meine Herzliebe Mutter, ich bitt' Euch beide um Gottes willen nchd de» heiligen Zwölfboten St. Jakobs, Ihr wollet mich jetzünd nicht verlassen in meinen großen Nöthen und Leiden, das ich jetzund hab', Ihr wollet mir zu Hilfe kommen mit diesem Geld und solch Geld für mich geben, daß ich aus solcher schwerer Gefängniß erlöst werde.- Ich will auch hinten»ach alles Deines Guts nicht mehr heischen noch begehren im Leben oder im Tod,

Mein Herzlieber Vater, laß Dich erbarme» mein großes Leiden und Angst darinnen ich jetzund bin. Auch bitt ich Dich, mein lieber Vater, ist meiner Brüder einer daheim, so bitt' ich sie, daß sie mir auch wollen zu Steuer und Hilfe kommen um brüderlicher Treue willen, daß ich aus dieser schweren und betrübten Ge­fängniß los werde. Hilft mir Gott und mit Deiner Hilfe, so will ich arbeiten, daß mir das Blut ausgeht, und will Euch alles redlich bezahlen.

O mein Herzlieber Vater, ich bitt' Dich innig um Gottes willen, Du wollest mich in diesen meinen großen Nöthen nicht lassen.

Damit seid Gott befohlen!

Gegeben am Jahresabend. /

(Nachschrift.) Auch bitt ich Dich, mein-herzlicher Vater, inniglich um Gottes willen, Du wollest mich, mit solcher Schätzung nicht lange aufhalten, daß ich aus solcher schwerer und betrübter Gefängniß los werde, und aufs erste antworten gen Brandenstein. Das bitt' ich Dich inniglich um Gottes willen, Du wollest väter­liche Treue an mir nicht vergessen.